Für die etablierten Medien eine Lachnummer: Das Leben eines Mannes vernichten

Gut gelaunt berichtet focus.de über einen Fall, in dem sich eine Mutter das alleinige Sorgerecht für die Kindern sichern wollte.

Alles klar, Herr Kommissar?

Augenzwinkernd beginnt Göran Schattauer den Artikel mit einem Falko-Zitat.

Es ging um zwei Einbrüche. In eine Pizzeria und in ein Altenheim. Aufgrund der polizeilichen Untersuchungen kam für beide Delikte nur ein Mann als Täter in Betracht: Ralf K. (Name von der Redaktion geändert), 32 Jahre alt, Malervon Beruf. Die Staatsanwaltschaft München war sich ihrer Sache zunächst sehr sicher. So sicher, dass sie in einem Fall sogar Anklage erhob – wegen versuchten Diebstahls im besonders schweren Fall. […]

Um ein Haar wäre der Beschuldigte, Vater von drei Kindern, vor Gericht gelandet und womöglich verurteilt worden.

Der Mann war Opfer eines Komplotts gegen ihn, die beiden Einbrüche sollten ihm in die Schuhe geschoben werden. Das waren nicht die einzigen Versuche dem Mann zu schaden um die Oberhand im Sorgerechtsstreit zu gewinnen.

Der Münchner Staatsanwalt Daniel Meindl, 39 Jahre alt, jedenfalls spricht von einer „grausam netten Geschichte“. Und er gibt zu: „Es war der skurrilste Fall, der mir je untergekommen ist.“

Noch bevor man überhaupt alle Fakten gelesen haben kann, wird der Fall als Lachnummer einsortiert. Es geht hier um das Opfer mehrerer Straftaten, aber der Staatsanwalt nennt den Fall „skurril“.

Mir fällt zur Einordnung eher „besonders verabscheuungswürdig“ ein.

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Experte: Staatliche Bürokratien müssen in die Familien hinein regieren

Bei stern.de wurde ein Interview mit dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff veröffentlicht.

Glaubt man den Worten von Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn, laufen wir auf eine Katastrophe zu. Denn so, wie unsere Gesellschaft funktioniert, wird sie mit den Kindern und Jugendlichen, die derzeit heranwachsen, nicht weiterbestehen. Den Kindern fehle soziale Kompetenz, in Jobs sind das die sogenannten Soft Skills. Ein Gespür für Situation, das Setzen von Prioritäten, das Erkennen von Handlungsbedarf – Fehlanzeige. Auf 50 Prozent der Kinder trifft das heute zu, sagt der 64-Jährige.

Winterhoff spricht der Hälfte der heutigen Kinder die Sozialkompetenz ab. Diesen hohen Anteil kann ich in meiner direkten Umgebung nicht nachvollziehen. Wie es außerhalb des von mir direkt beobachteten Bereichs aussieht kann ich natürlich nicht sagen.

Falls der Anteil von 50 Prozent „Problemkindern“ korrekt ist, muss es sehr große Unterschiede zwischen Teilgruppen von Kindern geben. Meine Erwartung wäre, dass Winterhoff auf dieses Thema eingeht, damit der Leser das Problem verstehen und einordnen kann.

Welche Kinder besonders betroffen sind ist wichtig zu wissen, um die Ursachen zu verstehen. Nur so kann die Gesellschaft – Staat, Bürger, Institutionen – gegensteuern.

Leider wird Winterhoff das nicht tun. Es ist nur der erste von vielen Punkten in diesem Interview, an dem konkrete Aussagen beim Verständnis der Situation helfen würden, aber schlicht fehlen.

Mein Eindruck ist: Konkrete Aussagen fehlen, denn sie könnten unangenehm sein. Es ist möglich, dass Winterhoff Angst vor der Reaktion hat, wenn er beispielsweise Schwerpunktstadtteile nennen würde, oder Kinder antiautoritärer Eltern, Migranten, Einzelkinder, Kinder vom Lande, Ostdeutsche, Westdeutsche oder Kinder Alleinerziehender.

