Gentrifizierung als politische Strafmaßnahme

Was den Zustand unser Medien betrifft, bin ich inzwischen ziemlich abgestumpft. Meine Erwartungen sind, sagen wir mal, begrenzt.

Aber manchmal kommt es noch vor, dass ich – trotz meiner begrenzten Erwartungen – beim Lesen eines Artikels fassungslos bin.

Dieser Artikel von Christian Bangel wurde in letzter Zeit häufig kommentiert. Manche seiner Vorstellungen habe ich zu Ende gedacht und überlegt, wie die Umsetzung seiner Vorschläge aussähe. Was da rauskommt ist erschreckend.

Christian Bangel beginnt mit dem üblichen Framing, dass der Thüringer-AfD-Chef Björn Höcke ein „Faschist“ sei. Eine passende Replik dazu gibt es hier.

Und gleichzeitig legt sich etwa ein Viertel der Ostdeutschen, häufiger, aber nicht nur in den demografisch ausgedünnten ländlichen Räumen, auf die AfD fest. Ganz egal, wie rechtsextrem sie auftreten, ganz egal, welche Auslöschungsfantasien ein Faschist wie Björn Höcke formuliert: Die Wut, der Hass auf das pluralistische System der Bundesrepublik ist größer. Unter diesen Leuten befinden sich auch Rechtsextreme, die vom Tag X träumen, an dem aufgeräumt wird mit allen, die sich ihnen in den Weg stellen. Es gibt Todeslisten, die unter ihnen kursieren.

Ich glaube nicht, dass Wut und Hass auf das System der Bundesrepublik der Grund für die Mehrheit der AfD-Wähler ist, diese Partei zu wählen.

Christian Bangel belegt diese Aussage auch nicht. Er wechselt einfach das Thema: Er schwenkt von der AfD zu wirklichen Rechtsradikalen, zu richtigen Neonazis. Er verlinkt auf Artikel, die diese Aussagen belegen. Es gibt aber keinerlei Zusammenhang zur AfD. Das Wort „AfD“ kommt in beiden Artikel nicht vor.

Es ist zu bezweifeln, dass sich diese Rechtsradikalen mit ihren Todeslisten tatsächlich „unter diesen Leuten“ befinden, also AfD-Wähler sind.

Es ist ein rhetorischer Trick, den Christian Bangel hier anwendet. Ohne Beleg postuliert er Wut und Hass der AfD-Wähler auf das System, unterstellt einen Zusammenhang zu einem ganz anderen Thema und belegt diese anderen Behauptungen.

Ich denke nicht, dass AfD-Wähler das politische System der Bundesrepublik hassen. Im Gegenteil. Nach meiner Beobachtung wollen die meisten von Ihnen nur, dass es wieder so funktioniert wie vorgesehen. Sie wollen sichere Grenzen, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit.

Wenigstens wollen sie aber, dass kriminelle Ausländer, Intensivtäter, wirksam und nachhaltig aus dem Land gebracht werden und nicht nach eigenem Ermessen wieder einreisen, ohne dass sie daran gehindert werden. Das ist heute nicht der Fall.

Keine andere Partei spricht das auch nur als Problem an.

Aber Christian Bangels „Analyse“ endet tatsächlich bei: Hass auf das System. Das ist meiner Beobachtung nach nicht nur falsch, das ist 180 Grad daneben. Komplett und vollkommen das Gegenteil der Realität.

Positiv ist: Anders, als es in den Jahren zuvor schien, ist die Hoheit der Rechten nicht mehr ausgemacht. Denn erstens, das hat der heutige Tag wieder gezeigt, gibt es eine überwältigende Mehrheit, die keine Lust auf eine blaue Revolution hat.

Ich habe diese Stelle herausgegriffen um aufzuzeigen, wie wenig Christian Bangels Gedankengänge nachzuvollziehen sind. An dieser Stelle wird das besonders deutlich.

Bangels behauptet eine Hoheit der Rechten in der Vergangenheit, die es heute nicht mehr gäbe. Das Wahlergebnis würde das zeigen.

