Eine Frage der richtigen Fragen: Wie Forscher eine „enthemmte Mitte“ konstruieren

Die „Leipziger ‚Mitte‘-Studien“ werden an vielen Stellen genutzt um den Deutschen eine rechtsextreme Gesinnung zu attestieren.

So bin auch ich auf diese Studie gestoßen und habe sie mir genauer angesehen.

Zunächst fällt auf, dass die Studie von drei verschiedenen Stiftungen unterstützt wurde, die ich nicht für neutral halte:

Handelt es sich noch um Wissenschaft oder ist es bereits Politik, wenn die Studie, die von den politischen Stiftungen konkurrierender Parteien unterstützt wird, ein Kapitel „Die AfD als rechtspopulistischer Profiteur der Flüchtlingsdebatte“ enthält?

Leider ist das Kapitel in der Online-Ausgabe der Studie nicht enthalten, so dass ich mir kein eigenes Bild zum Inhalt machen kann.

Bei der Recherche habe ich auch Kritik an der Studie gefunden. Da dieses Interview mit dem Politologen Klaus Schroeder mündlich geführt wurde, ist es nicht so strukturiert und belegt, wie ich es mir wünschen würde. Eine der zentralen Aussagen ist:

Wenn aber die Befragten gezwungen werden, auf eine pauschale, generalisierte Frage zu antworten, dann haben sie nicht viele Möglichkeiten.

Die Fragen sind also nach Meinung von Klaus Schroeder so gestellt, dass Antworten von Menschen, die gar keine rechtsextremen Meinungen vertreten, als rechtsextrem interpretiert werden.

Es fällt auf, dass die Studienserie von den Autoren selbst als „Leipziger ‚Mitte‘-Studien“ bezeichnet wird. Auch die 2016’er Ausgabe hat einen entsprechenden Titel: „Die enthemmte Mitte“.

Schon im Vorwort wird aber klar, dass hier keineswegs die Mitte der Gesellschaft erforscht wird:

Kernelement ist seit 2002 ein Fragebogen zur rechtsextremen Einstellung […] So haben wir im Verlauf der letzten 14 Jahre die Entwicklung der politischen Einstellung, von Rechtsextremismus, Vorurteilen und autoritärer Orientierung dokumentiert und ihre Einflussfaktoren bestimmt. […]

Die diesjährige Erhebung fand auch in einer Zeit statt, in der sich neue rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien entwickeln und Erfolge feiern. […]

Hinsichtlich der Verbreitung der klassischen Einstellungen, die Rechtsextremismus charakterisieren, […]

Während die generalisierten Vorurteile gegen Migranten/innen leicht zurückgingen, nahm die Fokussierung des Ressentiments auf Asylbewerber/innen, Muslime/innen sowie auf Sinti und Roma zu. Die jüngsten Veränderungen im Parteiensystem zeigen weniger einen neuerlichen Anstieg fremdenfeindlicher und autoritärer Einstellungen in der Gesellschaft an

Außer als Titel der Studie kommt das Wort „Mitte“ im Vorwort gar nicht vor. Es fällt auch auf, dass in der „Mitte-Studie“ zwar Rechtsextremismus behandelt wird, die Situation auf der anderen Seite der „Mitte“, nämlich links, keine Erwähnung findet. Das Wort „links“ kommt nur ganze zwölfmal in der Studie vor – aber in völlig anderen Kontexten.

Die Leipziger-‚Mitte‘-Studie hat nicht die Mitte der Gesellschaft als Thema.

Das fällt auch im weiteren Verlauf der Studie auf:

[Der Fragebogen der Studie] erfasst die rechtsextreme Einstellung auf sechs Dimensionen: Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus […]

Zu jeder Dimension wurden den Befragten drei Aussagen vorgelegt, die sie jeweils einschätzen sollten

Die Studie fragt ausschließlich nach rechtsextremen Einstellungen. Jede Dimension wird durch die Zustimmung oder Nicht-Zustimmung zu drei Aussagen ermittelt wird.

Da die Studie rechtsextreme Einstellungen untersucht, ist es wichtig zu verstehen, was die Autoren darunter verstehen:

Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen. (Decker & Brähler, 2006)

Verbindendes Kennzeichen für Rechtsextremismus sind also Ungleichwertigkeitsvorstellungen (über Menschen). Äußern soll sich das in den schon beschriebenen sechs Dimensionen.