Ohne diese konkreten Aussagen bleibt das Interview im Wagen und Ungefähren.

Und er führt diese Entwicklung nicht auf mangelnde Erziehung zurück, sondern auf die fehlende „erworbene Intelligenz“. Und das liege daran, dass Kindern ein Gegenüber fehle, eine menschliche Person, mit der sie sich auseinandersetzen.

Diese Aussage ist erkennbar inkonsistent, schließlich ist „Erziehung“ eine Tätigkeit und fehlende „erworbene Intelligenz“ eine Eigenschaft. Es sind Äpfel und Birnen, die hier verglichen werden.

Es ist auch nicht schlüssig, warum die fehlende Sozialkompetenz von Kindern keine Folge mangelnder Erziehung sein soll, sondern stattdessen auf das Fehlen einer „erworbenen Intelligenz“ zurückgeführt wird.

Wodurch „erwirbt“ man denn diese „Intelligenz“? Hat Erziehung darauf keinen Einfluss?

Auf die Spitze der Absurdität wird die Aussage dadurch getrieben, dass als Ursache für die fehlende „erworbene Intelligenz“ auch noch ein fehlender Gegenüber angegeben wird. Wer wäre denn so ein Gegenüber? Die Eltern vielleicht?

Ist es nicht genau Erziehung, die (zumindest teilweise) zur „erworbener Intelligenz“ führt?

Es bleibt offen, ob diese Aussage so von Winterhoff kommt, oder ob Stern- Autorin Susanne Baller ihn falsch wiedergibt.

Auf mich wirkt diese Aussage nicht wie Zufall. Nicht in diesem Interview.

Es wirkt wie der erste von vielen Versuchen, die Eltern von der Verantwortung für schlechte Erziehung freizusprechen – und sie gleichzeitig aus der Zuständigkeit für die Erziehung herauszudrängen.

Liest man bei Wikipedia unter „Erziehung“ nach, findet sich, dass auch das Erlernen von sozialen Fähigkeiten Teil der Erziehung ist.

Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender. […]
Der Ausdruck „Erziehung“ bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch […] die Gesamtheit allen erzieherischen Handelns, das die Personalisation, Sozialisation und Enkulturation eines Menschen steuert […].

Erziehung beinhaltet den Erwerb von Sozialkompetenzen. Michael Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater. Weiß er das nicht? Oder versucht er die Leser bewusst in die Irre zu führen?

Das Bildungswesen habe sich in die falsche Richtung entwickelt: autonomes Lernen (Kinder erarbeiten sich alles alleine), individuelles Lernen (Kinder entscheiden, auf welchem Niveau sie lernen) und Lehrer und Erzieher, die ihrem eigentlichen Beruf gar nicht mehr nachgehen, sondern nur noch sogenannte Lernbegleiter sind.

Michael Winterhoff schränkt die Verantwortung für mangelnde „erworbene Intelligenz“ auf das Bildungswesen ein. Nur das Bildungswesen entwickelt sich seiner Meinung nach in eine falsche Richtung.

Winterhoff berichtet von einigen Beispiele für Kindergärten, die aus seiner Sicht falsch erziehen, weil sie Kinder autonom entscheiden lassen, was sie gerade wollen und ihnen nichts vorschreiben oder abverlangen.

Die Eltern werden nicht erwähnt, nicht einmal der der Einfluss der Eltern auf solche Bildungseinrichtungen. Eltern könnten gegen ungeeignete Methoden protestieren, sie könnten versuchen ihre Kinder in anderen Einrichtungen unterzubringen. Das mag in Zeiten knapper Kindergartenplätze schwierig sein, ein Signal an die Träger und die Gemeindeverwaltung wäre schon der Versuch.

Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff ignoriert in seiner Bestandsaufnahme das Offensichtliche: Viele Eltern begrüßen diese neuartigen Erziehungsmethoden.

