Alles Nazis außer Mutti – Wie der rbb in Cottbus freidreht

Journalisten scheinen nur sehr schwer mit Kritik umgehen zu können. Nach einem Artikel beim Tagesspiegel bin ich auf einen weiteren Bericht über die Journalistenkritik auf der Demonstration in Cottbus am letzten Wochenende gestoßen.

Der Umgang mit Kritik ist in anderen Branchen eine ganz normale Sache, mit der konstruktiv umgegangen wird.

Journalisten hingegen nutzen ihre Publikationsmöglichkeiten für eine jammernde journalistische Nabelschau. Sie scheinen davon überzeugt, dass es kaum wichtigeres als Journalisten gibt.

Als Kommentar kommt der Artikel von Torsten Mandalka beim rbb daher:

Bedrohung von rbb-Mitarbeitern in Cottbus

Aufstachelung zum Medienhass

Hier offenbart sich bereits der erste rhetorische Trick: Einerseits ist man empört, dass rbb-Mitarbeiter bedroht worden sind. Anderseits möchte man die konkrete Kritik der Demonstranten am rbb als Hass auf alle Journalisten umdeuten.

Indem man sich in der Masse aller Medien versteckt, muss man nicht mehr auf die konkrete Kritik eingehen.

Ehrlich geht anders.

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Cottbus auf einer Kundgebung des Vereins „Zukunft Heimat“ gegen Flüchtlinge.

Rund 1.000 Menschen?

Das Bild im Artikel des rbb zeigt einen Ausschnitt der Demonstration mit vielen Menschen. Und dieser Ausschnitt sieht voll aus. Sind das nur 1.000 Teilnehmer?

Der Tagesspiegel spricht von 1.500 Demonstranten.

Die Junge Freiheit geht von 1.500 bis 2.500 Demonstranten bei der Demonstration aus.

Ehrlich, Torsten Mandalka? So beginnst du einen Artikel, in dem du darüber jammerst, dass die Menschen dir und deiner Zunft nicht glauben und euch nicht mögen?

Die Anzahl der Demonstranten ist nicht die die einzige fragwürdige journalistische Leistung im ersten Satz eines Artikels, der Kritik an Journalisten beklagt.

Torsten Mandalka tut die Demonstration des Vereins „Zukunft Heimat“ pauschal als „gegen Flüchtlinge“ ab. Schaue ich mir den Aufruf zur Demonstration an, ist er wesentlich differenzierter:

Cottbus kommt nicht zur Ruhe. Die Serie von bewaffneten Übergriffen durch vorgeblich Schutzsuchende reißt nicht ab.

Während am Landgericht Cottbus der Mordprozess gegen einen jungen Syrer verhandelt wird, dem zu Last gelegt wird, im Dezember 2016 die 82 Jahre alte Cottbuserin Gerda K. umgebracht zu haben [1] und an den Schulen aufgrund übervoller Klassen und Verständigungsprobleme zwischen einheimischen und zugewanderten Schülern die Bildungs- und Sozialdezernentin aus Angst vor zunehmenden Spannungen Alarm schlägt [2], erschüttert erneut eine Messerattacke die Stadt [3].

Der Demonstrationsaufruf ist sachlich formuliert, benennt konkrete Vorkommnisse und enthält Quellen für die Behauptungen.

Niemand versteht, warum Schutzsuchende in dem Land, das ihnen Schutz gewährt, bewaffnet durch die Straßen ziehen. Darum demonstrieren wir am Donnerstag erneut in Cottbus. Wir wollen im eigenen Land nach unserer Art und in Frieden leben.

Deshalb fordern wir ein Ende der unkontrollierten Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten. Deshalb fordern wir eine Altersüberprüfung aller hier lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Deshalb fordern wir, den Familiennachzug für Ausländer mit subsidiärem Schutz auf Dauer auszuschließen. Deshalb fordern wir die Remigration straffällig gewordenen Ausländer und abgelehnter Asylbewerber.

Das fasst der rbb als „gegen Flüchtlinge“ zusammen.

Tatsächlich fordern die Organisatoren der Demonstration nur die Durchsetzung des geltenden Rechts. Nur an einer Stelle möchten sie dessen Verschärfung – aber auch nur in Form der Verlängerung der bereits existierenden Regelung, dass der Familiennachzug für Ausländer mit subsidiärem Schutz ausgeschlossen ist.

Es beginnt schon damit, dass „Zuwanderer“ nicht das gleiche bedeutet wie „Flüchtlinge“.