Interessant finde ich, wo sich die im Fragebogen der Studie genutzten Dimensionen rechtsextremer Einstellungen von der Definition des Rechtsextremismus in der gleichen Studie unterscheiden.

  • Aus „Affinität zu diktatorischen Regierungsformen“ in der Definition ist in der Studie „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ geworden.
  • Aus „fremdenfeindliche Einstellungen“ ist „Ausländerfeindlichkeit“ geworden. Fremdenfeindlichkeit umfasst beispielsweise auch die Berliner Schwabenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit praktischerweise nicht.

Beide Änderungen engen den Blick ein. Praktisch, wenn man nur in eine Richtung schauen möchte.

Die Geisteshaltung der Studien-Autoren Oliver Decker, Johannes Kiess, Eva Eggers und Elmar Brähler wird auch bei der Gestaltung des Fragebogens und der Interpretation der Antworten deutlich.

Es gibt kein „Weiß nicht“ oder „Keine Angabe“. Es ist wahrscheinlich, dass viele Befragte in diesem Fall einfach die Mitte („stimme teils zu, teils nicht zu“) angekreuzt haben. Die Autoren der Studie interpretieren das dann wie folgt:

Die Antwort »teils/teils« (3) ermöglicht zwar den Befragten, sich nicht festzulegen,

  • wir werden gleich feststellen, dass das nicht stimmt –

gibt aber dennoch einen Hinweis auf eine höhere Ausprägung des jeweiligen Vorurteils als die Ablehnung (1/2). Wer beispielsweise eine antisemitische Aussage mit »teils/teils« einschätzt, ist nicht frei von Vorurteilen gegen- über Juden/Jüdinnen.

Also: Wer sich nicht festlegt hat Vorurteile.

Schauen wir uns die Dimensionen und abgefragten Aussagen im Detail an.

„Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“

Die Aussagen dieser Dimension lauten

Im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform.

6,7 Prozent Zustimmung.

Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.

10,6 Prozent Zustimmung. Das Wort „Führer“ ist sicher verbrannt, bedeutet aber nicht „Diktator“. „Mit starker Hand“ regieren bedeutet nicht Diktatur.

Vielleicht ist deswegen die Zustimmung hier viel größer als bei der Frage nach einer Diktatur.

Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.

21,9 Prozent Zustimmung.

Auch wenn die Aussage von der Wortwahl (Volksgemeinschaft) her einen rechten Einschlag hat, bedeutet „braucht“ nicht, dass dies diktatorisch durchgesetzt werden soll. „Eine einzige starke Partei“ bedeutet nicht, dass alle anderen Parteien verboten sind.

Trotzdem findet sich diese Aussage in der Dimension „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ wieder.

Keinem der vier Autoren ist aufgefallen, dass die Zustimmungswerte bei dieser Aussage möglicherweise deshalb mehr als dreimal so hoch sind wie bei der Aussage mit der Diktatur, weil nicht von einer Diktatur die Rede ist.

Die einzige der drei Aussagen, mit der man die „Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur“ erfassen kann, ist die erste Aussage, in der von einer Diktatur tatsächlich die Rede ist.

„Chauvinismus“

Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe.

Wir sollten endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben.

35,4 Prozent Zustimmung. Nationalgefühl bezeichnet die emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation.

Den Zusammenhang zum Chauvinismus, also dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Gruppe, kann ich nicht erkennen. Die Autoren der Studie meinen dazu:

Damit wird das Bedürfnis nach Identifikation mit der Nation ausgedrückt und das Fehlen einer solchen Identifikation postuliert.

Diese Einstellung wird als rechtsextrem gewertet.

Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland.

26,2 Prozent Zustimmung. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zum Chauvinismus.

Es ist darüber hinaus fraglich, was die Befragten unter der Zustimmung zu dieser Aussage verstanden haben: Stimmen sie dem „Durchsetzen“ zu oder dem „hart und energisch“?

Als die rot-grüne Bundesregierung energisch einen ständigen Sitz im UN Sicherheitsrat einforderte, war das für die Autoren der Studie auch rechtsextrem?