Nochmal zum Nachvollziehen: Heute gibt es zum ersten mal eine politische Kraft rechts der CDU, die stärker als die CDU ist. Früher war das anders. Aber früher hatten die Rechten die Hoheit und heute nicht mehr?

Liest das bei zeit.de irgendjemand gegen?

Im Gegenteil wünschen sich offenbar viele eine politische Führung, die im Zweifel bereit ist, auf das andere Lager zuzugehen.

Wie kann man das aus Wahlergebnissen herauslesen? Die Wähler wählen Parteien, keine Koalitionen.

Ob ein Wähler der Partei Die Linke eine Koalition mit der CDU will, diese Information wird durch das Wahlergebnis nicht abgebildet.

Journalismus im Jahre 2019 bei zeit.de: Große Worte, viel Blabla, aber die Analysen sind völlig substanzlos

Wer den Osten dauerhaft stabilisieren will, der muss vor allem für eines kämpfen: Zuwanderung. Massiv und am besten ab sofort.

Zur Durchsetzung politischer Ziele möchte Christian Bangel die Zusammensetzung der Bevölkerung Ostdeutschlands gezielt verändern. „Massiv und am besten ab sofort.

Zuwanderung aus dem Westen, Binnenzuwanderung aus den großen Städten in die ländlichen Räume, und ja, auch gezielte Migration aus dem Ausland.

Genau. Reihenweise verweichlichter Städter wandern aufs Land aus – dorthin wo es vor allem harte, anstrengende Jobs gibt. Dorthin wo es keine Schicki-Micki-Infrastruktur gibt.

Christian Bangel glaubt das doch selbst nicht, dass eine solche Binnenzuwanderung auf freiwilliger Basis möglich wäre.

Er selbst beschreibt im Text, dass viele Menschen in Ostdeutschland vom Land in die Universitätsstädte ziehen. Freiwillig werden keine Menschen in großer Zahl in die ostdeutsche Provinz ziehen.

Bangel ist sicher auch klar, dass man eine Binnenmigration aus den Städten nicht zwangsweise anordnen kann. Das will er doch auch gar nicht.

Nichts liegt eingebildeten städtischen Eliten (wie ihm) ferner, als ehrliche, harte Arbeit auf dem Bauernhof.

Ich glaube, dass Christian Bangel die Binnenzuwanderung aus den Städten nur als Nebelkerze zündet, um seine eigentliche Forderung, die gezielte und gesteuerte Ansiedlung von Flüchtlingen in ländlichen Gebieten Ostdeutschlands unterzubringen.

Denn das wäre ja die einzige Gruppe, die man realistischerweise per Gesetz zwingen könnte, sich „massiv“ an bestimmten Orten anzusiedeln und bei der man Verteilungsschlüssel politisch vorgeben kann.

Bangel meint also: Die Zwangsansiedlung von Flüchtlingen (nur noch) im Osten.

Nur so gibt es auch in bisherigen Verliererregionen die Chance, stabile wirtschaftliche Strukturen aufzubauen.

Genau. Die Ansiedlung von unterdurchschnittlich wirtschaftlich erfolgreichen und überdurchschnittlich kriminellen Menschen sorgt für stabile wirtschaftliche Strukturen.

Christian Bangel weigert sich offensichtlich, die sichtbare Realität zur Kenntnis zu nehmen oder wirtschaftliche Zusammenhänge sind ihm derart unbekannt, dass er tatsächlich glaubt, dass diese Art der Migration stabile wirtschaftliche Strukturen zur Folge hat.

Es kann viele Gründe geben, warum der Erfolg dieser Menschen ausbleibt. Einige davon kann man vielleicht abstellen, auch wenn dies bisher nicht in großem Maßstab gelungen ist.

Aber welche Gründe der ausbleibende Erfolg dieser Menschen auch immer hat – das ändert nichts daran, dass es den von Christian Bangel unterstellten Nutzen für die Region, in die diese Zuwanderer ziehen, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gibt.

Wie muss es sich anfühlen, wenn man diesen Artikel von Christian Bangel liest und im ländlichen Thüringen lebt?

Ich glaube, dieser Artikel wirkt auf diese Menschen wie eine Drohung. Die Drohung ein Flüchtlingsheim mit 200 meist jungen Männern direkt im Dorf mit 900 Einwohnern aufzubauen.

