Eine feministische Gesellschaft wäre pleite

Vor einiger Zeit habe ich einen Gastartikel bei Geschlechterallerlei geschrieben. Dort kommentierte dann eine Person namens „sharkathotep“. Obwohl ich ihren Stil sehr unsachlich empfand habe ich einmal geantwortet. Auf ihre nächste unsachliche Antwort habe ich dann nichts mehr gegeben.

Als ich mir jetzt noch einmal die Kommentare angeschaut habe, sind mir sharkathoteps Kommentare wieder aufgefallen. Ich kenne sie nicht, glaube aber, dass sie eine Feministin ist. Siehe Kommentare bei Onyx.

In ihren Kommentaren ist mir aufgefallen, dass sie es als selbstverständlich annimmt, dass gesellschaftliche Leistungsträger immerfort, freiwillig und gern Leistungen erbringen. Ich zitiere jeweils Ausschnitte aus den Kommentaren.

Siggi: Aber stellt sich nicht auch die Frage, warum das so ist? Sind diese Leute zufällig auf gut bezahlten Posten? Oder hat es (auch) etwas mit ihrer persönlichen Leistung, ihren persönlichen Entscheidungen und den Opfern die sie erbringen zu tun?

sharkathotep: Es hat etwas damit zu tun, dass sie es sich leisten können, auf solchen Posten zu sein, weil sie jemanden haben, der ihnen den Rücken freihält. Der ihre Kinder (mit)betreut. Der sich um die Sachen kümmert, um die sie sich nicht selber kümmern können, aus Zeitgründen. Und damit, dass sie gefördert werden.

In sharkathoteps Welt wird dem Leistungsträger seine Leistung gar nicht mehr zugerechnet. Der Bauarbeiter, der wochenlang auf Montage ist um seine Familie zu ernähren, der Manager, der seinen arbeitsintensiven Karriereweg auch deshalb beschritten hat, damit es seiner Familie einmal besser geht, der Single, der sich für den schwierigen technischen statt sozialen Beruf entschieden hat, damit er mehr Geld verdient – in sharkathoteps Welt verdanken sie ihre Stellung nur ihrer Frau, weil sie ihnen den Rücken freihält.

Dabei ist es genau anders herum: Vaterschaft und Familie scheinen für Männer ein erheblicher Anreiz zu sein, mehr zu leisten, das sieht man deutlich in der Entwicklung der Wochenarbeitszeit (Tabelle 2 auf Seite 9): Ein Mann ohne Kind arbeitet im Schnitt 30 Stunden, ein Vater mehr als 37 Stunden. Das sind mehr als 24 Prozent mehr. Jede Woche.

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Cassie Jaye: The Red Pill

Ich habe mir den hochgelobten und stark kritisierten Film „The Red Pill“ angeschaut.

Gleich vorweg: Für eine Dokumentation finde ich den Film zu emotional. Mich stört auch, dass Cassie Jaye sich selbst so stark in den Mittelpunkt rückt.

Gleichzeitig halte ich diese Schwächen für die größte Stärke des Films. Cassie Jaye ist eine gut aussehende junge Frau – sie taugt als Identifikationsfigur. Ihre emotionale Nabelschau kann Menschen wahrscheinlich dazu bringen, sich in ihre Lage zu versetzen und ihrem Erkenntnisprozess zu folgen.

Im Wesentlichen macht der Film auf bekannte Fakten aufmerksam. Durch die emotionale Darstellung werden diese wirkmächtig transportiert. So wird beispielsweise die Beschneidung eines Säuglings dargestellt, indem ein medizinisches Schulungsvideo gezeigt wird. Gezeigt wird auch die fassungslos weinende Autorin, die dieses Schulungsvideo anschaut. Man hört das verzweifelt schreiende Kind.

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Unangebrachtes Balzverhalten in professioneller Umgebung

Über Alles Evolution bin ich auf einen Twitter-Beitrag aufmerksam geworden:

Hatte bei einem Event dieses Kostüm + genervtes Gesicht. Wurde von einem CEO gefragt, wann man mich im Playboy sehen kann. Wie reagiert man?

Dazu ein Foto von ihr in einem Kostüm mit kniefreiem Kleid, geschminktem Gesicht, rot geschminktem Schmollmund und Ohrringen.

Im Laufe der Twitter-Konversation – in der ihr fast nur Männer seelischen Beistand leisten – kommt als Information noch hinzu, dass besagter CEO „ziemlich betrunken“ war.

Also, auf einer Veranstaltung im professionellen Kontext wurde sie vor anderen von einem betrunkenem Teilnehmer gefragt, wann sie im Playboy zu sehen sein wird.