Schließlich sollten deutsche Interessen gegenüber dem Ausland durchgesetzt werden und dazu gab es berechtigte Kritik, schließlich hat sich das Ausland zum Teil energisch gegen den deutschen Wunsch gesperrt, in diesem Beispiel artikuliert durch Italien.

Das oberste Ziel deutscher Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht.

22 Prozent Zustimmung. Die Formulierung „die ihm zusteht“ hat einen chauvinistischen Einschlag, aber eine wirklich chauvinistische, rechtsextreme Aussage würde aber so aussehen:

Die Deutschen sind anderen Völkern überlegen.

Auch diese Aussage kann noch fehlinterpretiert werden, etwa indem der Befragte die Aussage militärisch oder wirtschaftlich versteht. Wahrscheinlich müsste man für Chauvinismus etwa so formulieren:

Das deutsche Volk ist besser als andere Völker.

Ich bezweifle, dass dieser Aussage viele Befragte zugestimmt hätten.

„Ausländerfeindlichkeit“

Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.

32,1 Prozent Zustimmung.

Hier sind wir bei „pauschalen, generalisierten“ Aussagen. Natürlich kann man keine Aussagen über „die Ausländer“ machen. Steht „die“ für alle? Viele? Manche? Einige? Fast alle? Wir wissen nicht, wie die Befragten diese Aussage interpretiert haben.

Wikipedia definiert Ausländerfeindlichkeit als Synonym für Fremdenfeindlichkeit wiefolgt:

Fremdenfeindlichkeit […] ist eine Einstellung, die Menschen aus einem anderen Kulturkreis, aus einem anderen Volk, aus einer anderen Region oder aus einer anderen Gemeinde aggressiv ablehnt.

Aggressive Ablehnung (also Ausländerfeindlichkeit) kann ich in der Aussage „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ nicht erkennen. In dieser Aussage ist noch nicht einmal die Ablehnung dieses Verhaltens enthalten.

Es ist nur die sachliche Beschreibung des Eindrucks der Befragten. Mit dieser Aussage ist nicht einmal ausgeschlossen, dass die Befragten in der gleichen Situation genauso handeln würden wie die beschriebenen Ausländer.

Ich finde es gefährlich den Begriff Ausländerfeindlichkeit derart zu verwässern. Echte Ausländerfeindlichkeit wird auf diese Art verharmlost. Diese Verwässerung erinnert mich an die neue Definition von Rassismus.

Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.

26,1 Prozent Zustimmung. Was haben wohl diejenigen geantwortet, die Ausländer aus anderen Gründen wieder in ihre Heimat zurückschicken möchten, etwa wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder wenn es sich um verurteilte Straftäter handelt?

In der Frage wird nicht nach Gastarbeitern, Asylbewerbern oder Studenten differenziert, es ist nur von „Ausländern“ die Rede. Auf der anderen Seite wird den Befragten ein Grund für das Zurückschicken, knappe Arbeitsplätze, vorgegeben.

Sind Menschen, die für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber sind, rechtsextrem?

Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.

Hier war ich von der hohen Zustimmungsrate von 33,8 Prozent überrascht. Das Wort „Überfremdung“ rückt die Zustimmung in ein rechtsextremes Licht, aber was sollen Menschen, denen die Massenzuwanderung Sorgen bereitet, denn antworten?

Leugnen die ihre Sorgen oder stimmen sie der Aussage trotz des Wortes „Überfremdung“ zu? Ich denke, letzteres – und schon sind diese Menschen für die Forscher Rechtsextremisten.

 

„Antisemitismus“

Die drei Aussagen sind aus meiner Sicht geeignet die Zustimmung zu Antisemitismus zu messen. Die Zustimmungsraten liegen um zehn Prozent.

„Sozialdarwinismus“

Wikipedia definiert Sozialdarwinismus wie folgt:

[Sozialdarwinismus] wendet Teilaspekte des Darwinismus auf menschliche Gesellschaften an und fasst deren Entwicklung als Folge natürlicher Selektion beim „Kampf ums Dasein“ auf. Die unterschiedlichen Spielarten des Sozialdarwinismus stimmen nach Franz M. Wuketits in drei Kernaussagen überein:[5]

  • Darwins Theorie der Auslese ist in sozialer, ökonomischer und auch moralischer Hinsicht maßgeblich für die menschliche Entwicklung.
  • Es gibt gutes und schlechtes Erbmaterial.
  • Gute Erbanlagen sollen gefördert, schlechte ausgelöscht werden.