Bangel schreibt irgendwo von einem fernen Ort aus, dass dein Dorf – in dem du bisher vielleicht nicht mal die Haustür zuschließen musst – zwangsweise die gleiche Entwicklung durchmachen soll wie größere Städte.

Und du verstehst darunter unsichere Bahnsteige voller Pisse, auf denen Menschen ausgeraubt und manchmal sogar vor U-Bahnen geworfen werden.

Man versetze sich wirklich mal in die Situation solcher Menschen: Du lebst in deinem Dorf und willst eigentlich nur in Ruhe gelassen werden – mehr verlangst du gar nicht. Du willst einen Job, du möchtest deine Familie versorgen. Deine Familie soll sicher leben.

Mehr erwartest du nicht. Und dann kommt einer und sagt dir: Nein, wir lassen dich nicht in Ruhe. Obwohl der gar nicht in deinem Dorf lebt und selbst nicht von den Veränderungen betroffen ist sagt er dir einfach an, dass du ab jetzt mit den Konsequenzen leben sollst.

Selbstverständlich empfinden viele Menschen in der ostdeutschen Provinz solche arroganten Artikel einer eingebildeten Elite als Provokation, ja sogar als Angriff.

Christian Bangel, der beruflich zwischen Aktivismus, Politik und Journalismus wechselt wie es im gerade passt und mit seinem nutzlosen Studium über keinerlei Qualifikation für einen anderen Beruf verfügt, will diesen Menschen ihre politische Stimme nehmen.

Und nur dann ist es möglich, dass auch dort ein Miteinander von Generationen, Milieus und Hautfarben entsteht,

Probleme gibt es bei diesem „Miteinander von Generationen, Milieus und Hautfarben“ natürlich nie. In jeder Hinsicht ist das ausschließlich wünschenswert. 

Das muss vor allem auch bei Leuten ankommen, die Luckes Recht, zu dozieren, verteidigen. Sie müssen verstehen, dass die Meinungsfreiheit nicht in erster Linie von linken Studenten bedroht wird, sondern von Rechtsradikalen, die eine Atmosphäre schaffen, in der nicht rechte Meinungen wieder folgenlos als kosmopolitisch, verdorben oder entartet ausgegrenzt werden können.

Die Maske fällt, das wahre Gesicht des Aktivisten-Journalisten-Politikers kommt zum Vorschein: Die müssen das verstehen.

Eine krude Argumentation: So als ob ein Unrecht das andere ausgleichen würde. Wenn man Menschen an der Ausübung ihres Berufes hindert, ist das Unrecht. Wenn andere Unrecht begehen, rechtfertigt das nicht das erste Unrecht.

Dabei wirft Bangel der rechten Seite nicht mal ein Unrecht vor. Er bleibt im Ungefähren und spricht von einer „Atmosphäre“, die diese (angeblich) schaffen.

Das ist so dünn, in jeder Hinsicht. Liest das niemand gegen? Da werden Zusammenhänge willkürlich konstruiert, wie kann das nicht auffallen?

Man muss sich auch klar machen, wie weit Christian Bangel geht: Er greift nicht nur diejenigen an, die Luckes Meinung sind, sondern sogar bereits diejenigen, die nur sagen: Wir müssen dessen Meinung aushalten.

Dort zieht Bangel die Grenze. Wer Luckes Meinungsfreiheit verteidigt, interpretiere ich mal, bekommt Flüchtlinge angesiedelt.

Wie kann man einen Artikel wie diesen nicht als Drohung verstehen?

Und vor allem darf die AfD nicht die geringste Machtperspektive bekommen. Der Kampf um den Osten wäre entschieden, wenn es irgendwann AfD-Minister gäbe, die aus der Exekutive heraus ihre niederträchtigen Vorstellungen umsetzen könnten.

Christian Bangel war für die Grünen und als politischer Aktivist tätig. Damit ist er ganz sicher kein neutraler Berichterstatter.

