Mutige Frauen schicken andere vor

Im Speisewagen eines ICE fühlt sich eine Frau von alkoholisierten Fußballfans belästigt.

„Geht’s ein bisschen leiser?“, bittet ein junger Mann. Vergebens. Die Fans machen unbeeindruckt weiter. Irgendwann grölen die zehn Biedermänner in FC-Bayern-Trikots durch den Speisewagen: „Wir fi …. eure Frauen!“

Die Schreihälse lassen sich auch von der Bitte eines „jungen Mannes“ nicht von ihrem Geschrei abbringen.

Die angemessene Reaktion einer mutigen Frau auf so eine Provokation ist natürlich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen:

Eine Reisende, schlägt ihr Buch zu und ergreift mutig das Wort.

Es scheint, als ob sie mutig den Fußballfans entgegentritt.

Sie wendet sich an die Speisewagen-Bedienung: „Lassen Sie das als Bahn zu?“, fragt sie. „Ist das hier die Norm?“

Hahahahahahaha.

Ich habe so gelacht.

Der „junge Mann“ bekommt nur das Attribut „jung“, obwohl er die Störenfriede direkt anspricht. Eine Frau, die andere vorschickt, wird hingegen als mutig bezeichnet.

Warum fühlt sich die Frau so gestört?

Sie erinnert an die Sexismus-Debatte. Die frauenfeindlichen Gesänge im Speisewagen sind für sie Sexismus pur.

Das steckt also dahinter. Die Fußballfans sind nicht nur vulgär und laut – sie sind auch sexistisch!

Und das trotz der aktuellen #MeToo-Debatte, bei der Köpfe von Männern rollen, weil sie vor Jahrzehnten angeblich einer Frau ans Knie gefasst haben! Und diese betrunkenen Männer trauen sich, in diesem Klima einer Hexenjagd völlig ungerührt „Wir fi… eure Frauen“ zu rufen!

Und auf die Vorwürfe angesprochen, kündigen diese Männer nicht ihren Job und tun öffentlich Buße, nein – sie werden auch noch frech!

„Das Gesindel mit Buch soll das Maul halten“, schreit einer durch den Waggon. „Wir arbeiten die ganze Woche hart, am Wochenende wollen wir unseren Spaß haben!“

Das passiert, wenn Ansprüche aus der feministischen Filterblase auf die Realität treffen. Und was macht die mutige Kämpferin gegen Sexismus und betrunkenes Gegröle?

Sie stellt rhetorische Fragen und setzt die Bedienung moralisch unter Druck einzugreifen und sich der Gefahr auszusetzen, der die „mutige Frau“ ausweichen will.

Die Bedienung reagiert ausweichend, hilflos. Was solle Sie tun?, fragt die zurück.

Das Geschlecht der Bedienung, die von der „mutigen Frau“ in Gefahr gebracht werden soll wird – sicher zufällig – nicht genannt.

Die Frage, die die Bedienung aufwirft, ist berechtigt. Was soll sie tun, wenn die Fans auch auf ihre Ansprache nicht reagieren? Das Hausrecht der Bahn durchsetzen, also den ICE irgendwo stoppen, warten bis die Bundespolizei da ist und die Fans rauswirft?

Wäre das im Sinne der „mutigen Frau“, wenn sie ihren Anschlusszug verpasst? Wie würden das die anderen Fahrgäste finden?

Die Frau ist nicht besonders vorausschauend. Und ganz sicher ist sie nicht mutig. Sie wendet sich schlicht an eine Autorität, die ihre Probleme lösen soll.

