Jammerfrau: Frauen nörgeln zu wenig

Eine besondere Art von Jammerfrauen sind für mich die, die ihr passiv-aggressives Gejammer gegen ihre Kinder richten. Ein solches Exemplar hat ihre emotionalen Ergüsse bei welt.de in der Rubrik „Gesellschaft“ veröffentlicht:

UNGESCHÖNTE EINBLICKE

„Das Baby ist anstrengend – aber…“ – Nichts aber!

Für Autorin Anna Eube sollten sich Eltern ausschließlich auf die anstrengenden Seiten ihrer Kinder konzentrieren und die schönen Seiten außen vor lassen.

Besonders wichtig finde ich bei dieser gesunden Lebenseinstellung, sich möglichst häufig die negativen Seiten des Elterndaseins vor Augen zu führen und das die Kinder spüren zu lassen.

Ein Kind bedeutet Aufwand – den viele Eltern fast schon reflexhaft kleinreden, schließlich sind die Kleinen ja auch so niedlich. Stimmt. Und trotzdem wird man doch wohl mal hemmungslos nörgeln dürfen!

Hemmungsloses Nörgeln. Journalismus bei welt.de.

Täglich tauchen neue Probleme auf, eine gerötete Halsfalte (elender Babyspeck), neue Zähne, verstopfte Nasen, Beikost-Dramen, Kita-Eingewöhnung, Durchfall, immer wieder Durchfall. Um all diese größeren Probleme herum erkämpft man sich einen Alltag, der aus lauter kleineren Problemen besteht.

Autorin Anna Eube hat nicht zu viel versprochen. Das ist hemmungsloses Nörgeln. Wie angekündigt konzentriert sie sich nur auf die schlechten Seiten, sie setzt diese Aussagen weder in einen Zusammenhang noch erwähnt sie positive Erlebnisse.

So kann man sich seine Situation richtig schlecht reden. Das muss man nur lange genug machen, dann geht das in Fleisch und Blut über. So sind die Jammerfrauen. Sie betonen das Schlechte und beschweren sich dann, dass sie sich schlecht fühlen.

Dabei wäre es einfach, einen positiven Kontext zu schaffen: Frauen haben typischerweise das erste Lebensjahr des Kindes frei. Die beschriebenen Probleme treten überwiegend in einer Phase der Elternschaft auf, in der die Eltern genügend Zeit haben.

Probleme gibt es also, aber auch Zeit, sie zu lösen.

Führt man sich auch die schönen Seiten der Elternschaft vor Augen, könnte man eine positive Lebenseinstellung entwickeln. Als Nebenprodukt entwickelt sich vielleicht auch eine gesunde Beziehung zu den Kindern.

Undenkbar für eine Jammerfrau.

Zum Beispiel das mit dem Badezimmer. Morgens, nach dem Aufstehen, oder abends, wenn man nach Hause kommt, würde man es eigentlich gerne kurz aufsuchen. Geht aber ganz oft nicht. Das Baby schreit, es braucht eine neue Windel, will herumgetragen werden. Also hüpft man von einem Bein aufs andere und versucht nicht an fließende Gewässer zu denken.

Ich frage mich immer, ob Jammerfrauen selbst wirklich nicht merken, wie lächerlich ihre Probleme im Vergleich zu wirklichen Problemen sind. Gerade wenn das ein besonders hervorzuhebendes Beispiel sein soll.

Oder die Sache mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Früher setzte man sich hin, wenn man wollte, nun bleibt man meistens beim Kinderwagen im Gang stehen, wäre sonst so umständlich.

Stehen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Unfassbares Leid.

Andere Eltern sind auch keine Unterstützung. In einer Whatsapp-Gruppe schickte die Mutter eines noch viel kleineren, pflegeintensiveren Babys vor Kurzem ein Bild herum, mit dem sie ihre Verzweiflung ausdrücken wollte, danach klang jedenfalls der Text: „Kind schläft jetzt nur noch zum Föhn ein, aber der läuft immer heiß, also mussten wir eine Föhn-App runterladen.“ Daneben Emojis mit verdrehten Augen und heraushängenden Zungen. Ja, toll, endlich jemand, mit dem man auch mal übers Elterndasein abätzen könnte!

Welche Störung muss man haben, um es als „Unterstützung“ aufzufassen, wenn man mit anderen Eltern über die eigenen Kinder „abätzen“ könnte? Seit wann führt es zu etwas Gutem, wenn man sich gemeinsam auf das Schlechte konzentriert?

Diese negative Lebenseinstellung führt überhaupt erst dazu, dass die Autorin Anna Eube andere „abätzende“ Eltern vermutet. Ich habe aus der Geschichte beispielsweise keine Beschwerde herausgelesen, sondern etwas Niedliches.

Aber nein, doch nicht, das Bild sprach eine ganz andere Sprache. Es zeigte einen Wickeltisch, aufgeräumt, sauber, unglaublich gut ausgestattet, mit Wärmelampe, dänischer Design-Spieluhr und Einmalbeuteln für benutzte Windeln. Darauf lagen im rechten Winkel zueinander: ein schlafendes Baby in niedlichen, unbefleckten Wollklamotten und ein Ipad mit der Fönapp.

Enttäuschung bei der Jammerfrau: Normale Eltern ätzen gar nicht öffentlich über ihre Kinder! Sie freuen sich, wenn sie Lösungen für ihre Probleme finden und erzählen andern gern von ihren Erfolgen. Und sie berichten verniedlicht und nicht jammernd darüber.

Das kommt für Jammerfrauen natürlich nicht in Frage. Sie entwicklen eine gesunde Beziehung zu ihrem Kind, indem sie der Göre vorwerfen, dass sie eine iPad-App installieren mussten!

Besonders bezeichnend finde ich, dass sich Anna Eube auch noch in Neid hineinsteigert. Wenn man sich immer nur auf die schlechten Seiten konzentriert ist auch das schöne Leben der anderen ein weiteres Ärgernis: Dänische Design-Spieluhr, Einmalbeutel für benutzte Windeln, niedliche, unbefleckte Wollklamotten und auch Selbstverständlichkeiten wie Ordnung und Sauberkeit werden den glücklichen Eltern unterschwellig vorgeworfen.

Jammern ist schlecht für das eigene Wohlbefinden, Jammerfrauen schaden zuerst sich selbst und ihren Familien.

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2 Kommentare zu „Jammerfrau: Frauen nörgeln zu wenig“

  1. Köstlich! Und so treffend!

    Nun hat die Jammerfrau noch einen Grund mehr zum Wehklagen, wenn ihr Accessoire Sven-Malte oder Svenja-Sirena nicht so will, wie sie sich das vorgestellt hat. Der Karriereweg ist vorhersehbar: Irgendwann wieder Single mit Anhang und ein Dauergekreische hinsichtlich des Schicksals einer Alleinerziehenden.

    Ich, Mann, habe mein Kind von 6 Monaten bis 1 Jahr wochentags allein betreut – ich habe es nicht bereut, trotz aller Anstrengung, die das tatsächlich mit sich brachte. Und ich habe in dieser Zeit genug von diesen giftigen Nespresso-Müttern kennengelernt, als das mich solche Mimosen auch nur noch im Ansatz schockieren können. Deren neurotisierte Kinder aber schon …

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