Es verwundert nicht, dass sich ein politischer Aktivist gegen eine „Machtperspektive“ eines politischen Gegners ausspricht. Es verwundert eher, dass ein politischer Aktivist für ZEIT ONLINE arbeiten kann und dort seinen politischen Aktivismus unter dem Deckmäntelchen des Journalismus fortsetzen kann.

Es fällt auf, dass Christian Bangel bei der Verurteilung seines politischen Gegners eine moralische Bewertung vornimmt und keine rechtliche. Er geht davon aus, dass AfD-Minister niederträchtig handeln würden, nicht aber illegal.

Politikern, denen er nicht einmal illegale Handlungen unterstellt, werden demokratisch gewählt – das darf aus seiner Sicht nicht geschehen. Darum müssen im Osten gezielt Flüchtlinge angesiedelt werden.

Ich frage mich: Wer ist hier die Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung?

Wenn ich diesen Artikel lese, läuft es mir kalt den Rücken runter. Er wirkt auf mich wie die Vorbereitung auf das, was später umgesetzt werden soll.

Aber so ist das doch immer: Wohlfeile, klug gewählte Worte wirken weniger bedrohlich als die reale Umsetzung die dann später abläuft. Das geschriebene Wort schreibt sich einfach, man muss sich nicht mit den ganzen brutalen Details der Umsetzung befassen.

Man überlege sich aber mal, wie die Umsetzung von Christian Bangels Wunschträumen abläuft: Auf Konferenzen würden Politiker und Bürokraten von Bangels Schlage diskutieren, wie man am Effektivsten das Ziel erreichen könnte.

Sie würden eine Reihe von Maßnahmen erarbeiten müssen:

  • Sie konzentrieren sich auf die Ansiedlung neuankommender Flüchtlinge statt auf die Umsiedlung von Städtern, weil man nur auf Erstere politischen Einfluss hat. Es gibt keine legale Möglichkeit, Städter zu zwingen, in die östliche Provinz zu ziehen.
  • Flüchtlingen würde man vorschreiben, wo sie sich niederzulassen haben. Alle staatlichen Einrichtungen für die Unterbringung würde man in der östlichen Provinz schaffen.
  • Man würde sich besonders auf die Wahlkreise konzentrieren, die das höchste unerwünschte Wahlergebnis haben.
  • Die effektivste Methode wäre, die Flüchtlinge direkt in den Orten anzusiedeln, nicht draußen auf dem freien Feld.
  • Die Mitbestimmung der Gemeinden und die Bürgerbeteiligung würde man abschaffen – das wäre ja schließlich nicht nur kontraproduktiv sondern schlicht nicht notwendig, weil der Grund der Ansiedlung ja gerade ihre Ablehnung der Flüchtlingspolitik ist. Man weiß ja, dass sie gegen diese Ansiedlung sind, deswegen wurden sie ausgewählt.

Man stelle sich vor, wie die Umsetzung abläuft:

  • Die betroffenen Dörfer müssen das als direkten Angriff verstehen, schließlich werden Flüchtlinge nur noch bei ihnen angesiedelt. Und ihr Dorf wurde als politischen Gründen ausgewählt, als Antwort auf ihr Wahlverhalten.
  • In den Dörfern, die sich wehren, würde man in diesem Fall das Recht brutal durchsetzen. Zivilen Ungehorsam wie Sitzblockaden vor den Bussen würde man hier nicht als zivilgesellschaftliches Engagement werten und keinesfalls dulden.
  • Absehbar ist: Viele Menschen würden sich noch stärker wehren. Molotowcocktails auf die leeren Flüchtlingsheime wären nur der Anfang. Irgendwann würden Menschen angegriffen. Hatten wir schon einmal.
  • Die Busse und Heime würden mit mehr Polizei geschützt werden müssen als die Dörfer Einwohner haben.

Um die ganze Brutalität hinter Christian Bangels totalitärer Denkweise zu verstehen, muss man sich das wirklich mal bildlich vorstellen.

Die Menschen im ländlichen Ostdeutschland würden ja wissen, dass man nur genau sie ausgesucht hat. Sie würden wissen, dass man sie als politische Strafmaßnahme gentrifizieren möchte.

Würden die betroffenen Dörfer diese Maßnahme nach Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel nicht verhindern können – was glaubt Christian Bangel, was dann passiert?

