Was rät man einer 35-jährigen Frau mit Torschlusspanik?

Bei thecut.com gibt es einen Leserbrief einer verzweifelten 35-jährigen Frau (alle Übersetzungen mit DeepL und eigenen Veränderungen).

Ich bin eine 35-jährige Frau und habe nichts vorzuweisen. Meine 20er und frühen 30er Jahre waren eine wilde Mischung aus Umzügen entlang der gesamten Westküste, ein paar kurze Aufenthalte im Ausland, mehrere Jobs in einer mittelmäßigen Position ohne wirkliche Fortschritte. Ich war auch das Vorzeigeobjekt für Serien-Monogamie. Meine hoffnungsvollste und am längsten andauernde Beziehung (dreieinhalb Jahre, juchhu!) endete vor zwei Jahren. Wir zogen in eine neue Stadt (meine vierte neue Stadt), schufen gemeinsam ein Zuhause und stürzten uns dann in eine traumatische Trennung, die mich in meine fünfte und aktuelle Stadt führte und den wer-weiß-wievielten Job.

Es ist die typische Geschichte der unabhängigen, erfolgreichen Frau, wie wir sie schon öfter im Blog hatten. Sie lebt den feministischen Traum, der führt aber nicht wie erhofft zum Glück, sondern zum Gegenteil. Diese Erkenntnis kommt den Betroffenen feministischer Propaganda aber erst, wenn es praktisch zu spät ist um noch Änderungen herbeizuführen.

Interessant ist diese Geschichte, weil es sich um einen Leserbrief handelt, der im Artikel beantwortet wird. Ich denke, man kann thecut.com als feministisches Medium bezeichnen, wir dürfen also gespannt sein, welche Antworten Feministinnen auf hereinbrechende Realität bereithalten. Aber schauen wir uns zunächst den Leserbrief näher an.

Nach all den Jahren schneller Veränderungen und überstürzter Entscheidungen, die ich einst als abenteuerlich, experimentierfreudig und als ein „einzigartiges Leben“ bezeichnete, habe ich nichts vorzuweisen. Ich habe kein Vermögen, und ich habe jetzt so hohe Schulden von all meinen Umzügen, schlechten Entscheidungen und fehlendem Karrieredrang, dass ich vielleicht nie in den Ruhestand gehen kann.

Ich finde Haunted (so nennt sich die Briefschreiberin selbst) außergewöhnlich. Sie beschreibt ihre traurige Situation als Fakt und übernimmt selbst die Verantwortung dafür. Sie gibt niemand anderem die Schuld an der Situation, sie nennt nur die Fakten und die Gründe, warum sie heute da steht wo sie steht.

Haunted schreibt auch keinen Jammerfrauenartikel um sich bei allen und jedem über ihr Leid zu beklagen, anderen die Schuld zu geben und selbst passiv zu bleiben. Haunted möchte nicht einfach in den Äther hinein jammern, sie fragt nach Hilfe um ihre Situation zu verbessern, sie möchte Antworten, sie möchte selbst aktiv werden.

Dass sie diese Hilfe ausgerechnet bei einer feministischen Webseite sucht, zeigt, dass sie noch nicht verstanden hat, was der Grund für ihre Probleme ist.

Ich habe keine Karriereziele und interessiere mich sowieso nicht so sehr für meine Branche, aber jetzt ist sie meine Rettungsleine, da ich nur genug Ersparnisse habe, um ein Hotelzimmer für zwei Nächte zu mieten.

Sie findet keine Erfüllung in ihrem Beruf, aber ihre materielle Situation ist derart prekär, dass sie keine Alternativen hat.

Ich habe keine Familie in der Nähe, keine langfristige Beziehung, die auf jahrelangem beiderseitigem Wachsen und gemeinsamen Erfahrungen basiert, keine Kinder.

Haunted möchte Ihre Situation offenbar sehr genau erläutern. Ihre materielle Lage ist nur ein Teil ihres Problems: Sie ist einsam und sie vermisst etwas. Sie kann sogar benennen was ihr fehlt: Eine tiefgründige Beziehung.

Obwohl ich leicht Freundschaften schließe, habe ich die meisten meiner Freunde in jeder Stadt, aus der ich gezogen bin, zurückgelassen, während sie weiterhin tiefe Wurzeln schlugen: Ehen, Wohneigentum, berufliche Entwicklung, Gemeinschaft, Familien, Kinder.

Ihr Leben ist oberflächlich und sie sieht, was andere haben. Das fehlt ihr. Sie selbst hat ihre Situation in der Vergangenheit immer weiter verschlimmert, auch weil sie so oft umgezogen ist, dass ihre Freunde auf viele Städte verstreut sind und keine tiefen Freundschaften entstehen konnten.

Die Beschreibung ihrer mitleiderregenden Situation geht noch weiter: Kontakt zu ihren ehemals engen Freundinnen hat sie nur noch sporadisch. Meist ist sie allein mit ihrer Katze. Manches lese ich so, dass sie kaum noch ihr Leben organisiert bekommt.

Außerdem hatte ich im letzten Jahr eine Brustkrebserkrankung und musste wegen eines Fruchtbarkeitsproblems an meiner Gebärmutter operiert werden. Hinzu kommt, dass ich 35 bin und jede Gyno- und Frauengesundheits-Website auf dieser Seite des Mississippi mir sagt, dass meine Fruchtbarkeit schneller nachlässt, als wenn ein Klavier vom Himmel fällt. Nun überlege ich, meine Eier einzufrieren, was meine endlose finanzielle Belastung noch vergrößern würde, in der Hoffnung, vielleicht etwas aus diesem Spukhaus zu machen und eines Tages eine Familie mit einem namenlosen Mann zu haben.

