Der neue deutsche Krimi: Männer sind entweder toxisch oder würdelose Weicheier

Im Sommerurlaub wollte ich mal wieder Krimis lesen. Ich wollte Spannung und Unterhaltung, ohne großen literarischen Anspruch, politikfrei und vor allem ohne moralische Appelle.

Dazu hatte ich mir vor dem Urlaub aktuelle Hörbücher besorgt. Mir gefiel die Vorstellung ausgedehnter Spaziergänge, während ein Kommissar einen Mörder jagt und ich mitdenken und schlussfolgern kann. So wie als Kind, als ich, fasziniert von der Logik Sherlock Holmes‘, seine Fälle wieder und wieder gelesen habe.

Der neue deutsche Krimi war für mich ein Reinfall auf ganzer Linie.

Gleich auf den ersten Seiten des Kriminalromans „Ostseefeuer“ von Eva Almstädt muss sich die Kommissarin mit einem Kindesvater auseinandersetzen, der ihr das Sorgerecht für das gemeinsame Kind streitig macht. Er wird als richtig fieser Typ dargestellt, der einer guten Mutter ihr Kind wegnehmen will. Das Auftreten dieses Mannes ist spöttisch-aggressiv und, wenn man die Realität deutscher Jugendämter und Gerichte kennt, völlig absurd, während Kommissarin Korittke ruhig, überlegt und vernünftig handelt.

Dennoch wird die junge Mutter durch den Fiesling-Vater eingeschüchtert, was eigentlich nicht zu ihrer gerade eingeführten Figur passt, aber wohl notwendig ist, damit die Autorin ihr eine Opferrolle bei gleichzeitiger moralischer Überlegenheit zuschreiben kann.

Ich musste das Hören abbrechen. Weiterlesen „Der neue deutsche Krimi: Männer sind entweder toxisch oder würdelose Weicheier“

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Sind bald Vergangenheit: Bezahlbare Mieten und guter Journalismus

Spiegel-Online berichtet:

Wohnen wird zum Schuldenrisiko

Die Behauptung in der Überschrift wird bereits durch den ersten Satz des Teasers relativiert:

Teure Mieten und steigende Nebenkosten könnten immer mehr Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten bringen.

Statt „wird“ heißt es nun „könnten“. Wer auf der Hauptseite von Spiegel-Online nur die Überschrift liest, wird falsch informiert.

Schuldnerberater machen Vorschläge, um das Problem zu entschärfen.

Der nächste Widerspruch kommt bereits einen Satz später. Hier wird ein Problem postuliert, für das Lösungen gefunden werden müssen, obwohl unmittelbar vorher eingeräumt wird, dass es nur ein Problem geben „könnte“.

Anschließend berichtet Spiegel-Online, dass hohe Wohnkosten das Risiko von Überschuldungen vergrößern. Das ist keine überraschende Aussage, sondern genau das was ich erwarten würde, wenn die Kosten für Grundbedürfnisse steigen.

Unter anderem verlangen die Schuldnerberater, dass die Vergabe von mietpreisgebundenen, staatlich geförderten Sozialwohnungen nicht mehr von der Vorlage einer Auskunft zur Kreditwürdigkeit abhängig gemacht wird. „Das größte Problem für überschuldete Personen auf dem Wohnungsmarkt ist, dass sie nichts mehr bekommen, sobald sie einen negativen Schufa-Eintrag haben“, sagte Moers.

So schnell geht das: Oben wurde ein Vorschlag angekündigt, der verhindern soll, dass Menschen wegen hoher Wohnkosten in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Tatsächlich wird aber ein Vorschlag gemacht, der Menschen nützt, die bereits überschuldet sind.

Das scheint zwar nur ein kleiner Unterschied zu sein, aber es handelt sich eben um zwei unterschiedliche Gruppen, auch wenn die Übergänge fließend sein können.

Und diese Gruppen haben verschiedene Interessen. Der Vorschlag läuft darauf hinaus, dass Vermieter, die staatlich gefördert wurden, keine Risikoprüfung mehr vornehmen dürfen.

Diese Maßnahme vergrößert also das Ausfallrisiko für diese Vermieter und erhöht damit deren Kosten und den Preis oder, falls sie das Risiko aufgrund der Bedingungen der staatlichen Förderung nicht weitergeben dürfen, verringert die Attraktivität Sozialwohnungen zu bauen und reduziert damit das Angebot für entsprechende Mieter.

Beide Auswirkungen sind nicht im Interesse der Gruppe der nicht überschuldeten Menschen.

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Ich stieß auf Bullshit: Die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung [Nachtrag 1, Nachtrag 2]

Die von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebene Studie „VERLORENE MITTE – FEINDSELIGE ZUSTÄNDE“ wurde in den letzten Tagen in der Presse ausgiebig behandelt. Untertitel: „Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19“.

„Äußerst alarmierend“, hieß es bei Spiegel Online über die Reaktionen aus SPD, Linken und Grünen, auch andere Politiker warnten vor der Gefahr durch Extremismus und Rechtspopulismus.

Ich bin bei solchen Studien – anders als noch vor fünf Jahren – misstrauisch. Ich sah mir ein Kriterium für von der Studie untersuchte Menschenfeindlichkeit – die „Abwertung asylsuchender Menschen“ – näher an.