Es ist falsch, die Eltern aus der Verantwortung zu nehmen. Es ist falsch, weil es den Kindern schadet die Verantwortung nur auf staatliche Einrichtungen abzuschieben.

Viel besser wäre die Aufforderung an die Eltern Verantwortung zu übernehmen und bessere Kindergärten für ihre Kinder einzufordern und ihre Kinder in besseren Einrichtungen unterzubringen.

Winterhoff glaubt an die Lösung „von oben“ durch Politik und Staat. Dabei ignoriert er seine wichtigsten Verbündeten im Kampf für die Kinder: Die Eltern.

Die allermeisten Eltern würden Berge versetzen, wenn es im ihre Kinder geht. Winterhoff müsste sie ansprechen und sie überzeugen, dass so manches Bildungsverständnis ihren Kindern schadet. Die Eltern würden mit den Füßen abstimmen.

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Sind bald Vergangenheit: Bezahlbare Mieten und guter Journalismus

Spiegel-Online berichtet:

Wohnen wird zum Schuldenrisiko

Die Behauptung in der Überschrift wird bereits durch den ersten Satz des Teasers relativiert:

Teure Mieten und steigende Nebenkosten könnten immer mehr Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten bringen.

Statt „wird“ heißt es nun „könnten“. Wer auf der Hauptseite von Spiegel-Online nur die Überschrift liest, wird falsch informiert.

Schuldnerberater machen Vorschläge, um das Problem zu entschärfen.

Der nächste Widerspruch kommt bereits einen Satz später. Hier wird ein Problem postuliert, für das Lösungen gefunden werden müssen, obwohl unmittelbar vorher eingeräumt wird, dass es nur ein Problem geben „könnte“.

Anschließend berichtet Spiegel-Online, dass hohe Wohnkosten das Risiko von Überschuldungen vergrößern. Das ist keine überraschende Aussage, sondern genau das was ich erwarten würde, wenn die Kosten für Grundbedürfnisse steigen.

Unter anderem verlangen die Schuldnerberater, dass die Vergabe von mietpreisgebundenen, staatlich geförderten Sozialwohnungen nicht mehr von der Vorlage einer Auskunft zur Kreditwürdigkeit abhängig gemacht wird. „Das größte Problem für überschuldete Personen auf dem Wohnungsmarkt ist, dass sie nichts mehr bekommen, sobald sie einen negativen Schufa-Eintrag haben“, sagte Moers.

So schnell geht das: Oben wurde ein Vorschlag angekündigt, der verhindern soll, dass Menschen wegen hoher Wohnkosten in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Tatsächlich wird aber ein Vorschlag gemacht, der Menschen nützt, die bereits überschuldet sind.

Das scheint zwar nur ein kleiner Unterschied zu sein, aber es handelt sich eben um zwei unterschiedliche Gruppen, auch wenn die Übergänge fließend sein können.

Und diese Gruppen haben verschiedene Interessen. Der Vorschlag läuft darauf hinaus, dass Vermieter, die staatlich gefördert wurden, keine Risikoprüfung mehr vornehmen dürfen.

Diese Maßnahme vergrößert also das Ausfallrisiko für diese Vermieter und erhöht damit deren Kosten und den Preis oder, falls sie das Risiko aufgrund der Bedingungen der staatlichen Förderung nicht weitergeben dürfen, verringert die Attraktivität Sozialwohnungen zu bauen und reduziert damit das Angebot für entsprechende Mieter.

Beide Auswirkungen sind nicht im Interesse der Gruppe der nicht überschuldeten Menschen.

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Feministin: Ich mache was ich will – Männer sind für meine Sicherheit verantwortlich

Im Online-Angebot des Sydney Morning Herald bin ich auf den Artikel einer Feministin gestoßen, die ein Australian-Football-Spiel besucht hat und anschließend belästigt wurde, als sie allein auf ihr Taxi wartete (alle Übersetzungen DeepL mit eigenen Änderungen):

Innerhalb von 30 Minuten wurde ich von fünf verschiedenen Gruppen von Männern belästigt, die in Mannschaftsfarben an mir vorbei liefen.

