Über die Spekulationen, ob Flüchtlinge dazu neigen, Medizinstudentinnen zu vergewaltigen und zu töten

SPIEGEL ONLINE berichtet (das Gespräch von Susanne Beyer und Laura Backes mit Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal ist im gedruckten SPIEGEL erschienen) unter der Überschrift

Sexismus-Debatte

Was Trump und die Silvester-Grapscher gemeinsam haben

darüber, was Trump und die Silvester-Grapscher gemeinsam haben. Ich bin mir sicher, da gibt es viel. Vor allem das Grapschen. Mehr war da ja nicht Silvester 2015 in Köln.

SPIEGEL: Frau Sanyal, in Freiburg ist eine Medizinstudentin vergewaltigt und ermordet worden, tatverdächtig ist ein afghanischer Flüchtling. Ein anderer Flüchtling soll in Bochum zwei Frauen vergewaltigt haben. Sie haben ein Buch mit dem Titel „Vergewaltigung“ geschrieben. Wie blicken Sie auf die aktuellen Fälle?

Sanyal: Zurzeit ist noch so vieles unklar. Darüber zu spekulieren, ob Flüchtlinge dazu neigen, Medizinstudentinnen zu vergewaltigen und zu töten,

Medizinstudentinnen? Es geht in der öffentlichen Diskussion, die ich wahrnehme, um das Frauenbild von Menschen arabischer Herkunft, die nach Deutschland gekommen sind. Nennen wir sie wie Mithu Sanyal Flüchtlinge, auch wenn sich die Debatte nicht ausschließlich auf Flüchtlinge beschränkt. Das kann man zuspitzen auf die Frage, ob „Flüchtlinge dazu neigen“, Frauen „zu vergewaltigen und zu töten“, wie sie schreibt. Mit der Reduzierung auf die Eigenschaft des Opfers als Medizinstudentin gibt Frau Sanyal der dahinter stehenden Frage einen absurden Anstrich und macht sie bewusst lächerlich.

ist ähnlich hilfreich wie darüber zu spekulieren, ob das Menschen mit blondierten Haaren tun.

Genau. Menschen mit blondierten Haaren.

Übrigens wurde erst dieses Jahr in Thüringen ein deutscher Krankenpfleger verurteilt, weil er seine 82-jährige Nachbarin vergewaltigte und dann tötete.

Übrigens? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Soll dieser Verweis auf einen deutschen Straftäter das Verbrechen irgendwie erklären? Oder soll das eine billige, leicht zu durchschauende Nebelkerze sein?

In der Debatte, die von Mithu Sanyal als „Spekulation“ bezeichnet wird, geht es um das generelle Frauenbild von Flüchtlingen und die Frage, ob Vergewaltigungen über den Einzelfall hinaus häufiger von Flüchtlingen begangen werden – möglicherweise aufgrund ihres Frauenbildes oder auch aufgrund ihres sozioökonomischen Status.

SPIEGEL: Also: lieber schweigen?

Sanyal: Nein, natürlich ist es wichtig, sich mit sexistischen Strukturen auseinanderzusetzen. Mit den eigenen und den – übrigens sehr unterschiedlichen – sexistischen Strukturen von Menschen, die hierherkommen.

Sie meint mit „sexistischen Strukturen von Menschen, die hierherkommen“ vermutlich das Frauenbild und die „Neigung“, wie sie oben schreibt, zum Vergewaltigen und Töten bei Flüchtlingen. Das ist also doch – „natürlich“ – relevant. Die Einfügung, dass die sexistischen Strukturen von Menschen, die hierherkommen, übrigens sehr unterschiedlich sind, soll das Gesagte wohl weiter relativieren. Und überhaupt: Menschen haben eine sexistische Struktur? Mithu Sanyal, ich, wir alle? Ist das eine neue Hirntheorie?

Bloß ist das komplex.

Ah ja. Dann bitte, Frau Sanyal, erklären Sie. Ich bin ganz Ohr. Jetzt kommen sicher Fakten und Zahlen aus der Kriminalstatistik, die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, Belege, dass es anders ist mit den sexistischen Strukturen von Menschen, als das diejenigen, die „spekulieren“, in ihrer Naivität fragen. Wie, das war es? Es ist komplex, Punkt? Aber Journalisten erklären das Komplexe, der SPIEGEL fragt nach.

SPIEGEL: Der Sexismus war eines der großen Themen dieses Jahres: Mit den Übergriffen von Köln ging es los, daran schloss die Nein-heißt-Nein-Debatte über den Vergewaltigungsparagrafen an, dann kam die Aufregung um Donald Trumps Äußerungen. Hat sich das Verhältnis zwischen Frauen und Männern in diesem Jahr verschlechtert?

Gelegenheit verpasst. Der SPIEGEL macht weiter im Text, neues Thema. Der Rest des Artikels verschwindet hinter dem Paywall.

Das ist vielleicht gut so. Denn die Beschränkung auf „Sexismus“, das ist die eigentliche Nebelkerze. Einfach mit Trump gleichsetzen und fertig ist die Reinwaschung.

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