Mit Fake Jesus machen Kirchen Migrationspolitik

Die christlichen Kirchen sind eifrige Verfechter offener europäischer Grenzen und der bedingungslosen Aufnahme von Migranten. Kirchen machen Politik – linke Politik oder das was man heute im Allgemeinen für linke Politik hält.

Beide christlichen Kirchen, die evangelische wie die katholische, ziehen in der Flüchtlingspolitik an einem Strang, ausnahmslos. Unter Hinweis auf das Beispiel des Barmherzigen Samariters wenden sie sich strikt gegen Obergrenzen, der christliche Glaube wird als „Migrant/innen-Religion“ bezeichnet: Der Blick liege auf dem Lebensrecht und dem Schutz der ankommenden Fremden und nicht auf der eingesessenen Mehrheitsgesellschaft.

Auch linke Politiker äußern sich gern zu religiösen Fragen.

Auf die Frage, ob man mit theologischen Argumenten Flüchtlingspolitik machen kann, antwortet die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt: „Man kann das.“ Wenn man die christliche Botschaft mit der Flüchtlingsfrage verbinde, dann verweise sie auf die Aussagen der Bibel, dass man mit Flüchtlingen barmherzig, zuvorkommend und freundlich umgehen solle.

Der Papst appelliert

an alle Pfarreien, religiöse Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte in ganz Europa, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen.

In der „Weltfriedensbotschaft 2018“ fordert Papst Franziskus, Migranten die legale und sichere Einreise zu ermöglichen. „Alle Menschen sind Kinder Gottes“, schreibt er.

Es ist großartig, einen Papst mit solchen Überzeugungen zu haben. Ich frage mich nur, warum ich die Meldungen zum Verkauf von Kirchenvermögen verpasst habe, mit dem Flüchtlinge unterstützt werden.

Es ist Heuchelei, allein in Deutschland auf einem Vermögen von 200 Milliarden Euro zu sitzen und dann von anderen Migration in ihre Sozialsysteme zu verlangen.

Wie kann Papst Franziskus nur ruhig schlafen? All diese Vermögenswerte – wie viele Flüchtlinge könnte er retten, wenn er sie veräußern würde? Schlimm genug, dass die meisten Staaten seinen Empfehlungen in der Flüchtlingspolitik nicht folgen, schlimm genug dass selbst das erzkatholische Polen keine Zuwanderer aufnehmen will. Aber warum tut nicht wenigstens Franziskus alles was in seiner Macht steht?

Für die geheuchelte moralisierende Haltung der Kirchen in der Flüchtlingspolitik und die Herleitung ihrer Positionen aus dem Evangelium ließen sich unzählige weitere Beispiele finden.

Nur: Die wirkliche Botschaft von Jesus Christus war eine andere.

Der historische Jesus hat nicht das verkündet, was die christlichen Kirchenvertreter predigen. Was katholische und evangelische Kirche als Jesu Botschaft verkünden, ist das Gegenteil der historischen Wahrheit.

Reza Aslan, iranisch-amerikanischer Religionswissenschaftler und Professor an der University of California, Riverside, schreibt in „Zelot“ (Rowohlt) über Jesus von Nazaret und seine Zeit:

Folgte er [Jesus] der zelotischen Doktrin, dass das Land gewaltsam von fremden Elementen gesäubert werden müsse, wie Gott es im Schrifttum gefordert habe?

Es gibt vielleicht keine wichtigere Frage als diese, will man versuchen, den historischen Jesus vom christlichen Jesus zu trennen. Die allgemeine Vorstellung von Jesus als unumstößlichen Friedensstifter, der seine Feinde liebte und die andere Wange hinhielt, fußt großteils auf seiner Darstellung als unpolitischer Priester, der sich für die politisch turbulente Welt, in der er lebte, weder interessierte, noch sie überhaupt wahrnahm. Dieses Bild von Jesus hat sich längst als reines Phantasieprodukt erwiesen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er sich selbst jemals offen für eine Anwendung von Gewalt ausgesprochen hat. Doch er war ganz bestimmt kein Pazifist. „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Mt 10, 34; Lk 12,51)

Warum wurde in den Evangelien aus Jesus ein Friedensstifter?

Nach dem Jüdischen Aufstand und der Zerstörung Jerusalems versuchte die frühchristliche Kirche verzweifelt, Jesus von jenem eifrigen Nationalismus fernzuhalten, der den schrecklichen Krieg herbeigeführt hatte.

