Alles Nazis außer Mutti

Unter der Überschrift

Benutzt du diese Nazi-Sätze – ohne es zu wissen?

versucht bento seine Leser für „Nazi-Wörter“ sensibilisieren.

Wenn wir Wörter wie „Mischvolk“, „Endlösung“ oder „Überfremdung“ hören, sollten bei allen von uns sofort die Nazi-Alarmglocken klingeln – klar.

Aber es gibt Phrasen und einzelne Wörter, die vom Nationalsozialismus negativ belegt wurden und die nicht so eindeutig erkennbar sind. Viele davon haben sich über die Jahrzehnte hinweg in unserem täglichen Sprachgebrauch etabliert.

Bento-Autorin Hanna Zobel erklärt es zum Problem, dass bestimmte Worte „sich über die Jahrzehnte hinweg in unserem täglichen Sprachgebrauch etabliert“ haben, obwohl sie in der Vergangenheit negativ belegt waren.

Nochmal: Weil bestimmte Worte früher für negative Dinge verwendet wurden, sollen jetzt die „Nazi-Alarmglocken klingeln“ obwohl das zwischenzeitlich nicht mehr der Fall ist.

Wir lernen: Wenn die Nazis ein Wort einmal verbrannt haben ist es nicht mehr zu benutzen. Auch wenn der Nutzer des Wortes – wie die Überschrift erklärt – sich dieser Verwendung gar nicht bewusst ist und daher keine schlechte Intention verfolgt.

Einen Grund, warum von den Nazis verwendete Wörter heute nicht mehr verwendet werden sollten, gibt Hanna Zobel nicht an.

Wir haben Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der FU Berlin gefragt, warum manche Wörter nicht so harmlos sind, wie sie wirken und was ihre Verwendung mit uns macht.

Anatol Stefanowitsch neutral als Sprachwissenschaftler einzuführen greift zu kurz. Ich denke man kann mit Fug und Recht sagen, dass Anatol Stefanowitsch Anhänger einer bestimmten Ideologie ist und diese auch offensiv verbreitet. Stefanowitsch hält beispielsweise „Heimat“ nur auf den ersten Blick für ein harmloses Wort.

Hanna Zobel: Die Nationalsozialisten haben Sprache ganz gezielt eingesetzt, um ihre Ideologie in der Gesellschaft zu verankern und Macht auszuüben. Sie hatten sogar ein Propagandaministerium, das sich damit beschäftigt hat. Geistern ihre Begriffe noch immer in unserer Sprache umher?

Anatol Stefanowitsch: Ja, es gibt noch sehr viele davon.

Man muss zwei Kategorien unterscheiden: Einerseits gibt es Begriffe, die durch die Nazis eingeführt wurden, wie das Wort „Lügenpresse“. Da ist der Fall eindeutig. Wer solche Wörter gezielt benutzt, bedient sich am Gedankengut der Nationalsozialisten.

Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch scheint nicht viel Ahnung von Sprachen zu haben. Das Wort „Lügenpresse“ wurde nicht von den Nazis eingeführt, es gab das Wort schon vorher.

Und: Selbst wenn die Nazis dieses Wort eingeführt hätten, warum bedienen sich heutige Nutzer des Wortes „am Gedankengut der Nationalsozialisten“?

Bei Worten ist die Bedeutung entscheidend. Warum ist es überhaupt relevant, wer es zuerst genutzt hat? Sollte ein Sprachwissenschaftler das nicht begründen?

Und da frage ich mich, warum überhaupt noch darüber diskutiert wird, ob solche Ideen rechtsradikal sind.

„Solche Ideen“ sind rechtsradikal? Das Wort „Lügenpresse“ ist eine Idee? Die Möglichkeit, dass Presse lügen kann ist eine rechtsradikale Idee?

Ich frage mich, warum Anatol Stefanowitsch versucht, die Diskussion mit Schlagworten wie „rechtsradikal“ abzuwürgen, bevor sie begonnen hat. Ihm als Wissenschaftler stünde es besser zu Gesicht, wenn er nachvollziehbar begründen würde, warum die Verwendung des Wortes „Lügenpresse“ rechtsradikal ist.

