Frauen: Je feministischer desto unglücklicher

Der Guardian berichtet von einer Studie, die zeigt, dass Frauen in den USA von 1970 bis 2005 immer unglücklicher geworden sind. Bei Männern ist das anders. Die Studie vergleicht das Ergebnis mit europäischen Ländern und zeigt, dass das hier ebenfalls der Fall ist.

Für den Guardian und seine Autorin Anna Petherick scheint das ein unglückliches Ergebnis zu sein. Sie bringt verzweifelt Beispiele, die zeigen sollen, dass Ursache noch immer bestehende Ungleichheit zwischen Frau und Mann ist und nicht etwa die in diesem Zeitraum umgesetzten feministischen Errungenschaften.

Die Realitätsleugnung beginnt damit, dass in einem Bericht über eine wissenschaftliche Studie die persönlichen Verhältnisse der Autoren angesprochen werden:

The “paradox of declining female happiness” was pointed out by economists Betsey Stevenson and Justin Wolfers, who also happen to share a house and kids.

Das „Paradoxon der abnehmenden weiblichen Zufriedenheit“ wurde von den Ökonomen Betsey Stevenson und Justin Wolfers, die zufällig auch ein Haus und Kinder zu teilen, hervorgehoben.

Das stellt die Autorin einfach in den Raum und greift es nicht wieder auf. In der Leserschaft des Guardians wird das wohl – wie wahrscheinlich beabsichtigt – als Chiffre für patriarchale Unterdrückung der beteiligten Autorin Stevenson verstanden. Mindestens aber wird die Tatsache, dass sie eine heterosexuelle Beziehung führen und Kinder haben, als eine Art Voreingenommenheit verstanden. Dabei entlarvt die Autorin des Guardian damit nur ihre eigene Voreingenommenheit.

Selbst der Guardian kommt nicht um die Tatsache herum, dass Frauen im beobachteten Zeitraum immer unzufriedener wurden, obwohl ihre Situation aus feministischer Sicht im gleichen Zeitraum immer besser wurde:

But while women are living longer, it’s unclear whether their wellbeing is showing comparable strides. As women gain political, economic and social freedoms, one would expect that they should feel even more contented relative to men. But this isn’t so. […]

Those 35 years saw advances in American women’s rights and financial power. For example, in 1974, Congress outlawed credit discrimination based on sex; in 1975, states were prevented from excluding women from juries. Until 1976, marital rape was legal in every US state. Over the 35-year period, women working full time went from earning less than 60% of a man’s median salary to earning about 76% of it […]

Aber obwohl Frauen länger leben, ist es unklar, ob ihr Wohlbefinden vergleichbare Fortschritte macht. Wenn Frauen politische, wirtschaftliche und soziale Freiheiten erlangen, würde man erwarten, dass sie sich im Verhältnis zu Männern noch zufriedener fühlen sollten. Aber das ist nicht so. […]

Diese 35 Jahre sahen Fortschritte bei Rechten und finanzieller Macht amerikanischer Frauen. Zum Beispiel hat der Kongress im Jahr 1974 Kreditdiskriminierung auf der Grundlage des Geschlechts verboten; 1975 wurden die Bundesstaaten daran gehindert, Frauen von Jurys auszuschließen. Bis 1976 war die Vergewaltigung in der Ehe in jedem US-Staat legal. Im 35-Jahrszeitraum kamen Frauen, die Vollzeit arbeiteten, von weniger als 60% des Mediangehalts eines Mannes auf etwa 76% […]

Der Guardian entlarvt die Lebenslüge des Feminismus: Feministische Fortschritte machen Frauen unglücklich.

Diese Erkenntnis versucht der Guardian zu kaschieren. Die Verzweiflung muss so panische Ausmaße erreicht haben, dass man sich nicht zu dumm ist zu behaupten, dass Frauen wahrscheinlich deshalb so unglücklich sind, weil Männer so häufig im Gefängnis sind, so dass sie als Partner nicht zur Verfügung stehen:

Take, for example, the massive rise in incarceration rates among their actual and potential male partners. […]

The reduced pool of free men has also encouraged many women to accept marriage proposals from men they would have otherwise rejected, an effect that has been shown to be sufficient to shift the economic advantage of marriage away from women and toward men.