Das Ende der unkontrollierten Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten zu fordern ist nicht pauschal „gegen Flüchtlinge“. Es ist auch nicht pauschal gegen Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten. Es geht um die unkontrollierte Zuwanderung.

Und so geht es weiter. Die Forderung nach einer Altersüberprüfung aller hier lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist nichts weiter als die Forderung, geltendes Recht durchzusetzen und Kinder vor Erwachsenen zu schützen, die vorgeben Minderjährige zu sein.

Ist es „gegen Flüchtlinge“, wenn man fordert, dass für alle die gleichen Standards gelten?

Nun halte ich es durchaus für wahrscheinlich, dass der Demonstrationsaufruf differenzierter formuliert ist als das Weltbild mancher Teilnehmer der Demonstration.

Trotzdem. Über Kritik an der eigenen Zunft jammern und dann genau in diesem Artikel im ersten Satz mit fragwürdigen Fakten – der Anzahl der Teilnehmer – und mit negativen Pauschalisierungen zu kommen, zeigt sehr deutlich: Torsten Mandalka und der rbb haben nicht verstanden, warum sie kritisiert werden.

Lieber diffamieren sie die Kritiker.

„Lügenpresse, Volksverräter“ skandieren die Wutmenschen in Cottbus aus tausend Kehlen.

Diejenigen, lieber Torsten Mandalka, die du hier als Wutmenschen diffamierst sind deine Kunden. Das verstehst du nur nicht, weil auf deinem Markt keine Marktwirtschaft herrscht, sondern Zwang.

Und ganz individuell wird geraunt: „Wir merken uns Eure Namen und Gesichter – für später!“ Einer will die Journalisten bald „wegsperren“.

Das ist – sollte es so geschehen sein – sicher nicht schön. „Wegsperren“ wirkt bedrohlich. Was so „ganz individuell geraunt“ wird, zeigt, wie die Emotionen hochgehen.

Aber glaubt Torsten Mandalka wirklich, dass das Verhältnis zu seinen Kunden besser wird, wenn er weiterhin pauschalisierend und diffamierend über sie berichtet?

Hat er sich mal gefragt, ob die gleichen Menschen, die jetzt solche Sprüche klopfen, das vor 10 Jahren auch schon getan hätten? Und hat er sich mal gefragt, was er und seine Zunft dazu beigetragen haben, ob sie nicht zumindest eine Teilschuld daran haben?

Sind diese Menschen so geboren worden? Waren sie schon immer wütend auf Journalisten?

Die Wortführer auf der Bühne tun derweil das ihre, um mehrere rbb-Mitarbeiter namentlich bekannt zu machen. So zitiert die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende den ungeliebten Tweet eines rbb-Kollegen. Sie nennt ihn beim Namen, erwähnt, dass er anwesend ist.

Ich frage mich, lieber Torsten Mandalka, warum du den Tweet nicht verlinkst. So kann ich mir kein eigenes Bild davon machen, ob dein Kollege eher ein Journalist oder eher ein Aktivist ist.

Als politischer Aktivist an der Demonstration teilzunehmen und dann zu jammern, wenn man als jemand benannt wird, der seine journalistischen Publikationsmöglichkeiten für politischen Aktivismus missbraucht, fände ich nämlich lächerlich.

Aktivisten sind nicht unkritisierbar, nur weil sie Journalisten sind. Gerade unter Journalisten gab und gibt es viele politische Aktivisten. Das war schon immer so. Karl Marx gab die Neue Rheinische Zeitung heraus und schrieb für sie. Ulrike Meinhof schrieb als Journalistin für konkret.

Die Parteipräferenz von Journalisten in Deutschland ist mehrheitlich links. Es verwundert nicht, dass die Berichterstattung in deutschen Medien mehrheitlich links geprägt ist. Kritik daran ist legal.

Leider kann ich die konkrete Kritik an dem Journalisten des rbb nicht beurteilen, Torsten Mandalka, weil du sie nicht benennst. Weil du nicht zitierst, was über den Kollegen gesagt wurde und auch nicht zeigst, was der Kollege geschrieben hat.

Drohende Fragen aus dem Publikum werden laut: „Wo ist der Kerl?“ Kurz zuvor hatte dieselbe Frau genau diesem Journalisten noch die Hand geschüttelt.

Torsten Mandalka belegt selbst, dass die Teilnehmer nichts gegen Journalisten im Allgemeinen haben. Im Gegenteil, sie begegnen ihnen freundlich.

