Wenn irgendwo ein Sack Sexismusreis umfällt

Uber: Sexismus-Vorwurf führt zu interner Untersuchung

titelt heise.de.

Sexismus-Vorwürfe gegen Uber hat eine ehemalige, kalifornische Mitarbeiterin am Sonntag in ihrem privaten Blog erhoben.

Wirft jemand seinem Arbeitgeber Mobbing vor, Ausbeutung durch unbezahlte Überstunden, ausbleibende Gehaltszahlungen oder irgendetwas anderes Unschönes, ist es genau das: Ein Vorwurf. Die Auseinandersetzung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ob gerichtlich oder außergerichtlich, geht Außenstehende zunächst einmal nichts an. Beim Vorwurf von Sexismus ist das anders.

Uber-CEO Travis Kalanick hat daraufhin die Personalabteilung mit einer internen Untersuchung beauftragt, und kurz darauf klargestellt, dass es eine unabhängige Untersuchung sein wird. Das in dem Blogpost geschilderte Verhalten sei „abscheulich“; wer sich so verhalte, werde gefeuert, kündigte Kalanick auf Twitter an.

Hysterie. Eine unabhängige Untersuchung! Das Verurteilen des (behaupteten) Verhaltens als „abscheulich“! Die Androhung der schärfsten Konsequenz, die ein Arbeitgeber bei Fehlverhalten ziehen kann: Sofortige Entlassung!

Der von Susan Fowler Rigoletti verfasste Blogpost gibt einige ihrer Erinnerungen an 14 Monate bei Uber wieder. Ihr erster Vorgesetzter habe sie und mehrere andere weibliche Mitarbeiter angemacht.

Anmache ist das Signalisieren von Interesse an Sex oder einer Beziehung mit einem Mann oder einer Frau. Erst einmal nichts Verwerfliches. Anmache wird zur Belästigung, wenn jemand trotz zurückweisender Signale nicht aufhört oder aggressiv vorgeht, wenn der oder die Angemachte angefasst oder körperlich bedrängt wird.

Susan Fowler Rigoletti schreibt in ihrem Blog:

On my first official day rotating on the team, my new manager sent me a string of messages over company chat. He was in an open relationship, he said, and his girlfriend was having an easy time finding new partners but he wasn’t. He was trying to stay out of trouble at work, he said, but he couldn’t help getting in trouble, because he was looking for women to have sex with. It was clear that he was trying to get me to have sex with him, and it was so clearly out of line that I immediately took screenshots of these chat messages and reported him to HR.

Ein Vorgesetzter hat Susan Fowler Rigoletti an ihrem ersten Tag in seinem Team mitgeteilt, dass er Frauen sucht um mit ihnen Sex zu haben. Das hört sich für mich an, als hätte der Vorgesetzte eine soziale Behinderung – es gibt Menschen, die Probleme im sozialen Umgang und der sprachlichen sowie nonverbalen Kommunikation haben -, oder es handelt sich vielleicht um einen Mann, der so von sich überzeugt ist, dass diese dämliche Masche tatsächlich erfolgreich ist. Oder er ist ein unsicheres Bürschchen, der irgendeinen „Wie kriege ich jede Frau ins Bett“-Kurs besucht hat und ein Programm abspult. Hier heißt es beispielsweise:

Eine Frau ins Bett bekommen – Sei entwaffnend ehrlich

Vielleicht ist dieser Vorgesetzte schlicht ein Arschloch, der die Neue im Team verunsichern wollte.

Es gibt viele Möglichkeiten. Ob soziale Behinderung, unterentwickeltes Selbstwertgefühl, überzogenes Selbstbewusstsein oder ernstgemeintes Interesse an Sex: Belästigung ist das alles nicht.

Susan Fowler Rigoletti sah das anders. Sie machte sofort Screenshots und beschwerte sich über ihren Vorgesetzten.

Beschwerden bei der Personalabteilung hätten nur zu einer Verwarnung des Mannes geführt, wobei jeder Beschwerdeführerin erzählt worden sei, es sei der „erste Vorfall“ gewesen. Schließlich sei der Mann aber doch gefeuert worden; die Frau weiß nicht, was schlussendlich dazu geführt hat.

Letztlich hatte Susan Fowler Rigoletti Erfolg. Der Mann wurde gefeuert.

Nach ihrer Beschwerde sei sie vor die Wahl gestellt worden, in der Abteilung zu bleiben, oder sich eine andere Abteilung zu suchen.

Die Personalabteilung hat sich damit aus meiner Sicht fair und professionell verhalten.

Ihr sei aber kein Schutz vor einer künstlich negativen Beurteilung durch den nämlichen Vorgesetzten gewährt worden.

Eine Leistungseinschätzung kann von Außenstehenden naturgemäß nur schwer beurteilt werden. Eine Beschwerde über Sexismus führt nicht automatisch zu einer besseren Leistungseinschätzung – unabhängig davon ob sie berechtigt ist oder nicht. Das Handeln der Personalabteilung ist nachvollziehbar. Eigentlich kann man in so einer Situation nur die Abteilung wechseln. Das tat Susan Fowler Rigoletti dann auch, wie von der Personalabteilung angeboten.