Nehmen wir zum Beispiel den massiven Anstieg der Inhaftierungsraten unter ihren tatsächlichen und potenziellen männlichen Partnern. […]

Der reduzierte Pool freier Männer hat auch viele Frauen dazu veranlasst, Heiratsanträge von Männern zu akzeptieren, die sie sonst abgelehnt hätten, eine Wirkung, die sich als ausreichend erwiesen hat, um den wirtschaftlichen Vorteil der Ehe von Frauen und Männern zu verlagern.

All die glücklichen Ehen mit Drogenhändlern, Mördern und Dieben. Verhindert vom Patriarchat. Nicht auszudenken. Frauen müssen „Heiratsanträge von Männern zu akzeptieren, die sie sonst abgelehnt hätten“. Wenn Männer im Gefängnis sitzen sind Frauen die Opfer.

Schließlich entlarvt die Guardian-Autorin Anna Petherick selbst auch dieses peinliche Argument als Nebelkerze: Frauen werden auch in den europäischen Staaten immer unglücklicher, obwohl die Inhaftierungsraten hier nicht so hoch sind.

Dann versucht Anna Petherick die Trendaussagen der Studie (über einen 35-Jahreszeitraum) mit Aussagen über aktuelle Situationen zu entkräften. Eine Aussage zu einem Zeitpunkt – egal wie sie interpretiert wird – ist aber natürlich kein Argument gegen einen Trend, da man eben keinen Vorher-Nachher Vergleich hat – es ist ja möglich, dass die aktuelle betrachtete Situation vor 35 Jahren noch viel schlimmer war.

So why is this? Evidence supports the idea that women’s rights and roles in the home in the US and Europe have not moved in step with changes in the workplace. Therefore, because women with jobs often do most of the chores and childcare, they shoulder a dual burden that cuts into their sleep and fun.

Warum also? Beweise stützen die Idee, dass die Rechte und Rollen der Frauen in den USA und in Europa nicht mit Veränderungen am Arbeitsplatz mitgehalten haben. Deshalb, weil Frauen mit Jobs oft den größeren Anteil an Hausarbeit und Kinderbetreuung haben, schultern sie eine doppelte Belastung, die ihren Schlaf und Spaß beschränkt.

Während der Rest des Artikels mit Referenzen auf Studien gepflastert ist, gibt es hier keinen Hinweis auf die angesprochenen „Beweise“.

Schade, dass Anna die Studie über die sie berichtet, nicht verstehend gelesen hat. Das Argument Hausarbeit wird explizit aufgegriffen und widerlegt:

Aguiar and Hurst (2007) document relatively equal declines in total work hours since 1965 for both men and women, with the increase in hours of market work by women offset by large declines in their non-market work. Similarly, men are now working fewer hours in the market and more hours in home production. Blau (1998) points to the increased time spent by married men on housework and the decreased total hours worked (in the market and in the home) by married women relative to married men as evidence of women’s improved bargaining position in the home.

Aguiar und Hurst (2007) dokumentieren seit 1965 für Männer und Frauen einen relativ gleichen Rückgang der Gesamtarbeitszeit, wobei der Anstieg der Arbeitsmarktstunden durch Frauen mit einem starken Rückgang der Nichtmarktarbeit überkompensiert wurde. Ähnlich arbeiten Männer jetzt weniger Stunden auf dem Markt und mehr Stunden in der Hausarbeit. Blau (1998) verweist auf die erhöhte Zeit, die von verheirateten Männern in der Hausarbeit verbracht wurde, und die gesunkenen Gesamtstunden (im Markt und in der Heimat) von verheirateten Frauen im Vergleich zu verheirateten Männern als Beweis für die verbesserte Verhandlungsposition der Frauen im Haus.

Das ist eindeutig. Fakten belegen, dass die Arbeitslast für Männer und Frauen im betrachteten Zeitraum kleiner geworden ist. Die Studie weist noch darauf hin, dass Frauen sich möglicherweise emotional verantwortlich für die Hausarbeit fühlen und dies möglicherweise zu Unzufriedenheit führt.

Weiter beim Guardian:

Long commutes are thought to make British women more miserable than British men because of the greater pressure on women to meet responsibilities at home as well as work.

Langes Pendeln macht britische Frauen unglücklicher als britische Männer wegen des größeren Drucks auf Frauen, Verpflichtungen zu Hause sowie auf Arbeit nachzukommen.

