Über die Naivität ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer

Bei YouTube gibt es einen Erfahrungsbericht der ehemaligen ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin Christiane Soler. Mit zahlreichen Beispielen möchte sie belegen, dass Flüchtlinge nicht zur Integration in die deutsche Gesellschaft bereit sind, nicht gewillt sind die deutsche Sprache zu lernen und eigentlich nur von deutschen Sozial- und Gesundheitsleistungen leben und profitieren wollen.

Das Video ist pauschal und einseitig, Soler berichtet eine halbe Stunde lang ausschließlich negative Beispiele. Trotzdem: Da Christiane Soler eine ehemalige Helferin ist, die freiwillig und aus Überzeugung jahrelang ohne Entlohnung Flüchtlingen geholfen hat, mit einem Spanier verheiratet ist und auch eigene finanzielle Mittel für Flüchtlinge aufgewendet hat, scheidet „Rassismus“ als Erklärung aus.

Den Wahrheitsgehalt und die Allgemeingültigkeit der Beispiele kann ich nicht prüfen, auf diesen Teil des Inhalts möchte ich auch gar nicht eingehen. Mir ist aber ein entscheidender Aspekt in Christiane Solers Denkweise aufgefallen, den ich hier beschreiben möchte.

Sie berichtet davon, dass das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe nachlässt.

Dann sollen unsere Politiker mal zusehen wie sie mit bezahlten Kräften damit fertig werden. Denn ich denke […] es wird erst dann ein Umdenken einsetzen, wenn es […] richtig an allen Ecken und Enden kracht.

Die ehemalige ehrenamtliche Flüchtlingshelferin erklärt, dass sie jetzt nicht mehr helfen wird und sie scheint das als eine Bestrafung für „unsere Politiker“ zu sehen, die jetzt halt sehen sollten, wie sie klar kämen.

Diese Aussage offenbart ein beeindruckendes Weltbild: So als wären „unsere Politiker“ diejenigen die persönlich davon betroffen wären.

So als wäre es für „unsere Politiker“ nicht eine ihrer leichtesten Übungen, öffentlich und moralisierend darüber zu jammern, dass das ehrenamtliche Engagement bei der Flüchtlingshilfe zurückgeht.

So als ob irgendetwas anderes passieren würde, als dass „unsere Politiker“ die Verwaltung der Stadt oder Gemeinde – also andere – dazu auffordern würden, sich mithilfe des Steuergelds ihrer Bürger um das Problem zu kümmern.

So als gäbe es keine Profiteure, wenn aus ehrenamtlichen Helfern bezahlte Stellen werden.

Die Annahme, mit dem Beenden ihrer ehrenamtlichen Arbeit in erster Linie „unsere Politiker“ zu treffen, ist geradezu naiv. Betroffen sind immer die Bürger. Die werden es am Ende ausbaden und mit den Konsequenzen leben müssen.

Es ist doch häufig so, dass die Viertel, in denen „unsere Politiker“ leben, eine weniger problematische Sozialstruktur aufweisen. Die Schulen sind in diesen Gegenden noch intakt. Und wenn es so richtig schief läuft, gehen die Kinder „unserer Politiker“ eben auf eine Privatschule.

Bisher haben sehr, sehr viele Ehrenamtliche das Schlimmste abgefedert, sehr viel abgefedert: […] Bei uns zum Beispiel im Kreis, ein Drittel unseres Dorfes […] hat sich eingesetzt als Flüchtlingshelfer. […]

Es waren sehr viele dabei, die […] sagten: „Wir machen das […] nicht nur um diese Leute Willkommen zu heißen, sondern wir tun es auch um unsere jungen Frauen zu schützen. Wir beschäftigen die Jungs.“ […] Es gab drei Deutschkurse am Tag, es gab zweimal die Woche Fußballtraining, es wurden Ausflüge gemacht. Die waren Tag und Nacht beschäftigt. Es gab ein Flüchtlingskaffee das immer betreut wurde und die Jungs waren beschäftigt.

Wenn das wegfällt, denke ich schon, dass es da … ja … da wird zu Problemen kommen. Das denke ich wohl.

Ich finde dieses aus Angst „um unsere jungen Frauen“ geborene ehrenamtliche Engagement weder ehren- noch bewundernswert.

Ich finde es naiv und kurzsichtig, ja fast schon dumm.

Denn die Annahmen, die dieser Denkweise zugrunde liegen sind, dass diese Männer eine besondere Bedrohung für „unsere jungen Frauen“ darstellen und dass permanente Beschäftigung und Aufsicht wirksame Gegenmaßnahmen sind.

Was glaubt denn ein Drittel des Dorfes was passiert, wenn sie sich nicht mehr ehrenamtlich engagieren?

Es ist von vornherein absehbar, dass ihre Gegenmaßnahme zeitlich befristet ist, schließlich ist absehbar, dass freiwilliges ehrenamtliches Engagement abebbt.

Man kann auch darüber Streiten, inwieweit eine Beschäftigungstherapie überhaupt eine wirksame Gegenmaßnahme ist.

Ich finde das so eigenartig inkonsequent. Diese Menschen identifizieren eine Bedrohung, aber sie geben sich ihrem Schicksal hin und wehren sich nicht gegen die Politiker, die ihnen das einbrocken.

Stattdessen verwenden sie verzweifelt ihre Energie darauf, eine von ihnen empfundene Lücke zu stopfen, die Politiker offen lassen. Damit signalisieren sie ihnen auch noch die Unterstützung ihrer Politik.

Fazit

Ich halte Christiane Soler für eine mutige Frau. Ob ihr Bericht korrekt und allgemeingültig ist oder nicht – ihre Entscheidung, sich mit Thesen, die nicht dem Mainstream entsprechen, an die Öffentlichkeit zu wenden, war sicher keine einfache.

Sie berichtet davon, dass es eine Bewegung gibt, die versucht sie mundtot zu machen und versucht, ihre Existenz zu vernichten. Eine aktuell leider typische „Diskursstrategie“.

Trotzdem macht sie den Mund auf.

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist ihre Staatsgläubigkeit, ihr Vertrauen darauf, dass die von ihr kritisierten Politiker irgendein Interesse daran haben, die Situation in Ordnung zu bringen.

Selbst wenn es gelingt, durch bezahlte Kräfte das nachlassende ehrenamtliche Engagement auszugleichen, bleibt es ja bei der Aussichtslosigkeit der von ihr beschriebenen Situation.

Sie berichtet ja gerade davon, dass die Flüchtlinge Wirtschaftsmigranten sind, die nur materiell profitieren wollen, ohne selbst etwas beizutragen. Sie ist der Meinung, dass sie gar kein Interesse daran haben, sich hier zu integrieren.

Sie hat Beispiele dafür gebracht, dass das Frauenbild dieser Menschen nicht in unsere Gesellschaft passt und sie sich auch nicht ändern wollen.

All die Voraussetzungen und Annahmen, unter denen sich ein Drittel des Dorfes bereit erklärt hat ehrenamtlich zu helfen, sind nicht eingetroffen. Wo bleibt der Aufschrei?

Ein Gedanke zu „Über die Naivität ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer“

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