Wie man ein Gespräch führt ohne die entscheidenden Punkte zu benennen

Über Hadmut Danisch bin ich auf einen Artikel bei den Stuttgarter Nachrichten aufmerksam geworden.

Dieser Artikel zeigt, wie die politisch korrekte Presse verschweigt oder kleinredet und auch die Auswirkungen der Probleme überhaupt nicht erwähnt werden.

Dabei arbeiten der Journalist Willi Reiners und der Klinikchef Mark Dominik Alscher Hand in Hand.

Ich glaube nicht, dass es sich um eine abgesprochene Tabuzone handelt, die nur sehr vorsichtig betreten wird – nein, ich glaube, dass politische Korrektheit beiden Seiten längst in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Gewalt im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart

Es geht um Gewalt in einem Krankenhaus, so steht es über dem Artikel. Ich muss das betonen, weil die politisch korrekte Waschmaschine bereits in der ersten Frage des Interviews einsetzt.

[Willi Reiners:] Herr Alscher, verbale und körperliche Gewalt gegen Pflegepersonal und Ärzte gehören zum Alltag an Kliniken. Was bringt Patienten und Angehörige dazu, ausfällig zu werden oder zu randalieren?

Verbale und physische Gewalt wird in einem Atemzug genannt. Eine Person, die ausfällig wird und jemand der randaliert werden in einen Topf geworfen.

Dabei muss man klar zwischen Worten einerseits und Gewalt und der Androhung von Gewalt andererseits unterscheiden. Wir werden in der Antwort sehen, dass die Vermischung es dem Interviewpartner ermöglicht ausweichend zu antworten.

[Mark Dominik Alscher:] Darin zeigt sich ein gesamtgesellschaftliches Problem: Viele Menschen hängen heute das Eigeninteresse sehr hoch. Es fällt ihnen schwer, sich in ein Kollektiv einzusortieren. Denn das bedeutet ja, dass man sich selbst unter Umständen zurücknehmen muss.

Für Klinikchef Alscher geht es um Eigeninteresse, das Unvermögen sich „einzusortieren“ und sich zurückzunehmen. Seine Patienten sind schuld. Andere Gründe gibt es nicht.

Dabei zielte die Frage nicht nur einseitig auf das Verhalten der Patienten und ihrer Angehörigen ab. Die Frage war, was Patienten und Angehörige dazu bringt, sich auffällig zu verhalten.

In seiner Antwort bezieht Mark Dominik Alscher die konkrete Situation des Patienten nicht ein. Beispielsweise passieren in einem Krankenhaus auch Fehler. Ich habe von Patienten gehört, die vergessen wurden.

Für Fehler habe ich Verständnis. Sie passieren, gerade in Stresssituationen. Aber in solchen Fällen habe ich auch Verständnis für jemanden, der ausfällig wird.

Vielleicht ist es ja auch so, dass die Notaufnahme als begrenzte Ressource heute so viel mehr in Anspruch genommen wird, dass die Wartezeiten heute länger sind als in der Vergangenheit.

Damit blendet Mark Dominik Alscher in seiner Antwort Gründe aus, die in seinem Verantwortungsbereich als Klinikchef liegen. Auch wenn er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Situation vielleicht nicht ändern kann.

Aber ausschließlich auf die Charaktereigenschaften seiner Patienten zu schauen greift zu kurz.

Auf Stationen kommt es immer wieder vor, dass Angehörige von Patienten einen Arzt sprechen wollen, und zwar sofort. Natürlich geht das nicht immer, weil der Arzt anderweitig beschäftigt ist. Schon werden manche Angehörigen aggressiv.

Diese Aussage des Klinikchefs finde ich kritisch, weil sie am eigentlichen Problem vorbeigeht, ich erläutere unten, was ich meine.

Der Journalist Willi Reiners hakt zwar nach und fragt, wie das Krankenhaus auf diese Situation reagiert, das eigentliche Problem bleibt aber auf der Strecke.

Wir sahen uns schon vor einigen Jahren gezwungen, einen externen Sicherheitsdienst einzusetzen. Zunächst in der Notaufnahme, inzwischen auch auf der Entbindungsstation.

Finde den Fehler: Der Klinikchef Mark Dominik Alscher spricht von aggressiven Angehörigen auf den Stationen. Der Sicherheitsdienst wird aber nur auf zwei Stationen eingesetzt.