Es gab anzügliche Sprüche und Missbrauch, eine Aufforderung „lächeln, Liebste“ und zielgerichtete Fragen danach, wohin ich gehe und auf wen ich warte.

Während ich versuchte, mich kleiner zu machen – als ob ich durch Neigen des Kopfes und Krümmen der Schultern weniger sichtbar wäre – hing ein Typ aus einem Autofenster und schrie Obszönitäten in meine Richtung, während der Fahrer hupte.

Keine schöne Situation.

Obwohl Jill Stark das Wort „Missbrauch“ („abuse“) verwendet, geht es ausschließlich um verbale Belästigung. Genau genommen geht es um das, was sie in der konkreten Situation und von den konkreten Personen kommend als verbale Belästigung empfunden hat.

Das mag wie Haarspalterei klingen, es ist es aber wichtig, weil es die Subjektivität der Situation verdeutlicht:

  • Eine andere Frau würde die gleichen Sprüche oder einige davon vielleicht nicht als Belästigung empfinden. Manche würden sich vielleicht sogar geschmeichelt fühlen und auf die Sprüche einsteigen.
  • In einer anderen Situation, etwa in einem Club, würde sie vielleicht einige der Sprüche nicht als belästigend empfinden.
  • Von anderen Männern kommend würde sie so manchen Spruch vielleicht nicht als Belästigung empfinden. Würde Brad Pitt (oder wen auch immer sie als überwältigend attraktiv findet) sie auffordern zu lächeln – gäbe es diesen Artikel?

Objektiv betrachtet scheint die Situation juristisch nicht grenzüberschreitend gewesen zu sein, auch wenn sie sie subjektiv beängstigend und einschüchternd erlebt hat.

Und wer weiß, vielleicht handelte es sich bei manchen Fragen nach ihrem Ziel um ehrlich gemeinte Hilfsangebote?

Ich will sagen: Es ist schwierig. Die Situation ist nicht schön, aber sie bewegt sich im zulässigen Rahmen.

Das wird deutlich, wenn man die Situation umdreht: Ist es im zulässigen Rahmen, wenn Jill Stark Brad Pitt zielgerichtet fragt, wo er denn hin will oder ob er denn nicht mal seine Bauchmuskeln anspannen könne?

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Hysterie und Panikmache sind keine Zutaten für guten Journalismus

Panik und Hysterie machen sich in deutschen Medien breit. Sachliche Informationen und Fakten werden immer seltener.

Gefahren und Risiken werden emotional aufgebauscht, Vergleiche, die eine Bewertung erlauben würden, werden häufig nicht gezogen. Wir hatten das Thema schon häufiger.

Heute habe ich einen Artikel auf welt.de gelesen, der genau diesem Muster entspricht.

Mediziner warnen eindringlich vor ewiger Sommerzeit

Die Überschrift könnte kaum dramatischer sein. Eine eindringliche Warnung. Von Medizinern. Es scheint ein großes Problem zu geben.

Experten sehen das ähnlich, sie warnen vor der Sommerzeit wegen einer erhöhten Unfallgefahr.

Experten„. Aha. Erhöhte Unfallgefahr. Schmerz und Tod – wegen der falschen Uhrzeit!

Eine permanente Sommerzeit bedeutet, dass es im Winter morgens eine Stunde später hell wird. An dunklen Wintertagen ist aber die Unfallgefahr dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat zufolge für Kinder statistisch doppelt so hoch wie im Sommer.

Wer den Zusammenhang zwischen dem ersten und dem zweiten Satz nicht sieht ist ein Sommerzeit-Skeptiker, wenn nicht sogar ein Sommerzeit-Leugner!

