Eine Frage der richtigen Fragen: Wie Forscher eine „enthemmte Mitte“ konstruieren

Die „Leipziger ‚Mitte‘-Studien“ werden an vielen Stellen genutzt um den Deutschen eine rechtsextreme Gesinnung zu attestieren.

So bin auch ich auf diese Studie gestoßen und habe sie mir genauer angesehen.

Zunächst fällt auf, dass die Studie von drei verschiedenen Stiftungen unterstützt wurde, die ich nicht für neutral halte:

Handelt es sich noch um Wissenschaft oder ist es bereits Politik, wenn die Studie, die von den politischen Stiftungen konkurrierender Parteien unterstützt wird, ein Kapitel „Die AfD als rechtspopulistischer Profiteur der Flüchtlingsdebatte“ enthält?

Leider ist das Kapitel in der Online-Ausgabe der Studie nicht enthalten, so dass ich mir kein eigenes Bild zum Inhalt machen kann.

Bei der Recherche habe ich auch Kritik an der Studie gefunden. Da dieses Interview mit dem Politologen Klaus Schroeder mündlich geführt wurde, ist es nicht so strukturiert und belegt, wie ich es mir wünschen würde. Eine der zentralen Aussagen ist:

Wenn aber die Befragten gezwungen werden, auf eine pauschale, generalisierte Frage zu antworten, dann haben sie nicht viele Möglichkeiten.

Die Fragen sind also nach Meinung von Klaus Schroeder so gestellt, dass Antworten von Menschen, die gar keine rechtsextremen Meinungen vertreten, als rechtsextrem interpretiert werden.

Es fällt auf, dass die Studienserie von den Autoren selbst als „Leipziger ‚Mitte‘-Studien“ bezeichnet wird. Auch die 2016’er Ausgabe hat einen entsprechenden Titel: „Die enthemmte Mitte“.

Schon im Vorwort wird aber klar, dass hier keineswegs die Mitte der Gesellschaft erforscht wird:

Kernelement ist seit 2002 ein Fragebogen zur rechtsextremen Einstellung […] So haben wir im Verlauf der letzten 14 Jahre die Entwicklung der politischen Einstellung, von Rechtsextremismus, Vorurteilen und autoritärer Orientierung dokumentiert und ihre Einflussfaktoren bestimmt. […]

Die diesjährige Erhebung fand auch in einer Zeit statt, in der sich neue rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien entwickeln und Erfolge feiern. […]

Hinsichtlich der Verbreitung der klassischen Einstellungen, die Rechtsextremismus charakterisieren, […]

Während die generalisierten Vorurteile gegen Migranten/innen leicht zurückgingen, nahm die Fokussierung des Ressentiments auf Asylbewerber/innen, Muslime/innen sowie auf Sinti und Roma zu. Die jüngsten Veränderungen im Parteiensystem zeigen weniger einen neuerlichen Anstieg fremdenfeindlicher und autoritärer Einstellungen in der Gesellschaft an

Außer als Titel der Studie kommt das Wort „Mitte“ im Vorwort gar nicht vor. Es fällt auch auf, dass in der „Mitte-Studie“ zwar Rechtsextremismus behandelt wird, die Situation auf der anderen Seite der „Mitte“, nämlich links, keine Erwähnung findet. Das Wort „links“ kommt nur ganze zwölfmal in der Studie vor – aber in völlig anderen Kontexten.

Die Leipziger-‚Mitte‘-Studie hat nicht die Mitte der Gesellschaft als Thema.

Das fällt auch im weiteren Verlauf der Studie auf:

[Der Fragebogen der Studie] erfasst die rechtsextreme Einstellung auf sechs Dimensionen: Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus […]

Zu jeder Dimension wurden den Befragten drei Aussagen vorgelegt, die sie jeweils einschätzen sollten

Die Studie fragt ausschließlich nach rechtsextremen Einstellungen. Jede Dimension wird durch die Zustimmung oder Nicht-Zustimmung zu drei Aussagen ermittelt wird.