Offensichtlich hat erst ein einschneidendes Erlebnis dazu geführt, dass sie sich über ihre Situation klar wird. Eine Krebserkrankung führt ihr vor Augen, dass sie niemanden hat, auf den sich sich in dieser Situation stützen kann.

Wie hat sie sich wohl gefühlt, wenn sie bei ihren Behandlungen andere Frauen mit der selben Krankheit gesehen hat, die von ihren Männern begleitet wurden? Diese Frauen haben nicht allein gegen die Krankheit bestehen müssen, sie hatten ihre Familien.

Ich finde es beängstigend, dass selbst eine so reflektierte Person wie Haunted erst ein so einschneidendes Erlebnis benötigt um sich über ihre Situation klar zu werden.

Ihr ist schlagartig klar geworden, welche Lebensziele sie hat. Sie macht sich Gedanken, wie sie eine Familie gründen kann – denn das ist ihr Ziel – aber ihre Situation ist verzweifelt: Sie hat keine Aussicht auf einen Mann, mit dem sie die Familie gründen kann. Stattdessen klammert sie sich verzweifelt wie an einen Strohhalm an die Möglichkeit ihre Eier einfrieren zu lassen, obwohl sie dafür kein Geld hat.

Ich versuche es, Polly. Das tue ich. Ich treffe mich mit Männern. Ich trainiere und arbeite hart. Musik hören genieße ich und ich liebe meine Katze. Ich telefoniere mit  meiner Mutter. Dennoch fühle ich mich wirklich wie ein Geist. Niemand weiß, wer ich bin oder wo ich war. Ich habe keinen Freund, Liebhaber oder Feind lange genug in meiner Nähe, um jemandem eine Chance zu geben. Wozu das Ganze? Ich interessiere mich nicht für meinen Job. Ich arbeite nicht auf etwas hin, und ich habe nicht die Zeit oder das Geld, um wirklich in das zu investieren, was mir an diesem Punkt wichtig ist.

Hier endet Haunteds sachliche Analyse ihrer Situation, es wird absurd. Sie glaubt daran, dass das Einfrieren ihrer Eizellen in ihrer Situation das Wichtigste ist, für das sie aber kein Geld hat.

Ich gewinne auch den Eindruck, dass sie gar nicht mehr zu tiefgründigen Beziehungen in der Lage ist, sie erscheint abgestumpft und seicht. Vielleicht kann sie auch nicht zwischen Männern unterscheiden, die eine langfristige Beziehung mit Familie haben wollen und Männern, die eine lose Beziehung möchten.

Sie versucht es, aber mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln schafft sie es nicht. Sie trifft Männer, aber offensichtlich keine, die mit ihr eine Familie gründen wollen. Das kann an ihr selbst liegen, so dass die Männer zwar eine Familie gründen wollen, aber nicht mit ihr, oder es kann an ihrer (falschen) Auswahl der Männer liegen.

Sie bräuchte eine sachliche externe Sicht auf ihre Situation, ein ehrliches Feedback von außen.

Darüber hinaus sagt mir die Gesellschaft, dass mein Wert als Frau schnell schwindet, meine Falten Botox erfordern (Hinweis auf besagte schlechte Finanzen), während mein Manager mich auffordert, „diesen Bericht bis Montag fertigzustellen“. Warum sich die Mühe machen?

Es verfestigt sich der Eindruck, dass Haunted sehr oberflächlich ist und viel zu sehr auf Äußerlichkeiten fixiert ist. Sie glaubt ihre Situation würde mit Training, Arbeit und Botox irgendwie besser.

Wie entwürdigend.

Mit ihrer Oberflächlichkeit in Verbindung mit ihrer Sprunghaftigkeit hat sich die heute verzweifelte 35-jährige selbst in diese Situation gebracht. Ihre Vergangenheit stinkt nach den Ausscheidungen von „Freiheit“, „Selbstverwirklichung„, „starke Frau„, „Selbstständigkeit„, „sei dir selbst treu“ und „Abenteuer„. Oberflächliche „Werte“ ohne Tiefgang oder wirkliche Erfüllung. 

Es stinkt nach Feminismus.

Meine Apathie kommt auf seltsame Weise zum Vorschein. Ich trinke zu viel, und wenn ich meine Freunde gelegentlich sehe, bin ich am Ende betrunken und wütend oder traurig oder beides und schiebe sie weg.

Jetzt wo sie zu ihrem aktuellen Verhalten kommt werden ihre Formulierungen passiv. Sie betrinkt sich nicht. Nein, irgendwie ist sie „am Ende betrunken“. Am Ende ist sie – offensichtlich ohne ihr eigenes zutun – auch „wütend oder traurig oder beides“.

Ich würde das mal mit „neidisch“ oder „eifersüchtig“ übersetzen.

Das finde ich per se nicht schlimm. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wenn aus Neid und Eifersucht nur Bitterkeit wird, endet man wie Haunted.

Wenn man sich entscheidet aus Neid und Eifersucht ehrliche und ernst gemeinte Freude für die andere Person abzuleiten, könnte daraus auch Selbsterkenntnis werden. Mit dieser Geisteshaltung kommt man vielleicht seinem Gegenüber näher.

Und mit Männern, mit denen ich mich verabrede, verspüre ich den Druck, zu früh etwas aus der Beziehung zu machen (zusammen ziehen, heiraten, „Ich muss in ein paar Jahren Kinder haben“; lustige Zeiten!). Die ganze Zeit versuchte ich immer noch, die 25-jährige Sexbombe zu sein, von der ich bis vor kurzem dachte, dass ich sie wäre.