Ich stieß auf Bullshit. Weiterlesen „Ich stieß auf Bullshit: Die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung [Nachtrag 1, Nachtrag 2]“

…und jede Menge dummer Gutmenschen im Publikum

Es gibt so Tage, da reicht es mir. Da frage ich mich, ob die ganze Welt verrückt geworden ist – oder ich, so wie der Autofahrer, der im Radio von einem Geisterfahrer hört und sagt: „Ein Geisterfahrer? Hunderte!“

Um es vorwegzunehmen: Heute ist so ein Tag. Und ich rege mich auf in diesem Blogartikel. Weil ich die Schnauze voll habe.

Über die Klimawandel-Streiks und das damit verbundene Schulschwänzen diskutierten die Dortmunder „Fridays for Future“-Aktivistin Therese Kah, der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki, Grünen-Vorsitzender Robert Habeck, Wissenschaftler Harald Lesch und der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff. Kubicki und Haseloff sprachen sich gegen die Freitagsdemonstrationen aus. „Es ist schlichtweg ein Schulschwänzen und kein Streik“, kritisierte Kubicki. „Die Schüler schaden sich nur selbst, niemandem sonst.“

Das sah Aktivistin Therese Kah natürlich anders und konterte: „Es braucht drastische Maßnahmen, um zu zeigen, wie drastisch die Klimakrise ist.“

So berichtet welt.de über „Anne Will“.

Meine Auffassung zu den Klimaschwänzern habe ich hier beschrieben. Der „Konter“ der Aktivistin Therese Kah erstaunt mich trotzdem.

Gewöhnlicher Mensch: Ursache ⇒ negative Folgen ⇒ geeignete Maßnahmen

Klimaaktivistin: drastische Maßnahmen ⇒ um auf drastische Ursache hinzuweisen

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Relotius-Framing: Nein, die neuen Bundesländer sind für Asylsuchende nicht zehnmal gefährlicher

Neue Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal gefährlicher

titelt welt.de (Permalink) und bezieht sich auf eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Ist der deutsche Osten für Asylbewerber tatsächlich zehnmal gefährlicher?

Nein, ist er nicht, wie ich zeigen werde. Aber die Überschrift setzt den Rahmen. Viele Leser betrachten sie als Kernaussage, lesen im Anreißer etwas von einer „neuen Studie“, sehen ihre Auffassung vom Osten bestätigt – und scrollen auf der Startseite von welt.de nach unten, ohne den Text zu lesen.

In westdeutschen Städten leben Menschen verschiedener Herkunft seit Jahrzehnten zusammen. Im Osten fehlt vielen diese Erfahrung. Und das hat Folgen, wie eine neue Studie offenbart. Wirtschaftliche Bedingungen spielten dagegen nur eine geringe Rolle.

Die Erklärung für den gefährlichen Osten liefert die Studie gleich mit: Den Ostlern fehlt die Erfahrung der Westler, wie Menschen verschiedener Herkunft seit Jahrzehnten zusammenleben.

Die Zahl der Angriffe sei „in Regionen mit einem zuvor geringen Ausländeranteil höher als in Regionen mit einem bereits hohen Ausländeranteil“, stellen Horst Entorf und Martin Lange fest.

Der Ausländeranteil muss nur lange genug hoch genug sein, dann werden die ostdeutschen Städte für Asylbewerber sicherer?
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Wie man uns der Diskussionsmöglichkeiten beraubt

Neulich habe ich mich mit einem Bekannten, der sehr gut (über die Mainstream-Medien) informiert ist, über Zuwanderung von Arbeitskräften und Flüchtlingen unterhalten. Dass dieses Thema sehr aufgeladen und schwierig ist war mir klar.

Diesmal hatte ich aber eine neue Erkenntnis: Uns fehlte eine gemeinsame Basis für eine sachliche Diskussion.

Aufgefallen ist uns das gleich am Anfang, als wir über die von Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer ins Spiel gebrachte Zahl von 400.000 Flüchtlingen mit einem Job sprachen. Wörtlich sagte Kramer:

Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, haben heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, die große Mehrheit in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, und sind damit integriert.

Aus meiner Sicht verliert jemand, der in einem einzigen Satz gleich vier strategische Weichmacher („mehr als“, „vor allem“, „bald“, „große Mehrheit“) einsetzt, seine Glaubwürdigkeit.

Auch die Schlussfolgerung, dass aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung folgt, dass jemand integriert sei, ist hanebüchen.

Ich will aber gar nicht weiter auf das Zitat eingehen, im Gespräch hatten wir das Zitat zunächst nicht parat, wir haben lediglich über die Zahl von 400.000 Flüchtlingen in Jobs gesprochen. Weiterlesen „Wie man uns der Diskussionsmöglichkeiten beraubt“

Zivilcourage

Anlass für diesen Artikel war ein Gespräch mit Freunden über diese Gewalttat in Amberg und Personen, die Zivilcourage zeigten, indem sie – obwohl sie sich damit selbst in Gefahr brachten – anderen halfen.

Ich stelle mir die Frage: Wie hätte ich mich verhalten?

Am Bahnhofsvorplatz soll einer der Männer ein Mädchen (17) als „Nutte“ beleidigt und bedrängt haben. Als die Begleiter des Mädchens (beide 17) dazwischengingen, wurden sie durch Schläge im Gesicht verletzt.

Als Begleiter wären wohl die meisten Männer dazwischengegangen.

Der Auszubildende kam mit Prellungen und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Ein Mann, der den Opfern helfen wollte, wurde ebenfalls verprügelt.

Dieser Mann war offenbar ein Unbeteiligter, der sich entschied zu helfen.

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