Wie in der DDR: Entlassung wegen einer privaten Unterhaltung

Es geht wieder los.

Die deutsche Gesellschaft driftet ins Totalitäre.

Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass Menschen in Deutschland wegen einer politischen Einstellung, die den Mächtigen nicht passt, ihren Job verlieren können, ich hätte ihn für einen Verschwörungstheoretiker gehalten.

2019 ist das Realität. Nein, das stimmt nicht, es ist noch schlimmer: Menschen können entlassen werden, wenn sie sich privat mit einem Politiker unterhalten, der die falsche politische Einstellung hat.

Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) hat die Entlassung des Chefs der Filmförderung durchgesetzt. Sein Vergehen: Ein privates Mittagessen mit einem AfD-Politiker.

Der Leiter der Filmförderung heißt Hans Joachim Mendig, der Politiker ist der AfD-Vorsitzende und EU-Parlamentsabgeordnete Jörg Meuthen.

„Ich hatte zu dem Zeitpunkt beide nicht gekannt“, so Meuthen. Mit Mendig habe er nach dem gemeinsamen Essen in einem  Frankfurter Restaurant auch keinen Kontakt mehr gehabt: „Das war unsere einzige Begegnung.“

Das muss man sich vorstellen: Da tauschen sich drei Menschen bei einem Mittagessen über die allgemeine politische Lage aus (so Meuthen), und deswegen wird einer von ihnen gefeuert.

Zuvor hatten „Filmschaffende angekündigt, nicht mehr mit der Hessenfilm zusammenarbeiten zu wollen“, berichtet welt.de.

Meuthen hatte Ende Juli ein Foto unter anderem von sich und Mendig in einem Restaurant gepostet und dazu geschrieben: „Sehr angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch heute in Frankfurt“.

Eine grüne Landesministerin sorgt für die Entlassung, weil jemand Kontakt zu einem Politiker hat. Sie gibt damit dem Druck von „Filmschaffenden“ nach, unter ihnen die Schauspielerinnen Iris Berben und Jasmin Tabatabai, die damit drohten, nicht mehr mit der Hessenfilm zusammenzuarbeiten.

Musste Dorn dem Druck nachgeben? Was bedeutet diese Drohung für eine Gesellschaft, die über Filmförderung entscheidet? Richtig, es stehen mehr Fördermittel für andere Filmschaffende zur Verfügung. Wäre das so schlimm gewesen?

Man mag zur AfD stehen wie man will, Jörg Meuthen ist Vorsitzender einer Partei, im Hessischen Landtag 18 Abgeordnete stellt. Sie vertritt die Interessen von jedem 8. Wähler in Hessen. AfD-Sympathisanten überlegen sich jetzt schon genau, ob sie sich dazu in der Öffentlichkeit bekennen, ob sie in Gesprächen mit Bekannten und Kollegen ihre Meinung sagen oder ein zweites Gesicht zeigen. Die Entlassung Mendigs zeigt, dass Offenheit existenzbedrohend ist. Die Meinung der AfD-Anhänger wird das nicht ändern, es brodelt nur unter der Oberfläche. Der Riss durch die Gesellschaft wird tiefer.

Meuthen selbst ist (seit seiner Wahl in den Landtag von Baden-Württemberg im April 2016 beurlaubter) Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Er wurde von der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann bislang nicht entlassen. Jörg Meuthen, davon kann man ausgehen, wüsste sich zu wehren.

Diejenigen, die nicht im Rampenlicht stehen, trifft es. Der Vorgang um Mendig ist beispiellos.

Die HessenFilm und Medien GmbH, deren Geschäftsführer Hans Joachim Mendig jetzt nicht mehr ist, hat zwei Gesellschafter: Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dessen grüne Ministerin Angela Dorn die Entlassung „durchgesetzt“ hat, und den Hessischen Rundfunk.

Beide Institutionen werden aus öffentlichen Mitteln finanziert: Steuern und Zwangsgebühren. Es ist ungeheuerlich, wie die grüne Ministerin nach Gutsherrenart mit einem Menschen umgeht. Angela Dorn missbraucht ihr Amt.

Entlarvend auch, wie sich der Hessische Rundfunk der politischen Pluralität verpflichtet sieht: Überhaupt nicht.

Ein privates Mittagessen.

DDR 2019.

 

2 Kommentare zu „Wie in der DDR: Entlassung wegen einer privaten Unterhaltung“

  1. Iris Berben und Jasmina Tabatabei? Wie selbstlos! Würg

    Die beiden hochnäsigen Ommas sollen sich doch verp**… verdammte Axt.

    Aber es ist wieder typisch. Bei Eva Hermann hatten sie noch die Senta Berger dabei, auch so eine abgehalfterte Schauspiel*otze, die den Ton vorgeben durfte im entscheidenden Moment. Offenbar lassen sich auch Frauen von einer moralbeladenen Emotionalisierung durch andere Frauen stoppen, auch wenn es diesmal wieder einen Mann trifft. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich seh da irgendwie ein Muster…

    Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass es bevorzugt diese Klientel – ältere Frauen mit „Funktion“ – ist, die scheinbar auf sowas wie Gehorsam bestehen möchte – am besten vorauseilend, ist klar. Mir begegnet das leider auch im Privatleben, wo es ähnlich drastische Folgen hat. Aber ich erlebe praktisch nie, dass sich jemand groß dagegen wehrt.
    Dabei wären es genau solche widerlichen, von-oben-herab-Weiber, die dringend mal kräftig einen vor den Latz kriegen müssten. Die entschuldigen das bestimmt intern auch noch als „Schlag gegen das Patriarchat“ und das kostet eben manchmal einen Mann seinen job: „herrgott es gibt schlimmeres, nicht Herminchen?“ Bah pfui!

    Angesichts solcher Vorfälle braucht man sich über zukünftige AfD Regierungen jedenfalls nicht mehr wundern. Wer dann zuerst rausfliegt, ist klar. Da leuchten mir spontan sogar Vorgänge als nachvollziehbar ein, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte (zb Gerichtsverfahren einer neuen Regierung gegen die alte). Ätzend!

    Dennoch glaub ich noch nicht, dass sie damit durchkommen…

    Gefällt 1 Person

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