Auch wenn mich das in eine Reihe mit den Klima-Skeptikern stellt, möchte ich schon darauf hinweisen, dass die permanente Sommerzeit auch bedeutet, dass es abends länger hell ist. Und zwar genau die eine Stunde, die es „morgens später hell wird“.

Vielleicht ist es so, dass Kinder häufiger in der einen morgens betroffenen Stunde unterwegs sind als in der am Abend. Wobei ich mir da nicht so sicher bin, weil es im Winter sehr früh dunkel wird, wenn viele Kinder noch unterwegs sind. Die helle Stunde am Nachmittag könnte sich also positiv auf die Verkehrssicherheit auswirken.

Der Artikel sagt jedenfalls nichts darüber, es gibt keine Belege dafür, dass die permanente Sommerzeit zu mehr Verkehrsopfern führen würde.

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…und jede Menge dummer Gutmenschen im Publikum

Es gibt so Tage, da reicht es mir. Da frage ich mich, ob die ganze Welt verrückt geworden ist – oder ich, so wie der Autofahrer, der im Radio von einem Geisterfahrer hört und sagt: „Ein Geisterfahrer? Hunderte!“

Um es vorwegzunehmen: Heute ist so ein Tag. Und ich rege mich auf in diesem Blogartikel. Weil ich die Schnauze voll habe.

Über die Klimawandel-Streiks und das damit verbundene Schulschwänzen diskutierten die Dortmunder „Fridays for Future“-Aktivistin Therese Kah, der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki, Grünen-Vorsitzender Robert Habeck, Wissenschaftler Harald Lesch und der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff. Kubicki und Haseloff sprachen sich gegen die Freitagsdemonstrationen aus. „Es ist schlichtweg ein Schulschwänzen und kein Streik“, kritisierte Kubicki. „Die Schüler schaden sich nur selbst, niemandem sonst.“

Das sah Aktivistin Therese Kah natürlich anders und konterte: „Es braucht drastische Maßnahmen, um zu zeigen, wie drastisch die Klimakrise ist.“

So berichtet welt.de über „Anne Will“.

Meine Auffassung zu den Klimaschwänzern habe ich hier beschrieben. Der „Konter“ der Aktivistin Therese Kah erstaunt mich trotzdem.

Gewöhnlicher Mensch: Ursache ⇒ negative Folgen ⇒ geeignete Maßnahmen

Klimaaktivistin: drastische Maßnahmen ⇒ um auf drastische Ursache hinzuweisen

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Relotius-Framing: Nein, die neuen Bundesländer sind für Asylsuchende nicht zehnmal gefährlicher

Neue Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal gefährlicher

titelt welt.de (Permalink) und bezieht sich auf eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Ist der deutsche Osten für Asylbewerber tatsächlich zehnmal gefährlicher?

Nein, ist er nicht, wie ich zeigen werde. Aber die Überschrift setzt den Rahmen. Viele Leser betrachten sie als Kernaussage, lesen im Anreißer etwas von einer „neuen Studie“, sehen ihre Auffassung vom Osten bestätigt – und scrollen auf der Startseite von welt.de nach unten, ohne den Text zu lesen.

In westdeutschen Städten leben Menschen verschiedener Herkunft seit Jahrzehnten zusammen. Im Osten fehlt vielen diese Erfahrung. Und das hat Folgen, wie eine neue Studie offenbart. Wirtschaftliche Bedingungen spielten dagegen nur eine geringe Rolle.

Die Erklärung für den gefährlichen Osten liefert die Studie gleich mit: Den Ostlern fehlt die Erfahrung der Westler, wie Menschen verschiedener Herkunft seit Jahrzehnten zusammenleben.

Die Zahl der Angriffe sei „in Regionen mit einem zuvor geringen Ausländeranteil höher als in Regionen mit einem bereits hohen Ausländeranteil“, stellen Horst Entorf und Martin Lange fest.

Der Ausländeranteil muss nur lange genug hoch genug sein, dann werden die ostdeutschen Städte für Asylbewerber sicherer?
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