„…auch mal für den Mainstream unpopuläre Positionen und Sichtweisen“ – Dieter Nuhr und seine Greta-Thunberg-Witze

Carsten Heidböhmer kritisiert auf stern.de die Forderung, den „eher harmlos daherkommenden Comedian“ Dieter Nuhr nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu übertragen. Mit seinen Witzchen über Greta Thunberg nähme Nuhr „auch mal für den Mainstream unpopuläre Positionen und Sichtweisen“ ein. Auch wer über Nuhrs Witze nicht lachen könne, solle froh sein, dass es „einen wie ihn“ gäbe.

Denn dass der Comedian diese Gags reißen darf und damit auch noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet wird – das ist das beste Argument gegen das rechte Opfernarrativ, das regelmäßig ein Verschwinden der Meinungsfreiheit beklagt und die Bundesrepublik als eine „DDR 2.0“ bezeichnet. Als einen Staat, in dem man nur noch sagen dürfe, was politisch opportun ist.

Heidböhmer distanzert sich von Nuhrs Witzen, er schreibt, man müsse „weiß Gott kein Fan sein von Dieter Nuhr und seinem Humor, der häufig nach unten austritt und Sachverhalte oft unzulässig vereinfacht“.

Ich sehe nicht, wo Nuhr etwas unzulässig vereinfachte oder nach unten austräte.

Wer oder was soll denn unten sein? Greta Thunberg? Die Grüne Partei? Die sie wählenden städtischen Eliten? Die Milliarden Menschen weltweit, denen bei der kompromisslosen Umsetzung einer radikalen Klimapolitik, wie Thunberg sie vehement fordert, nicht genug Energie und Lebensmittel zum Überleben zur Verfügung stünden?

Und wenn die Herstellung dieses Zusammenhangs unzulässig sein soll, was wäre dann aus Heidböhmers Sicht zulässig? Es ist ja gerade die Kompromisslosigkeit Thunbergs, die Nuhr mit seinen Witzen hervorhebt.

Trotz anderer Meinung spricht sich Heidböhmer gegen ein Sendeverbot in der ARD aus. Aber, ach: Er begründet das damit, dass es „dem Kampf gegen das rechte Opfernarrativ“ nütze, das „regelmäßig ein Verschwinden der Meinungsfreiheit“ beklage.

Auch wenn Carsten Heidböhmer das vielleicht nicht so gemeint hat, bedeutet das im Umkehrschluss: Müsse man das „rechte Opfernarrativ“ nicht bekämpfen, so könne man Nuhrs Auftritte in der ARD getrost verbieten.

Damit zeigt Heidböhmer, dass er auf der richtigen Seite steht, er immunisiert sich quasi gegen die Kritiker, die Nuhr zu Fall bringen wollen. Er entzieht aber seiner Forderung zugleich ihre Legitimation. Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht. Ob jemand seine Meinung öffentlich äußern darf, kann nie davon abhängen, ob ein anderer das für zweckmäßig hält, um seine Ziele zu erreichen.

Der Anfang vom Ende

Ich bin kein Prophet, aber ich vermute, Dieter Nuhr wird über kurz oder lang aus dem ARD-Programm verschwinden.

Wie auch immer der Vertrag zwischen der ARD und Nuhr aussieht: Er hat eine Laufzeit. Wenn der Vertrag erfüllt ist – noch zwei Sendungen? drei? fünf? -, wird irgendein Programmdirektor oder Unterhaltungschef darüber befinden müssen, ob ein neuer Vertrag geschlossen wird. Vielleicht wird diese Entscheidung aufgrund der aktuellen Empörung in linken Kreisen auch vom Intendanten getroffen.

Und dann, fürchte ich, wird für Dieter Nuhr die Zeit der Ausstrahlung in den öffentlich-rechtlichen Medien enden.

Das Ende für Nuhr im Ersten wird unspektaktulär über die Bühne gehen. Es wird heruntergespielt werden. Man habe Differenzen, wird vielleicht verlautbart. Man habe sich bei der Vertragsgestaltung nicht einigen können. Die Vorstellungen zur Gage lägen zu weit auseinander. Er käme beim Publikum nicht mehr an. Man setze auf ein neues Format mit einem anderen Comedian. Ein ganz normaler Vorgang. An Nuhrs Witzen über Thunberg jedenfalls läge es nicht, wird es heißen, falls jemand danach fragt.

Ein Auftrittsverbot wird es nicht geben. Wir sind ja nicht in der DDR. Dieter Nuhr wird nur einfach nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein.

Ich hoffe das alles nicht und ich wünsche Dieter Nuhr das Beste. Ich freue mich, dass seine leise Kritik an Greta Thunberg und ihren abstrusen Forderungen überhaupt im Staatsfernsehen vorkommt. In Anbetracht der üblichen Berichterstattung ist das ein kleiner, angenehmer und selten gewordener Kontrapunkt.

Am Umgang der ARD mit Dieter Nuhr wird sich zeigen, wie es in Deutschland um das Verschwinden der Meinungsfreiheit tatsächlich steht.

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