4 Kommentare zu „Mutige Frauen schicken andere vor“

  1. Naja, was in Deutschlan alles als ‚mutig‘ gilt…
    Wenn eine 15jährige Mitschüler anzeigt, weil diese etwas vorführen, was sie als extrem provokant eingetrichtert bekamen, ist das mutig. Mutigerweise hatte sie ihre Eltern dabei.
    Wenn 20 vermummte Gewalttäter eine 17jährige krankenhausreif schlagen, weil diese aud der falschen Tür kam, ist das mutig. Von den 20 Vermummten.
    Wenn hunderte oder gar tausende gewaltbereite, hochaggressive Linksextreme ein Häuflein Rentner einschüchtern, bepöbeln, mit Gegenständen bewerfen und zun Teil sogar zusammenprügeln, ist das mutig. Nicht von den Rentnern, sondern gegen ‚rechts‘.
    Vom Mut, Familien Gastwirte und sonstige Gewerbetreibende nachts in grossen Gruppen mit erheblicher Gewalt Häuser zu zerstören und Gewerbeflächen unbrauchbar zu machen, muss ich wohl nicht reden.
    Vom Mut gewisser Horden, die immer erst mit 10facher Übermacht mutig werden, möchte ich garnicht reden.
    Ja, Deutschland ist ein mutiges Land. Man könnte fast den Mut verlieren, so mutig ist es.

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  2. G’schichtn aussm Paulanergarten, sage ich da.

    Ich bin jetzt wirklich kein Fußballfan, kenne aber genügend, und die fahren Bus oder Bummelzug. Vor allem aber fahren sie nicht Samstagabend irgendwohin.

    Von daher gucken wir mal nach… Das letzte Spiel Bayern gegen Stuttgart in Stuttgart war am 09. April 2016 um 15:30 Uhr. Da war also Samstagabend… oh, Moment, die sind in Ulm ausgestiegen. In Ulm gibt es gar keinen keinen Bundesliga-Club.

    Aber es gibt einen RE von München nach Ulm. Kostet dann 88€ für alle zehn Jungs; das wäre sogar noch ein totaler Nazi-Fahrpreis, den man da in den Artikel hätte schreiben können.

    „Was solle Sie tun?“ ist übrigens auch kein korrekter deutscher Satz; das „Sie“ kann da nicht groß.

    Aber Deine Kommentare waren nett.

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  3. Ja, ist schon toll, wenn auf Biegen und Brechen das Image der Frau aufpoliert werden soll, obwohl die Alltagserfahrungen anders sind und nicht wirklich dafür sprechen, dass Frauen die besseren Menschen sind. Sie sind auch nicht unbedingt die schlechteren Menschen, aber jedenfalls passt das medial zelebrierte Bild von der Frau meist nicht zu dem, was ich mit Durchschnitts-Frau so erlebe. Unbeantwortet ist für mich noch die Frage, ob Frau die bessere Führungskraft ist, denn momentan sieht es für mich so aus, als wären die meisten amtierenden weiblichen Minister und die Kanzlerin weit entfernt von sinnvoller, nachhaltiger (<- würg Modewort) Landesführung entfernt.

    Ich weiß aber auch, dass Frau im Berufsleben durchaus etwas leisten kann, wobei mir aber auch noch nicht so ganz klar ist, wie effizient Frau ist, wenn man z. B. mal in Betracht zieht,
    – wieviel Zeit für Schwätzchen halten draufgeht,
    – dass die emotionalen Bedürfnisse der Frau ebenso von der Arbeit abhalten,
    – wie sehr das ebenso bei Frau tendentiell eher zu beobachtende persönliche Gelästere über andere Kollegen hinter deren Rücken den Arbeitsfrieden stören kann,
    – wie die natürliche sexuelle Dynamik zwischen Männern und Frauen auch eine Kraft enthält, die den Frieden zwischen den Kollegen nachhaltig (<- würg) stören kann.

    Auf der anderen Seite bringt Frau mit ihrer natürlichen Wesensart auch eine Qualität mit, die sich sehr positiv auf das Gefüge auswirken, gleichgültig ob zu Hause oder am Arbeitsplatz. Ich wünschte nur, es würde endlich aufgehört werden, Mann ständig als schlecht und wertlos zu beschreiben und die moderne, „mutige“ Frau zu etwas zu erklären, was sie ganz offensichtlich nicht ist, und Frau und deren „Befreiung“ obendrein noch als die Lösung für alle Probleme der Welt zu verklären.

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