Sie haben nur etwas gegen bestimmte Journalisten.

Um diesen Zusammenhang herzustellen wäre es notwendig zu wissen, was diesem Journalisten auf der Bühne vorgeworfen wurde.

Torsten Mandalka deutet die konkrete Kritik an konkreten Journalisten in pauschale Journalistenkritik um, indem er von „Medienhass“ schreibt. Eine weitere Diffamierung seiner Kunden.

Ein Verantwortlicher von „Zukunft Heimat“ kommt vorbei und sagt: „Wenn irgendwas ist, sagen Sie Bescheid!“ – um kurz darauf selbst ans Mikrofon zu gehen und die Stimmung gegen den rbb weiter anzuheizen.

Was ist denn die Erwartung des rbb? Dass die Gefühle seiner Journalisten nicht verletzt werden?

Ganz offensichtlich möchte der Verantwortliche von „Zukunft Heimat“ nicht, dass Journalisten physisch angegriffen werden. Er kümmert sich persönlich darum.

Er kümmert sich um die Unversehrtheit der Journalisten, obwohl sie eine andere Meinung haben als er und er sie deshalb kritisiert.

Das ist anständig!

Ist Torsten Mandalka noch ganz bei Trost, das zu kritisieren?

Schließlich sagt ein Ordner, der dem Kamerateam eine Stunde lang nicht von der Seite weicht, am Ende der Veranstaltung: „Ab jetzt müsst ihr auf Euch selber aufpassen.“

Nochmal: Die Organisatoren verhalten sich anständig, wenn sie Journalisten ihre freie Berichterstattung ermöglichen.

Da sie nicht für jeden Demonstrationsteilnehmer bürgen können, schützen sie die Journalisten, obwohl sie politische Gegner sind.

Das so zu verdrehen, dass das etwas schlechtes ist, lieber Torsten Mandalka, das ist unanständig.

Solche Demos zerstören die Debattenkultur

Nein, Torsten Mandalka, du und deine Zunft zerstören die Debattenkultur.

Die Scheinheiligkeit ist das eine – die Aufstachelung zum Medienhass das andere.

Bisher wurde im Artikel kein Beleg für „Medienhass“ geliefert. Im Gegenteil: Es war von konkreter Kritik an konkreten Journalisten die Rede.

Das zum „Medienhass“ umzudeuten ist unanständig. Es diffamiert die Kritiker, die nicht die Möglichkeit haben sich reichweitenstark zu wehren.

Ich sehe bisher nur eine Person, die scheinheilig agiert. Und das ist Torsten Mandalka.

Journalisten – besonders die vom rbb – werden hier zum Freiwild gemacht für den militanten Arm der rechten Szene.

Von Gewalt oder auch nur von Gewaltaufrufen habe ich nichts gelesen. Hier jammert einer mit der publizistischen Macht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Rücken, dass er kritisiert wird.

Dabei bringt er ganze zwei (!) Einzelfälle, die bedrohlich interpretiert werden können und spinnt daraus eine Bedrohung für alle Journalisten herbei.

Damit ist klar, was uns blühen soll, wenn diese Kräfte die Macht ergreifen: dasselbe wie den Flüchtlingen.

Torsten Mandalka deutet nur an, bleibt nebulös und im Ungefähren. Mit der Wortwahl („Macht ergreifen“) hofft auf die geeigneten Assoziationen in den Köpfen seiner Leser.

Meine Assoziation ist: Lügenpresse. Damit gelte ich bei manchen als Nazi.

Und was soll die Andeutung mit den Flüchtlingen? Was droht denn Flüchtlingen? Die Anwendung bestehender Gesetze, der rechtsstaatliche Umgang, den die Organisatoren fordern, droht ihm und den Flüchtlingen?

Torsten Mandalka hat nichts vorzuweisen außer zwei geraunten Drohungen. Und er selbst berichtet – trotz des erbärmlichen Umdeutungsversuchs – davon, dass sich die Organisatoren der Demonstration anständig verhalten.

Anders als für die Rechtspopulisten dieser Welt gibt es für den rbb nicht nur eine Wahrheit.

Ich habe in diesem Artikel bisher differenzierte Forderungen und (bis auf zwei Individuen von 1.000) anständiges Verhalten auf der einen Seite gelesen.

Pauschalisierungen, rhetorische Tricksereien, Diffamierungen und empörende Assoziationen hingegen auf der anderen Seite.