Da die Studie rechtsextreme Einstellungen untersucht, ist es wichtig zu verstehen, was die Autoren darunter verstehen:

Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen. (Decker & Brähler, 2006)

Verbindendes Kennzeichen für Rechtsextremismus sind also Ungleichwertigkeitsvorstellungen (über Menschen). Äußern soll sich das in den schon beschriebenen sechs Dimensionen.

Interessant finde ich, wo sich die im Fragebogen der Studie genutzten Dimensionen rechtsextremer Einstellungen von der Definition des Rechtsextremismus in der gleichen Studie unterscheiden.

  • Aus „Affinität zu diktatorischen Regierungsformen“ in der Definition ist in der Studie „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ geworden.
  • Aus „fremdenfeindliche Einstellungen“ ist „Ausländerfeindlichkeit“ geworden. Fremdenfeindlichkeit umfasst beispielsweise auch die Berliner Schwabenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit praktischerweise nicht.

Beide Änderungen engen den Blick ein. Praktisch, wenn man nur in eine Richtung schauen möchte.

Die Geisteshaltung der Studien-Autoren Oliver Decker, Johannes Kiess, Eva Eggers und Elmar Brähler wird auch bei der Gestaltung des Fragebogens und der Interpretation der Antworten deutlich.

Es gibt kein „Weiß nicht“ oder „Keine Angabe“. Es ist wahrscheinlich, dass viele Befragte in diesem Fall einfach die Mitte („stimme teils zu, teils nicht zu“) angekreuzt haben. Die Autoren der Studie interpretieren das dann wie folgt:

Die Antwort »teils/teils« (3) ermöglicht zwar den Befragten, sich nicht festzulegen,

  • wir werden gleich feststellen, dass das nicht stimmt –

gibt aber dennoch einen Hinweis auf eine höhere Ausprägung des jeweiligen Vorurteils als die Ablehnung (1/2). Wer beispielsweise eine antisemitische Aussage mit »teils/teils« einschätzt, ist nicht frei von Vorurteilen gegen- über Juden/Jüdinnen.

Also: Wer sich nicht festlegt hat Vorurteile.

Schauen wir uns die Dimensionen und abgefragten Aussagen im Detail an.

„Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“

Die Aussagen dieser Dimension lauten

Im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform.

6,7 Prozent Zustimmung.

Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.

10,6 Prozent Zustimmung. Das Wort „Führer“ ist sicher verbrannt, bedeutet aber nicht „Diktator“. „Mit starker Hand“ regieren bedeutet nicht Diktatur.

Vielleicht ist deswegen die Zustimmung hier viel größer als bei der Frage nach einer Diktatur.

Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.

21,9 Prozent Zustimmung.

Auch wenn die Aussage von der Wortwahl (Volksgemeinschaft) her einen rechten Einschlag hat, bedeutet „braucht“ nicht, dass dies diktatorisch durchgesetzt werden soll. „Eine einzige starke Partei“ bedeutet nicht, dass alle anderen Parteien verboten sind.

Trotzdem findet sich diese Aussage in der Dimension „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ wieder.

Keinem der vier Autoren ist aufgefallen, dass die Zustimmungswerte bei dieser Aussage möglicherweise deshalb mehr als dreimal so hoch sind wie bei der Aussage mit der Diktatur, weil nicht von einer Diktatur die Rede ist.

Die einzige der drei Aussagen, mit der man die „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ erfassen kann, ist die erste Aussage, in der von einer Diktatur tatsächlich die Rede ist.

„Chauvinismus“

Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe.

Wir sollten endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben.

35,4 Prozent Zustimmung. Nationalgefühl bezeichnet die emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation.

Den Zusammenhang zum Chauvinismus, also dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Gruppe, kann ich nicht erkennen. Die Autoren der Studie meinen dazu:

Damit wird das Bedürfnis nach Identifikation mit der Nation ausgedrückt und das Fehlen einer solchen Identifikation postuliert.

Diese Einstellung wird als rechtsextrem gewertet.

Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland.