Die eigentliche Frage, die weder Klinikchef Mark Dominik Alscher noch Journalist Willi Reiners ansprechen, ist: Welche Auswirkungen hat dieses aggressive Verhalten, neben der unmittelbaren Bedrohung für das Personal?

Die anderen Patienten werden völlig ausgeblendet. Wie geht es denen, wenn sie zusätzlich zu einer schweren Krankheit mit aggressiven Angehörigen konfrontiert sind?

Und noch wichtiger ist mir die Feststellung, dass sich Aggressivität lohnt.

Mark Dominik Alscher tut so, als wäre mit Sicherheitsmaßnahmen das Problem erledigt. Aber das ist weltfremd. Natürlich werden seine Mitarbeiter versuchen die Aggression durch Vorzugsbehandlung zu beenden.

Das ist eine ganz natürliche Reaktion. Die Problemangehörigen will man schließlich so schnell wie möglich wieder loswerden.

Wie kümmert man sich in einer Konfliktsituation wohl um einen Rentner im Nachbarzimmer, der keine aggressiven Angehörigen hat, die sich für seine Interessen einsetzen?

Dieses Thema kommt im ganzen Interview nicht vor. Die Leser der Stuttgarter Zeitung sind die Leidtragenden dieser Situation, sollten sie einmal in diese Klinik eingeliefert werden.

Aber ihre Zeitung vertritt ihre Interessen nicht, sie fragt nicht einmal nach.

[Willi Reiners:] Wie ist die Situation speziell in der Notaufnahme?

[Mark Dominik Alscher:] Es kommt zu verbalen und körperlichen Attacken. Manche Angriffe sind so schwerwiegend, dass sie zu einer Arbeitsunfähigkeit führen. Etwa zehn Mal am Tag ist es erforderlich, deeskalierend einzuschreiten. Es geht auch darum, Konflikte früh zu erkennen und zu entschärfen. Seit unsere geschulten Mitarbeiter entsprechend reagieren, benötigen wir den Sicherheitsdienst seltener.

Wir sprechen hier von einem Krankenhaus. Diese Schilderung hätte ich ohne Kenntnis des Zusammenhangs eher einem Gefängnis zugeordnet.

War das schon immer so?

Leider stellt Willi Reiners diese Frage nicht.

Diese Beschreibung der Notaufnahme ist für mich ein weiteres Indiz dafür, dass sich unsere Gesellschaft allmählich entzivilisiert.

Ordnung und Sicherheit werden einmal mehr durch das Recht des Stärkeren ersetzt.

[Willi Reiners:] Wie kann es sein, dass selbst auf der Entbindungsstation ein Sicherheitsdienst erforderlich ist?

[Mark Dominik Alscher:] Unsere Patienten und ihre Angehörigen stammen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Das kann zu Missverständnissen nicht zuletzt auf Grund sprachlicher Barrieren führen.

Erst in der Mitte des Interviews wird der Elefant im Raum angesprochen: Unterschiedliche Kulturkreise. Selbstverständlich wird dieses Problem sofort relativiert, indem auf die Sprachbarriere hingewiesen wird.

Von Verantwortung oder gar Schuld wird nicht gesprochen. Über Menschen aus anderen Kulturkreisen wird gesprochen wie über Kinder, die selbst keine Verantwortung tragen.

Und auch hier: Kein Wort davon, was es für die anderen werdenden Mütter bedeutet, wenn sie von lauten Angehörigen anderer Mütter umgeben sind.

Hinzu kommt, dass die Menschen teils aus Ländern stammen, in denen Familienmitglieder in Kliniken rund um die Uhr anwesend sein können.

In Deutschland dürfen ebenfalls Familienmitglieder bei der Entbindung dabei sein. Rund um die Uhr.

Das gilt für ein Familienmitglied. Es geht hier aber um ganze Familien und nicht um einzelne Mitglieder.

Und in welchem Land dieser Erde, in dem es Krankenhäuser gibt, die diesen Namen verdienen, dürfen denn bitte ganze Familien bei der Entbindung dabei sein?

Auf mich wirkt auch diese Aussage wie Beschwichtigung.

Entsprechend kommen ganze Familien zu Besuch. Für andere Patienten, die vor allem Ruhe haben wollen, ist das belastend, für Mitarbeiter auch. Das sorgt für Konfliktstoff.

Für andere Patienten ist die Situation „belastend“. Diese Aussage ist sicher richtig, aber sie geht nicht weit genug. In einem Krankenhaus ist die Verfügbarkeit von Ärzten und Pflegepersonal eine begrenzte Ressource.

