Der Unterschied zwischen Virtue Signalling, Handlungen und Ideologie

Bei welt.de berichtet Daniel Wetzel über die Energiewende.

Deutsche sind bereit, für Energiewende Opfer zu bringen

Da bin ich aber gespannt, zu welch dramatischen Opfern die Deutschen für die Energiewende bereit sind.

Die Proteste gegen Windparks und Stromtrassen nehmen zu. Doch eine Umfrage zeigt, dass die Deutschen für mehr Klimaschutz große Einschnitte in ihrem Alltag in Kauf nehmen würden.

Um seinem Artikel einen knackigen Anfang zu bescheren wirft Daniel Wetzel den Protest Betroffener gegen konkrete Bauprojekte mit Aussagen einer Umfrage zusammen. Diese Aussagen kosten denjenigen, der sie sagt, nichts.

Während die einen ihre moralische Überlegenheit demonstrieren können, ohne dass sie zur Beantwortung der Frage das Haus verlassen müssen, geschweige denn echte Konsequenzen tragen müssen, protestieren die anderen gegen konkrete Konsequenzen, die sie und ihr Leben betreffen.

Dass Daniel Wetzel diese Dinge gleich setzt zeigt, dass der Journalismus bei welt.de zur Schmierenkomödie verkommen ist.

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Von Bullshit-Jobs und Weltverbesserern

In der Kategorie „Technology Review“ berichtet Nils Boeing bei Heise Online über den Anthropologen David Graeber.

Anthropologe: „Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist.“

Mit dieser steilen Behauptung macht der Artikel auf. Um die Aussage prüfen zu können wird ein Bewertungskriterium für „nützlich“ benötigt. Weder in der Überschrift noch im Rest des Artikels wird ein solches Bewertungskriterium angeboten. Damit ist diese Aussage so provokant wie nutzlos.

Diese Aussage ist nichts weiter als ein moralinsaures Totschlagargument, deshalb werde ich sie auseinander nehmen und widerlegen. Das ist wichtig, weil es ein typisches Pseudo-Gerechtigkeitsargument ist, das auf den ersten Blick emotional verfängt, sich bei genauerem Hinsehen aber als totalitär und ungerecht herausstellt.

Denn wie bewertet man die Nützlichkeit von Jobs? Ist ein Feuerwehrmann nützlich wenn ein Haus brennt? Ist er auch nützlich wenn er Bereitschaft hat, aber nichts brennt? Ist ein Pfarrer nützlich? Während er eine Predigt hält? Ist er nützlich, wenn sich jemand mit Selbstmordgedanken an ihn wendet?

Ist ein Streetworker nützlich? Ist er nützlich wenn er versucht Gewalttäter auf den rechten Weg zurückzuholen? Ist er nützlich, wenn ihm das bei einem Gewalttäter pro Monat gelingt?

Die Beispiele zeigen, worauf „nützlich“ letztlich hinausläuft: Auf den Wert, den andere einer Arbeit beimessen.

Der Streetworker verhindert zukünftige Opfer. Man könnte sagen, dass er damit „nützlich“ ist. Aber das ist für eine Bewertung noch nicht ausreichend: Es geht auch um den Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.

Denn ein Polizist verhindert mit seiner Tätigkeit ebenfalls zukünftige Opfer. Wie viele Gewalttaten verhindert der Polizist? Zu welchen Kosten?

Bürger könnten durch Verhaltensänderungen auch besonders von Gewalt betroffene Bereiche zu vermeiden. Was ist es den Bürgern wert, ihr Verhalten nicht umstellen zu müssen?

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