Natürlich würden sich die Menschen wehren, selbstverständlich würde die Situation eskalieren. Und natürlich würden Menschen wie Christian Bangel empörte Artikel über die provinziellen Ossis schreiben, über ihre Gewalt, über ihre Brutalität, über die Opfer ihrer Handlungen.

Auf Verständnis – wie das bei linken Gewalttätern der Fall ist, die sich gegen eine Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse wehren und sie Gentrifizierung nennen – können diese Menschen nicht hoffen.

Wie würde es weitergehen?

  • Die ländlichen Gegenden haben keine hinreichende Infrastruktur für die Flüchtlinge, seien es Deutschkurse oder auch nur Jobs.
  • Die Flüchtlinge würden in noch größerer Zahl als heute keiner sinnvollen Beschäftigung nachgehen können und keine Perspektive haben.
  • Man müsste die Flüchtlinge zwingen dort zu bleiben, die meisten wollen aber nicht dort bleiben, sondern in die großen Städte ziehen.
  • Schnell bilden sich wie in den Städten Cluster und Parallelgesellschaften. Es findet ja keine weitere Verteilung und Durchmischung statt, weil die Flüchtlinge mit Ortsbindung dort angesiedelt werden.
  • Bei vielen Menschen würden sachliche Kritikpunkte gegen eine Zuwanderung in die Sozialsysteme und Hinweise auf die hohe Kriminalitätsrate in handfesten Rassismus umschlagen.
  • Nach dem ersten Widerstand gegen den Zuzug würden sich neue Bürgerwehren bilden.
  • An manchen Stellen wären die Zustände bürgerkriegsähnlich: Der Staat müsste die Flüchtlinge permanent schützen, die sich ihrerseits zur Wehr setzen würden.

Ich denke das ist nicht übertrieben. So viele Menschen wohnen in der ostdeutschen Provinz ja gar nicht. Und Bangel meint ja nicht den links-grünen Speckgürtel um die Großstädte. Es geht ja nur um die ländlichen Gegenden mit hohem AfD-Anteil.

Der Bevölkerungsanteil der Flüchtlinge würde dort punktuell sehr schnell steigen.

Die AfD besteht nicht aus Idioten, die man so ohne Weiteres „entzaubern“ kann. Sie gehört zu einer international vernetzten Bewegung, zu der auch die FPÖ, die Le-Pen-Partei und Salvinis Lega zählen.

Es ist nicht nur der Inhalt des Artikels der mich erschreckt. Es ist auch diese geistige Leere. Diese aneinandergereihten Aussagen, die wie eine Argumentation aussehen, aber in keinem Zusammenhang zueinander stehen.

Die AfD bestehe nicht aus Idioten, die man entzaubern könne, meint Christian Bangel. Der nächste Satz klingt wie eine Begründung. Tatsächlich steht er aber in keinem Zusammenhang zum Satz davor.

Warum man die AfD nicht entzaubern könne sagt Bangel gar nicht. Er behauptet es einfach. Was hat die internationale Vernetzung damit zu tun haben soll, ich frage schon gar nicht mehr.

In Wahrheit drückt Christian Bangel sich um die Frage herum.

Denn natürlich könnte man die AfD entzaubern – ganz einfach indem man sie ihrer politischen Alleinstellungsmerkmale beraubt. Natürlich gibt es genug Idioten in der AfD, um sie als weiteren Angriffspunkt für eine Entzauberung zu nutzen.

Aber darüber scheint Bangel nicht nachdenken zu wollen.

Doch optimistisch sind auch Leute wie Höcke oder der rechtsradikale Vordenker Götz Kubitschek. „Geduld“, schrieb der neulich, „Geduld, Geduld und nochmals Geduld.“ Es sei doch fast alles vorhanden für die politische Wende. Jetzt brauche es nur noch den nächsten Realitätsschock.

Ich finde das faszinierend. Diese Leere. Die bösen Nazis warten geduldig auf einen Realitätsschock. Und was tun ihre politischen Gegner?

Welcher Art wäre denn dieser Schock? Und wie wäre es denn, wenn man den verhindern würde?