Andererseits gibt es Begriffe, die es schon vor der NS-Zeit gab, die aber durch die Nazis eine bestimmte Bedeutung bekommen haben.

Interessant. Der Sprachwissenschaftler sagt, dass Begriffen im Laufe der Zeit neue Bedeutungen zugeordnet werden. Das ist nicht besonders überraschend.

Aber warum sollten nicht auch den Worten, die die Nazis eingeführt oder benutzt haben, im Laufe der Zeit neue Bedeutungen zugeordnet werden können?

Obwohl diese Frage auf der Hand liegt, stellt Hanna Zobel sie nicht. Sie gibt lieber die Stichwortgeberin:

Hanna Zobel: Zum Beispiel?

Anatol Stefanowitsch: Zum Beispiel das Wort „Volk“. Das gab es natürlich schon vor den Nazis, es kann verschiedene Bedeutungen haben. In der Revolution von 1989, die zum Mauerfall geführt hat, wurde das Wort im Satz „Wir sind das Volk“ als Abgrenzung der Bevölkerung gegenüber der Regierung verwendet. Politisch gibt es den Begriff als Definition von Staatszugehörigkeiten. Und dann gibt es die biologisch/ethnische Definition, wie die Nazis sie verwendet haben.

Hanna Zobel: Was passiert denn, wenn wir Wörter wie „Volk“ auf diese Art verwenden?

Anatol Stefanowitsch: Wir gewöhnen uns an nationalsozialistische Denkmuster. Selbst, wenn man es unbewusst benutzt, also gar keine böse Absicht hat, führt die Verwendung dazu, dass die Idee eines ethnisch definierten Volkes im Bewusstsein der Gesellschaft verankert bleibt.

Man gewöhnt sich an „nationalsozialistische Denkmuster“, wenn man die „biologisch/ethnische Definition“ des Wortes „Volk“ verwendet?

Die Idee eines Nationalstaates mit einem Staatsvolk einer Nation ist keine Erfindung der Nationalsozialisten. Wer das Wort „Volk“ in diesem Kontext verwendet gewöhnt sich also an nationale Denkmuster und nicht an nationalsozialistische.

Für Anatol Stefanowitsch scheint das kein Unterschied zu sein.

Und das Wichtigste ist: Die Gründung von Nationalstaaten in Europa bedeutete die Überwindung der fortschrittshemmenden Kleinstaaterei. Das war eine positive Entwicklung, die den Kontinent vorangebracht hat.

Hanna Zobel: Können wir nicht einfach die Nazi-Begriffe „zurückerobern“, also in anderen Kontexten verwenden und sie somit wieder positiv belegen?

Hanna Zobel stellt doch noch die Frage, die auf der Hand liegt. Selbstverständlich tut sie das mit der notwendigen Untertänigkeit, die sich gehört, wenn man mit einer Autorität spricht, die solche Entscheidungen selbstherrlich treffen darf.

Anatol Stefanowitsch: Bei einigen Wörtern funktioniert das natürlich. Sprache ist im ständigen Wandel und zum Glück haben es die Nazis nicht geschafft, jedes Wort für immer zu ruinieren.

Ich bin sehr froh, dass Anatol Stefanowitsch dem einfachen Mann auf der Straße ein paar unproblematische Worte zugesteht, die durch Anatol Stefanowitsch sorgfältig ausgewählt werden. Gerade da Sprache „im ständigen Wandel“ ist, ist es umso wichtiger, dass es eine Sprachpolizei gibt, die diesen Wandel reglementiert.

Man stelle sich unsere Kommunikation vor, wenn es die Nazis „geschafft“ hätten, „jedes Wort für immer zu ruinieren“. Wir müssten stumm durchs Leben gehen. Selbst Gebärdensprache könnten wir nicht verwenden, denn sie wäre voller Nazi-Begriffe.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Mutter, Waffe, Front, Opfer, Partei, braun, Geschichte, Deutschland, U-Boot, Stolz, Verräter, Held, Härte, Bunker, Feind, Bombe, Panzer, Zukunft, Gesetz, Uniform, Messer, Junge, Feuer, Macht, Zwiebel – für alles müssten wir neue, unbelastete Worte erfinden oder für immer schweigen.

