Jammerfrau: Normales Verhalten ist rücksichtslos

Immer wenn ich denke, dass meine Erwartungen von Jammerfrauen nicht mehr unterboten werden können, kommt die nächste und beweist, dass es nichts gibt, was zu absurd ist, als dass eine Frau nicht darüber jammern könnte.

Und natürlich kann die Jammerfrau es bei der Huffington Post veröffentlichen. Journalistische Standards gibt es dort nicht.

An den asozialen Vordermann, der mir mit seinem Verhalten den Flug versaut hat

Schon die Überschrift zeigt sehr deutlich, dass irgendein Mann etwas besonders schlimmes getan haben muss. Sein Verhalten hat der Autorin Christine Riemann den „Flug versaut“. Der Vordermann selbst ist „asozial“.

In der Reihe vor mir saß eine Mutter mit zwei Kindern, die ihre Rückenlehne plötzlich nach hinten stellte.

Wie? Was? Das war es, was Christine Riemann den „Flug versaut“ hat? Flugzeugsitze bieten die Funktion an und die Frau hat sie genutzt. Und damit hat sie ihr den Flug versaut?

Besitzt Christine Riemann gar keine Frustrationstoleranz? Regt sie sich über jeden Mist so sehr auf, dass sie darüber schreiben muss?

Ist sie wirklich so egoman, dass sie die Situation nur aus ihrer Sicht sehen kann?

Und warum erweckt sie an mehreren Stellen im Artikel den Eindruck, dass es sich bei ihrem Peiniger um einen Mann handelt? Erst am Ende, als sie über die konkrete Situation berichtet, löst sie auf, dass sie gar nicht das Opfer patriarchaler Unterdrückung geworden ist, sondern das einer Frau.

Mehr als einen versteinerten Blick gab es aber nicht, als ich sie darauf ansprach.

Wahrscheinlich hat sie überlegt, ob es sinnvoll ist, mit der Frau von hinten zu diskutieren. Wer zwei Kinder im Flugzeug betreuen muss hat offensichtlich anderes zu tun als sich mit einer frustrierten Jammerfrau über die Rückenlehnenstellung auseinanderzusetzen.

Mich hätte auch interessiert, wie die frustrierte Jammerfrau die Mutter von zwei Kindern angesprochen hat. Hat sie der „asozialen“ Sitzinhaberin gleich ganz klar gemacht, dass ihr Verhalten falsch ist? Mit Nachdruck und einem moralinsauren #Aufschrei?

Christine Riemann kennt den Komfort in der Touristenklasse. Trotzdem entscheidet sie sich für das Fliegen in dieser Klasse. Ihre Entscheidung.

Vielleicht hatte sie nur die Wahl, in der Touristenklasse oder gar nicht zu fliegen. Trotzdem: Ihre Wahl, ihre Entscheidung.

Was gibt es also zu meckern? Ist sie sich für nichts zu blöde?

Schließlich muss auch ich mich mit dem begrenzten Platz arrangieren, mit wenig Beinfreiheit mehrere Stunden im Flugzeug zurecht kommen und eine halbwegs gemütliche Sitzposition für mich finden.

Unendliches Leid. Sie musste sich „mit dem begrenzten Platz arrangieren“.

Männer sind im Schnitt deutlich größer als Frauen. Sie sind also stärker vom Problem der kleinen Sitze und dem geringen Beinabstand in Flugzeugen betroffen. Wo sind die egomanen, emotionalen Jammerartikel der Männer? Ach ja. Jammern ist nur was für starke Frauen.

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3 Kommentare zu „Jammerfrau: Normales Verhalten ist rücksichtslos“

  1. Ich bin 1,90 m groß. Ich habe in der Economy class generell zu wenig Platz. Die Rückenlehne ist zu kurz um meinen Kopf abzulehnen und wenn ich ein bisschen nach vorne rutsche drücken meine Knie sehr unangenehm gegen den Vordersitz.

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