Zuschauererziehung: Wird „The Big Bang Theory“ durch Drogen erst schön?

Torsten Kleinz regt sich bei Heise Online über die Fernsehserie „The Big Bang Theorie“ auf, die für ihn eine“ intellektuelle Beleidigung“ ist. Anlass ist die Einstellung der Sendung nach der nächsten Staffel.

Laut Entertainment Weekly war es Hauptdarsteller Jim Parsons, der selbst für eine Gage von 50 Millionen US-Dollar nicht mehr bereit war, zwei weitere Jahre den Wissenschaftler Sheldon Cooper zu spielen, der auf dem emotionalen Level eines 13jährigen Jungen hängengeblieben ist. Dafür ist Parsons zu danken.

Offensichtlich ist die Serie ein kommerzieller Erfolg und die Produzenten sehen eine erfolgreiche Zukunft – sonst würden sie wohl dem Hauptdarsteller wohl kaum einen solchen Betrag bieten. Schon diese Tatsache zeigt, dass Torsten Kleinz mit seiner Einschätzung nur für sich selbst, nicht aber für die Fans der Serie spricht.

Gänzlich unverständlich ist mir folgende Kritik des Autoren:

So hat Lorre es sorgsam vermieden, dem Stoff irgendeine Relevanz oder Aktualität zu verleihen. Während die halbe Nation Psychopharmaka oder Drogen nimmt, spielt das Thema in einer WG der Verhaltensgestörten keine Rolle.

Das brauche ich in einer Comedy-Serie: Das was ein Journalist für „Relevanz oder Aktualität“ hält.

Besonders würde ich mich über den kritischen Umgang mit Drogen im Unterhaltungsprogramm freuen. „The Big Bang Trainspotting“ – Abendunterhaltung für die ganze Familie.

Aber so ist das heutzutage, den Erziehungsgedanken können Journalisten nicht mehr ausblenden. Im Gegenteil: Sie erwarten die Erziehung ihrer Kunden auch von der Unterhaltungsbranche.

Raj ist mit Alkohol so viel besser bedient. Dafür darf er keine Einwanderer-Geschichte erzählen, die dem Publikum unangenehm wäre. Er ist halt ein reicher Inder.

Warum sollte es nicht auch erfolgreiche Einwanderer im Fernsehen geben? Ist es nicht sogar positiv, dass dem Zuschauer vorgeführt wird, dass seine Vorstellung von Indern vielleicht ein Stereotyp ist?

Warum müssen Ausländer denn unbedingt als nicht-erfolgreich dargestellt werden? Ist das nicht ein Klischee und rassistisch von Torsten Kleinz?

Als Raj‘ Reichtum bekannt wird, wird er einfach wie ein Reicher behandelt: Seine Freunde wollen ihn auch mal die Rechnung zahlen lassen und Frauen versuchen ihn auszunutzen – seine Herkunft ist dabei egal.

Raj‘ finanzielle Möglichkeiten spielen anfangs keine Rolle, denn die anderen wissen nichts von seinem Reichtum. Sie behandeln ihn wie jeden anderen auch, er ist voll integriert. Seine Herkunft spielt für die drei anderen Nerds keine Rolle.

Wünscht sich Torsten Kleinz, dass es anders wäre? Sollen sie ihn anders behandeln, weil er Ausländer ist?

Mit einem Cousin, der in einem Call-Center arbeitet.

Und sein anderer Cousin ist Rechtsanwalt. Was will uns Torsten Kleinz sagen?

Die Autoren der Serie entschieden das Inder-Klischee an einer Stelle auszuspielen, als es gerade um Klischees über unterschiedliche Ethnien ging. Das war witzig.

Alle Nerds sind lächerlich unsportlich und können nicht mit Frauen reden.

Autor Torsten Kleinz echauffiert sich im ganzen Artikel über die Klischees, die „The Big Bang Theorie“ bedient. Aus meiner Sicht ist die Serie aber in dem Sinne fair, als dass jeder seine Portion abbekommt. Jede Gruppe wird überzogen dargestellt, niemand bleibt verschont.

