Was rät man einer 35-jährigen Frau mit Torschlusspanik?

Bei thecut.com gibt es einen Leserbrief einer verzweifelten 35-jährigen Frau (alle Übersetzungen mit DeepL und eigenen Veränderungen).

Ich bin eine 35-jährige Frau und habe nichts vorzuweisen. Meine 20er und frühen 30er Jahre waren eine wilde Mischung aus Umzügen entlang der gesamten Westküste, ein paar kurze Aufenthalte im Ausland, mehrere Jobs in einer mittelmäßigen Position ohne wirkliche Fortschritte. Ich war auch das Vorzeigeobjekt für Serien-Monogamie. Meine hoffnungsvollste und am längsten andauernde Beziehung (dreieinhalb Jahre, juchhu!) endete vor zwei Jahren. Wir zogen in eine neue Stadt (meine vierte neue Stadt), schufen gemeinsam ein Zuhause und stürzten uns dann in eine traumatische Trennung, die mich in meine fünfte und aktuelle Stadt führte und den wer-weiß-wievielten Job.

Es ist die typische Geschichte der unabhängigen, erfolgreichen Frau, wie wir sie schon öfter im Blog hatten. Sie lebt den feministischen Traum, der führt aber nicht wie erhofft zum Glück, sondern zum Gegenteil. Diese Erkenntnis kommt den Betroffenen feministischer Propaganda aber erst, wenn es praktisch zu spät ist um noch Änderungen herbeizuführen.

Interessant ist diese Geschichte, weil es sich um einen Leserbrief handelt, der im Artikel beantwortet wird. Ich denke, man kann thecut.com als feministisches Medium bezeichnen, wir dürfen also gespannt sein, welche Antworten Feministinnen auf hereinbrechende Realität bereithalten. Aber schauen wir uns zunächst den Leserbrief näher an.

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Der Unterschied zwischen Virtue Signalling, Handlungen und Ideologie

Bei welt.de berichtet Daniel Wetzel über die Energiewende.

Deutsche sind bereit, für Energiewende Opfer zu bringen

Da bin ich aber gespannt, zu welch dramatischen Opfern die Deutschen für die Energiewende bereit sind.

Die Proteste gegen Windparks und Stromtrassen nehmen zu. Doch eine Umfrage zeigt, dass die Deutschen für mehr Klimaschutz große Einschnitte in ihrem Alltag in Kauf nehmen würden.

Um seinem Artikel einen knackigen Anfang zu bescheren wirft Daniel Wetzel den Protest Betroffener gegen konkrete Bauprojekte mit Aussagen einer Umfrage zusammen. Diese Aussagen kosten denjenigen, der sie sagt, nichts.

Während die einen ihre moralische Überlegenheit demonstrieren können, ohne dass sie zur Beantwortung der Frage das Haus verlassen müssen, geschweige denn echte Konsequenzen tragen müssen, protestieren die anderen gegen konkrete Konsequenzen, die sie und ihr Leben betreffen.

Dass Daniel Wetzel diese Dinge gleich setzt zeigt, dass der Journalismus bei welt.de zur Schmierenkomödie verkommen ist.

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Ideologie fressen Journalismus auf

Der Deutschlandfunk-Journalist Tobias Armbrüster interviewt Rüdiger Baunemann, einen Lobbyisten der Verpackungsindustrie.

Tobias Armbrüster: Seit gestern wissen wir: Kleine Plastikpartikel schaffen es bis in den menschlichen Körper. Forscher in Wien haben Mikroplastik im Darm von mehreren Versuchspersonen gefunden.

Alarm! Katastrophe! Kleine Plastikpartikel schaffen es bis in den menschlichen Körper!

Wer jetzt erwartet, dass Tobias Armbrüster auf die schrecklichen Gefahren hinweist, die von kleinen Plastikpartikeln ausgehen, wird enttäuscht. Es ist nur Alarmismus, den wir „seit gestern wissen“, ohne Fakten zu den tatsächlichen Risiken.

Diese Studie passt ganz gut zu einer Abstimmung, die heute im Europaparlament in Straßburg ansteht. Da geht es nämlich um die steigenden Plastikabfälle und um ein Verbot von vielen Wegwerfprodukten.

Statt „passt ganz gut“ könnte man auch sagen, dass Tobias Armbrüster das Interview über die Abstimmung im Europaparlament mit einer Angst einflößenden Neuigkeit einleitet, statt neutral zu berichten.

Die Studie mit den angeblich ganz neuen Erkenntnissen hat nichts mit der Abstimmung zu tun, die bereits früher auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass die Erwähnung der Studie nur dazu dient, den Rahmen für das folgende Interview zu schaffen.

Schaut man sich die Ergebnisse der Studie an, sieht es eher harmlos aus: Bei acht von acht Probanden wurden Kunststoffpartikel im Stuhl nachgewiesen. Die Autoren vermuten, dass dies bei mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung der Fall sein könnte.

Realistisch betrachtet scheinen die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Plastikpartikel also begrenzt zu sein: Trotz möglicherweise drei Milliarden betroffener Menschen steigt die Lebenserwartung immer weiter an.