In der Folge habe sie andere sexistische Vorfälle an die Personalabteilung gemeldet, sich später aber anhören müssen, dass die Konstante in ihren Beschwerden sie selbst sei.

Was waren das denn für Vorfälle? In ihrem Blog schreibt Susan Fowler Rigoletti:

Things were beginning to get even more comically absurd with each passing day. Every time something ridiculous happened, every time a sexist email was sent, I’d sent a short report to HR just to keep a record going.

Was das für E-Mails gewesen sind, schreibt sie in ihrem Blog nicht. Die Personalabteilung, die beim ersten Vorwurf angemessen reagiert hat, konnte darin jedenfalls keinen Sexismus erkennen.

Susan Fowler Rigoletti beschreibt dann die Zustände im Unternehmen.

Manager würden ihre Vorgesetzten untergraben, um später selbst deren Posten einnehmen zu können. Das daraus resultierende Chaos, zusammen mit Sexismus, hätten dazu geführt, dass die Frauenquote in ihrem Unternehmensbereich von 25 auf sechs Prozent gesunken sei.

Ob bei Uber wirklich Chaos herrschte, kann ich nicht beurteilen. Warum dieses Chaos zu einer sinkenden Frauenquote geführt haben soll, erklärt Susan Fowler Rigoletti nicht. Konkrete von ihr als Sexismus wahrgenommene Vorfälle schildert sie nicht.

Vor diesem Hintergrund habe sie sich selbst erneut versetzten lassen wollen, was aber abgelehnt worden sei. Fowler Rigoletti gibt an, Beurteilungen ihrer Leistung seien nachträglich verschlechtert worden: Ihr neuer Vorgesetzter habe sie unbedingt in seinem Team halten wollen, um eine hohe Frauenquote vorweisen zu können.

Das passiert, wenn Erfolg im Unternehmen an einer hohen Frauenquote gemessen wird: Frauen werden diskriminiert. Das ist absurd.

Es geht dann auf diesem Kindergartenniveau weiter: Die schlechte Beurteilung (wegen der Frauenquote) habe sie auch um ein von Uber finanziertes Studium an der Elite-Uni Stanford gebracht. Das Stipendium zahle die Firma nämlich nur bestbewerteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Außerdem seien bei der Ausgabe von Lederjacken an eine Gruppe von IT-Mitarbeitern nur Männer bedacht worden.

Falls es wahr ist, alles nicht schön – aber Anlass für eine unabhängige Untersuchung? So abscheulich, dass die Beteiligten sofort entlassen werden müssen? Der CEO schafft in seiner Firma ein Klima für Hexenjagden. Das wird Uber sicher gut bekommen.

Für mich hört sich der Blogartikel von Susan Fowler Rigoletti nach dem Gejammer einer überempfindlichen Mitarbeiterin an, die ihrerseits Defizite in der Kommunikation hat und daran gescheitert ist. Die Vorgesetzten, die Personalabteilung, die Firmenleitung, alle behandeln sie ungerecht. Schuld sind immer die anderen.

Ich möchte nicht mit einer Frau zusammenarbeiten, die zu jeder E-Mail, die sie lächerlich findet oder von der sie sich belästigt fühlt, einen kurzen Bericht an die Personalabteilung schickt. Und sie greift ihren ehemaligen Arbeitgeber öffentlich an und erhebt den schlimmstmöglichen, hysterieauslösenden Vorwurf: Sexismus. Susan Fowler Rigoletti wirft Uber Dreck hinterher. Das ist unschön und unprofessionell.

Die unabhängige Untersuchung der abscheulichen Vorgänge hat noch nicht einmal begonnen, da bleibt von der Schlagzeile des Sexismus-Vorwurfs nur heiße Luft. Der einzige von Susan Fowler Rigoletti als sexistisch empfundene und konkret geschilderte Vorgang sind die E-Mails* des Vorgesetzten, in denen er ihr mitteilte, dass er Frauen sucht um mit ihnen Sex zu haben.

Das weltweite Medienecho ist groß. Die Reaktion des CEO ist hysterisch. Ein neurotischer Jammerlappen hat sein Ziel erreicht.

 

[*Korrektur: Ursprünglich hatte ich von nur einer E-Mail geschrieben. Es waren aber mehrere.]

 

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3 Kommentare zu „Wenn irgendwo ein Sack Sexismusreis umfällt“

  1. Schuldig bei Vorwurf und die Unschuldsvermutung ist hiermit gestrichen.

    Na ja, kennt man in D ja schon beim Thema Kachelmann oder Horst Arnold (für den es am Ende letal wurde) zur Genüge. Und nun auch noch „Nein heißt Nein!“ dieses inkompetenten Minister-Duos Schwesig/Maas aka @TeamGinaLisa …

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  2. Nicht nur die erste Mail geschildert, sondern „sent me a string of messages over company chat.“ Das ist schon „etwas“ mehr als eine Mail denke ich. Das kann schon bei ihr etwas ausgelöst haben. Vor allem, wenn sie ein schwaches Selbstbewusstsein hat. Ansonsten full ack.

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