Die immer neuen Forderungen Alleinerziehender nach Unterstützung

Ach ja, die Jammerfrauen. Auf einem privaten Blog habe ich eine Beschwerde darüber gelesen, dass andere Frauen sich mit falschen Opferfedern schmücken, weil sie sich als Alleinerziehend bezeichnen, obwohl sie das gar nicht sind.

Schließlich endet die Geschichte in der Forderung nach weiteren sozialen Wohltaten für die alleinerziehenden Helden des Alltags.

„Mein Mann arbeitet Vollzeit, ich bin ja den ganzen Tag quasi auch alleinerziehend.“ Ich hab gar nicht so viele Fäuste, wie ich hauen will.

— dIE kEMP (@dIE_kEMP) 7. September 2017

„Alleinerziehend“ ist aber kein Wort, dass man einfach so wörtlich nehmen kann, alleinerziehend ist ein gesellschaftlich und politisch mehr oder weniger definierter Status.

Wir lernen: Alleinerziehend ist definiert, Abstufungen gibt es nicht.

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Plusminus: Es muss noch mehr an Alleinerziehende transferiert werden und Männer sind sowieso schlecht

Sigrid Born und Nicole Wirth haben einen Propagandabeitrag bei Plusminus veröffentlicht. Das beginnt schon beim Titel des Beitrags:

Alleinerziehende in der Armutsfalle – Grundsicherung für Kinder gefordert

Eine Falle, also eine List oder ein Trick, von anderen aufgestellt, trifft arglose, passive Opfer.

Damit ist der Rahmen des Artikels gesetzt. Alleinerziehende sind unschuldige Opfer.

– 2,3 Millionen Kinder wachsen bei Alleinerziehenden auf. Armutsrisiko: 44 Prozent

Mir scheint, als wären Alleinerziehende oft keine gute Umgebung für Kinder.

– Drei Viertel dieser Kinder bekommen wenig oder gar keinen Unterhalt vom anderen Elternteil

… und in diesem Fall springt die Gemeinschaft mit Unterhaltsvorschuss ein. Diese Information hat wohl nicht in den Rahmen des Artikels gepasst.

– 13 Wochen Ferienbetreuung von Alleinerziehenden nicht abzudecken

Während das für Familien mit zwei Elternteilen wohl gar kein Problem ist? Stellen sich Sigrid Born und Nicole Wirth das Familienleben so vor, dass die Eltern ihren Urlaub getrennt nehmen um die Ferienbetreuung zu übernehmen?

Im Artikel darf Anja L. über ihre Situation jammern:

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Eine Jammerfrau der anderen Art: Im Kriegsgebiet ist es so beschissen wie alle gesagt haben

Eine Jammerfrau schließt sich dem IS an. Vor drei Jahren ging sie nach Syrien. Seit vier Monaten ist sie inhaftiert in einem Internierungslager. Wenn die Konsequenzen ihrer Entscheidungen eintreten, sollen sich andere kümmern, damit alles wieder in Ordnung kommt.

Wolfgang Bauer schreibt auf Zeit-Online:

Nadja Ramadan ging nach Syrien und schloss sich dem IS an. Jetzt appelliert sie in einer Videobotschaft an die Kanzlerin, sie nach Deutschland zurückzuholen.

Die junge Frau sitzt auf dem Betonboden ihrer Zelle, hält einen Säugling in den Armen, und beteuert, dass sie nicht gefährlich sei. „Ich tue niemanden etwas. Ich bin keine Terroristin. Vor mir braucht man keine Angst zu haben.“

Sie ist im bayrischen Landshut geboren, hat drei Kinder aus erster Ehe im baden-württembergischen Weinheim […]

Nadja Ramadan, 31, hatte sich vor drei Jahren dem „Islamischen Staat“ (IS) angeschlossen.

Nadja Ramadan war in Deutschland verheiratet und hatte drei Kinder. Mit 28 Jahren entschließt sie sich, für ihre Überzeugungen in ein Kriegsgebiet zu ziehen. Sie war eine erwachsene Frau.

„Ich gehe hier ganz kaputt“, sagt sie.

Das glaube ich gern. Schließlich steht sie jetzt auf der Verliererseite und sitzt jetzt in einem Internierungslager.

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Jammerfrau: Kaum strenge ich mich nicht mehr an, bin ich nichts Besonderes mehr

Focus-Online ist erstaunt, dass die Fitness-Bloggerin Sophie Gray Fans verliert, weil sie aufhört über ihre Fitness zu bloggen. Der Titel lautet

Bloggerin entsagt mit ehrlichem Post dem Fitness-Wahn

Entsagen bedeutet Verzicht. Normalerweise verzichtet man auf schöne Dinge, Dinge bei denen es einem nicht leicht fällt, darauf zu verzichten.

Bei starken Frauen wendet Focus-Online dieses Wort auf sich-nicht-gehen-lassen an.

Gray habe im Laufe der Zeit verstanden, dass sie als junges Mädchen stark mit sich und ihrem Körper haderte, unzufrieden war. Deshalb begann sie, sich einen „perfekten“ Körper zu erarbeiten, wie sie ihren Fans in einem Post schreibt. Diese Veränderung hielt sie auf den sozialen Netzwerken fest und habe viel Zuspruch und Anerkennung erhalten.

Die Fitness-Bloggerin hat sich ihren fitten Körper hart erarbeitet. Fit sein ist schwieriger als nicht-fit sein. Mit ihrer Fitness hebt sie sich von anderen ab, Sophie Gray hat etwas geschafft was nicht jeder schafft.

Für diese Leistung bekam sie Zuspruch und Anerkennung.

