Die multiethnische Gesellschaft, ein einzigartiges Experiment am lebenden Organismus

Für Sueddeutsche.de führte Sebastian Gierke ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Yascha Mounk.

SZ: Amerika ist keine Demokratie. Das steht über einem von Ihnen geschriebenen Artikel im Magazin Atlantic. Ist das nicht übertrieben? Die demokratischen Institutionen, die Gerichte zum Beispiel, erweisen sich doch auch unter Trump als sehr stabil.

Für Sebastian Gierke scheint alles demokratisch zu sein, was „unter Trump“ stabil ist.

Dabei sind Gerichte gerade nicht demokratisch. Sie sind Institutionen des Rechtsstaates, und wenn Trump mit seinen Initiativen an Gerichten scheitert, zeigt das doch gerade, dass sich auch ein demokratisch legitimierter Präsident demokratisch nicht legitimierten Gerichten beugen muss. Es ist rechtsstaatlich, aber nicht demokratisch.

Yascha Mounk: […] Die Rolle des Geldes in der Politik wird immer größer. Lobbyisten haben immer mehr Einfluss auf die Politik. Und die Politiker sind Teil einer Elite, die vom Großteil der Menschen relativ abgeschottet lebt.

Yascha Mounk, der das auf die USA und Deutschland bezieht, zeichnet ein undemokratisches Bild der aktuellen Politik und benennt drei kritische Punkte: Die zunehmende Rolle des Geldes, der Einfluss von Lobbyisten und die Politiker, die Teil einer abgeschotteten Elite sind.

Wichtig ist für mich folgende Feststellung: Die Ursache des Einflusses von Geld und Lobbyisten und Politiker, die Teil einer abgeschotteten Elite sind, ist nicht die Struktur der demokratischen Institutionen. Die von Mounk benannten kritischen Punkte sind vielmehr direkte Folge der Handlungen der aktuellen Politiker und ihrer Parteien.

Auf diesen Teil der Aussage geht Sebastian Gierke leider nicht ein, dabei ist das ein ganz zentraler Punkt.

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Jammerfrau: Ich bin die Beste – der Kollege ein Schwachkopf

Zeit Online ist zum unerschöpflichen Reservoir von Jammerfrauenartikeln geworden. Heute berichtet Michèle Loetzner.

Mitte der Nullerjahre, ich war zum ersten Mal festangestellt als Redakteurin und verdiente 2.000 Euro brutto. Nach Ablauf der Probezeit von sechs Monaten wurden daraus 2.200 Euro. […]

Mein Kollege Moritz*, der kurz vor mir eingestellt wurde, verdiente 3.500 Euro brutto, unbefristet.

Vermutlich soll diese vorgebliche Ungerechtigkeit dazu dienen, den Leser in die richtige Stimmung zu versetzen. Damit argumentiert es sich im weiteren Artikel natürlich leichter.

Aber in Wirklichkeit sagt dieser Abschnitt nur sehr wenig aus: Handelt es sich um vergleichbare Positionen im gleichen Fachgebiet? Tragen beide die gleiche Verantwortung?

Häufig gibt es Unterschiede in dem was Mitarbeiter leisten oder was von ihnen erwartet wird. Egal ob das formal in der Stellenbeschreibung festgelegt ist oder informell so gelebt wird.

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Eine Frau belegt, dass weibliche Eigenschaften toxisch sind

Caroline Rosales berichtet bei zeit.de über die Missgunst unter Frauen.

Frauen stellen sich gegenseitig Fallen und sind unfähig, Allianzen und Netzwerke zu schmieden.

Es ist ein vernichtendes Urteil über Frauen, das Caroline Rosales fällt.

Eine Bildunterschrift im Artikel lautet:

Wenn Frauen einander bekämpfen, ist das an Grausamkeit oft kaum zu überbieten.

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Eine Jammerfrau ist von Sexisten umgeben

Bei zeit.de widmet sich Sophie Atkinson dem Thema Sexismus am Arbeitsplatz. Im Artikel berichtet sie von Vorkommnissen, die sie mit Sexismus erklärt.

Ich arbeitete als Texterin für insgesamt über ein Dutzend Unternehmen und Agenturen, manchmal als Festangestellte, manchmal als Freiberuflerin, die tageweise gebucht wurde.

Mir ist schon oft aufgefallen, dass ich Berichte über sexuelle Belästigungen nicht nachvollziehen kann. Oft halte ich bestimmte Vorkommnisse schlicht nicht für Sexismus oder sehe Sexismus zumindest nicht als erwiesen an. Eine nicht sexuell intendierte Berührung am Arm ist für mich keine sexuelle Belästigung.

Aber, und darum geht es mir hier, oft kann ich nicht nachvollziehen, dass echte sexuelle Übergriffe in dieser Offenheit und Häufigkeit passieren sollen und daraus kein Skandal erwächst.