Die oberflächliche Katzenfrau. Sie klammert sich an ihre verschwendete Jugend und wähnt sich noch immer in Konkurrenz mit 25-jährigen Frauen um die heißesten Typen.

Sie glaubt, dass ihr Äußeres das wichtigste für eine langfristige Beziehung und für die Gründung einer Familie wäre.

Was werden das wohl für Typen sein, mit denen sie sich trifft um ihnen zu beweisen, dass sie mit den 25-jährigen mithalten kann? Erbärmlich.

Ich dachte immer, ich wäre diejenige, die alles im Griff hat. Abenteuerliches Leben in der Stadt! Auf Weltreise! Erinnerungen sammeln! Jetzt fühle ich mich unglaublich leer. Und töricht. Wie kann ich mir eine Zukunft aufbauen, über die ich mich nach all den vergeudeten Jahren freuen kann? Aus welchen Reserven oder Identitäten kann ich schöpfen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit meinen Lebensentscheidungen bis zu diesem Punkt nichts erreicht habe?

Diese dröhnende Oberflächlichkeit. Sie wähnte sich besser als ihr Umfeld.

Erst eine lebensbedrohliche Krankheit hat ihr klar gemacht, dass es genau umgekehrt ist: Während sie ihre oberflächlichen Erfahrungen sammelte, haben sich andere eine Basis aufgebaut, eine Basis aus fester, sinnstiftender Beziehung, Familie und geduldig aufgebauter materieller Sicherheit.

Auch ihre Fragestellung spricht Bände: Sie fühlt sich zwar töricht und ihre erste Frage zielt auf eine Verbesserung ihrer Situation, aber die zweite Frage verrät, dass sie sich ein Türchen offen halten möchte: Falls es mit der Verbesserung nicht klappt, möchte sie – als Rückfallposition – die Bestätigung bekommen, dass ihre Lebensentscheidungen nicht schlecht waren und sie möchte von thecut-Autorin Heather Havrilesky etwas gesagt bekommen, durch das sie wieder das Gefühl hat, dass sie im Leben etwas erreicht hat.

Mit diesen zwei konkreten Fragen endet der Leserbrief. Immerhin, möchte ich sagen. Sie hat erkannt, dass nur sie selbst ihre Situation verbessern kann und dass ihr jammern nichts nützt. Sie fragt aktiv nach Rat.

Bevor ich zur Antwort von thecut.com komme, möchte ich der 35-jährigen antworten.

Was sollte eine 35-jährige mit Torschlusspanik tun?

Zunächst sollte Haunted ihr selbstzerstörerisches Verhalten einstellen. Im Artikel erwähnt sie, dass sie zu viel trinkt und dass dies ihre Beziehungen zu anderen Menschen belastet. Das sollte sie beenden.

Wegen ihrer Oberflächlichkeit und ihrer schwierigen Finanzlage nehme ich an, dass sie häufig sinnlosen Schrott kauft, auch um sich kurzfristig besser zu fühlen. Sie sollte sich dagegen entscheiden und sich einen Plan machen, wie sie geduldig und langfristig ihre finanzielle Situation verbessert.

Das Beenden des Trinkproblems und die Konzentration auf langfristige Ziele, weg von gefühlsbetonten Belohnungen, kann der Beginn einer veränderten Geisteshaltung sein, die ihr in allen Bereichen nützen würde und ihr außerdem hilft, ihre Oberflächlichkeit zu überwinden.

Sie sollte ihre Vergangenheit akzeptieren und sie als Quelle für Erfahrungen nutzen. Sie ist auf einem guten Weg, sie weiß wenigstens, was sie möchte und dass es nicht das ist, was sie in der Vergangenheit hatte. Das können viele Menschen nicht von sich behaupten.

Anhand des Briefes kann ich natürlich nur raten, aber ich halte sie für verbittert (wenn auch noch nicht sehr weit fortgeschritten) und ich glaube ihre Gegenüber spüren ihre Verzweiflung und ihre Angst.

Bitterkeit, Verzweiflung und Angst sind Gift für ihre Zukunft. Mit Bitterkeit und dem daraus resultierendem Verhalten stößt sie normale Menschen ab. Es bleiben ihr nur die, die nicht an ihr als Person interessiert sind, sondern nur an der 35-jährigen ganz gut durchtrainierten Sexbombe, zu der sie sich selbst degradiert.

Gegen ihre Verbitterung sollte sie sich entscheiden glücklich zu sein. Sie sollte versuchen, sich auch über die kleinen Dinge zu freuen. Sie sollte das Wenige wertschätzen, was sie hat, und auf das Stolz sein, was sie erreicht.

Verzweiflung, Angst und Torschlusspanik locken eher die falschen Typen an, sie erscheint als „leichte Beute“.

Sie braucht einen echten Plan B. Dass sie ein Ziel hat ist sehr gut, aber sie muss die Möglichkeit akzeptieren, dass dieses Ziel nicht zu erreichen ist und darf auf keinen Fall in eine ausweglose Situation geraten. Dann besteht die Gefahr, dass sie völlig aus der Bahn geworfen wird. Davor muss sie sich schützen.

Ich kann mich nur schwer in ihre Situation hineinversetzen, aber vielleicht gelingt es ihr ja doch (vielleicht nach einem Jobwechsel) Erfüllung in ihrem Job zu finden. Vielleicht hat sie auch einen Neffen oder eine Nichte auf die sie sich konzentrieren kann. Oder ein Patenkind.

Es gibt viele Menschen die glücklich und zufrieden sind, auch wenn sie nicht alle ihre Lebensziele erreicht haben. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, sie muss sich aktiv für einen Plan B entscheiden um darin zumindest teilweise Erfüllung finden zu können.