Wenn Christian Bangel so gegen Nazis ist, warum überlegt er dann nicht, wie er deren Machtzuwachs verhindern könnte?

Ich befürchte, dass Menschen wie Christian Bangel gar nicht in Ausgleich, Kompromissen und Lösungen für alle denken wollen.

Sie scheinen totalitär zu denken.

Die wollen lieber bestimmte Menschengruppen bestrafen und sie ihrer politischen Stimme berauben, statt sich zu fragen was denn dieser Schock wäre und ob und wie man ihn verhindern könnte.

Auch das ist ein Szenario: Teile des Ostens könnten innerhalb Deutschlands zu einer Art Orbanstaat werden. Der Föderalismus ermöglicht es, Bildung, Polizeien und Gerichte aus den Landeshauptstädten zu steuern.

Ja, dieser Föderalismus ist eine Bürde. Haben wir schon mal abgeschafft, das schaffen wir bestimmt wieder. Christian Bangel merkt wirklich gar nichts mehr.

Und wieder fällt auf: Er unterstellt keine illegalen Handlungen. Er nimmt an, dass man innerhalb unseres Rechtsrahmens viele reale Veränderungen durchsetzen könnte.

Das sind für ihn Rechtsradikale: Gesetzestreue Menschen mit einer anderen Meinung.

Seien wir uns der Gefahr bewusst, dass diese Macht der AfD zufallen könnte. Und holen wir den Osten aus dieser Gefahrenzone heraus. Die Mehrheit, das haben die Ostwahlen gezeigt, ist auf der Seite der Demokraten.

Und wenns nicht mehr reicht, Christian, haben wir ja immer noch basisdemokratische und bürgernahe Zwangsansiedlungen.

Fazit

Es hat sich für mich gelohnt diesen Artikel nochmal bewusst zu lesen und zu kommentieren. Schreibt man seine Gedanken dazu mal auf und denkt die Thesen des Autors zu Ende, dann ist dieser Artikel ein totalitärer Angriff auf Menschen mit anderer Meinung.

Der Artikel wird auch auf der Seite der AfD-Wähler zu einer erheblichen Radikalisierung führen.

Er wird in diesen Kreisen sicher häufig zitiert und herumgereicht werden, schließlich droht der Autor mit ihren schlimmsten Befürchtungen: Die Bedrohung ihrer Sicherheit, ihrer wirtschaftlichen Zukunft, ja der bewussten Zerstörung ihrer Gemeinden und ihrer Kultur.

Christian Bangel kann natürlich behaupten, dass er es keinesfalls so gemeint habe. Ausdrücklich hat er schließlich auch von der Zuwanderung aus den Städten gesprochen. Auch von Zwang war ja keine Rede. Ich halte das – aus den oben geschriebenen Gründen – nur für ein Ablenkungsmanöver.

Bangel wirft den Rechtsradikalen vor, geduldig auf einen Realitätsschock warten. Ich kenne den Kontext nicht, ich nehme aber an, dass ein islamistischer Terroranschlag gemeint ist.

Statt entschlossene Maßnahmen gegen einen solchen Anschlag einzufordern, etwa indem man Straftäter und Betrüger unter den Flüchtlingen nachhaltig abschiebt, wirft Bangel dem politischen Gegner vor, politisch von den negativen Folgen der Politik der anderen profitieren zu wollen – als wäre das nicht der Normalfall.

Die einfache Maßnahme, Straftäter und Betrüger konsequent abzuschieben, hätte den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz verhindert. Diese einfache Maßnahme würde auch die AfD weitgehend entzaubern, etwas von dem Christian Bangel behauptet, dass es nicht möglich sei.

2 Kommentare zu „Gentrifizierung als politische Strafmaßnahme“

  1. […]Bangel ist sicher auch klar, dass man eine Binnenmigration aus den Städten nicht zwangsweise anordnen kann.[…]
    So Leute wie Bangel sind ja nicht bei Marx stehen geblieben, sondern seit den fruehen 60’ern zu Mao vorgerueckt. Und Mao hat das genau so gemacht, die Leute aus den Staedten aufs Land geschickt, sozusagen als Erntehelfer.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s