Nicht einmal der BUND kann von Umweltauswirkungen von Mikroplastik berichten. Er würde gern nach dem Vorsorgeprinzip den Eintrag von Kunststoffen der Kosmetikindustrie verhindern.

Trotzdem steigt Tobias  Armbrüster aggressiv in das Interview ein:

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Kritischer Journalismus bei Spiegel Online: Der Umzug der Soros-Stiftung nach Berlin

Keno Versek führt bei Spiegel-Online ein Interview mit Mitarbeitern der Soros-Stiftung, die ihren Sitz von Ungarn nach Berlin verlegt. Meine Kenntnisse der Soros-Stiftung sind begrenzt, ich habe versucht mir mit Hilfe dieses Interviews eine Meinung zu bilden.

Ungarn übte massiven Druck auf die Stiftung des US-Milliardärs George Soros aus. Nun zieht die Stiftung nach Berlin um. Hier schildern zwei Mitarbeiter, was sie in dem osteuropäischen Land erleben mussten.

Liest man den Teaser bekommt man einen schlimmen Eindruck der Situation. Zwei Mitarbeiter haben „massiven Druck“ erlebt. Wir werden sehen, was sie im Interview schildern.

Das Artikelbild zeigt laut Bildunterschrift eine Demonstration gegen Soros in MazedonienEs geht also nicht nur um Ungarn. Auch anderswo scheint man mit der Soros-Stiftung ein Problem zu haben. Warum es Widerstand gegen die Stiftung gibt, wird aber nicht thematisiert.

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Zuschauererziehung: Wird „The Big Bang Theory“ durch Drogen erst schön?

Torsten Kleinz regt sich bei Heise Online über die Fernsehserie „The Big Bang Theorie“ auf, die für ihn eine“ intellektuelle Beleidigung“ ist. Anlass ist die Einstellung der Sendung nach der nächsten Staffel.

Laut Entertainment Weekly war es Hauptdarsteller Jim Parsons, der selbst für eine Gage von 50 Millionen US-Dollar nicht mehr bereit war, zwei weitere Jahre den Wissenschaftler Sheldon Cooper zu spielen, der auf dem emotionalen Level eines 13jährigen Jungen hängengeblieben ist. Dafür ist Parsons zu danken.

Offensichtlich ist die Serie ein kommerzieller Erfolg und die Produzenten sehen eine erfolgreiche Zukunft – sonst würden sie wohl dem Hauptdarsteller wohl kaum einen solchen Betrag bieten. Schon diese Tatsache zeigt, dass Torsten Kleinz mit seiner Einschätzung nur für sich selbst, nicht aber für die Fans der Serie spricht.

Gänzlich unverständlich ist mir folgende Kritik des Autoren:

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Sollen Arme doch den FlixBus nehmen

Bei Spiegel Online bin ich auf eine Kolumne von Georg Diez gestoßen.

Wenn ein Flug von Berlin nach Köln 15 Euro kostet und eine Fahrt mit der Bahn 120, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.

Für die Fahrt von Berlin nach Köln habe ich bei der Bahn Angebote ab 25,90 Euro gefunden. Georg Diez‘ Kolumne beginnt schon so richtig gut. Ganz offensichtlich vergleicht er in der Überschrift Äpfel mit Birnen, nämlich das begrenzte Kontingent eines Sonderangebotes eines Billigfliegers mit dem regulären Preis der Bahn.

Und es wird nicht besser. Die Kolumne startet mit der herablassenden Beschreibung von Nutzern von Billigfliegern, die konsterniert sind, dass ihr Mallorca-Flug ausgefallen ist. Der hätte doch nur 73 Euro gekostet, lässt Georg Diez seine Leser hämisch wissen.

So als könnten die Nutzer, die ein Ticket zu diesem Preis kaufen, nichts anderes erwarten. Ist Georg Diez das Prinzip der Mischkalkulation nicht bekannt?

Es gibt, so war die Erfahrung der vergangenen Jahre, eine Art Menschenrecht auf absurd billiges Reisen,

Ganz offensichtlich kann man für eine Kolumne bei Spiegel-Online einfach irgendetwas fabulieren: Wer behauptet oder impliziert, dass es ein Menschenrecht auf billiges Reisen gäbe?

Ich habe zunächst angenommen, dass das witzig gemeint sein soll. Georg Diez macht aber sofort klar, dass das genauso moralinsauer gemeint ist, wie es klingt:

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Bestrafe einen, erziehe Hunderte

Die Frankfurter Rundschau berichtete vor kurzem über den Trick im „extrem rechten Lager“, den Leuten etwas über Sprechtabus vorzulügen. Repräsentanten „demokratischer Organisationen“ sollten sich „solche Tricks verkneifen“.

Im extrem rechten Lager wird den Leuten vorgelogen, über bestimmte Dinge dürfe nicht geredet werden. Aber der Repräsentant einer demokratischen Organisation wie des Städtetags sollte sich solche Tricks verkneifen.

Das bedeutet nichts anderes als:

  1. Es ist rechtsextrem, über politisch-korrekte Sprechtabus zu reden.
  2. Über Sprechtabus zu reden, sollte mit einem Sprechtabu belegt werden.

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