26,2 Prozent Zustimmung. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zum Chauvinismus.

Es ist darüber hinaus fraglich, was die Befragten unter der Zustimmung zu dieser Aussage verstanden haben: Stimmen sie dem „Durchsetzen“ zu oder dem „hart und energisch“?

Als die rot-grüne Bundesregierung energisch einen ständigen Sitz im UN Sicherheitsrat einforderte, war das für die Autoren der Studie auch rechtsextrem?

Schließlich sollten deutsche Interessen gegenüber dem Ausland durchgesetzt werden und dazu gab es berechtigte Kritik, schließlich hat sich das Ausland zum Teil energisch gegen den deutschen Wunsch gesperrt, in diesem Beispiel artikuliert durch Italien.

Das oberste Ziel deutscher Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht.

22 Prozent Zustimmung. Die Formulierung „die ihm zusteht“ hat einen chauvinistischen Einschlag, aber eine wirklich chauvinistische, rechtsextreme Aussage würde aber so aussehen:

Die Deutschen sind anderen Völkern überlegen.

Auch diese Aussage kann noch fehlinterpretiert werden, etwa indem der Befragte die Aussage militärisch oder wirtschaftlich versteht. Wahrscheinlich müsste man für Chauvinismus etwa so formulieren:

Das deutsche Volk ist besser als andere Völker.

Ich bezweifle, dass dieser Aussage viele Befragte zugestimmt hätten.

„Ausländerfeindlichkeit“

Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.

32,1 Prozent Zustimmung.

Hier sind wir bei „pauschalen, generalisierten“ Aussagen. Natürlich kann man keine Aussagen über „die Ausländer“ machen. Steht „die“ für alle? Viele? Manche? Einige? Fast alle? Wir wissen nicht, wie die Befragten diese Aussage interpretiert haben.

Wikipedia definiert Ausländerfeindlichkeit als Synonym für Fremdenfeindlichkeit wiefolgt:

Fremdenfeindlichkeit […] ist eine Einstellung, die Menschen aus einem anderen Kulturkreis, aus einem anderen Volk, aus einer anderen Region oder aus einer anderen Gemeinde aggressiv ablehnt.

Aggressive Ablehnung (also Ausländerfeindlichkeit) kann ich in der Aussage „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ nicht erkennen. In dieser Aussage ist noch nicht einmal die Ablehnung dieses Verhaltens enthalten.

Es ist nur die sachliche Beschreibung des Eindrucks der Befragten. Mit dieser Aussage ist nicht einmal ausgeschlossen, dass die Befragten in der gleichen Situation genauso handeln würden wie die beschriebenen Ausländer.

Ich finde es gefährlich den Begriff Ausländerfeindlichkeit derart zu verwässern. Echte Ausländerfeindlichkeit wird auf diese Art verharmlost. Diese Verwässerung erinnert mich an die neue Definition von Rassismus.

Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.

26,1 Prozent Zustimmung. Was haben wohl diejenigen geantwortet, die Ausländer aus anderen Gründen wieder in ihre Heimat zurückschicken möchten, etwa wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder wenn es sich um verurteilte Straftäter handelt?

In der Frage wird nicht nach Gastarbeitern, Asylbewerbern oder Studenten differenziert, es ist nur von „Ausländern“ die Rede. Auf der anderen Seite wird den Befragten ein Grund für das Zurückschicken, knappe Arbeitsplätze, vorgegeben.

Sind Menschen, die für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber sind, rechtsextrem?

Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.

Hier war ich von der hohen Zustimmungsrate von 33,8 Prozent überrascht. Das Wort „Überfremdung“ rückt die Zustimmung in ein rechtsextremes Licht, aber was sollen Menschen, denen die Massenzuwanderung Sorgen bereitet, denn antworten?

Leugnen die ihre Sorgen oder stimmen sie der Aussage trotz des Wortes „Überfremdung“ zu? Ich denke, letzteres – und schon sind diese Menschen für die Forscher Rechtsextremisten.