Die drei Aussagen sind aus meiner Sicht geeignet die Zustimmung zu Sozialdarwinismus zu messen. Die Zustimmungsraten liegen schwanken zwischen acht und zwölf Prozent.

„Verharmlosung des Nationalsozialismus“

Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen.

„Man“ würde Hitler als großen Staatsmann ansehen, nicht „ich“. Hier treffen Befragte eine Aussage darüber, wie andere Hitler gegebenenfalls sehen würden. Trotzdem fließt diese Aussage mit ihren 5,7 Prozent Zustimmung in die Dimension „Verharmlosung des Nationalsozialismus“ ein.

Die anderen Aussagen finde ich geeignet, die Zustimmung liegt bei 6,4 und 8,4 Prozent.

Dass soll es für diesen Artikel gewesen sein. Vielleicht werde ich mir in späteren Artikeln den Rest der Studie anschauen.

Meine Zwischenbilanz bis hierher: Viele Fragen erscheinen mir ungeeignet um die jeweilige Dimension zu messen. Die Formulierung der Fragen erweckt an manchen Stellen den Anschein, dass sie bewusst so gewählt worden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Die niedrigen Zustimmungswerte zeigen außerdem, dass die „Mitte“ keineswegs „enthemmt“ ist.

Es kommt mir so vor, als würde die Studie Probleme aus politischen Gründen finden wollen. Für Akteure wie die Amadeu-Antonio-Stiftung gefundenes Fressen:

„Mitte-Studie“ 2014: stärkeres Engagement gegen Rassismus nötig

Zusätzliche Steuermittel aus Fonds gegen Rechts und für gesellschaftlichen Zusammenhalt abgreifen ist ja so einfach.

Ich finde es gefährlich Rechtsextremismus so weit auszulegen wie die Autoren der Studie das tun. Legitime Meinungen werden als rechtsextrem diffamiert. Zu Unrecht als rechtsextrem diffamierte Menschen werden sich nicht mehr gegen Rechtsextremismus abgrenzen wollen, weil sie annehmen, dass damit im Allgemeinen legitime Meinungen vertreten werden.

Ist jede Meinung rechts der Mitte rechtsextrem, ist keine Meinung mehr rechtsextrem. Dann ist die Mitte – eine selbsterfüllende Prophezeiung – tatsächlich enthemmt.

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Zeit Online: Ideologie ist schlechter Journalismus

In einem Artikel habe ich einen Text bei Zeit Online dafür kritisiert, dass er letztlich Rassismus schürt, weil rassistische Aussagen über die Ursachen der sozioökonomischen Situation von Afroamerikanern nicht widerlegt wurden.

In diesem Text wurde auf einen Text von Alexandra Endres verwiesen, den ich ebenfalls für schlechten Journalismus halte. Er trägt den Titel

Der Rassismus ist messbar

Das verspricht ein interessanter Artikel zu werden, denn ich stelle es mir sehr schwer vor, so etwas wie Rassismus messbar zu machen. Laut Wikipedia ist Rassismus so definiert:

Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen – als sogenannte „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden.

Eine beobachtete Situation kann also nur mit Rassismus erklärt werden, wenn Menschen aus rassistischen Motiven handeln und diese Handlungen zu der beobachteten Situation führen.

Um also Rassismus „messen“ zu können, müsste man die Gesinnung oder Ideologie derjenigen „messen“, die andere nach Rasse kategorisieren und beurteilen.

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es in diesem Artikel natürlich keine Belege für Rassismus gibt.

Weiterlesen „Zeit Online: Ideologie ist schlechter Journalismus“

Wie das Zeit-Magazin Homosexuelle diffamiert – weil sie die falsche Meinung haben

Tanja Witte kann im Zeit-Magazin nicht fassen, dass eine lesbische Frau Spitzenkandidatin der AfD ist.

Warum lässt sich eine Frau, die offen lesbisch lebt, zur Spitzenkandidatin der rechtskonservativen AfD wählen?