Ihr größtes Problem ist jedoch ihre Oberflächlichkeit. Sie sieht sich selbst als Sexbomben-Konkurrenz zu 25-jährigen Frauen. Das ist aussichtslos: Frauen über 30 verlieren bei der Partnersuche.

Ich lese aus ihrer Schilderung zwischen den Zeilen, dass sie häufiger mit Typen im Bett landet und sich wundert, warum niemand dabei ist, der sich für eine feste Beziehung eignet.

Sie sucht jemanden, auf den sie sich auch in schweren Zeiten verlassen kann. Würde sich so jemand davon abschrecken lassen, wenn er nicht gleich nach dem ersten Treffen mit ihr in die Kiste steigen darf?

Es ist sogar eher anders herum: Würde sich jemand mit ernsten Absichten, den sie gleich mit zu sich nach Hause nimmt, nicht am nächsten Morgen fragen, ob das bei ihr Standard ist? Würde er nicht befürchten, dass sie keine gute Wahl ist, weil sie schnell mal mit anderen in die Kiste steigt und die mühsam aufgebaute Beziehung zerstört?

Natürlich muss sie der Realität ins Auge sehen: Sie ist Mitte 30, ihr Umfeld hat ein Bild von ihr gewonnen. Falls sie in ihrem Umfeld als „leichte Beute“ wahrgenommen wird, wird sie in diesem Umfeld nur noch sehr schwer jemanden finden, der mit ernsten Absichten auf sie zugeht.

Auch außerhalb ihres Umfelds hat sie es schwer. Die wenigen noch verfügbaren attraktiven Männer in ihrem Alter haben die Wahl unter vielen Frauen verschiedener Altersgruppen. Ihre Möglichkeiten sind begrenzt.

Vielleicht würde eine Online-Partnerbörse helfen, obwohl sie in einer dafür schwierigen Altersgruppe ist. Auch hier befürchte ich, dass sie in ihrem Alter von den Männern, die sie für attraktiv hält, eher als Fickmaterial wahrgenommen wird. Sie müsste nach den Typen schauen, die sich in ihrem Online-Auftritt nicht perfekt verkaufen können.

Sie könnte sich ein konservatives Hobby suchen und auf die Männer achten, die hinter den Selbstdarstellern still ihr Ding machen.

Vielleicht müsste sie auch den Ort wechseln. Und ich meine eine wirkliche Veränderung, keine hippe Westküstenmetropole in der One-night-Stands die am weitesten verbreite Interaktion zwischen Männern und Frauen sind, sondern traditionelles amerikanisches Hinterland. Orte an denen Familienwerte zumindest vordergründig noch hoch gehalten werden.

Es klingt im Leserbrief so, als ob ihre Eltern aus dem Hinterland kommen. Vielleicht sollte sie in diese Stadt ziehen?

Die feministische Antwort

Thecut.com Autorin Heather Havrilesky geht zunächst auf eine Nebensächlichkeit im Leserbrief ein, in der Haunted ihren Neid auf Künstler äußert. Dann kommt sie zum Thema.

Scham ist das Gegenteil von Kunst. Wenn du in deiner Scham lebst, ist alles, was du siehst, unzureichend und peinlich. Ein Leben lang zu reisen und Abenteuer zu erleben und nicht an langfristige Verpflichtungen gebunden zu sein, sieht durch die Linse der Scham leer und erbärmlich und dumm aus. Du hast keinen Partner gefunden. Dein Gesicht wird älter. Dein Körper wird immer schwächer werden. Dein Verstand ist weniger flexibel. Deine Zeit läuft ab. Scham verwandelt jede Emotion in die Manifestation eines Persönlichkeitsfehlers, jede zufällige Wahl in einen riesigen Fehler, jeden kleinen Fehler in einen moralischen Fehler. Scham bedeutet, dass du verdammt bist und nichts erreicht hast, und von hier aus geht es nur noch bergab.

Ich war schon etwas überrascht. Scham habe ich im Leserbrief eher als untergeordnete Emotion wahrgenommen, weil ihre Sorgen eher mit ihrer Zukunft als mit ihrem Außenbild zu tun hatten. Scham wird in den Beziehungen zu anderen sicher eine Rolle spielen, ich habe aber eher Neid als Scham gesehen. Mag aber sein, dass Heather Havrilesky recht hat.

Heather Havrilesky steigt mit der Antwort auf die zweite Frage ein, nämlich wie sich Haunted in ihrer aktuellen Situation wieder besser fühlen kann, ohne sich und die Situation zu ändern.

Ich bezweifle, dass Haunted damit geholfen ist, denn die Aussagen sind nur oberflächlich auf ihre Situation zugeschnitten: Alles, wirklich alles, wofür man sich schämt, sieht für den der sich schämt „leer, erbärmlich und dumm aus“. Das ist keine spezielle Erkenntnis mit Bezug auf die Lebensentscheidungen, die Haunted getroffen hat.

Letztlich läuft der Rat auf „schäm dich einfach nicht mehr“ hinaus. Bis hierhin kann ich noch mitgehen. Oft ist die eigene Zufriedenheit nur eine Entscheidung, die man treffen muss.

Aber Heather Havrileskys Rat beschränkt sich darauf, sich nicht mehr für die eigenen Entscheidungen zu schämen. Das greift viel zu kurz, weil sich dieser Rat damit ausschließlich auf das gefühlte Außenbild konzentriert, statt die Situation sachlich zu bewerten.

Hilft es Haunted wirklich wenn sie heute beschließt stolz auf ihre Vergangenheit zu sein, aber später feststellt, dass sich ihre Befürchtungen bewahrheitet haben?