Ich glaube, dass die Serie gerade davon lebt, dass sie sich über Klischees lustig macht. Ich gehe davon aus, dass es sogar besonders die politisch nicht korrekten Klischees und Witze sind, die die Serie so erfolgreich machen.

Raj muss andauernd Witze darüber machen, wie dreckig und übervölkert Indien doch ist.

Ja was denn nun? Raj‘ Einwanderungsgeschichte war Torsten Kleinz gerade noch nicht „unangenehm“ genug. Aber über die Gründe, warum Raj lieber in den USA als in Indien lebt, soll er nicht sprechen?

Penny wird Pharma-Vertreterin, weil das ein Job für Blondinen ohne Ahnung ist,

Was Torsten Kleinz ärgerlich findet, weil es ein Klischee bedient, finde ich vor allem unglaubwürdig und nicht nachvollziehbar: Penny ist keine große Leuchte und hat keinen College-Abschluss.

und Comicbuchladen-Besitzer Stuart steuert die Arme-Leute-Witze bei, weil er sich ja sonst nichts anderes leisten kann. […] Und haufenweise Schwulen-Witze – obwohl kein homosexueller Charakter überhaupt in Sichtweite ist.

Und trotzdem ist die Serie erfolgreich. So erfolgreich, dass man dem Hauptdarsteller 50 Millionen Dollar für zwei Staffeln anbietet. Das zeigt, wie sehr Menschen wie Torsten Kleinz in einem Elfenbeinturm leben. Die Dinge, die ihnen wichtig sind, interessieren außerhalb ihrer Blase niemanden.

Was wäre „The Big Bang Theory“ mit Drogenjunkie Leonard, der in einer WG mit Sheldon lebt, einem sich mit Psychopharmaka vollpumpenden Angestellten einer Fast-Food-Kette, und die häufig gemeinsam mit dem unterprivilegierten, einwanderungsgeschichtengeprägtem, sein Herkunftsland Indien verbissen verteidigenden Raj und dem Quotenschwulen Howard in einem versifften Apartment abhängen, während gegenüber die smarte, nicht zu attraktive Physikerin Penny wohnt, die eine vielversprechende akademische Karriere hingelegt hat und eine monogame, kinderlose Beziehung mit dem jovialen Bodybuilder Zack führt?

Es wäre jedenfalls nicht mehr „The Big Bang Theory“.

Und auch diese Serie wäre Leuten wie Kleinz nicht relevant und aktuell genug, wenn ihnen eine Figur „mit Hafterfahrung“ fehlt, die Bemühungen der Protagonisten, ihre Situation zu verbessern, nicht aussichtslos genug dargestellt werden oder es an der „Sichtbarkeit“ von Alleinerziehenden mangelt.

Immer wollen sie uns belehren und erziehen, die Gutmenschen. Selbst im Unterhaltungsprogramm am Vorabend sollen die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisiert werden, damit auch jeder versteht, dass wir in einer unsozialen, ungerechten, patriarchalen, Minderheiten diskriminierenden Gesellschaft leben.

„The Big Bang Theorie“ aus Sicht der Männer

Wenn man „The Big Bang Theorie“ kritisieren möchte, sollte man die Perspektive der Männer betrachten. Ich sehe zwei Punkte, die sofort ins Auge springen:

  1. Die Nerds bekommen die „hübschen“ Mädchen ab. Das ist nicht glaubhaft.
  2. Die Attraktivität der Hauptdarstellerin Penny als Partnerin für eine langfristige Beziehung wird völlig überzeichnet.

Die Nerds sind körperlich klein (bis auf Sheldon), unsportlich, unattraktiv, erfolgreich nur in ihrer kleinen Community, materiell nicht besonders erfolgreich, nicht reich (bis auf Raj), haben kein Charisma und keinen Modegeschmack.

Trotzdem haben alle vier im Laufe der Serie mehrere Freundinnen. Eine typische Blue-Pill-Geschichte aus dem Märchenland.