So geht es mir auch mit dem aktuellen Hollywood-Skandal um Harvey Weinstein: In der Film- und Medienbranche, die allen anderen erklärt, was für schreckliche Sexisten sie sind, sind, so scheint es, unglaublich sexistische Praktiken üblich und ein offenes Geheimnis.

Wer es wissen wollte, konnte es schon immer wissen. Franka Potente berichtete schon 2006 davon, dass es in Hollywood nur um Fuckability geht. Alle die jetzt so tun als wäre das ein neues Phänomen sind Heuchler.

Bei mir verfestigt sich der Eindruck, dass diejenigen, die anderen Sexismus vorwerfen, dies aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen in ihrer Umgebung tun. Und dass die anderen – wie ich – das nicht nachvollziehen können, weil es in ihrer Umgebung nicht vorkommt.

Es verfestigt sich auch der Eindruck, dass es eher „liberale“ Branchen wie Film, Fernsehen und Presse sind, in denen Sexismus in einer Form praktiziert wird, der in anderen Branchen undenkbar ist. „Liberal“ meine ich hier im US-amerikanischen Sinne – die politische Einstellung deutscher Medienschaffender ist vornehmlich links geprägt.

Kommentator rano64 hat hier im Blog festgestellt, dass solche Zustände in seiner Branche (Finanzwesen) nicht vorstellbar wären.

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Quotenfrauen finden Frauenquoten sexistisch

Die Huffington Post berichtet über Sexismus in Parteien. Autor Lennart Pfahler startet zunächst mit Zitaten von Frauen, die angeben, Opfer von Sexismus geworden zu sein.

“Man wird nicht in Ruhe gelassen, man sagt Nein, man sagt, man will das nicht. Aber die Kommentare hören nicht auf. …“

Solche offensichtlichen Grenzüberschreitungen werden gemeinsam mit differenzierten Aussagen zu „Sexismus“ vermischt.

“Es sind die Momente, in denen man als junge Frau von Männern, die locker die eigenen Väter sein könnten, gefragt wird, ob man ihnen nicht zeigen könnte, wo das nächste Hotel sei. Es sind aber auch die Momente, in denen einem nahegelegt wird, ob man nicht dieses oder jenes Amt übernehmen könnte, da man ja auch eine Frau bräuchte.”

Quotenfrauen finden Frauenquoten sexistisch.

Sie empfinden es als Sexismus, wenn eine Frau gebeten wird ein Amt zu übernehmen, weil sie eine Frau ist.

Hier gebe ich ihnen Recht. Aber was bedeutet diese Aufforderung eigentlich? Mir fallen zwei mögliche Erklärungen ein: Weiterlesen „Quotenfrauen finden Frauenquoten sexistisch“

Warum Rhetorik gegen Wohlhabende schädlich ist

Spiegel Online berichtet über ein großes Problem: 45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.

Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt, das sagen offizielle Statistiken. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung diese Statistiken ergänzt: Demnach ist die Ungleichheit weit extremer.

Das Vermögen ist ungleich verteilt. Das ist zunächst mal nur eine Zustandsbeschreibung.

Wer profitiert auf lange Sicht von Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinnen – die ganze Gesellschaft oder nur einige wenige?

Schaue ich mir die Entwicklung des Wohlstandes in den letzten 30, 40, 50, 70 Jahren an würde ich sagen: Unabhängig von der Verteilung haben auf lange Sicht alle von Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinnen profitiert.

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Alles Nazis außer Mutti – Wie der rbb in Cottbus freidreht

Journalisten scheinen nur sehr schwer mit Kritik umgehen zu können. Nach einem Artikel beim Tagesspiegel bin ich auf einen weiteren Bericht über die Journalistenkritik auf der Demonstration in Cottbus am letzten Wochenende gestoßen.

Der Umgang mit Kritik ist in anderen Branchen eine ganz normale Sache, mit der konstruktiv umgegangen wird.

Journalisten hingegen nutzen ihre Publikationsmöglichkeiten für eine jammernde journalistische Nabelschau. Sie scheinen davon überzeugt, dass es kaum wichtigeres als Journalisten gibt.

Als Kommentar kommt der Artikel von Torsten Mandalka beim rbb daher:

Bedrohung von rbb-Mitarbeitern in Cottbus

Aufstachelung zum Medienhass

Hier offenbart sich bereits der erste rhetorische Trick: Einerseits ist man empört, dass rbb-Mitarbeiter bedroht worden sind. Anderseits möchte man die konkrete Kritik der Demonstranten am rbb als Hass auf alle Journalisten umdeuten.

Indem man sich in der Masse aller Medien versteckt, muss man nicht mehr auf die konkrete Kritik eingehen.

Ehrlich geht anders.

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