Du musst etwas von dieser Scham ablegen, die du die ganze Zeit mit dir herumschleppst. Aber auch wenn man seine Scham nicht so schnell loswerden kann, durch die Linse der Kunst, wird Scham wertvoll. Wenn du neugierig auf deine Scham bist, anstatt Angst davor zu haben, kannst du die wahre Beschaffenheit des Tages und den Reichtum des Augenblicks mit all seinen Fehlern sehen. Du kannst deine Hände entlang deiner eigenen, selbstzerstörerischen Kanten laufen lassen, bis du einen Splitter bekommst, und du kannst den Splitter herausziehen und ihn anstarren und betrachten. Wenn du deiner Scham mit einem offenen Herzen gegenüberstehst, bist du auf einem Weg zur Kunst, auf einem Weg, Freude und Elend, Angst und Hoffnung in den Falten deines Tages zu finden. Auch wenn dein Job langsam und langweilig und sinnlos ist, auch wenn sich deine Nachmittage allein tückisch und beängstigend anfühlen, kannst du deine Augen auf die tief hängenden Wolken richten, bis ein kleines bisschen Sonnenlicht durchsickert. Du bist am Leben und wirst wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte lang leben. Die Zahlen auf deinen Kreditkartenauszügen können sich erschütternd anfühlen, aber du kannst dieses Gefühl nehmen und ihm Gesellschaft leisten, anstatt es dich lebendig fressen zu lassen. Du kannst zum Tante-Emma-Laden gehen, um eine Zeitung zu kaufen und den Wochenendkalenderabschnitt herauszuziehen und etwas einkreisen und dich verpflichten, diese eine Sache zu tun. Du kannst eine neue Art von Existenz aufbauen, eine, die sich klein und fehlerhaft und ehrlich anfühlt, aber jeden Tag sammelst du eine Art Schatz, der nicht verschwindet. Denn anstatt vor der Wahrheit davonzulaufen, begrüßt man sie. Man behandelt das, was man hat, nicht als sinnlos. Du arbeitest mit dem, was du hast.

Gelebter Feminismus. Ändere nichts an deiner Situation, obwohl du dich leer fühlst und wie ein Gespenst. Deine Gefühle sind nur konstruiert. Lass alles so wie es ist.

So geht das immer weiter, es bleibt esoterisch. Hier ruft jemand um Hilfe, aber Heather Havrileskys Antwort wird erstaunlicherweise immer selbstbezogener, bis sie schließlich nur noch über sich selbst redet und auch noch einen peinlichen Verweis auf ihr jüngst erschienenes Buch einstreut.

Ich weiß, dass du es versuchst. Ich weiß, dass du hart arbeitest und erschöpft bist. Du magst deinen Job nicht, aber du hast nicht das Gefühl, dass du kündigen kannst. Du wünschst dir, du hättest nicht so gelebt, wie du gelebt hast. Du wünschst dir, du hättest engere Freunde gefunden, dauerhaftere Beziehungen aufgebaut und an einem Ort geblieben. Du hast das Gefühl, dass du nur noch sehr wenig Zeit hast. Und vielleicht interessiert es dich nicht einmal so sehr, wie viel Zeit du noch hast, im Moment.

Irgendwann bekommt Heather Havrilesky die Kurve und kommt zum Problem zurück. Sie beschreibt Haunteds Situation kurz und prägnant.

Aber dein Selbstverständnis ergibt keinen Sinn. Du hast es von einer Liebeskomödie übernommen. Das Alter von 35 Jahren ist kein Verfallsdatum für deine Schönheit oder deinen Wert. Es spielt keine Rolle, ob alle lebenden Menschen das glauben. Es ist deine Aufgabe, diesen Gedanken für immer auszumerzen.

Diese Sätze klingen wie aufbauende Sätze, aber bei mir kommen sie wie Hohn an. Haunted ist seit zwei Jahren Single. Sie stellt fest, dass ihr etwas im Leben fehlt und dass sie nicht über die Mittel verfügt, ihre Situation zu ändern. Sie schreibt, dass sie es (verzweifelt) versucht, aber es gelingt ihr nicht. In dieser Situation wendet sie sich an Heather Havrilesky und fragt nach Rat.

Und Heather Havrilesky schreibt in erster Linie über sich selbst und als sie dann endlich zum Punkt kommt, verhöhnt sie sie. Sie behauptet, dass es egal ist, was die anderen glauben. Haunted soll diesen Gedanken „für immer ausmerzen“.

Damit belügt sie Haunted über ihre Situation, denn selbstverständlich verfällt Schönheit. Haunted beschreibt die Auswirkungen dieses Verfalls. Und selbstverständlich ist es relevant, wie die anderen sie sehen, schließlich möchte sie, dass einer der anderen Menschen ihr Partner wird.

Auch ihre Suche nach engen, dauerhaften Freundschaften hängt mit ihrer Suche nach einem Lebenssinn zusammen: Andere Frauen werden sich und besonders ihren Partner vor Haunted abschirmen, wenn sie als ungebundene, sexuell offene, verzweifelte Frau wahrgenommen wird.

Männer werden sie eher als potenzielle Sexualpartnerin sehen denn als Freund. Ihre Situation hat sehr viel mit der Wahrnehmung ihrer Person durch andere zu tun.
Das einfach abzutun hilft Haunted nicht. Sie benötigt eine reale Einschätzung ihrer Situation und dazu gehört, wie andere sie sehen.

Heather Havrilesky interessiert das nicht, sie schreibt lieber wieder über sich selbst.