Wenn sich manche Patienten mit Hilfe penetranter Methoden oder sogar Gewaltandrohungen mehr Arztzeit verschaffen, bleibt für die anderen Patienten weniger Zeit übrig.

Mich stört besonders der letzte Satz des Zitats. Konfliktstoff. Ganz passiv. Ross und Reiter werden nicht benannt. Niemand ist verantwortlich, keiner hat Schuld. In Wahrheit dürfte die Situation viel eher so aussehen:

Es sind ganze Familien aus anderen Kulturkreisen, die sich rücksichtslos benehmen, und diese Familien sind verantwortlich für Konflikte mit Angestellten und anderen Patienten.

Das bedeutet nicht, dass sich alle Menschen aus fremden Kulturkreisen in deutschen Krankenhäusern rücksichtslos benehmen. Aber es hilft doch nichts die Probleme nicht anzusprechen und es Patienten und Angestellte ausbaden zu lassen.

[Willi Reiners:] Werden die Probleme überwiegend von Menschen mit Migrationshintergrund verursacht?

[Mark Dominik Alscher:] Das würde ich nicht sagen. Menschen ohne Migrationshintergrund machen ebenfalls Probleme, auch wenn die Ausprägung variieren mag.

Das mag also „variieren“. Menschen ohne Migrationshintergrund machen auch „Probleme“.

Massenweise deutsche Großfamilien stürmen die Geburtenstationen. Demnächst im Kino.

Kein Ablenkungsmanöver scheint Mark Dominik Alscher zu dumm zu sein, um es nicht zur Ablenkung und zum Kleinreden zu nutzen.

Es handelt sich wie gesagt um ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft alle sozialen Schichten.

Nur dass es in der Frage nicht um die soziale Schicht ging. Reiners fragte nach dem Migrationshintergrund.

Wobei man sicher sagen kann, dass Menschen beispielsweise mit höherer Bildung grundsätzlich einen besseren Zugang zum Gesundheitswesen haben und sich im Notfall besser zu helfen wissen. […]

Sie wissen sich insgesamt besser zu helfen in unserem komplexen Gesundheitswesen und sind nicht unbedingt darauf angewiesen, in die Notaufnahme zu gehen. Sie wissen auch besser, mit Bagatellerkrankungen umzugehen und diese schnell loszuwerden.

Mark Dominik Alscher sagt zwar einerseits, dass sich das „Problem“ durch alle sozialen Schichten zieht. Andererseits behauptet er, dass besser gebildete Schichten das Gesundheitssystem eben nicht in gleichem Maße belasten wie andere Schichten.

Zunächst versucht er wieder zu beschwichtigen, indem er behauptet, dass besser Gebildete sich aufgrund ihrer Bildung besser zu helfen wüssten. Auf Nachfrage meint er dann, dass Gebildete wegen Bagatellerkrankungen nicht so häufig in die Notaufnahme gehen würden.

Im Grunde ist aber auch das nur ein Ablenkungsmanöver: Notfalleinrichtungen für Bagatellerkrankungen zu nutzen ist ein Missbrauch des Systems. Dieser Missbrauch überlastet das Nothilfesystem und verschwendet die Ressourcen, die für Notfälle benötigt werden.

Und was bedeutet diese Aussage noch? Die höher Gebildeten sind durchschnittlich auch die Besserverdienenden. Diese gesellschaftliche Gruppe zahlt also den größten Teil des Gesundheitssystems über ihre überdurchschnittlichen Anteile an Steuern und Abgaben.

Nach Alschers Aussage muss man konstatieren, dass die höheren sozialen Schichten das Gesundheitssystem maßgeblich finanzieren, es aber im Ernstfall nur eingeschränkt nutzen können, weil es von anderen missbraucht wird und knappe Ressourcen durch rücksichtsloses Verhalten binden.

Das Muster ist dabei immer das gleiche: Auch in diesem Fall werden diejenigen, die das System missbräuchlich nutzen nicht dafür verantwortlich gemacht. Ihnen wird ihr Verhalten nicht einmal vorgeworfen, ja es wird nicht mal direkt beschrieben.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Alscher beschreibt nur, dass die besser gebildeten Schichten das System weniger missbrauchen.

Wie soll auf diese Weise eine gesellschaftliche Diskussion in Gang kommen und das Problem gelöst werden?