Verwunderlich findet die Autorin, dass sich eine lesbische Frau als Spitzenkandidatin der AfD wählen lässt?

Ist es nicht eher verwunderlich, dass eine Partei, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit Homophobie vorgeworfen wird, eine lesbische Frau wählt?

Fällt damit nicht die gesamte Annahme, dass die AfD eine homosexuellenfeindliche Partei ist, in sich zusammen? Deswegen hat sich das Zeit-Magazin wohl entschlossen, klarzustellen, dass die Homosexuellen in der AfD irgendwie keine normalen Homosexuellen sind:

Homonationalismus ist nicht nur dort ein Problem.

Von Homonationalismus habe ich noch nie gehört. Der Wikipedia-Artikel dazu ist sehr erhellend:

Der Begriff wurde erstmal von dem Geschlechterforscher Jasbir Puar im Jahre 2007 aufgebracht. Er versuche damit einen Prozess zu beschreiben in dem sich gesellschaftliche Kräfte mit den Forderungen der LGBT-Community identifizieren, um Rassismus und Xenophobie zu rechtfertigen. Im Speziellen für Vorurteile gegen den Islam. Diese Vorurteile beziehen sich vor allem auf Migranten, die als homophob gesehen werden, während die westliche Gesellschaft als sehr willkommenheißend und sicher für die LGBT-Community dargestellt wird.

Das Zeit-Magazin nutzt so einen Humbug um Homosexuelle, die aus Sicht des Zeit-Magazins die falsche politische Einstellung haben, zu diskreditieren.

Homosexuellenfeindlichkeit im Islam ist ein Vorurteil? Die westliche Gesellschaft wird als sicher für die LGBT-Community dargestellt?

Wie verblendet muss man sein, um die aktuelle westliche Gesellschaft nicht als die sicherste für Homosexuelle zu erkennen?

So einen Schrott greift man beim Zeit-Magazin auf und wertet damit erfundene Kampfbegriffe auf, die nur dazu dienen politische Gegner zu diskreditieren.

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Jammerfrau: Kaum strenge ich mich nicht mehr an, bin ich nichts Besonderes mehr

Focus-Online ist erstaunt, dass die Fitness-Bloggerin Sophie Gray Fans verliert, weil sie aufhört über ihre Fitness zu bloggen. Der Titel lautet

Bloggerin entsagt mit ehrlichem Post dem Fitness-Wahn

Entsagen bedeutet Verzicht. Normalerweise verzichtet man auf schöne Dinge, Dinge bei denen es einem nicht leicht fällt, darauf zu verzichten.

Bei starken Frauen wendet Focus-Online dieses Wort auf sich-nicht-gehen-lassen an.

Gray habe im Laufe der Zeit verstanden, dass sie als junges Mädchen stark mit sich und ihrem Körper haderte, unzufrieden war. Deshalb begann sie, sich einen „perfekten“ Körper zu erarbeiten, wie sie ihren Fans in einem Post schreibt. Diese Veränderung hielt sie auf den sozialen Netzwerken fest und habe viel Zuspruch und Anerkennung erhalten.

Die Fitness-Bloggerin hat sich ihren fitten Körper hart erarbeitet. Fit sein ist schwieriger als nicht-fit sein. Mit ihrer Fitness hebt sie sich von anderen ab, Sophie Gray hat etwas geschafft was nicht jeder schafft.

Für diese Leistung bekam sie Zuspruch und Anerkennung.

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Die Welt: Stimmung machen vor der Wahl

Die Verzweiflung bei der Welt scheint groß zu sein, denn ein AfD-Politiker könnte bei der Bundestagswahl in Ostdeutschland ein Direktmandat gewinnen. In einem ansonsten recht neutralen und informativen Artikel kann man auch bei der Welt nicht widerstehen, gegen diese Gefahr anzuschreiben.

Der CDU-Abgeordnete Martin Patzelt nahm 2015 zwei Eritreer bei sich auf. Nun könnte ihm das zum Verhängnis werden: Sein Konkurrent für das Direktmandat ist AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland. Der macht Stimmung gegen ihn.

Ein Direktkandidat macht „Stimmung“ gegen einen anderen Direktkandidaten. In einer demokratischen Gesellschaft sollte das nichts besonderes sein.