Wenn du ein Leben mit einem Partner aufbauen willst, eine befriedigendere Karriere haben willst und vielleicht Kinder haben willst, musst du dich ab heute wie ein geliebtes Kind behandeln. Wenn du eine Tochter hättest, die 35 Jahre alt ist und sich fühlt, als wäre ihr ganzes Reisen und Umziehen ein riesiger Fehler, der alles SCHLECHTE und kurzsichtige über sie verkörpert, was würdest du ihr sagen? Du würdest ihr sagen, dass sie sich irrt. Du würdest sagen: „Dein Leben fängt gerade erst an!“

Ich fasse das mal zusammen: Nachdem sich Haunted ihr Leben lang verantwortungslos, sprunghaft und oberflächlich – also wie ein Kind – verhalten hat, und dies zu ihren Problemen geführt hat, liegt die Lösung darin, sich wie ein geliebtes Kind zu behandeln.

An dieser Stelle ist mir das Lachen im Halse stecken geblieben. Es kommt mir so vor, als würde sich Heather Havrilesky bewusst über Haunted lustig machen. Sie soll weiter machen wie bisher um dadurch ihren Partner zu finden – obwohl sie ihn auf diese Weise bisher nicht finden konnte.

Heather Havrilesky würde ihrem geliebten Kind, das Probleme hat, sagen, dass es keine Probleme gibt und sie alles richtig gemacht hätte. Anschließend würde sie ihrem geliebten Kind noch eine Plattitüde mitgeben.

Ich erwarte von Menschen, die mir nahe stehen, auch mal klare Worte, auch wenn das unangenehm ist. Dann kann ich mein Verhalten ändern, wenn ich das möchte.

Lerne, dich selbst so zu behandeln, wie es ein liebender älterer Elternteil tun würde. Sag es dir selbst: Diese Abrechnung dient einem Zweck. Deine Reisen dienten einem Zweck. Deine Umzüge hatten einen Zweck. Du sitzt auf einem Haufen Gold, den du dir durch deine eigene harte Arbeit verdient hast, du kannst es nur noch nicht sehen. Du kannst es nicht sehen, weil du von deiner Scham geblendet bist.

Ja zu einer positiven Sicht auf das eigene Leben, das sehe ich ähnlich. Aber es nutzt doch nichts die Augen vor den eigenen Problemen zu schließen. Was hat Haunted denn davon, wenn sie zehn Jahre die Augen verschließt und dann feststellt, dass die Situation noch aussichtsloser geworden ist?

Ein liebender Elternteil würde doch nicht zu seinem verzweifelnden Kind sagen, dass alles in Ordnung ist und sie nichts ändern soll.

Es ist in Ordnung, Schulden zu haben und sich Sorgen zu machen.

Nein, das würde kein liebender Elternteil sagen. Die würden sagen: Beweg deinen Arsch. Verdiene mehr oder gib weniger aus. Nur durch harte Arbeit kannst du dich aus dieser Situation befreien. Einen Plan die Schulden abzutragen ist der beste Weg seine Sorgen zu bekämpfen.

Liebende Eltern würden ihr Kind auffordern sich nicht länger wie ein Kind aus der Verantwortung zu stehlen, sondern selbst Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Es ist in Ordnung, sich einsam und verloren zu fühlen.

Auch das würde kein liebender Elternteil sagen. Liebende Eltern würden sagen: Du bist nicht einsam, du hast uns, unsere Tür steht immer offen. Liebende Eltern würden sich große Sorgen machen, wenn ihr Kind ihnen mitteilt, dass es sich einsam und verloren fühlt.

Es ist nicht ungewöhnlich oder anormal, Verzweiflung zu empfinden. Das ist ein Teil des Überlebens.

Doch, es ist ungewöhnlich, wenn sich jemand ausweglos verzweifelt fühlt. Das kann sogar eine Indikation für eine Depression sein.

Wie verantwortungslos ist Heather Havrilesky eigentlich? Merkt sie nicht, wie verzweifelt sich Haunted anhört?

Es folgen abstruse Tipps, die Haunteds Situation nur verschärfen würden. Sie könne doch Künstlerin werden. Der blanke Hohn.

Du bist 95 Jahre alt und schaust auf dein 35-jähriges Selbst zurück, und das ist es, was du siehst: eine junge Frau, so jung, so enttäuscht, obwohl alles dabei ist, wirklich gut zu werden. Sie sieht nicht, wieviel sie erreicht hat, wieviel sie gelernt hat, wieviele neue Freuden auf sie warten. Sie weiß nicht, wie stark sie ist. Sie hat verbundene Augen und sitzt auf einem Berg von glitzernden Edelsteinen. Sie ist schön, aber sie fühlt sich hässlich. Sie hat eine reiche Fantasie und eine bunte Vergangenheit, aber sie fühlt sich arm. Sie denkt, sie verdient es, beschimpft zu werden, weil sie nichts hat. Sie hat alles, was sie braucht.

Ich verstehe gar nicht, was an diesem Absatz aufbauend oder ermutigend sein soll. Es wirkt auf mich – schon von der Wortwahl her –  wie eine Prinzessinnen-Fantasie für kleine Mädchen.

Sie empfiehlt die Flucht in eine Traumwelt, in der Haunted glitzernde Edelsteine aus dem Arsch fallen.

Wie soll das einem erwachsenem Menschen helfen?

Aber Hilfe scheint auch nicht Heather Havrileskys Ziel zu sein. Sie schreibt weiter über sich selbst. Als sie zum Schlusswort endlich wieder zu Haunted und ihren Problemen zurückkehrt dreht sie völlig ab:

Du musst nur ein Mensch sein, Haunted. Das ist Erfolg.

Nein. Man muss gar nichts leisten um ein Mensch zu sein. Das haben ihre Eltern für Haunted erledigt. Das ist kein Erfolg, es bedeutet nichts. Es gibt sieben Milliarden Menschen., es ist nicht einmal etwas Besonderes ein Mensch zu sein.

