Von Bullshit-Jobs und Weltverbesserern

In der Kategorie „Technology Review“ berichtet Nils Boeing bei Heise Online über den Anthropologen David Graeber.

Anthropologe: „Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist.“

Mit dieser steilen Behauptung macht der Artikel auf. Um die Aussage prüfen zu können wird ein Bewertungskriterium für „nützlich“ benötigt. Weder in der Überschrift noch im Rest des Artikels wird ein solches Bewertungskriterium angeboten. Damit ist diese Aussage so provokant wie nutzlos.

Diese Aussage ist nichts weiter als ein moralinsaures Totschlagargument, deshalb werde ich sie auseinander nehmen und widerlegen. Das ist wichtig, weil es ein typisches Pseudo-Gerechtigkeitsargument ist, das auf den ersten Blick emotional verfängt, sich bei genauerem Hinsehen aber als totalitär und ungerecht herausstellt.

Denn wie bewertet man die Nützlichkeit von Jobs? Ist ein Feuerwehrmann nützlich wenn ein Haus brennt? Ist er auch nützlich wenn er Bereitschaft hat, aber nichts brennt? Ist ein Pfarrer nützlich? Während er eine Predigt hält? Ist er nützlich, wenn sich jemand mit Selbstmordgedanken an ihn wendet?

Ist ein Streetworker nützlich? Ist er nützlich wenn er versucht Gewalttäter auf den rechten Weg zurückzuholen? Ist er nützlich, wenn ihm das bei einem Gewalttäter pro Monat gelingt?

Die Beispiele zeigen, worauf „nützlich“ letztlich hinausläuft: Auf den Wert, den andere einer Arbeit beimessen.

Der Streetworker verhindert zukünftige Opfer. Man könnte sagen, dass er damit „nützlich“ ist. Aber das ist für eine Bewertung noch nicht ausreichend: Es geht auch um den Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.

Denn ein Polizist verhindert mit seiner Tätigkeit ebenfalls zukünftige Opfer. Wie viele Gewalttaten verhindert der Polizist? Zu welchen Kosten?

Bürger könnten durch Verhaltensänderungen auch besonders von Gewalt betroffene Bereiche zu vermeiden. Was ist es den Bürgern wert, ihr Verhalten nicht umstellen zu müssen?

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Warum Konservative die Vernichtung der Existenz politischer Gegner legitim finden

SZ-ONLINE berichtet über eine Hetzkampagne gegen ein Unternehmerehepaar. Es werden Handzettel verteilt, die auf den ersten Blick wie Werbung für das Bestattungsunternehmen des Paares aussehen und geschickt einen Zusammenhang zwischen dem Unternehmen und dem außerberuflichen Engagement des Ehepaars herstellen:

Beruf und Berufung

Ihre Aufträge geben uns die materielle Basis für unseren Kampf gegen die vielen Nazis und Rassisten in Dresden und Sachsen!

… für den europäischen Einheitsstaat, der allen Geflüchteten eine Heimat und Versorgung bietet!

… für den kompromisslosen Kampf der Jugend gegen alte, weiße Männer, gegen die Polizei und den nach rechts abdriftenden Staat.

Noch lieber tragen wir Deutschland zu Grabe!

Dazu sind die Unternehmer abgebildet, offensichtlich als Teilnehmer einer Demonstration.

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Herrschaft des Mobs: Die leichtfertig über Bord geworfene Unschuldsvermutung [Nachtrag]

Brett Kavanaugh wurde zum Richter am obersten Gericht der USA ernannt. Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, blieben auch nach der Untersuchung durch das FBI unbewiesen.

Ich möchte mir kaum vorstellen, was Kavanaugh und seine Familie in den letzten Tagen durchgemacht haben. Wie wehrt man sich gegen den Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren, bei dem das Opfer sich weder an den Ort noch an den Tag erinnert? Wie belegt man seine Unschuld, wenn die Schilderung der Begebenheit variiert?

Die Antwort ist einfach: Der Beschuldigte muss es nicht beweisen. Die Unschuldsvermutung ist eine der größten Errungenschaften der Moderne. Sie ist ein wesentliches Merkmal, das den Rechtsstaat von Willkürherrschaft unterscheidet.