Und es ist der rbb, der auf anderen Seite steht.

Die eigene publizistische Macht zu nutzen um sich selbst reinzuwaschen finde ich peinlich. Insbesondere, wenn man die Kritiker auf der Demonstration nicht einmal zu Wort kommen lässt. Man nennt das Auslassung.

Es folgt eine Darstellung, wie super und neutral der rbb immer berichtet hat. Mir kamen die Tränen, so super und so klasse sind die.

Richtig lachen musste ich an zwei Stellen:

Und wir pauschalisieren nicht

Und dieser Artikel ist der Beweis! Selbst in dem Absatz, der nur aus peinlicher Selbstbeweihräucherung besteht, ist durchweg von „Flüchtlingen“ die Rede. Eine Differenzierung findet nicht statt.

Torsten Mandalka merkt gar nicht mehr, wie weit er von journalistischen Standards entfernt ist.

Genauso wenig ist jeder AfD-Wähler gleich ein Neonazi.

Auch hier. Nicht jeder AfD-Wähler ist ein Neonazi. Gemerkt? AfD-Mitgliedern räumt er nicht die Möglichkeit ein, keine Nazis zu sein.

Aber jene, die in Cottbus zum Medienhass aufstacheln, haben ein anderes Prinzip: Ihre Meinung ist Gesetz, sie sind Meinungsdiktatoren.

Ich frage schon gar nicht mehr nach Belegen. Er behauptet einfach irgendwas.

An welcher Stelle ist die Meinung der Medienhasser denn Gesetz? Wo verfügen sie denn über Macht für eine Meinungsdiktatur?

Torsten Mandalka hingegen verfügt über Macht. Er kann mit großer Reichweite Demonstranten diffamieren.

Er wird sogar dafür bezahlt, dass er die Realität völlig verdreht, indem er den Machtlosen vorwirft Diktatoren zu sein und denjenigen die Macht besitzen einen Persilschein ausstellt.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei.

Denn wer nicht ihrer Ansicht ist, die auf ihren Facebook-Seiten dargebotenen „alternativen Fakten“ hinterfragt

Das macht sie zu Diktatoren?

und wer mit diesen Leuten nicht die Nationalhymne singen mag, ist für sie minderwertig und hassenswert.

Wo ist der Beleg? Wer auf der Demonstration hasst Menschen, die nicht die Nationalhymne singen wollen? Wer findet sie minderwertig?

Ich weiß, historische Vergleiche sind oft schwierig.

Aber in diesem Fall habe ich doch den Eindruck: Das hat dieses Land alles schon mal erlebt.

Er diffamiert die Demonstranten ganz offen als Nazis. Die Maske ist gefallen. Gerade schreibt er noch, dass der rbb differenziert – und jetzt das.

Merkt er das nicht selbst?

Das schwierige bei historischen Vergleichen ist, dass man die Geschichte kennen muss.

Glaubt Torsten Mandalka ernsthaft, dass SA-Ordner auf einer NSDAP-Veranstaltung einen kommunistischen Journalisten geschützt hätten?

Fordern die Demonstranten in Cottbus einen Putsch? Wollen sie Krieg? Möchten sie die Demokratie abschaffen? Möchten sie alle Juden vergasen?

Torsten Mandalka vergleicht die Demonstranten ernsthaft mit verbrecherischen Massenmördern.

Fazit

Dieser Artikel ist der peinliche Versuch eigene Fehler zu negieren und sich selbst im besten Licht erscheinen zu lassen. Torsten Mandalka schreckt dabei nicht vor schlimmsten Diffamierungen politisch Andersdenkender zurück.

Dabei ist der Artikel selbst der Beweis, dass der rbb längst jede journalistische Bodenhaftung verloren hat. Es ist nicht so, dass diese Art von Artikeln schlechter Journalismus sind.

Nein, diese Art von Artikeln, wie Torsten Mandalka ihn hier abliefert, ist kein Journalismus. Es ist politischer Aktivismus.

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4 Kommentare zu „Alles Nazis außer Mutti – Wie der rbb in Cottbus freidreht“

  1. Die bösen Nazis haben extra einen Ordner abgestellt, damit niemand von der Lügenpresse, der Artikel ist ohne jeden Zweifel ein Beweis dafür, verprügelt wird? Man, sind das anständige Nazis. Fehlt nur noch, dass die den Journalisten ein Taschentuch reichen, wenn die Worte mal wieder zu hart waren.

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