Im strukturschwachen Wahlkreis Frankfurt Oder – Oder-Spree, der die Nummer 63 trägt und im Osten an Polen grenzt, kommen Gaulands rechtspopulistische Thesen bei vielen gut an. „Flüchtlinge sind hier immer ein Thema, obwohl es hier kaum welche gibt“, sagt Patzelt.

Wenn Flüchtlinge das Hauptthema in seinem Wahlkreis sind und Patzelt das anders sieht, dann ist er vielleicht einfach nicht der richtige Kandidat für diesen Wahlkreis?

Und was soll der Hinweis, dass „es hier kaum welche gibt“? Darf man erst ab einer gewissen Anzahl eine Meinung haben?

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Professor Mausfelds im Kern totalitäres Gedankengut

Ich hatte neulich einen Artikel über Professor Mausfeld geschrieben. Es gibt noch etwas, was mich an den Ausführungen Mausfelds stört.

Professor Mausfeld gab den Eliten die Schuld an indoktrinierenden Medien und macht diese dafür verantwortlich, dass wir nicht in einer „wirklichen“ Demokratie leben, weil es die Menschen deswegen „falsch“ informiert sind und „schlechte“ Entscheidungen treffen.

Meine Meinung ist, dass die Menschen selbst für die Medien verantwortlich sind, die wir haben, weil sie entsprechende (Konsum-) Entscheidungen treffen.

Und ich bin nicht der Meinung, dass es die Qualität der Medien ist, die uns von „wirklicher“ Demokratie trennt, weil es einerseits auch andere Faktoren für „schlechte“ Entscheidungen gibt, beispielsweise die Befähigung der Menschen selbst, und weil uns andererseits Elemente der direkten Demokratie fehlen, die ich wichtig für Demokratie halte.

Der Gedanke, den ich nicht zu Papier bekommen habe ist: Selbst wenn Professor Mausfeld recht hätte, und die Eliten die Menschen mit Hilfe der Medien indoktrinieren würden, was würde daraus folgen?

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Zeit Online schürt Rassismus

Auf Zeit-Online widmet sich Milena Hassenkamp dem Rassismus in den USA.

Chris Smiley lebt in einem weißen Vorort Detroits und besitzt Häuser in der City. Seine schwarzen Mieter verachtet er – wie sehr, zeigt die Fahrt mit ihm durch die Stadt.

Beschränkt sich Milena Hassenkamps knallharte Recherche auf eine Autofahrt?

Wenn Chris Smiley von Detroit spricht, dann nennt er die Stadt einen „Dschungel“, in dem sich „die Schwarzen wie die Tiere abknallen“. Smiley, 53 Jahre alt, Trockenbauer, Eigentümer mehrerer Mietshäuser und Wähler der Republikaner, ist weiß und lebt in Royal Oak, einem Vorort von Detroit – genauer: einem vanilla suburb. So werden die Viertel genannt, in die Detroits weiße Bevölkerung in den sechziger und siebziger Jahren zog. Manche sagen, die Weißen seien damals aus der Innenstadt geflohen.

Chris Smiley spricht geringschätzig von Detroit als Dschungel.

Mit vorwurfsvollem Unterton wird Smiley als jemand vorgestellt, der nicht in Detroit lebt, aber dort Häuser vermietet. Im selben Unterton wird auch die Abwanderung Weißer auf alle Weißen verallgemeinert.

Die Grenze zur Innenstadt, genannt chocolate city, weil in ihr mehrheitlich Afroamerikaner leben, überquert er äußerst ungern. Dabei garantiert die Innenstadt seinen Lebensunterhalt, denn dort erhält er die Aufträge für seine Trockenbauarbeiten, und dort stehen seine Mietshäuser.

Bin ich überempfindlich? Ich empfinde dieses „dabei“ ebenfalls als Vorwurf. Smiley hat mit seiner Aussage über das abknallen doch schon deutlich gemacht, dass er in Detroit Angst hat.

Trotzdem nimmt er dort Aufträge an und kümmert sich um seine Mietshäuser. Das macht ihn zu einem mutigen und fleißigen Mann.

Weiterlesen „Zeit Online schürt Rassismus“