Und wenn sie trotzdem meinen, in die Notaufnahme gehen zu müssen, weil sie sich eine komplette Diagnostik ohne lange Wartezeit beim Facharzt erhoffen, sind sie in der Regel einsichtsfähiger, wenn es länger dauert.

Die einen verhalten sich „einsichtsfähiger,“ die anderen sind weniger einsichtsfähig. Jeder kann sich ausmalen, wer durch Penetranz häufiger seine Interessen durchsetzt. Ein weiteres mal sind die Kooperativen die Dummen.

Ganz nebenbei muss ich feststellen: Aus meiner Sicht hat das nicht in erster Linie etwas mit Bildung zu tun, sondern mit Erziehung und Verhalten.

Es gibt offensichtlich eine Problem mit einer kleinen Gruppe von Menschen, die auch bildungsfern sind.

Weil sich Mark Dominik Alscher aber nicht traut das Problem zu benennen, verunglimpft er lieber bildungsferne Schichten pauschal, indem er impliziert, dass sie eben nicht so einsichtsfähig sind.

Sozial schwächeren Menschen fällt das oft schwerer.

Was fehlende Erziehung und schlechtes Benehmen mit „sozial schwächeren“ Menschen zu tun hat erschließt sich für mich nicht.

Und die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht entschuldigt den Missbrauch der Notaufnahme oder Störungen auf der Entbindungsstation auch nicht.

Aber bei den Menschen im Migrationshintergrund kommt noch etwas hinzu. […]

Menschen, die unsere Kultur und Sprache kaum kennen, haben oft von vornherein das Gefühl, als Ausländer benachteiligt zu sein. Sie glauben dann vielleicht, dass sie warten müssen, nur weil sie Ausländer sind.

Mark Dominik Alscher scheint von Menschen im Migrationshintergrund wirklich gar nichts zu erwarten. Nicht einmal Anstand und gutes Benehmen.

Das ist Rassismus der niedrigen Erwartungen. Diese Form des Rassismus wertet diese Menschen zu unmündigen, unverantwortlichen Menschen ab.

Wie absurd das ist, wird klar, wenn man sich das Gegenbeispiel vor Augen führt:

Würden sich Deutsche in Krankenhäusern im Ausland so aufführen, andere Menschen bedrohen oder sogar gewalttätig werden, weil sie denken, dass sie später drankommen, weil sie Ausländer sind und die Sprache nicht kennen?

Würde irgendjemand dieses Verhalten mit der Sprachbarriere entschuldigen und den Deutschen ihre eigene Verantwortung für ihr schlechtes Benehmen absprechen?

Würde nicht viel eher die Bild-Zeitung groß damit aufmachen und diese Menschen als Schande für unser Land bezeichnen?

Wenn wir erklären, dass dem nicht so ist, wird das manchmal sprachlich nicht verstanden.

Nochmal: Wessen Verantwortung ist denn das, wenn nicht die Verantwortung derjenigen, die die Probleme verursachen?

Ich möchte, dass sich die Ärzte und Pfleger in einer Notaufnahme in erster Linie um kranke und verletzte Menschen kümmern und nicht ihre Zeit damit verschwenden, Problemverursacher zu deeskalieren.

Wir sprechen hier von Menschen, die in unserem Land zu Gast sind und offensichtlich mit einer völlig überzogenen Anspruchshaltung unsere Infrastruktur nutzen und zum Teil missbrauchen.

Warum kann man das nicht aussprechen, wenn es doch offensichtlich ein Problem ist? Dürfen wir nicht darüber diskutieren, welche Auswirkungen das auf uns hat und wie wir damit umgehen wollen?

Wir haben bereits fast jeden Tag die Polizei im Haus, weil der private Sicherheitsdienst oft nicht ausreicht. Wenn man das weiterdenkt, würde man irgendwann eine Polizeiwache im Haus brauchen.

Immer das Gleiche: Sind die Landesgrenzen offen werden innerhalb des Landes neue Grenzen gezogen. So einfach ist das leider.

Im Moment sind wir noch eine offene Klinik. Wir kontrollieren Besucher nicht, man kommt überall hinein. Kranke Menschen brauchen ja Kontakt mit Angehörigen und Freunden. Wir beginnen aber schon, einzelne Bereiche wie beispielsweise die Entbindungsstation zumindest nachts zu schließen.