Alice Greschkow findet dieses Balzverhalten offensichtlich unangebracht. Ich hatte sie auf Twitter gefragt:

Wie viele Männer in kurzen Hosen waren denn auf dem Event?

Leider habe ich keine Antwort bekommen. Schade. Denn in einer professionellen Umgebung erwarte ich keine Männer in kurzen Hosen. Weiterlesen „Unangebrachtes Balzverhalten in professioneller Umgebung“

Wie Lila Pudel kläffen

Kann sich jemand vorstellen, innerhalb von einem Jahr eine komplette Gehirnwäsche verpasst zu bekommen?

Nimm einen ambitionierten Jungen vom Dorf, versetze ihn in eine Großstadt und umgib ihn privat und beruflich mit Anhängern einer heilsversprechenden Ideologie. Heraus kommt ein gnadenloser Opportunist, dessen Radikalität umgekehrt proportional zur Dauer seines Meinungsänderungsprozesses ist.

Till Eckert schreibt auf ze.tt:

Ich bin ein Mann und hatte keine Ahnung vom modernen Feminismus. Erst als ich verstanden habe, dass er alternativlos ist, stellte ich die richtigen Fragen.

Das ist mehr als nur peinlich. Das ist in Gänze lesenswert. Der Artikel zeigt was die Anpassung an eine Ideologie und das Gefühl, auf der Seite des moralisch Guten zu stehen, mit Menschen macht. Er ist interessant und erschreckend zugleich. Ich hoffe dass solche Menschen nie die Macht haben, über das Leben anderer zu bestimmen. Denn so wie Till Eckert den „modernen Feminismus“ als „alternativlos“ vertritt, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Weiterlesen „Wie Lila Pudel kläffen“

Jammerfrau: Ich will mit den Großen spielen, halte aber die Reaktion nicht aus

Es ist mal wieder Jammerfrauenzeit. Endlich ergibt der Zeitungsname „Zeit“ für mich einen Sinn.

Zu Ostern postete der Unterwäschehersteller Palmers ein Foto auf Facebook. Sechs Frauen liegen auf einem Teppich, dazu der Spruch: „Unsere Osterhöschen“. Vielen gefiel diese Art der Werbung nicht. Die österreichische Fernsehmoderatorin Corinna Milborn fühlte sich gar an Szenen aus dem Menschenhändler-Milieu erinnert und kritisierte das. Die Folge: Sie wurde daraufhin öffentlich sexistisch beleidigt von Felix Baumgartner, der einst für Red Bull aus dem All auf die Erde sprang. Als Reaktionen auf diesen Angriff postete Corinna Milborn ein Video und lud ihn in ihre Talk-Sendung ein. Ihre Botschaft wurde hunderttausendfach angesehen.

Wie in den meisten Jammerfrauenartikeln wird zunächst der Rahmen so abgesteckt, dass andere Schuld auf sich geladen haben. Opfer ist diesmal die österreichische Fernsehmoderatorin Namens Corinna Milborn. Weiterlesen „Jammerfrau: Ich will mit den Großen spielen, halte aber die Reaktion nicht aus“

Neues über Vollzeitstellen für Gleichstellungsbeauftragte

Ich hatte hier über Vernetzung und Lobbyarbeit von Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Stormarn berichtet. Der Stadtrat von Ahrensburg hat der Halbierung der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten zugestimmt, obwohl der SPD-Bürgermeister bereits vor der Abstimmung eingeknickt war.

„Die Gleichstellungsbeauftragte hat die Aufgabe, innerhalb der Verwaltung zu wirken“, meinte Thomas Bellizzi (FDP), „so wie Frau Fricke die Stelle darüber hinaus gelebt hat, ist die Gleichstellungsbeauftragte nicht mehr notwendig, sie hat sich ausgelebt.“

Demgegenüber plädierten SPD und Grüne in Ahrensburg vehement dafür, die bisherige Vollzeitstelle beizubehalten. „Es ist zynisch und eine Frechheit, die erfolgreiche Arbeit von Frau Fricke gegen die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten zu verwenden“, sagte Hartmut Möller (SPD). „Das Ziel der Gleichstellung von Frauen ist eine Vollzeitstelle Wert“, sagte Christian Schmidt (Grüne). Eine Gleichstellungsbeauftragte hätte weiterhin viele und auch neue Aufgaben.

Das ist von SPD und Grünen nicht anders zu erwarten, dennoch erstaunt die Anzahl der inhaltlichen Argumente: Null. Weiterlesen „Neues über Vollzeitstellen für Gleichstellungsbeauftragte“