Wie man uns der Diskussionsmöglichkeiten beraubt

Neulich habe ich mich mit einem Bekannten, der sehr gut (über die Mainstream-Medien) informiert ist, über Zuwanderung von Arbeitskräften und Flüchtlingen unterhalten. Dass dieses Thema sehr aufgeladen und schwierig ist war mir klar.

Diesmal hatte ich aber eine neue Erkenntnis: Uns fehlte eine gemeinsame Basis für eine sachliche Diskussion.

Aufgefallen ist uns das gleich am Anfang, als wir über die von Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer ins Spiel gebrachte Zahl von 400.000 Flüchtlingen mit einem Job sprachen. Wörtlich sagte Kramer:

Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, haben heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, die große Mehrheit in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, und sind damit integriert.

Aus meiner Sicht verliert jemand, der in einem einzigen Satz gleich vier strategische Weichmacher („mehr als“, „vor allem“, „bald“, „große Mehrheit“) einsetzt, seine Glaubwürdigkeit.

Auch die Schlussfolgerung, dass aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung folgt, dass jemand integriert sei, ist hanebüchen.

Ich will aber gar nicht weiter auf das Zitat eingehen, im Gespräch hatten wir das Zitat zunächst nicht parat, wir haben lediglich über die Zahl von 400.000 Flüchtlingen in Jobs gesprochen. Weiterlesen „Wie man uns der Diskussionsmöglichkeiten beraubt“

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Greta Thunberg: Die Instrumentalisierung einer minderjährigen Behinderten

Auf allen Kanälen, so der Bayerische Rundfunk, ist die junge schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg zum Shooting-Star avanciert.

Ein Fast-Noch-Kind mit ernstem Gesicht hielt der erwachsenen, aber unverantwortlichen Welt den Spiegel vor: „Ihr Umweltsünder macht unsere Erde kaputt, unsere Zukunft!“

Mir geht dieses moralisierende Gehabe des Mädchens gehörig auf den Zeiger. Noch mehr aber stört mich die Berichterstattung in den Medien, die sie zu einem Vorbild erklären. In Deutschland tun es ihr viele Schüler gleich und schwänzen freitags für den Klimaschutz die Schule.

Ich ging davon aus, dass Greta umweltbewusst erzogen wurde, um nicht zu sagen indoktriniert. Es passt für mich zu Schweden, zu einem links-progressiven Elternhaus, zum westlich-modernen Schulsystem. Jetzt machte mich jemand darauf aufmerksam, dass Greta unter Autismus leidet. Weiterlesen „Greta Thunberg: Die Instrumentalisierung einer minderjährigen Behinderten“

Warum Zivilcourage für mich ein Problem ist

Mein Blog-Kompagnon Horst thematisiert Zivilcourage und stellt die Frage wie man sich selbst in welchen Situationen verhalten würde.

Ich habe meine Einstellung zu Zivilcourage in den letzten Jahren verändert, weil sich die Welt um mich herum geändert hat. Früher habe ich es als Selbstverständlichkeit aufgefasst  Menschen in Not zu helfen – heute nicht mehr. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe.

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Männer sind keine Opfer, weil sie nicht gefragt werden

Spiegel-Online berichtet darüber, dass die Kurden-Regierung im Nordirak „Jugendliche“ gefoltert hat.

Kurden-Regierung soll Jugendliche gefoltert haben

Jugendliche.

Sie wurden angeblich geschlagen, gefesselt und mit Elektroschocks gequält: Im Nordirak hat die Kurden-Regierung laut dem Bericht einer Menschenrechtsorganisation Minderjährige gefoltert.

Minderjährige.

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Zivilcourage

Anlass für diesen Artikel war ein Gespräch mit Freunden über diese Gewalttat in Amberg und Personen, die Zivilcourage zeigten, indem sie – obwohl sie sich damit selbst in Gefahr brachten – anderen halfen.

Ich stelle mir die Frage: Wie hätte ich mich verhalten?

Am Bahnhofsvorplatz soll einer der Männer ein Mädchen (17) als „Nutte“ beleidigt und bedrängt haben. Als die Begleiter des Mädchens (beide 17) dazwischengingen, wurden sie durch Schläge im Gesicht verletzt.

Als Begleiter wären wohl die meisten Männer dazwischengegangen.