Die Argumentation dieses Sprachwissenschaftlers ist von vorne bis hinten krude. Selbstverständlich haben die Nazis den gesamten deutschen Wortschatz in ihrer Sprache verwendet. Es kommt Stefanowitsch nur darauf an, Worte, die heute in einem Kontext verwendet werden, der ihm nicht passt, als Nazi-Sprache zu diffamieren.

Anatol Stefanowitsch: Aber es gibt auch Wörter, hinter denen ein Konzept steckt. Frauke Petry hat beispielsweise in einem Interview mal gefordert, das Wort „völkisch“ könne doch auch ganz neutral definiert werden und nicht immer mit den Nazis verbunden werden. Das stimmt aber nicht, weil mit diesem einen Wort viel mehr ausgedrückt wird, als die neutrale Beschreibung von Bürgern eines Staates. Diese Wörter kann man nicht einfach umdeuten.

Ich halte diese Art Geseier für Stefanowitschs größte Schwäche. Ich kann mir ebenfalls keine neutrale Definition des Wortes „völkisch“ vorstellen. Mir fällt auch nicht ein, wie man gerade dieses Wort sinnvoll oder gar positiv nutzen könnte.

Aber Stefanowitsch unterstützt mich in dieser Auffassung nicht. Er gibt mir – obwohl er Sprachwissenschaftler ist, der sich hauptberuflich damit beschäftigt – kein Argument in die Hand um meine Position zu unterstützen.

„Diese Wörter kann man nicht einfach umdeuten“ ist kein Argument. Er selbst hat eingeräumt, das manche Worte umgedeutet werden können. Wodurch unterscheiden sich diese Worte von denen, die nicht umgedeutet werden können?

Anatol Stefanowitsch sagt selbst, dass die Sprache einem ständigen Wandel unterliegt. Warum ist das hier nicht möglich? Warum bietet er mir nicht mehr an als das schlechte Gefühl, welches das Wort „völkisch“ bei mir weckt?

Hanna Zobel: Also muss man am besten alle Nazi-Begriffe verbieten?

Hanna Zobel holt die große Keule heraus. Ohne Umschweife fragt die Journalistin bei der Autorität nach Verboten.

Anatol Stefanowitsch: Ob man einen Sprachgebrauch verbieten sollte, muss man sich ganz genau überlegen, denn das kann sehr schnell die Meinungsfreiheit einschränken.

Das Verbot bestimmter Worte „kann“ die Meinungsfreiheit einschränken? Genauso wie das Verbot, in bestimmte Länder zu reisen, die Reisefreiheit einschränken „kann„?

Verbote sollte man sich für schwerwiegende Fälle vorbehalten, wie im Fall der Holocaust-Leugnung.

Anatol Stefanowitsch vermischt hier unterschiedliche Sachverhalte. Bei der Holocaust-Leugnung werden nicht bestimmte Worte verboten, sondern eine bestimmte Tatsachenbehauptung. Dabei ist die Wortwahl gerade nicht das entscheidende Kriterium.

Stefanowitsch scheint ein äußerst kompetenter Experte zu sein.

Aber unsere gesellschaftliche Realität ist nicht objektiv, sie entsteht durch die Art, wie wir über sie reden.

Ich verstehe nicht, was Anatol Stefanowitsch damit sagen möchte. Was ist denn die „gesellschaftliche Realität“? Und warum ist sie nicht objektiv?

Was auch immer „gesellschaftliche Realität“ bedeutet, ist es nicht eher so, dass die Wahrnehmung dieser Realität durch Individuen subjektiv ist, der Sachverhalt selbst aber objektiv beschreibbar ist?

Aber was weiß ich schon, ich verstehe ja nicht einmal, was er mit diesen Worten meint.

Wenn wir beispielsweise Sprachbilder verwenden, die Menschen in wertvoll und weniger wertvoll aufteilen, dann können diese Bilder sehr schnell wieder Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit werden.

Mit dieser Äußerung kommen wir zum eigentlichen Anliegen des unabhängigen Sprachwissenschaftlers. Es geht ihm darum, dass eine bestimmte gesellschaftliche Wirklichkeit – also bestimmte Gedanken – verhindert werden.

Das möchte er erreichen, indem er Worte verbietet und ihre Nutzer diffamiert.