 

„Antisemitismus“

Die drei Aussagen sind aus meiner Sicht geeignet die Zustimmung zu Antisemitismus zu messen. Die Zustimmungsraten liegen um zehn Prozent.

„Sozialdarwinismus“

Wikipedia definiert Sozialdarwinismus wie folgt:

[Sozialdarwinismus] wendet Teilaspekte des Darwinismus auf menschliche Gesellschaften an und fasst deren Entwicklung als Folge natürlicher Selektion beim „Kampf ums Dasein“ auf. Die unterschiedlichen Spielarten des Sozialdarwinismus stimmen nach Franz M. Wuketits in drei Kernaussagen überein:[5]

  • Darwins Theorie der Auslese ist in sozialer, ökonomischer und auch moralischer Hinsicht maßgeblich für die menschliche Entwicklung.
  • Es gibt gutes und schlechtes Erbmaterial.
  • Gute Erbanlagen sollen gefördert, schlechte ausgelöscht werden.

Die drei Aussagen sind aus meiner Sicht geeignet die Zustimmung zu Sozialdarwinismus zu messen. Die Zustimmungsraten liegen schwanken zwischen acht und zwölf Prozent.

„Verharmlosung des Nationalsozialismus“

Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen.

„Man“ würde Hitler als großen Staatsmann ansehen, nicht „ich“. Hier treffen Befragte eine Aussage darüber, wie andere Hitler gegebenenfalls sehen würden. Trotzdem fließt diese Aussage mit ihren 5,7 Prozent Zustimmung in die Dimension „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ ein.

Die anderen Aussagen finde ich geeignet, die Zustimmung liegt bei 6,4 und 8,4 Prozent.

Dass soll es für diesen Artikel gewesen sein. Vielleicht werde ich mir in späteren Artikeln den Rest der Studie anschauen.

Meine Zwischenbilanz bis hierher: Viele Fragen erscheinen mir ungeeignet um die jeweilige Dimension zu messen. Die Formulierung der Fragen erweckt an manchen Stellen den Anschein, dass sie bewusst so gewählt worden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Die niedrigen Zustimmungswerte zeigen außerdem, dass die „Mitte“ keineswegs „enthemmt“ ist.

Es kommt mir so vor, als würde die Studie Probleme aus politischen Gründen finden wollen. Für Akteure wie die Amadeu-Antonio-Stiftung gefundenes Fressen:

„Mitte-Studie“ 2014: stärkeres Engagement gegen Rassismus nötig

Zusätzliche Steuermittel aus Fonds gegen Rechts und für gesellschaftlichen Zusammenhalt abgreifen ist ja so einfach.

Ich finde es gefährlich Rechtsextremismus so weit auszulegen wie die Autoren der Studie das tun. Legitime Meinungen werden als rechtsextrem diffamiert. Zu Unrecht als rechtsextrem diffamierte Menschen werden sich nicht mehr gegen Rechtsextremismus abgrenzen wollen, weil sie annehmen, dass damit im Allgemeinen legitime Meinungen vertreten werden.

Ist jede Meinung rechts der Mitte rechtsextrem, ist keine Meinung mehr rechtsextrem. Dann ist die Mitte – eine selbsterfüllende Prophezeiung – tatsächlich enthemmt.

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Professor Mausfelds im Kern totalitäres Gedankengut

Ich hatte neulich einen Artikel über Professor Mausfeld geschrieben. Es gibt noch etwas, was mich an den Ausführungen Mausfelds stört.

Professor Mausfeld gab den Eliten die Schuld an indoktrinierenden Medien und macht diese dafür verantwortlich, dass wir nicht in einer „wirklichen“ Demokratie leben, weil es die Menschen deswegen „falsch“ informiert sind und „schlechte“ Entscheidungen treffen.

Meine Meinung ist, dass die Menschen selbst für die Medien verantwortlich sind, die wir haben, weil sie entsprechende (Konsum-) Entscheidungen treffen.