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Wie das Vertrauen und der Zusammenhalt einer Gesellschaft zerstört wird

Eine Schulklasse nutzt in einem Messenger (WhatApp oder ähnlich) eine eigene Gruppe. Ein Mitschüler fordert, dass die Kommunikation in der Gruppe in deutscher Sprache erfolgen soll. Dafür wird er verprügelt.

Man kann mit dem Beispiel dieser Messenger-Gruppe ein Gedankenexperiment durchführen: Zunächst ist die gesamte Klasse in einem Chat und machmal unterhalten sich Mitglieder in einer anderen Sprache.

Diese Personen nehmen sich damit selbst aus der Gruppe heraus, denn die anderen verstehen sie nicht. Unterschiedliche Sprachen wirken abgrenzend.

Es wirkt nicht nur auf die Nutzer der anderen Sprache, sondern auch auf die deutsch schreibenden Gruppenteilnehmer. Die fragen sich natürlich, warum manche Teilnehmer die Sprache wechseln. Machen sie sich über andere lustig? Beleidigen sie andere? Wenn es öffentlich ist, warum wechseln sie dann die Sprache?

Unterschiedliche Sprachen säen Misstrauen, selbst wenn gar keine negative Intention vorliegt.

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Wie findet man seine Traumfrau?

Die Frage, wie man seine Traumfrau findet, hat ganz unterschiedliche Aspekte:

  • Wo kann man seine Traumfrau treffen?
  • Wie kann man seine Traumfrau kennenlernen?
  • Woran erkenne ich, dass eine Frau meine Traumfrau ist?
  • Was muss man tun, um die Traumfrau als Partner zu gewinnen?

Zunächst möchte ich aber grundsätzlich beginnen: Warum benötigt Mann überhaupt eine (Traum-) Frau?

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Zuschauererziehung: Wird „The Big Bang Theory“ durch Drogen erst schön?

Torsten Kleinz regt sich bei Heise Online über die Fernsehserie „The Big Bang Theorie“ auf, die für ihn eine“ intellektuelle Beleidigung“ ist. Anlass ist die Einstellung der Sendung nach der nächsten Staffel.

Laut Entertainment Weekly war es Hauptdarsteller Jim Parsons, der selbst für eine Gage von 50 Millionen US-Dollar nicht mehr bereit war, zwei weitere Jahre den Wissenschaftler Sheldon Cooper zu spielen, der auf dem emotionalen Level eines 13jährigen Jungen hängengeblieben ist. Dafür ist Parsons zu danken.

Offensichtlich ist die Serie ein kommerzieller Erfolg und die Produzenten sehen eine erfolgreiche Zukunft – sonst würden sie wohl dem Hauptdarsteller wohl kaum einen solchen Betrag bieten. Schon diese Tatsache zeigt, dass Torsten Kleinz mit seiner Einschätzung nur für sich selbst, nicht aber für die Fans der Serie spricht.

Gänzlich unverständlich ist mir folgende Kritik des Autoren:

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Grönemeyer will die Mehrheit der Deutschen vor Gericht stellen

Herbert Grönemeyer trat am Freitag als Überraschungsgast bei einem Musikfestival in Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) auf.

Musiker Herbert Grönemeyer hat nach eigenen Worten in 62 Jahren noch keine Zeit erlebt, in der laut zu sein so wichtig war. „Das Land ist nervös, die Zeiten sind nervös, und wir müssen lernen, Haltung zu zeigen, den Mund aufzumachen und laut zu werden, richtig laut zu werden, damit die rechte Szene merkt: Das ist hier nicht gewollt“, sagte Grönemeyer am Freitagabend als Überraschungsgast des Musikfestivals in Jamel.

Da haben sicher alle gejubelt, die da „gegen rechts“ versammelt waren. Ganz im Sinne von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die auf der Bühne davon sprach, in den letzten Jahren seien „die, die auf Hass und Hetze setzen, lauter geworden“. „Und das sollten wir nicht zulassen.“

Grönemeyer und Schwesig forcieren eine bedenkliche Art der Auseinandersetzung. Es geht darum Haltung zu zeigen, sich abzugrenzen, Andersdenkende laut zu übertönen. Diese demonstrative Ausgrenzung legitimieren sie durch Verhalten und Eigenschaften, die sie anderen zuschreiben: Die anderen, das sind die, die Hass und Hetze verbreiten.

Das ist kein Versuch, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Das ist der Versuch einen Keil zwischen die eigenen Anhänger und die anderen, in diesem Fall „die Rechten“, zu treiben.

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