Dieses wackelige Argument mag zutreffen oder auch nicht, es erklärt aber keinesfalls, warum Frauen im 35-Jahreszeitraum unglücklicher geworden sind, obwohl ihre Arbeitslast geringer geworden ist. Tut der Guardian Frauen einen Gefallen, indem er hervorhebt, dass Frauen nicht so Frustrationstolerant sind wie Männer?!

When the dual burden is carefully measured – as it has been across European countries – the results illustrate the influence that expectations have on how happy we feel. Experiencing the dual burden leads working women in Sweden, for example, to feel more miserable than their counterparts in Greece, probably because Swedes’ expectations around gender equality are more ambitious. (Fewer than 35% of Swedish women do three-quarters of the housework, compared to 81% of Greek women.)

Wenn die doppelte Belastung sorgfältig gemessen wird – wie es in den europäischen Ländern der Fall war – veranschaulichen die Ergebnisse den Einfluss der Erwartungen auf unsere Zufriedenheit. Die doppelte Belastung führt dazu, dass die Frauen in Schweden zum Beispiel unzufriedener werden als ihre Pendants in Griechenland, wahrscheinlich weil die Erwartungen der Schweden an die Gleichstellung der Geschlechter ehrgeiziger sind. (Weniger als 35% der schwedischen Frauen tun drei Viertel der Hausarbeit, im Vergleich zu 81% der griechischen Frauen.)

Auch hier wieder: Es fehlt der Vergleich mit früheren Ergebnissen. Außerdem gibt es in diesem Zitat keinen Hinweis auf die kombinierte Arbeitslast von Lohnarbeit und Hausarbeit.

Wenn der Guardian hier etwas beweist, dann: Feminismus macht Frauen nicht zufrieden. Im feministischen Schweden sind die Frauen unzufriedener als in Griechenland, obwohl die Griechinnen viel mehr Hausarbeit übernehmen.

Hello! Hello! Anybody Home? Think, Anna! Think!

Anna, du unterstützt nur die Interpretation, dass Feminismus Frauen unzufrieden macht! Ist dir das in Deinem Gejammer nicht aufgefallen?

Dann folgt noch das Beispiel Schweiz:

A decade after Swiss women gained suffrage, the country’s citizens voted in a referendum on whether the constitution should be amended to state that women deserve equal pay for equal work.

Different parts of Switzerland voted very differently. Unsurprisingly, cantons (Swiss states) with a high proportion of votes in favor of the amendment were recorded as having a small gender wage gap some years later. But strangely, working women in areas with strong traditional values – where most people had voted against equal pay – were happier than working women in liberal cantons.

Ein Jahrzehnt nach der Einführung des Wahlrechts für Schweizer Frauen stimmten die Bürger des Landes in einem Verfassungsreferendum über gleichen Lohn für gleiche Arbeit für Frauen ab.

Verschiedene Teile der Schweiz haben ganz unterschiedlich gewählt. Nicht überraschend hatten Kantone mit einem hohen Stimmenanteil zugunsten des Änderungsantrags einige Jahre später eine kleine geschlechtsspezifische Lohnlücke. Aber die arbeitenden Frauen in Gebieten mit starken traditionellen Werten – wo die meisten Menschen gegen gleichen Lohn gestimmt hatten – waren glücklicher als arbeitende Frauen in liberalen Kantonen.

Absolut überzeugend. Oberflächliche Gleichheit zwischen den Geschlechtern führt nicht zu Zufriedenheit bei denen, für die der Feminismus vorgibt zu kämpfen.

Even though their salaries were further below those of the men around them, the women in more traditional communities were less likely to report discrimination than their countrywomen in more liberal areas.

Obwohl ihre Gehälter weiter unter denen der Männer lagen, haben die Frauen in traditionelleren Gemeinschaften weniger von Diskriminierung berichtet als Frauen in liberaleren Gebieten.

Das einführende „obwohl“ suggeriert einen Zusammenhang, den es offensichtlich nicht gibt.

Schließlich gab es das höhere Gehalt für Frauen genau in den Kantonen, die stärker für Lohngleichheit, also gegen Diskriminierung, gestimmt haben.

Die bessere Interpretation der Daten wäre also: Gleichberechtigung führt zu mehr Diskriminierungsempfinden bei Frauen. Schließlich wurde nur das Empfinden der Frauen gemessen und die gefühlte Diskriminierung war größer in den objektiv gleichberechtigteren Kantonen.