Und ich bin nicht der Meinung, dass es die Qualität der Medien ist, die uns von „wirklicher“ Demokratie trennt, weil es einerseits auch andere Faktoren für „schlechte“ Entscheidungen gibt, beispielsweise die Befähigung der Menschen selbst, und weil uns andererseits Elemente der direkten Demokratie fehlen, die ich wichtig für Demokratie halte.

Der Gedanke, den ich nicht zu Papier bekommen habe ist: Selbst wenn Professor Mausfeld recht hätte, und die Eliten die Menschen mit Hilfe der Medien indoktrinieren würden, was würde daraus folgen?

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Wie die taz versucht linke Wähler bei der Stange zu halten

Unter dem Titel „Elitär, bourgeois und amoralisch“ erklärt die taz die Wähler der Partei Die PARTEI zu Zynikern und Protestierern mit denen kein Staat zu machen sei.

Ich kann auch die PARTEI wählen und mir einreden, damit etwas Kluges zu tun.

Ich kann natürlich auch jede andere Partei wählen und mir einreden, damit etwas Kluges zu tun.

Ich bin dann eben: ein dekadenter Witzbold, der sich selbst dafür feiert, keinen Unterschied machen zu wollen.

Auch das gilt nicht nur für die Wähler der Partei Die PARTEI. Ich denke, man kann über praktisch jede Partei ohne Aussicht auf Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde sagen, dass sie keinen Unterschied macht. Feiert sich jeder, der sie dennoch wählt, dafür, keinen Unterschied machen zu wollen?

Es ist gespenstisch: Als gäbe es nichts zu bereden, scheint die PARTEI derzeit im – nennen wir es abschätzig – „linksalternativen Milieu“ immer neue Freunde zu finden.

Von da weht der Wind. Es sind eben nicht irgendwelche Wähler, die die PARTEI wählen, sondern Wähler aus dem linksalternativen Milieu. Es sind Stimmen, die aus Sicht des taz-Autoren Martin Kaul linken Parteien zustehen!

Die sollen gefälligst links wählen!

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Was die tz aus München bei Vergewaltigungen wichtig findet

In der tz kann man lesen, dass die Anzahl der Vergewaltigungen in Bayern in den ersten sechs Monaten diesen Jahres um fast 50 Prozent gestiegen ist:

Insgesamt tauchen in der Polizeistatistik 685 Fälle auf, ein Plus von 48 Prozent. Besonders auffällig: Die Zahl der Taten, die Zuwanderern zugeordnet wurden, stieg gar um 91 Prozent auf 126, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag im Kabinett. Damit lag der Gesamtanteil der Zuwanderer an allen sexuellen Vergehen bei 18 Prozent (2016: 14 Prozent)

Laut Wikipedia wurden zwischen 2007 und 2015 bundesweit jährlich 7.000 und 8.000 Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen im Jahr angezeigt. Seit 2012 mit abnehmender Tendenz. Die Schwankungen von Jahr zu Jahr lagen dabei immer deutlich unter zehn Prozent.

Dieser Kontext zeigt, wie ungewöhnlich die Steigerung um 50 Prozent ist. Setzt sich der Trend im Gesamtjahr fort, ist 2017 mit ca. 3.500 zusätzlichen Vergewaltigungsopfern zu rechnen.

Ich finde es beschämend, dass die tz diesen Kontext nicht erwähnt und damit dem Ausmaß des Problems nicht gerecht wird. Ich halte es für eine der Hauptaufgaben von Medien, Daten und Fakten in einen verständlichen Kontext zu setzen.

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Eine Behandlung therapiebedürftiger Wähler ist sinnvoll und möglich

Teil 1: „Schöner wäre ein offener, ehrlicher Umgang mit AfD-Wählern“

Ich habe selten einen so schlechten Artikel wie den Ronja von Rönnes auf zeit.de gelesen. „MEINE GÜTE, DANN WÄHLT HALT AFD“, steht in Großbuchstaben darüber. Von Rönnes fehlende Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung verbirgt sich hinter einer Maske gelangweilter Abfälligkeit.