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Eine Jammerfrau hat beschlossen unglücklich zu sein

Es ist mal wieder Zeit für einen Jammerfrauenartikel. Diesmal wurde ich bei spiegel.de fündig.

Wie so häufig hat sich auch SPIEGEL-ONLINE-Autorin Lena Greiner die arbeitsreichste Lebensphase einer Frau herausgesucht, die mit kleinen Kindern.

Der Artikel startet mit der Schilderung der Autorin, wie sie den Alltag bei Jammerfrau Theresa erlebt und geht dann übergangslos in die Schilderung des angeblich normalen Tagesablaufes über.

Wir erfahren, dass Theresa 6:10 Uhr aufsteht, ihr Mann gegen 7:00 Uhr das Haus verlässt, die drei größeren Kinder in Schule bzw. Kindergarten gehen und die zweijährige Tochter von Mama betreut wird.

Ab 8:00 Uhr schuftet sich Theresa durch die Hausarbeiten, an drei Tagen in der Woche betreut sie ab 9:00 Uhr vormittags zwei weitere Zweijährige als Tagesmutter.

Nachmittags nach den Hausaufgaben geht Theresa jeden Tag mit allen Kindern bis 18:00 Uhr raus.

Um 18 Uhr sind sie wieder zu Hause, sie bereitet das Abendessen vor, ihr Mann Daniel kommt heim, er bringt die Kleinen ins Bett, sie räumt auf, kocht vielleicht etwas für den nächsten Tag vor.

Wenn es gut läuft, geht sie mit einer befreundeten Nachbarin kurz joggen, wenn es nicht gut läuft, weint sie, vor Erschöpfung und Frust. Ab 21.30 Uhr schaut sie in einen Film rein oder liest etwas – bis sie gegen 22 Uhr völlig fertig einschläft.

Ein Mal pro Woche arbeitet Theresa Nachts in einem Krankenhaus am Empfang.

So sieht der Alltag der Jammerfrau Theresa aus.

Ich bin immer wieder fassungslos, wie fassungslos mache Frauen sind, wenn mal eine Frau den ganzen Tag beschäftigt ist. Willkommen in der Welt der Erwachsenen! Und die liegt näher als man denkt: Ihr Ehemann Daniel ist nach ihrer Aussage typischerweise elf Stunden täglich unterwegs. Weint der auch vor Erschöpfung und Frust? Wie stressig ist sein Job? Hat er während seiner Arbeitszeit die Möglichkeit, mit den eigenen Kindern etwas zu unternehmen? Wann kommt der Spiegel-Artikel über Daniel?

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Jammerfrau erzählt unplausible und lückenhafte Geschichte – stern.de hinterfragt nichts

Über Siggis Verweis auf den Sexismusbeauftragten in einem Artikel bin ich auf diesen Artikel auf stern.de über eine entsorgte Mutter gestoßen. Dort heißt es:

Carolin P., 39 Jahre: Ihr Mann nahm ihr erst die Kinder, dann die Existenz

Da beklagt sich eine Frau, entsorgt worden zu sein – und plötzlich wird das deutsche System von Gewaltschutz, Sorgerechtszusprechung und Unterhaltsverpflichtungen, das häufig zu Lasten von Männern geht, als unmenschlich dargestellt. Der Sexismusbeauftragte hat beleuchtet, dass die Elternteilentsorgung für die Presse erst jetzt interessant wird,

wenn auch immer häufiger mal Mütter damit konfrontiert werden.

Da hat er Recht. Der Sexismusbeauftragte ist aber davon ausgegangen, dass die entsorgte Mutter die Wahrheit sagt.

Nach meinem Dafürhalten stinkt die ganze Geschichte zum Himmel, denn sie basiert ausschließlich auf Aussagen der Frau.

Im Folgenden hören wie die Geschichte einseitig berichtet von Carolin P. Ihr Mann kommt nicht zu Wort.

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Medienversagen: Mit instrumentalisierten Jammerfrauen lässt sich kein Staat machen

In meinem Artikel Jammerfrau: Wir müssen noch mehr Rente an Frauen umverteilen habe ich über eine Frau berichtet, die ihre Rente ungerecht gering findet. Sie wurde von RTL und Spiegel TV eingeladen um bei Angela Merkel zu jammern.

In diesem Artikel möchte ich auf die Rolle der Medien eingehen, die politische Diskussionen mit Einzelschicksalen ersticken und damit den Blick auf das große Ganze verstellen. Praktisch immer sehen sie die einzige Lösung in staatlichen Eingriffen und praktisch nie in Eigeninitiative.

Die „Diskussion“ zwischen Frau Merkel und Lioba Bichl steht exemplarisch für diese gefühlsduselige Pervertierung des Journalismus.

Bundespolitik kann nie auf einzelne Menschen bezogen sein – der Gesetzgeber und die Exekutive sind immer auf alle Menschen ausgerichtet.

Wie kann es also sinnvoll sein, die Zeit der Bundeskanzlerin mit einer einzelnen Person mit ihrem Einzelschicksal zu verschwenden? Zumal Lioba Bichl in keiner Weise repräsentativ für ihre Gruppe ist. Das wird im Artikel deutlich:

Spiegel TV war über den Münchner Verein LichtBlick Seniorenhilfe, der Rentner finanziell und persönlich unterstützt und dem Lioba Bichl viel zu verdanken hat, mit der Rentnerin in Kontakt getreten.

Lioba Bichl wurde gecastet. Sie wurde speziell ausgewählt, weil sie die Gruppe der altersarmen Frauen moralisch überlegen vertreten kann. Sie hat zwei Kinder großgezogen. Und ihr Leben lang gearbeitet. Und sie ist trotzdem arm – zumindest nach den Maßstäben, die RTL anlegt. Damit ist sie moralisch praktisch unangreifbar.

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