Der Auszubildende kam mit Prellungen und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Ein Mann, der den Opfern helfen wollte, wurde ebenfalls verprügelt.

Dieser Mann war offenbar ein Unbeteiligter, der sich entschied zu helfen.

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Polizisten sind Rassisten

Die Qualitätswebseite jetzt.de hat anonym mit einem Polizisten gesprochen. Das verspricht interessante Einblicke.

Ein junger Polizist spricht über Rassismus und Korpsgeist in der Polizei.

„[…]Als ‚Linker’ in der Polizei gehöre ich zu einer fast nicht existenten Spezies in diesem System. Aus diesem Grund habe ich vielleicht auch ein anderes Auge auf das Handeln meiner Kollegen.“

Jetzt.de hat einen jungen, linken Polizisten gefunden. Auch ich gehe davon aus, dass linke Polizisten eher selten sind.

Wobei die Ursache dieser vermuteten Korrelation nicht unbedingt sein muss, dass vor allem „Rechte“ in den Polizeidienst gehen. Denn das, was Polizisten tagtäglich erleben, kann Einfluss auf ihre politische Einstellung haben. Polizisten tauchen in eine Welt ein, die sich viele Menschen mit einem warmen Bürojob nicht einmal vorstellen können.

Wir haben ihn Zuhause besucht, in seinem Wohnzimmer ein langes und intensives Gespräch mit ihm geführt und ihn als sensiblen, aufrichtigen und vertrauenswürdigen Menschen kennengelernt, den sein Gewissen quält und dem es wichtig ist, das Richtige zu tun.

Das finde ich eine erstaunliche Einführung ihrer anonymen Quelle. Die Autorinnen Nadja Schlüter und Charlotte Haunhorst haben einen „sensiblen, aufrichtigen und vertrauenswürdigen Menschen“ kennengelernt?

Sind die Gefühle der Autorinnen das Maß, mit dem die Glaubwürdigkeit anonymer Quellen beurteilt wird? Ist das Satire?

Haben sie irgendeine Geschichte der anonymen Quelle neutral überprüft, wenigstens auf Plausibilität?

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Von Bullshit-Jobs und Weltverbesserern

In der Kategorie „Technology Review“ berichtet Nils Boeing bei Heise Online über den Anthropologen David Graeber.

Anthropologe: „Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist.“

Mit dieser steilen Behauptung macht der Artikel auf. Um die Aussage prüfen zu können wird ein Bewertungskriterium für „nützlich“ benötigt. Weder in der Überschrift noch im Rest des Artikels wird ein solches Bewertungskriterium angeboten. Damit ist diese Aussage so provokant wie nutzlos.

Diese Aussage ist nichts weiter als ein moralinsaures Totschlagargument, deshalb werde ich sie auseinander nehmen und widerlegen. Das ist wichtig, weil es ein typisches Pseudo-Gerechtigkeitsargument ist, das auf den ersten Blick emotional verfängt, sich bei genauerem Hinsehen aber als totalitär und ungerecht herausstellt.

Denn wie bewertet man die Nützlichkeit von Jobs? Ist ein Feuerwehrmann nützlich wenn ein Haus brennt? Ist er auch nützlich wenn er Bereitschaft hat, aber nichts brennt? Ist ein Pfarrer nützlich? Während er eine Predigt hält? Ist er nützlich, wenn sich jemand mit Selbstmordgedanken an ihn wendet?

Ist ein Streetworker nützlich? Ist er nützlich wenn er versucht Gewalttäter auf den rechten Weg zurückzuholen? Ist er nützlich, wenn ihm das bei einem Gewalttäter pro Monat gelingt?

Die Beispiele zeigen, worauf „nützlich“ letztlich hinausläuft: Auf den Wert, den andere einer Arbeit beimessen.

Der Streetworker verhindert zukünftige Opfer. Man könnte sagen, dass er damit „nützlich“ ist. Aber das ist für eine Bewertung noch nicht ausreichend: Es geht auch um den Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.

Denn ein Polizist verhindert mit seiner Tätigkeit ebenfalls zukünftige Opfer. Wie viele Gewalttaten verhindert der Polizist? Zu welchen Kosten?

Bürger könnten durch Verhaltensänderungen auch besonders von Gewalt betroffene Bereiche zu vermeiden. Was ist es den Bürgern wert, ihr Verhalten nicht umstellen zu müssen?

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