Jerusalem wurde im Jüdischen Krieg 70 n. Chr. von den Römern erobert. Es war ein traumatisches Ereignis für die Juden. Der Jerusalemer Tempel wurde zerstört. Mit dem Tempel verlor das Judentum sein einziges kulturelles und religiöses Zentrum und die einzige Opferstätte. Die Unabhängigkeit Israels, die mit abhängigen romfreundlichen Herrschern und Hohepriestern von Rom toleriert wurde, endete. Durch den Verlust des Tempels gewann das Rabbinische Judentum erheblich an Bedeutung. Die Synagoge wurde zum neuen Zentrum des jüdischen Lebens.

Als Folge davon wurden Aussagen wie „Liebe deine Feinde“ und „Halte die andere Wange hin“ von ihrem jüdischen Kontext gesäubert und zu abstrakten ethischen Prinzipien umgewandelt, die alle Menschen befolgen konnten, ungeachtet ihrer ethischen, kulturellen oder religiösen Überzeugungen.

Will man jedoch herausfinden, was Jesus wirklich glaubte, darf man eine Tatsache niemals aus den Augen verlieren: Jesus von Nazaret war in erster Linie Jude. Als Jude sorgte sich Jesus ausschließlich um das Schicksal seiner jüdischen Mitmenschen. Israel war alles, was ihn interessierte. Er beharrte darauf, seine Mission gelte nur „den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 15,24), und wies seine Jünger an, die Frohe Botschaft ausschließlich ihren jüdischen Brüdern und Schwestern zu überbringen: „Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ (Mt 10, 5-6)

Das ist nicht der Eine-Welt-Jesus, von dem die christlichen Kirchen heute erzählen.

Wenn er selbst Heiden begegnete, blieb er auf Distanz und heilte sie oft nur widerwillig. Wie er der Frau aus Syrophönizien erklärte, die ihn um Hilfe bat für ihre Tochter: „Lasst zuerst die Kinder [womit Jesus Israel meinte] satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen [womit er Heiden wie sie meint].“ (Mk 7,27)

Wenn man wie ich mit einem anderen Jesusbild aufgewachsen ist, erscheint das abenteuerlich. Es steht der Verkündigung der heutigen christlichen Kirchen diametral entgegen. Jesus war gar nicht der alle Menschen gleichsam liebende und die gesamte Menschheit erlösen wollende Prediger? Er war gar nicht so friedlich und sanftmütig, wie ihn die christliche Überlieferung schildert?

Aber was ist dann mit den Aussagen in der Bibel, Jesus anders darstellen, die genau darin die Merkmale sehen, durch die sich Jesus von den Juden der damaligen Zeit unterschied?

Was die Grundfesten des jüdischen Glaubens betrifft – also das Gesetz Mose -, so ist Jesus überzeugt, dass seine Mission nicht der Abschaffung, sondern der Durchsetzung dieses Gesetzes dient (Mt 5,17). Dieses Gesetz unterschied zwischen Beziehungen unter Juden und Beziehungen zwischen Juden und Fremden. Das oft zitierte Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ galt ursprünglich ausschließlich im Kontext interner Beziehungen innerhalb Israels. Die betreffende Bibelstelle lautet: „An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3 Mos 19,18) Für die Israeliten wie auch für die Gemeinde Jesu im Palästina des 1. Jahrhunderts stand „Nächster“ gleichbedeutend für den jüdischen Mitmenschen. Hinsichtlich der Behandlung Fremder und Außenstehender, Unterdrücker und Besatzer könnte die Tora indes nicht eindeutiger sein: „Wenn ich die Einwohner des Landes in deine Hand gebe und du sie vertreibst, dann sollst du keinen Bund mit ihnen und ihren Göttern schließen. Sie sollen nicht in deinem Land bleiben.“ (2 Mos 23,31-33)

Für diejenigen, die Jesus als den eingeborenen Sohn Gottes betrachten, spielt sein Judentum keine Rolle. Wenn Christus göttlich ist, steht er über allen Gesetzen und Bräuchen. Für diejenigen aber, die den einfachen jüdischen Bauern und den charismatischen Prediger sehen wollen, der vor 2000 Jahren in Palästina lebte, gibt es nichts Wichtigeres als die eine unleugbare Wahrheit: Derselbe Gott, der in der Bibel als „Krieger bezeichnet wird (2 Mos 15,3), der Gott, der wiederholt das Hinschlachten aller fremden Männer, Frauen und Kinder forderte, die das Land der Juden besetzt hielten, der blutbefleckte Gott von Abraham, Mose, Jakob und Josua (Jes 63,3), der Gott, der „das Haupt seiner Feinde zerschmettert“, der seinen Kriegern befiehlt, „Dein Fuß wird baden im Blut, die Zunge deiner Hunde ihren Anteil bekommen an den Feinden“ (Ps 68, 21-23) – das ist der einzige Gott, den Jesus kannte und der eine Gott, den er verehrte.