Und ebenfalls immer das Gleiche: Für die sich an die Regeln haltende Mehrheit wird die Situation schlechter. Für die werdende Mutter wird es schwieriger Besuch zu empfangen, weil sich einige wenige (die wir aber nicht benennen) nicht benehmen können.

Sollte sich die Sicherheitslage für Mitarbeiter und Patienten weiter verschlechtern, müssten wir den Zugang streng regulieren. Dann wären wir ein geschlossenes Krankenhaus.

Mark Dominik Alscher betont, dass es für die Patienten wichtig, ist, dass das Krankenhaus offen ist. Sollte er dann nicht langsam mal Klartext reden?

Er spricht davon, dass sich die Sicherheitslage immer weiter verschlechtert. Wäre es dann nicht angemessen zu sagen, seit wann es verstärkt diese Probleme gibt?

Gibt es vielleicht bei gleicher Personaldecke heute mehr Notfälle, Patienten und Geburten als 2014?

Abgehobene Medien

„Gebildete“, Angehörige mittlerer und höherer sozialer Schichten, zahlen überdurchschnittlich durch höhere Beiträge an die Krankenkassen, werden aber benachteiligt – so impliziert das Klinikchef Alscher -, weil sie geduldiger warten als die Angehörigen unterer sozialer Schichten.

Gleichzeitig müssen sie – wie alle anderen -, mit den negativen Konsequenzen leben, die sich wegen des Verhaltens einiger Menschen anderer Schichten ergeben, wie beispielsweise Zugangskontrollen.

Eine regionale Nicht-Boulevard-Tageszeitung wie die Stuttgarter Nachrichten, aus der dieser Artikel stammt, wird überwiegend von älteren und gebildeteren Menschen gelesen.

Einer der Nachteile, die die aktuelle Situation in Deutschland gerade für diese Menschen hat, wird in diesem Interview deutlich.

Aber der Nachteil für die Leser der Zeitung wird von der Zeitung nicht thematisiert. Es kann keine Verbesserung der Situation geben, weil ja nicht einmal darüber diskutiert werden kann.

Ich finde dieses Beispiel exemplarisch für den Bruch zwischen den Medien und ihren Kunden: Eine Tageszeitung mit begrenztem Leserkreis berichtet über eine Situation, die negative Auswirkungen auf diesen Leserkreis hat.

Aber für die wirklichen Probleme und für die Ungerechtigkeit gegen ihre Leser interessiert sie sich nicht.

Wie das anders geht, zeigt die NZZ. Sie zeigt, dass es möglich ist, Probleme, ihre Verursacher und die negativen Auswirkungen (z. B. steigende Kosten) zu benennen und trotzdem sachlich zu berichten.

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3 Kommentare zu „Wie man ein Gespräch führt ohne die entscheidenden Punkte zu benennen“

  1. So stelle ich mir die Zeiten der DDR vor: Zensur und Schere im Kopf, vorauseilender Gehorsam und kritische Töne nur via dezent untertitelten Anmerkungen.

    Ich will das nicht, aber was kann man schon machen, in Zeiten politischer Korrektheit und viktorianischer Keuschheit. Dieses Land geht den Bach runter und man ist verdammt dazu, dem ganzen Spuk auch noch zusehen zu müssen.

    Gefällt 1 Person

  2. „Menschen, die unsere Kultur und Sprache kaum kennen, haben oft von vornherein das Gefühl, als Ausländer benachteiligt zu sein.“ (aus dem Interview)

    Mag sein. Mag auch sein, dass es Ausländer gibt, die aus taktischen Gründen vorgeben, sich benachteiligt zu fühlen, in der Hoffnung, damit ein Ziel zu erreichen. Das ist ein weiterer Nachteil von Multikulti. Ist man dagegen nur unter Seinesgleichen, kann man sich nicht aufgrund seiner (Nicht-)Zugehörigkeit ausgeschlossen fühlen. Die fehlende Gruppenzugehörigkeit kann nicht ausgenutzt werden.

    „Ich möchte, dass sich die Ärzte und Pfleger in einer Notaufnahme in erster Linie um kranke und verletzte Menschen kümmern und nicht ihre Zeit damit verschwenden, Problemverursacher zu deeskalieren.“

    Das möchte ich auch. Und ich möchte, dass sich Lehrer wieder um ihr eigentliches Kerngebiet kümmern können, anstatt ihre Zeit damit zu verschwenden, Problemverursacher zu deeskalieren.

    Gefällt 1 Person

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