Ein Erfolg ist das Menschsein erst recht nicht: Erfolg ist das Erreichen gesetzter Ziele. Die Ziele die sich Haunted gesetzt hat, hat sie nicht erreicht und sie fürchtet, dass sie sie nie erreichen wird.

Heather Havrilesky plädiert dafür, mit dem zufrieden zu sein was sie heute hat, obwohl Haunted sich leer und unerfüllt fühlt. Ziele für ein besseres Leben sollte sich Haunted gar nicht erst setzen.

Absurd.

Sieht so die Hilfe aus, die eine Frau von anderen Frauen erwarten kann? Märchen, Lügen und leere Worte? Gekrönt durch peinliche Geschichten, die nur der Selbstdarstellung der angeblich helfenden Frau dienen?

Wenn man ein Mensch ist, fühlt sich das Leben befriedigend an. Alles passt zusammen. Jede Kleinigkeit zählt. Sieh dir an, was du hast. Hier beginnt alles. Alles, was du tun musst, ist, deine Augen zu öffnen.

Liebe Heather, Haunted hat die Augen geöffnet. Ihre schwere Erkrankung hat ihr dabei geholfen. Und was sie gesehen hat, findet sie nicht befriedigend.

Fazit

Ich lese normalerweise keine Frauen-Selbsthilfe-Artikel. Aber wenn Hilfe unter Frauen so aussieht, dann sind Frauen, die Hilfe bei Frauen suchen, verloren. Leere Plattitüden, Traumwelten und eine Helferin, die desinteressiert scheint und sich selbst in den Mittelpunkt stellt.

Der einzige sinnvolle Hinweis den Heather Havrilesky liefert ist der, dass sich Haunted entscheiden sollte zufrieden zu sein. Aber auch dieser Punkt wirkt durch die Überbetonung der Scham vor anderen, die Haunted angeblich empfindet, seltsam oberflächlich und nur auf Äußerlichkeiten bedacht.

Auf die eigentliche Frage, wie sich Haunted eine bessere Zukunft aufbauen kann, gibt Heather Havrilesky keine Antwort. Ihre Ausführungen beschränken sich auf Hinweise zu Gefühlen, wo doch Ratschläge zum Verhalten und zu Zielen notwendig wären.

Besonders bedeutsam finde ich das, weil ja nicht nur Haunted die Antwort auf ihren Leserbrief liest. Andere Frauen könnten von den Erfahrungen und den Ratschlägen Haunteds und Heather Havrileskys profitieren.

Gerade für jüngere Frauen, die sich noch nicht für einen Lebensweg entschieden haben, könnte Haunteds Schilderung ihrer Situation als 35-jährige wertvoll sein. Sie könnten selbst entscheiden, ob sie sich dem Risiko aussetzen wollen, in eine ähnliche Situation zu geraten.

Heather Havrilesky scheint das Lebensziel, das Haunted formuliert hat, nicht zu akzeptieren, jedenfalls versucht sie ihr nicht bei der Umsetzung so gut es geht helfen zu wollen. Es wirkt fast schon böswillig wie sie versucht sie davon zu überzeugen, dass ihr jetziges Leben ganz toll ist, statt ihr Ratschläge zur Erreichung ihres Ziels zu geben.

Wäre Haunteds Schilderung von einer Antwort mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und Ratschlägen zu Verhaltensänderungen untermauert, könnten auch andere Frauen entscheiden, ob sie das Lebensziel Ehemann und Kinder teilen und diese Ratschläge für sinnvoll halten.

Es wirkt befremdlich, dass Heather Havrilesky keine Stellung hinsichtlich des Lebensziels bezieht, denn sie hat selbst Kinder und ist verheiratet. Sie hat sich für Familie und Kinder entschieden, warum lässt sie ihre Leser nicht von Ihren Erfahrungen profitieren? Bereut sie ihre Entscheidung? Würde sie es bereuen sich anders entschieden zu haben? Was würde sie jungen Frauen raten?

Warum unterstützt Heather Havrilesky andere Frauen nicht dabei für sich einen Weg zu finden, indem sie sie mit möglichst vielen Informationen und Ratschlägen versorgt?

Nach der Lektüre des Leserbriefs und der Antwort kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass das Klischee von den Frauen, die sich gegenseitig nichts gönnen, einen wahren Kern hat.

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5 Kommentare zu „Was rät man einer 35-jährigen Frau mit Torschlusspanik?“

  1. Einer der Gründe, warum Jordan Peterson so beliebt ist, ist seine Fähigkeit, Zusammenhänge verständlich auf den Punkt zu bringen.

    Zum Beispiel in seinem Interview mit Warren Farrell:

    63:07 you might think that calling someone on their
    63:08 failure is harsh and judgmental – and
    63:12 it is in a sense – but it’s not harsh and
    63:15 judgmental about their potential, you
    63:18 know. So if your kid comes to you and
    63:20 says:“I screwed up and here’s
    63:21 what I did and it did go so well” and you
    63:23 say “That’s okay you’re a wonderful kid”
    63:25 then the kid’s stuck in a bind, because
    63:28 they’re not feeling so wonderful and
    63:30 they failed. But if you say: “well, look, you
    63:32 know that was stupid, like, what the
    63:35 hell’s wrong with you! Here’s what you
    63:36 could do! You’re better than that,
    63:38 man. Get it together a little bit. Let’s
    63:40 come up with some strategies so that you
    63:42 can figure out how that’s never going to
    63:43 happen to you again!” And so, instead of
    63:46 putting your faith in who the child is
    63:48 right now (which I would say in some
    63:50 sense is the hallmark of
    63:53 impulsive empathy) you put your faith in
    63:55 who the child could be and that’s
    63:58 encouragement and I would say in
    64:00 circumstances of failure especially
    64:02 where the child is motivated to try
    64:04 again encouragement beats
    64:08 impulsive empathy hands down as a mark
    64:12 of faith and who the child might be

    http://www.youtube.com/watch?v=v5O_FLUWYmg&t=63m

    Und das ist einer der Gründe, warum Kinder Väter brauchen: Die sind im Schnitt besser darin, nicht nett, sondern produktiv ehrlich zu sein.

