Traumjobs dank Flüchtlingskrise IV

Die Augsburger Allgemeine berichtet unter der Überschrift „Sozialpädagogen für Flüchtlingsarbeit verzweifelt gesucht“:

Weil immer mehr Flüchtlinge Betreuung brauchen, fehlen Fachkräfte an allen Ecken und Enden. Wie viele Stellen nötig sind, kann keiner vorhersehen.

Und das trotz Abschwächung des Zustroms von Asylbewerbern.

Einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge sind Sozialpädagogen und Sozialarbeiter derzeit die gefragtesten Akademiker in Deutschland – begehrter noch als Absolventen aus technischen und medizinischen Studiengängen. Das Institut hat Arbeitsmarktdaten für 1300 Berufe analysiert und das Verhältnis zwischen offenen Stellen und arbeitslosen Akademikern berechnet. Kamen im Januar noch 45 ausgeschriebene Stellen auf 100 Arbeitslose, waren es im Dezember 114. Das Angebot hat die Zahl der Bewerber überholt.

Der Bedarf ist inzwischen so groß, dass fast jeder genommen wird:

Um Fachkräfte zu finden, setzt die Stadt inzwischen auch auf Quereinsteiger. So könnten sich zum Beispiel Erziehungswissenschaftler auf die Stellen für Sozialarbeiter bewerben und würden intern weiter qualifiziert. Auch Leute, die Praktika in der Jugendhilfe gemacht haben, aber aus einem anderen Bereich kommen, würden in die Teams eingebunden.

Die Zeit der Idealisten ist aber offenbar vorbei – Sozialarbeitern, die noch keinen oder einen anderen Job haben, werden Fragen gestellt oder sie stellen sie sich selbst:

Bei der Caritas versucht man indessen, Sozialpädagogen ihre mögliche Skepsis vor der Arbeit in der Asylberatung zu nehmen. Pressesprecher Gattner zufolge halte die Angst vor Anfeindungen geeignete Bewerber ab. Diese Ansicht will die Caritas korrigieren. Auch Sarah Schneider von der KJF kennt die Frage: „Warum tust du dir das an?“ Viele Sozialpädagogen hätten aber auch selber Bedenken: „Was erwartet mich, kann ich mich in die Kulturen der Flüchtlinge hineinfühlen?“

Die Kosten für die Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge im Jahr 2016 werden auf 23 Milliarden Euro hochgerechnet.

Das beinhaltet staatliche Hilfen etwa für Asylbewerberleistungen und andere Sozialleistungen, die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger, Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse und Investitionen etwa in Gebäude. Folgekosten für die Mehrbelastung von Sozialbehörden, Polizei und Justiz sind nicht enthalten. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten liegen also noch höher.

Fakt ist: Die Gehälter für die Flüchtlingskrisenjobs müssen innerhalb des Wirtschaftssystems erarbeitet werden. Die 23 Milliarden Euro 2016 waren 8% der gesamten Steuereinnahmen des Bundes von 289 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Für Zinsen auf Bundesschulden wurden 23,8 Milliarden Euro ausgegeben. Was hätte die Bundesregierung mit 23 Milliarden Euro sonst noch anfangen können?

Die Ausgaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung lagen bei 16,4 Milliarden Euro. Dazu gehört Forschung für Innovationen und Hightech-Strategie, die Exzellenzinitiative Spitzenförderung von Hochschulen, aber auch BAföG für Schüler und Studenten. Ich stelle mir vor was es für den Wissenschaftsstandort Deutschland bedeuten würde, diesen Etat zu verdoppeln.

Sämtliche Bundesleistungen für die Eingliederung in Arbeit nach dem Zweiten und Dritten Buch Sozialgesetzbuch – z.B. Qualifizierungsmaßnahmen für Empfänger von Arbeitslosengeld I und II und Programme zum Abbau von Langzeitarbeitlosigkeit – kosteten 4,1 Milliarden Euro. Dafür das Fünffache ausgeben – kann sich jemand den Effekt vorstellen?

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3 Kommentare zu „Traumjobs dank Flüchtlingskrise IV“

  1. Guter Ansatz. Wenn man das mal als nicht „alternativlos“ betrachtet, findet man beliebig viele Felder auf denen man das Geld ausgeben kann. Andererseits koennte man auch einfach die Steuern um 8% senken, dann kann jeder individuell entscheiden.

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    1. Klar. Der Effekt wäre sogar noch größer, wenn man bestimmte Steuern senkt, z.B. nur die Einkommensteuer. Oder nehmen wir den Solidaritätszuschlag: Der bringt 11,8 Milliarden Euro. Stell dir vor, den muss niemand mehr bezahlen – und das Finanzamt legt nochmal soviel als zusätzliche Steuererleichterung drauf.

      Mir geht es bei den Vergleichen um die Größenordnung. Der Etat der meisten Bundesministerien reicht nicht annähernd an 23 Milliarden Euro heran.

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