Der unterwürfige, asthmatische Leonard erobert die zwei Zentimeter größere Penny. Andere sprechen Leonard häufig darauf an, dass sie eigentlich zu attraktiv für ihn sei. Leonard hat keinen hohen Status. Wie wahrscheinlich ist diese Beziehung in der Realität?

Andersherum passt es auch nicht. Leonard hat in der Serie mehrere Sexualpartnerinnen und Freundinnen. Aus Sicht der Serie hat er also eine Wahl. Warum findet der rationale Leonard ausgerechnet Penny als Ehepartner attraktiv?

Penny verschwendet viele Jahre ihres Lebens für den Traum Schauspielerin zu werden, erreicht aber nichts. Sie ist Kellnerin und lebt über ihre Verhältnisse, daher häuft sie Kreditkartenschulden an. Penny ist unordentlich und sprunghaft.

Sie kündigt ihren Kellner-Job ins Blaue hinein. Für bestimmte Schauspielrollen ist sie sich trotzdem zu fein. Als sie endlich einen guten Job als Pharmareferentin hat möchte sie ihn aufgeben, als Kevin Smith ihr eine Rolle anbietet.

Penny nutzt ihre Attraktivität um Männer zu manipulieren. Gleich in der ersten Folge nutzt sie Leonards Gutmütigkeit aus und bringt ihn und Sheldon in Gefahr, als sie sie zu ihrem Ex-Freund schickt.

Sheldon zählt über 190 Dates und über 30 Sexualpartner für Penny. Sie springt mit völlig Fremden und sogar mit Leonards Kumpel Raj in die Kiste. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie ihr Verhalten grundsätzlich ändert, dass sich Penny also zukünftig mit einem Partner zufrieden gibt und treu bleiben wird?

Dass Leonard sie all dieser offensichtlichen negativen Eigenschaften zum Trotz als gute Wahl für eine Ehe betrachtet ist wahrscheinlich der realistischste Teil der Serie.

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6 Kommentare zu „Zuschauererziehung: Wird „The Big Bang Theory“ durch Drogen erst schön?“

  1. Wie hast Du es eigentlich geschafft, Dir diese Sendung länger als fünf Minuten anzusehen?

    Diese ganzen neumodischen Serien sind übelste Propaganda, da ein sehr negatives Männerbild transportiert wird.
    Vergleiche das mal mit Sendungen wie dem „A-Team“ oder „Knight Rider“.

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    1. Also, ich halte „Big Bang Theory“ auch nicht für einen Überknaller. Die Serie ist nicht mal halb so lustig wie die ständig hörbaren Lachmaschinen einen glauben machen sollen.

      Das Männerbild ist schlecht, das Frauenbild aber auch.
      – Die Mutter von Leonard ist eine emotional eingefrorene, in ihrem Beruf als Psychiaterin erfolgreiche Frau, die ihren Sohn ständig vor seinen Freunden beschämt.
      – Die Mutter von Sheldon ist eine Christin aus irgendeinem texanischen Dorf, in dem alle mittelalterlich-christlich sind, es sind Kreationisten, manchen von ihnen halten Sheldons Fähigkeiten sogar für Zeichen von Hexerei. Immerhin hat Sheldons Mutter ein Händchen dafür, ihn wieder in die Realität zurückzubekommen, wenn er sich in eine Marotte hineinsteigert.
      – Sheldons Freundin Amy ist ebenso emotional gestört, aber auch sie versteht andere Menschen besser als Sheldon, und ist ein wenig reifer als er .
      – Ausnahme: Sheldons Großmutter ist so ziemlich die einzige Frau auf der Welt für die Sheldon warme Gefühle hat, weil sie ihn immer gut behandelt hat und er sich bei ihr als Kind wohlfühlen konnte.

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    1. ich war mal in Indien und über Beziehungen auch bei einer Party/Modenschau reicher Inder in Bombay.
      Genug Geld, Gold und Edelsteine um halb Afrika die Auslandsschulden zu bezahlen.

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