Nur ein Abschnitt von vielen:

Schöner wäre ein offener, ehrlicher Umgang mit AfD-Wählern, ähnlich wie mit introvertierten Internetartikel-Verfassern: „Oh, echt? Du hast Angst vor Burkas? Du Arme!“ oder „Das tut mir total leid für dich, meine Oma hatte das auch mal, aber dann hatte sie einen super Therapeuten, der das mit ihrer Fremdenangst toll in den Griff gekriegt hat.“

Es gibt eine tiefe Kluft zwischen Journalisten der etablierten Medien und dem, was sie „ängstliche Bürger“ nennen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Argumenten von Burka-Gegnern findet hier – wie im gesamten Artikel – nicht statt. Die Diffamierung als therapiebedürftige Angsthasen ist für von Rönne ein „ehrlicher Umgang mit AfD-Wählern“. Das ist an Überheblichkeit kaum zu überbieten. Weiterlesen „Eine Behandlung therapiebedürftiger Wähler ist sinnvoll und möglich“

Schwulemiker: Stadt der Frauen… Ist das der Grund, warum in Berlin nichts funktioniert?

Adrian hat mit einem Tweet meinen Tag gerettet.

Die Berliner Zeitung berichtetvöllig ohne die Ironie zu sehen, dass Berlin große Fortschritte dabei macht, immer mehr Frauen in seinen Behörden und landeseigenen Unternehmen zu beschäftigen:

„Mit Fug und Recht können wir sagen: Berlin ist eine Stadt der Frauen“, sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung des Gleichstellungsberichts. Regelmäßig sammelt Kolats Verwaltung Daten, wie Frauen in den Führungsebenen der Behörden und der landeseigenen Unternehmen repräsentiert sind.

Berlin ist eine Stadt der Frauen? Wirklich? Die kommen nicht mal auf den Gedanken, dass man gewöhnlich diejenigen, die die Verantwortung tragen, an ihren Erfolgen misst. Wenn Berlin eine Stadt der Frauen ist, dann sind es Frauen, die Berlin zu einem Failed State machen.

Berlin versinkt in Scheiße, Berlin ist die Hauptstadt der Armut, Berlin ist Kriminalitätshauptstadt, die Berliner Verwaltung schafft es nicht Baustellen sinnvoll zu planen, der BER wird nicht fertig, die Qualität des Berliner Bildungssystems ist mitleiderregend.

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Kommentar zu „Wozu eigentlich Unterhalt, Herr Gabriel?“

Ich habe den Artikel Wozu eigentlich Unterhalt, Herr Gabriel? beim Sexismusbeauftragten kommentiert. Der Kommentar wurde bisher nicht veröffentlicht, steckt also in Moderation oder Spam fest. Daher habe ich mich entschlossen einen Artikel daraus zu machen.

Ich finde den Artikel gut. Haupterkenntnis für mich: Die Zahlungsmoral unterhaltspflichtiger Väter ist besser, wenn sie eine Beziehung zum Kind haben dürfen. Das liegt eigentlich auf der Hand.

Die Kehrseite der Mechanismen, die der Sexismusbeauftragte in seinem Artikel beschreibt ist, dass damit Fehlanreize zum Schaden der Kinder geschaffen werden.

Finanziell gesehen ist es für die Mutter klug keinen Vater für das Kind anzugeben. Dann wird er nicht unterhaltspflichtig, Mutter und Kind bekommen Transferleistungen und das Einkommen des Vaters kommt ggf. zusätzlich im vollem Umfang der Familie zugute.

Ich habe mal etwas darüber geschrieben.

  • Falls der Vater stirbt, ist das Kind nicht erbberechtigt und erhält keine Halbwaisenrente.
  • Wenn der Mutter etwas zustößt, kann der Vater nicht ohne Weiteres das Sorgerecht übernehmen. Vielleicht muss das Kind zumindest zeitweise in die Obhut des Jugendamtes.
  • Das Kind wird eines Teils seiner Identität, seiner Abstammung beraubt.

Der Schaden für die Väter kommt noch hinzu.

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