Es besteht kein Grund zur Annahme, dass Jesu Verständnis von seinen Nächsten und Feinden enger oder weiter gefasst war als das eines beliebigen anderen Juden der damaligen Zeit. Seine Forderungen „Liebt eure Feinde“ und „Haltet auch die andere Wange hin“ müssen also dahingehend interpretiert werden, dass sie ausschließlich an seine jüdischen Mitmenschen gerichtet waren und als Vorbild für das friedliche Zusammenleben ausschließlich innerhalb der jüdischen Gemeinde dienen sollten. Diese Gebote haben nichts damit zu tun, wie Fremde und Außenstehende zu behandeln sind, insbesondere jene brutalen „Plünderer der Welt“, die Gottes Land besetzt hielten und damit direkt gegen das Gesetz Mose verstießen, zu dessen Erfüllung sich Jesus berufen sah. Sie sollen nicht in deinem Land bleiben.

Das Buch von Reza Aslan ist spannend und faktenreich. Es erzählt die Geschichte des historischen Jesus von Nazaret. Aslan zitiert biblische und außerbiblische Quellen, von denen es erstaunlicherweise einige gibt. Selbst bei Flavius Josephus wird Jesus im Zusammenhang mit der Steinigung seines Bruders Jakobus erwähnt.

In dem lesenswerten Buch werden auch andere christliche Überlieferungen in der Bibel kritisch beleuchtet. Dass Jesus in Bethlehem geboren wurde gehört beispielsweise ins Reich der Mythen. Denn für eine Volkszählung – nach der Bibel der Anlass für die Reise von Maria und Joseph nach Bethlehem – musste man sich schon damals nicht an seinen Geburtsort begeben. Die rege Reisetätigkeit im Land hätte außerdem die Wirtschaft Israels für Wochen lahmgelegt und den Broterwerb ganzer Familien verhindert.

Auch die Behauptung aus Kirchenkreisen, Jesus habe nur überlebt, weil seine Eltern in Ägypten Asyl gefunden haben, ist eine Lüge. Jesu Geburt in Bethlehem und die Flucht seiner Eltern nach Ägypten wurden, wie Aslan belegt, in den späteren Evangelien ergänzt, um seine Rolle als Messias zu untermauern.

Aslan beschreibt die Zeit vor 2000 Jahren so, dass die Motivation der Handelnden nachvollziehbar wird – auch die von „Bösewichtern“ wie dem Hohepriester Kajaphas, der – laut Bibel – Jesus unbedingt am Kreuz sehen wollte. Das Wirken von Pontius Pilatus, einem selbst für die damalige Zeit äußerst brutalen römischen Statthalter, sieht man mit anderen Augen, wenn man seine Regierungsjahre mit der Situation nach seiner Abberufung aus Jerusalem vergleicht: Seine schwachen und korrupten Nachfolger regierten das Land noch schlechter als er und der (erste) Jüdische Krieg brach aus. Tod, Leid und Zerstörung waren die Folge.

Jesus von Nazaret hatte Vorstellungen vom Zusammenleben im Israel des 1. Jahrhunderts, die denen in den heutigen Nationalstaaten ähneln. Noch einmal:

Als Jude sorgte sich Jesus ausschließlich um das Schicksal seiner jüdischen Mitmenschen. Israel war alles, was ihn interessierte.

Das Bedürfnis nach dem eigenen Staat, die Abgrenzung von allem Fremden, der Hass auf Feinde war bei Jesus nicht schwächer, sondern stärker als wir es heute in Europa kennen. Im Kontext seiner Zeit ist das nachvollziehbar. Aber wir sollten uns dagegen wehren, wenn die Kirchen moralische Durchhalteparolen begründen, indem sie uns Jesus als Friedensfürsten präsentieren.

Der historische Jesus hat nichts zu tun mit seinem über die Jahrhunderte durch die christliche Kirche verfälschten Bild. Seine Botschaft war nicht die ihm heute angedichtete Verkündung von Liebe, Frieden und Barmherzigkeit. Unbegrenzte Einwanderung hätte er abgelehnt, den Zuzug Andersgläubiger hat er als Wanderprediger verdammt.

Jesus sah das kommende Reich Gottes als israelitischen Nationalstaat, in dem Juden nach den Gesetzen der Tora leben und aus dem alle Fremden vertrieben worden sind.

Der christliche Jesus ist ein Fake Jesus.

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2 Kommentare zu „Mit Fake Jesus machen Kirchen Migrationspolitik“

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