Je höher das Gehalt, desto größer sind im Regelfall die Anforderungen, die gestellt werden. Also wäre auch folgende Interpretation dieser Daten möglich: Frauen können nicht zwischen ganz normalen Anforderungen an ihre Arbeitsleistung und Diskriminierung unterscheiden.

Der Guardian hingegen interpretiert, dass Frauen in liberalen Gemeinschaften eher Diskriminierung entdecken. Hausfrauen in den 1970ern erklärt der Guardian für zu dumm, um alle Aspekte ihres Lebens bewerten zu können:

Asked how satisfied she is with her lot in life, the housewife of the early 1970s probably just reflected on whether things were going well at home. The same question today evokes evaluations across many areas of life.

Gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem viel im Leben ist, hat die Hausfrau der frühen 1970er Jahre wohl nur darüber nachgedacht, ob es gut zu Hause lief. Die gleiche Frage ruft heute Bewertungen über viele Lebensbereiche hinweg hervor.

Aber natürlich widerlegt auch diese Interpretation nicht die Tatsache, dass Feminismus Frauen unglücklich macht.

Zusammenfassend, ohne Ironie und Sarkasmus: Der Guardian hat die Studie zur sinkenden Zufriedenheit von Frauen überzeugend in einen Zusammenhang zu feministischen Fortschritten gebracht.

Der Versuch, die Schuld allgemein höheren Anforderungen an Frauen zuzuweisen schlägt fehl, sind es doch gerade Feministinnen, die von Frauen Karriere statt Kinder erwarten. Auch dieser Effekt ist eben auf den Feminismus zurückzuführen.

Declining happiness among women may seem depressing. But who ever claimed an expanded consciousness brings satisfaction?

Die abnehmende Zufriedenheit von Frauen mag deprimierend erscheinen. Aber wer hat jemals behauptet, dass ein erweitertes Bewusstsein Zufriedenheit bringt?

Immer das gleiche Muster: Frauen, die die Welt nicht so sehen wie Feministinnen werden als dumm abgewertet. Feminismus ist die Quelle von Frauenverachtung.

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5 Kommentare zu „Frauen: Je feministischer desto unglücklicher“

    1. Psychologisch scheint es eher so zu sein, dass man so lange gluecklich ist wie sich das Leben in die Richtung der eigenen Ziele und Erwartungen bewegt. Sobal das Ziel erreicht ist, nimmt das Gluecklichsein meist recht bald ab. Die Indikation ist m.A. dass das Ziel der feministischen eierlegenden Vollwollmilch-Uebermutter-CEO-Arbeitssklavin fuer die meisten Frauen, incl. vieler Feministinnen, gar nichts erstrebenswertes ist. Schon das Hindraengen auf dieses Ziel macht die Frauen ungluecklich.

      PS: Was ist los Elmar? Seit einem Monat kein neuer Artikel. Hast du ’ne neue russische Liebessklavin 😉 oder was hindert dich zu schreiben?

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      1. „Psychologisch scheint es eher so zu sein, dass man so lange gluecklich ist wie sich das Leben in die Richtung der eigenen Ziele und Erwartungen bewegt.“

        Besonders instruktiv scheint mir hier der Vergleich von China und Nordkorea zu sein: Obwohl es den Nordkoreanern viel schlechter geht als den Chinesen, ist die Unzufriedenheit geringer und die soziale Lage in Korea stabiler als in China. Denn in China haben sie inzwischen viel höhere Erwartungen – diese mögen nun berechtigt sein oder nicht.

        „Was ist los Elmar?“
        Russische Liebesklavinnen? Ich sag nur: Catholics do it dirtier! 😉

        Ansonsten hab ich zu wenig Zeit. Da er Kapitalismus zu überhitzen anfängt, was unweigerlich eine bedeutende wirtschaftliche Zäsur nach sich ziehen wird, habe ich nun ein Bein aus der akademischen Forschung in den industriellen R&D-Sector ausgestreckt und dementsprechend viel mehr zu tun – inklusive Reisen: Auf die Dauer wird man von einem Uni-Gehalt nicht leben können. Dazu kommt, daß ich an zwei Riesenprojekten nage, die unter diesen Umständen einfach nichr fertig werden wollen. Aber vielleicht schaffe ich einen post im April.

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