    Und das ist einer der Gründe, warum Feminismus so schädlich ist: Wenn du an nichts Schuld hast, kannst du auch nichts ändern. Und darin werden Frauen permanent bestärkt.

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  2. Nun, ich kann die Antwort verstehen.
    Sie will Bücher verkaufen. Glückliche und zufriedene Menschen kaufen keine Ratgeber, jedenfalls keine So-fühlst-Du-Dich-gut!-Ratgeber und anderen Chacka!-Du-schaffst-es-Unsinn. Also empfiehlt sie den bequemen Weg, auch wenn der zu nichts führt. Würde sie den Menschen wirklich helfen, wären sie als Kunden verloren.
    Erwarten Sie von einem Dealer, dass er seinen Kunden rät, clean zu bleiben?

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  3. Mein erster, wichtigster Ratschlag an Haunted waere: Schlag dir das aus dem Kopf mit dem Kinderkriegen. Der Grund dafuer ist, dass sie in relativ jungen Jahren schon eine Krebserkrankung bekam, deren genetisches Potential sie an ihre Kinder weitergeben wuerde.

    Es wundert mich etwas, dass die Feministin von thecut nicht alles Unheil auf die Patriarchie geschoben hat (aber ich habe den Originalartikel nicht gelesen). Die sagt ihr nur (etwas verschwurbelt), Nihilismus ist toll und super, du musst nur dran glauben. Haunted sagte aber, ich hab Nihilismus mein ganzes Leben ausprobiert, und jetzt stehe ich da und habe Angst vor der Zukunft, also dass der Rest meines Lebens ziemlich Scheisse sein wird.

    Um J.B. Peterson sinngemaess zu zitieren: If you’re in your mid/late 30’s, have no partner and no kids, you’re fucked. Das ist die unangenehme Wahrheit. Und deshalb sind aeltere Feministinnen auch so aetzend und solche Maennerhasser. Die Uhr laesst sich nicht zurueck drehen und sie haben ihre Chancen auf ein gutes, sinnhaltiges Leben endgueltig versaut. In diesem Sinne sind die Empfehlungen von thecut sogar ziemlich unfeministisch und positiv. Die Chance einen wirklichen Sinn im Leben zu finden hat sich Haunted selbst versiebt. Es gibt keinen Ausweg (ausser die richtige Anzahl Schlaftabletten). Wenn sie weiterleben will, kann sie nur versuchen ihrem Nihilismus weiter zu froenen.

    Man sollte den Leserbrief von Haunted jeder einzelnen jungen Feministin in die Hand druecken.

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    1. Na ja, jetzt ist halt jede einzelne kinderlose Frau eine Nihilistin und deshalb alleine schuld. (statt das Patriarchat!) Also den mit der Schuld können wir gleich einmal streichen. Viele Frauen zwischen 30- und 40 Jahren sind in dieser Situation, da sie viel Energie in die Berufswahl und ihre Arbeit gesteckt haben. Mit Ende 30 kommt die Zäsur. Das ist normal. Das passiert bei Ehefrauen und Müttern ebenfalls. Zum Beispiel dann, wenn die Kinder ausziehen. Auch diese müssen sich wieder neu orientieren und fallen nicht selten in eine Sinnkrise. Oder wenn der Ehemann nach 30 Jahren ehe sich eine neue jüngere Freundin sucht. Oder das Konto leer geräumt hat, das eigentlich für die Ausbildung der Kinder gedacht war. Alles Beispiele aus dem Leben, die Krisen auslösen. Und Nein, die gehören zum Leben und sollten ganz bestimmt nicht mit „der richtigen Anzahl Schlaftabletten gelöst“ werden. (tststs) Der Artikel ist eigentlich gut und einfühlsam geschrieben. Was jedoch fehlt, ist das Verständnis, dass es für gewisse Krisen keine leichte und einfache Antwort gibt und dass die Ehe und das Muttersein als Gegenentwurf genau so krisenanfällig sein kann, nur anders. die ehe, (sprich Ehemann und Familie) ist leider nicht die einzige wahre Lösung für jede Frau. Zudem ist auch nicht jeder mann ehetauglich, wie wir alle wissen; und trägt nicht selten eher zum Problem als zur Lösung bei. Die Zeiten haben sich geändert und sind sowohl für junge Frauen und auch Männer nicht einfach. Und „gute“ Männer sind ebenso selten wie „gute“ Frauen. Nur anders. Letztlich muss jeder Mensch, ob Mann oder Frau den Sinn im Leben selbst finden und das immer wieder neu. Die junge Frau hat versäumt sich rechtzeitig einen Freundeskreis (der hält) aufzubauen und sich ein Sparkonto anzulegen. Nun, dies kann auch Männern passieren. Auch dort sollte dann eine Ehe oder ein Kind nicht die schnelle Lösung sein. Auch wenn es so scheuen mag. Bei Frauen kommt einfach erschweren noch die biologische Uhr dazu. Das ist alles. Und: eine sauber Lösung kann weder eine Feministin, eine Frau oder gar ein Mann anbieten. Höchstens Verständnis und Begleitung ohne Besserwisserei.

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