Es wird immer zuerst geguckt, wie weit kann ich sprachlich gehen, was akzeptiert die Gesellschaft. Und wenn sich das in den Köpfen etabliert hat, dann kann man zur Tat schreiten. Das ist das Gefährliche an dieser Art der Sprache.

Das ist Blödsinn. Nach meiner Wahrnehmung wählt man gerade für die schrecklichsten Verbrechen harmlose Worte. Beispiele: „Endlösung der Judenfrage“ als Verbrämung des Holocaust und „Sonderbehandlung“ als Umschreibung für Mord.

Man verstümmelt Menschen und nennt es „Beschneidung“. Heutzutage gibt es ein Verteidigungsministerium, inhaltlich entspricht es dem Kriegsministerium früherer Zeiten.

Selbstverständlich werden häufig zuerst alle Möglichkeiten verbal abgeklopft, bevor man zur Tat schreitet. Nach meiner Wahrnehmung geschieht das aber durch die Inhalte und nicht durch die Nutzung bestimmter Worte. Worte loten – wie dargestellt – gerade nicht das maximal Mögliche aus, sondern verschleiern eher.

Das Verbot von Worten verhindert die von Stefanowitsch unerwünschte gesellschaftliche Wirklichkeit nicht. Was passiert, wenn man versucht die Wirklichkeit durch einen Sprachduktus zu verändern?

Eine Möglichkeit ist, dass sich das Verbot durchsetzt. Das Wort „Neger“ beispielsweise ist heute geächtet, weil in unserer Gesellschaft heute herrschende Meinung ist, dass es Menschen mit dunkler Hautfarbe abwertet. „Neger“, ursprünglich nicht wertend verwendet, gilt heute allgemein als Schimpfwort.

Laut Wikipedia wurde im Duden 1999 „Neger“ erstmals markiert als „wird heute meist als abwertend empfunden“. Ich kann mich noch an die neunziger Jahre erinnern, als wir „Schwarze“ sagten – schon lange vor 1999. „Schwarzer“ hatte irgendwann auch ausgedient, heute heißt es Poc („people of color“).

Hat das die Wirklichkeit verändert?

Das Statistische Bundesamt nennt Ausländer in seinen Statistiken nicht mehr Ausländer, sondern Nichtdeutsche.

Ändert das irgendetwas am Inhalt der Statistiken?

Um beim Beispiel Stefanowitschs, dem Begriff „Heimat“, zu bleiben:

Wer Heimat zu einem politischen Begriff macht, teilt die Bevölkerung eines Landes in die auf, die dazugehören, und die, die im besten Fall Gäste und im schlimmsten Fall Feinde, aber auf jeden Fall Fremde sind.

Wenn man nicht mehr zwischen „Einheimischen“ und „Fremden“ unterscheidet, kommt etwas heraus wie „die schon länger hier Lebenden“. Die andere Gruppe waren in den Achtzigern „Asylanten“, in den Neunzigern „Asylbewerber“, heute spricht man von „Zuwanderern“, „Geflüchteten“ (hat „Flüchtlinge“ schnell ersetzt) und – seltener – von „Asylsuchenden“.

Hebt das jeden Unterschied zwischen „Einheimischen“ und „Fremden“ auf? Haben alle Asylbewerber ein unbegrenztes Bleiberecht, wenn sie „erst seit kurzem hier Lebende“ genannt werden?

Stefanowitsch sagt, dass „Fremde“ sowohl als „Gäste“ als auch als „Feinde“ wahrgenommen werden können. Ich denke, das Bild, dass die Menschen in Deutschland von Zuwanderern haben, ist differenzierter und nicht so schwarz-weiß. Aber selbst wenn man das annimmt: Denkt Stefanowitsch tatsächlich, wenn er eine Unterscheidung unmöglich macht, indem er Worte wie „Heimat“ verbietet, verschwinden alle Unterschiede?

Die Unterschiede existieren und sie gehören zur Wirklichkeit. Zuwanderer sind häufig Muslime, Einheimische sind häufig Christen oder Atheisten. Sie sind anders sozialisiert und haben andere Werte. Zuwanderer sind im Durchschnitt häufiger kriminell als Einheimische. Weder die Wahrnehmung der Menschen noch objektive Fakten verschwinden einfach, wenn man den Menschen die Worte nimmt, um sie zu beschreiben.

