Grönemeyer will die Mehrheit der Deutschen vor Gericht stellen

Herbert Grönemeyer trat am Freitag als Überraschungsgast bei einem Musikfestival in Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) auf.

Musiker Herbert Grönemeyer hat nach eigenen Worten in 62 Jahren noch keine Zeit erlebt, in der laut zu sein so wichtig war. „Das Land ist nervös, die Zeiten sind nervös, und wir müssen lernen, Haltung zu zeigen, den Mund aufzumachen und laut zu werden, richtig laut zu werden, damit die rechte Szene merkt: Das ist hier nicht gewollt“, sagte Grönemeyer am Freitagabend als Überraschungsgast des Musikfestivals in Jamel.

Da haben sicher alle gejubelt, die da „gegen rechts“ versammelt waren. Ganz im Sinne von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die auf der Bühne davon sprach, in den letzten Jahren seien „die, die auf Hass und Hetze setzen, lauter geworden“. „Und das sollten wir nicht zulassen.“

Grönemeyer und Schwesig forcieren eine bedenkliche Art der Auseinandersetzung. Es geht darum Haltung zu zeigen, sich abzugrenzen, Andersdenkende laut zu übertönen. Diese demonstrative Ausgrenzung legitimieren sie durch Verhalten und Eigenschaften, die sie anderen zuschreiben: Die anderen, das sind die, die Hass und Hetze verbreiten.

Das ist kein Versuch, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Das ist der Versuch einen Keil zwischen die eigenen Anhänger und die anderen, in diesem Fall „die Rechten“, zu treiben.

Grönemeyer äußerte sich auch zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer und Widerständen dagegen: „Es kann nicht sein, dass man darüber debattiert, ob man Menschen, die in Lebensgefahr schweben, rettet. Das muss man sich mal vorstellen im Kopf, wo wir gelandet sind!“ Dass darüber überhaupt diskutiert werde, halte er für ein Verbrechen, und diejenigen, die die Seenotrettung infrage stellten, gehörten vor Gericht.

Dass NGO’s mit Schleppern zusammenarbeiten, ist nicht neu. Das kostet Menschenleben.

Die Mehrheit der Deutschen ist gegen das, was als private Seenotrettung bezeichnet wird.

Die Deutschen stehen der Arbeit privater Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer überwiegend negativ gegenüber (54,3 Prozent). Knapp ein Drittel sieht das Engagement positiv (31,7 Prozent). Der Rest ist unentschieden (14,0 Prozent).

Gehört die Mehrheit der Deutschen vor Gericht?

Andere Medien wie die FAZ berichten, die große Mehrheit der Deutschen unterstütze private Seenotretter. Ob sich das aus der zugrundeliegenden Emnid-Umfrage tatsächlich ableiten lässt, ist äußerst zweifelhaft. Doch selbst die FAZ hält fest:

38 Prozent denken, dass die Retter das Geschäft der Schlepper unterstützen.

Sind diese Menschen gegen Seenotrettung, oder halten sie die Arbeit der selbsternannten Seenotretter einfach nicht für Seenotrettung?

Beim Aburteilen von Kritikern will Grönemeyer niemanden ausnehmen.

„Ist mir wurscht, wer das ist, ob das ein Teil der Bundesregierung ist. Nur weil sie in der Bundesregierung sind, heißt das ja nicht, dass sie alle ganz klar im Kopf sind.“

Müssen sich jetzt Staatsanwälte selbst anklagen, Polizisten selbst festnehmen, Richter selbst verurteilen? Oder was sind das für Menschen, die das Schlepperunwesen, das Grönemeyer als „Seenotrettung“ nicht in Frage gestellt haben möchte, kritisch sehen?

Wer sind diese Kriminellen, die laut Grönemeyer das „Verbrechen“ begehen, „darüber überhaupt zu diskutieren“?

Diskussion als Verbrechen. Kritiker vor Gericht.

Das Geschäft von Schleppern und NGO’s zu kritisieren bedeutet nicht, Menschen in Not ertrinken lassen zu wollen. Aber Grönemeyer setzt beides gleich. Die Debatte wird so immer giftiger.

Je weniger ihnen an Argumenten bleibt, desto verbissener drängen Befürworter der „Seenotrettung“ auf Ausgrenzung. Wir Guten gegen die Schlechten.

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6 Kommentare zu „Grönemeyer will die Mehrheit der Deutschen vor Gericht stellen“

  1. Kritiker vor Gericht? Ja, das ist richtungsweisend, wenn das Gericht entscheidet, dass die Debatte über diese „Seenotrettung“ kein Verbrechen ist!

    Ich empfehle die Selbstanzeige – wird auf jeder Polizeidienststelle entgegengenommen!

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  2. Grönemeyer sollte ein paar Asylanten bei sich zuhause aufnehmen. Natürlich auf eigene Kosten und Gefahren.
    Stattdessen lebt er ruhig und abgeschieden irgendwo in England und spielt den spiessigen Moralapostel.

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  3. Warum sind Deutsche eigentlich so radikal? Was mich aufregt, ist dass Meinungsfreiheit 1) parteiisch geworden ist und 2) man von den deutschen Rechten auch nicht wirklich weiß, was sie wollen. Ich höre von der AfD im Moment NIX! Also nix, was mich interessiert. An Grölemeyers Aussage ist schlimm, dass er die Debatte, das Gespräch, den friedlichen verbalen Austausch, schon für ein Verbrechen hält. Da interessiert mich die einzelne Vergewaltigung kaum noch. Wenn ich das Maul verboten krieg, sind zukünftige Vergewaltigungen und auch alle anderen sozialen Probleme nicht zu verhindern.

    Ich sah ein Interview mit Alice Weidel bei Joko Klaas. Er fragt, ob die AfD tatsächlich die Demokratie in Deutschland für untergegangen hält. Weidel faselte SCHEISS IRRELEVANTE KACKE über Trennung von Trennung von Amt und Mandat! Wenn das alles ist, kann ich gleich die Grünen wählen.

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