Traumjobs dank Flüchtlingskrise [Nachtrag]

Das ist ja großartig:

So verhelfen Flüchtlinge Deutschen zu ihrem Traumjob

titelt welt.de. Gemeint sind Jobs, die im Umfeld der Helferindustrie entstanden sind. Der Artikel stellt uns einige beispielhaft vor. Die Beschreibung der Jobs ist eher belanglos, um zu erfahren welche Jobs gemeint sind braucht man nur die Zwischenüberschriften zu lesen:

Sprachlehrerin Anne Kleiber
Security-Mitarbeiter Khalil Mabrouki
Sozialarbeiterin Kristina Hoppe
Erzieherin Elke Schaeffer
Hauptkommissar Detlef Wagner

Ich freue mich für die Genannten, dass die Flüchtlingskrise ihnen den Traumjob beschert hat. Der Arbeitsmarkt für Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen muss wie leergefegt sein. Nur bei Hauptkommisar Wagner bin ich mir nicht sicher, ob er in seiner Berufsgruppe der Polizisten als jemand, der seinen Traumjob der Flüchtlingskrise verdankt, nicht eine Ausnahme darstellt.

Das alles muss natürlich jemand bezahlen. Das ist die Gesellschaft, speziell der produktive, steuerzahlende Teil. Auch eine Sozialarbeiterin zahlt Steuern – aber ihr Gehalt muss erst einmal von anderen erwirtschaftet werden. Die Milliarden, die es kostet, dass neue Traumjobs aus dem Boden sprießen, entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Sie fehlen an anderer Stelle. Sie könnten in Steuersenkungen oder Schuldentilgung fließen. Stattdessen fließen sie in eine Helferindustrie, die sich finanziell gesundstößt. Deren Interessen zu benennen und in Frage zu stellen heißt, sich moralisch auf das niedrigste denkbare Niveau zu begeben.

Und das will ich heute mal nicht. Stattdessen frage ich, wenn wir schon beim heiteren Beruferaten sind: Für welche Berufsgruppen war die Flüchtlingskrise noch ein Glücksfall? Für welche Berufe trug sie sie zur Überwindung von Arbeitslosigkeit, zu besseren Verdienstmöglichkeiten und zur Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bei?

Die ersten fünf wurden schon vorgestellt:

  1. Sprachlehrer
  2. Security-Mitarbeiter
  3. 3. Sozialarbeiter
  4. Erzieher
  5. Hauptkommissare (wie gesagt unter Vorbehalt)

Setzen wir die Liste fort (Ergänzungen willkommen).

6. Juristen

Sei es als selbständiger Rechtsanwalt, der abgelehnte Asylbewerber auf Staatskosten gegen den Staat vertritt, sei es als Richter in einem personell aufgestockten Gericht, dass über Asylgesuche, Sozialleistungsanträge oder in Strafsachen entscheidet, sei es als Widerspruchssachbearbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, im Sozialamt oder im Jobcenter (siehe -> Öffentlich Bedienstete und Beamte), sei es als Staatsanwalt, der für den Staat Anklage in Strafsachen führt – Juristen gehören zu den ganz großen Gewinnern der Flüchtlingskrise. Kein Wort mehr davon, dass es nach dem Zweiten Staatsexamen nicht genug Jobs gibt. Wir bieten jetzt für jeden etwas. Wahlweise – falls es gelingt, auf der guten Seite zu stehen und Flüchtlinge zu vertreten – mit Option auf Selbstverwirklichung und mit dem guten Gewissen des Verfechters gegen das Unrecht von Ausweisung und Abschiebung.

7. Geisteswissenschaftler

Ob als Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen oder Stiftungen, für die Steuergelder jetzt reichlich fließen, ob in der sozialwissenschaftlichen Forschung, ob in Medienagenturen oder in Beratungsfirmen: Für Geisteswissenschaftler geht es bergauf. Die einfachen Menschen brauchen Erklärungen, jemand muss ihnen die Fakten aufbereiten, die sie sonst nicht verstehen, jemand muss den ganzen Hass aus dem Internet filtern, die Hetzer an den Pranger stellen und bei Facebook mundtot machen. Geisteswissenschaftler kommen praktisch ausschließlich auf der moralisch guten Seite zum Einsatz.

8. Immobilienkaufleute

Das waren großartige Zeiten, als im Herbst 2015 die öffentliche Hand händeringend Gebäude und Grundstücke suchte, um die ungesteuert ins Land strömenden Flüchtlinge unterzubringen. Die Preise schossen in die Höhe, mit den vermieteten Objekten werden trotz rückläufiger Asylbewerberzahlen auf Jahre hinaus Gewinne erzielt. Und durch die untergebrachten Menschen, die jetzt ein dauerhaftes Bleiberecht haben und eigenen Wohnraum suchen, verknappt sich in den Städten das Wohnungsangebot weiter. Die Preise steigen, die Branche verdient mit, gute Zeiten für Immobilienkaufleute. Sie stehen allerdings nur selten auf der moralisch guten Seite. Manche haben so hemmungslos abkassiert, dass der Ruf auf Jahre hinaus beschädigt ist.

9. Bauberufe

Ob Sanierung oder Neubau von Gebäuden, ob Containerlösungen oder Zelte – jemand muss es bauen. Jemand muss Wasser- und Stromanschluss legen und den Sicherheitszaun hinstellen. Die Aufragsbücher sind voll, die Branche ist zufrieden.

10. Öffentlich Bedienstete

Nicht nur für Juristen, auch für andere Berufsgruppen gibt es im Öffentlichen Dienst mehr zu tun. Stellen werden geschaffen für Beamte und Verwaltungsangestellte in allen Bereichen. Unterkünfte müssen bewirtschaftet, Asylbewerber- und Sozialleistungen ausgezahlt, der Informationshunger von Öffentlichkeit und Politik gestillt werden. Neue Kitas und Schulen müssen gebaut werden. Milliarden für die Integration müssen unters Volk gebracht werden. Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge müssen geschaffen, Stellen für Integrationsbeauftragte bei der Polizei und in den Justizvollzugsanstalten besetzt werden. Zum ersten Mal seit Jahren werden neue Stellen für Polizisten geschaffen. Lehrer werden händeringend gesucht. Ein Traum für alle, die bisher nach Berufs- oder Studienabschluss ohne Job waren.

Nachtrag:

Einen Einblick in die aktuelle Situation und die Ansichten professioneller Helfer gibt dieser Artikel auf zeit.de. Interessant auch:

Die Jobaussichten für Absolventen der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit haben sich in den letzten zwei Jahren radikal verbessert. Während es früher kaum Jobs gab, werden Sozialarbeiter inzwischen stärker gesucht als Ingenieure. Allein zwischen Januar und Dezember 2015 hat sich laut Institut der deutschen Wirtschaft die Zahl der freien Arbeitsplätze für Sozialarbeiter verdoppelt. Bayern hat in den letzten vier Jahren das Budget für Asylsozialberatung mehr als verzehnfacht. Für soziale Start-ups wie jobs4refugees gibt es neue Stipendien- und Förderprogramme (etwa „Ankommer“, das von der KfW Stiftung finanziert wird). Trotzdem ist der Betreuungsschlüssel in vielen Heimen 1 : 100 oder schlechter.

 

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4 Kommentare zu „Traumjobs dank Flüchtlingskrise [Nachtrag]“

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