Und schließlich: Wenn Stefanowitsch jeden Unterschied ausmerzen (ein tatsächlich ein von den Nazis geprägtes Wort, wie Viktor Klemperer in „LTI: Notizen eines Philologen“ beschreibt) will, nimmt er auch denjenigen die Möglichkeit zur Unterscheidung, die „Gästen“ helfen wollen, etwa als ehrenamtliche Flüchtlingshelfer.

Menschen beschreiben die Wirklichkeit. Wenn sie bestimmte Worte nicht mehr benutzen dürfen, wählen sie eben andere. Wer jegliche Unterschiede beseitigen will, für den sind auch neue Worte schnell verbrannt.

Fazit

Das Interview bringt keinen Erkenntnisgewinn außer dem, dass man von Ideologen keine neutralen Informationen und keine sachlichen Argumente erwarten kann. Ich bezweifle, dass jemand mit einem so extremen politischen Standpunkt wie Stefanowitsch wissenschaftlich neutral arbeitet.

Sprechverbote führen zu nichts.

Der Gedanke liegt nahe, dass Wortverbote genutzt werden, um inhaltliche Auseinandersetzungen zu vermeiden: Dank Wortverboten greift man sein Gegenüber wegen einer falschen Wortwahl an. So vermeidet man, dass man die Argumente widerlegen muss.

8 Kommentare zu „Alles Nazis außer Mutti“

  1. Was ist denn die „gesellschaftliche Realität“? Und warum ist sie nicht objektiv?

    Das ist Wittgenstein; in etwa das, was rauskommt, wenn sich ein zugekokster Philosoph Gedanken über Schrödingers Katze macht.

    Die Kurzfassung wäre: Die Wirklichkeit, die du wahrnimmst, ist Deine persönliche, subjektive Wirklichkeit, die in Kombination mit den anderen, ebenso subjektiven Wirklichkeiten der anderen Menschen der Gesellschaft eine gesellschaftliche Wirklichkeit ergeben, die sich dann wechselseitig beeinflussen, aber nicht unbedingt etwas mit der gesellschaftlichen Realität zu tun haben – also, einer objektiven Realität. Letztere ist dann quasi Schrödingers Katze – wir wissen prinzipiell nicht, ob es überhaupt eine objektive Realität gibt, oder ob wir uns vielmehr nur einreden, dass unsere geteilte, subjektiven Wirklichkeiten nur den Anschein einer geteilten, objektiven Realität ergeben.

    Stefanowitsch argumentiert hier aus dem radikal-konstruktivistischen Standpunkt, dass es eine objektive Realität, sofern es sie nicht gibt, sowieso nicht erfasst werden kann und es daher vielmehr auf die – durch Sprache, nicht durch „Tatsachen“, letztere wären ja Realität und nicht Wirklichkeit – geschaffene und gesellschaftlich geteilte Wirklichkeit ankommt. Kurz: Auf „Realität“ und „Tatsachen“ können wir scheißen.

    Wenn das jetzt blöd klingt – Wittgenstein ist toll zu lesen ab 1,5 Promille, sonst isses recht offensichtlich Unsinn. Und ja, die Idee ist toll, aber praktisch widerlegt sie sich selbst, ist eine Tautologie… man lese dazu z.B. Popper hier: http://www.zeit.de/1971/39/wider-die-grossen-worte oder Schopenhauers „Zur Logik und Dialektik“ in den Parerga und Paralipomena; oder man sehe es gleich als den Unsinn, als der es einem vorkommt; mehr sagen Popper und Schopenhauer auch nicht.

    Wobei man fairerweise sagen muss, dass ich den Eindruck habe, dass die meisten – und auch Stefanowitsch – Wittgenstein schlicht und einfach nicht verstehen, sondern vielmehr missbrauchen. Das ist dann quasi Unsinn².

    Gefällt 2 Personen

    1. Stefanowitsch argumentiert hier aus dem radikal-konstruktivistischen Standpunkt, dass [] eine objektive Realität, sofern es sie [denn] gibt

      … muss das heißen. Sorry, ist auch ohne Fehler schon kompliziert genug.

      Gefällt 1 Person

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