Jammerpolitikerin: Frauen sind die falschen für den Job

Gabriele Andretta (SPD) fordert, den Frauenanteil in der Politik per Gesetz zu erhöhen.

Sie begründet ihre Forderung damit, dass der Frauenanteil im niedersächsischem Landtag unter 30 Prozent gesunken sei.

Sie ignoriert, dass dies die Entscheidung des Souveräns war. Es standen Parteien mit Frauenquote und ohne Frauenquote zur Wahl, offensichtlich war der Frauenanteil der Kandidatenlisten nicht das entscheidende Kriterium für die Wähler.

Es gibt deutlich mehr Frauen als Männer unter den Wahlberechtigten. Auch für Frauen scheint das Geschlecht der Kandidaten also nicht die entscheidende Rolle zu spielen. Sie entscheiden sich nicht für Parteien mit Frauenquote oder gehen gar nicht erst zur Wahl.

Gabriele Andrettas Forderung ist undemokratisch. Sie will die souveräne Entscheidung der Wähler mittels Vorauswahl beschneiden.

Auch die russische Wahlkommission nimmt sich heraus, die Wahlmöglichkeiten der Wähler einzuschränken. Bei Gabriele Andretta hört sich das so an:

Gleiche Chancen für Männer und Frauen seien „kein Gedöns“, sagte Andretta im NDR Gespräch.

Sie bringt keinen Beleg dafür, dass Frauen und Männer aufgrund ihres Geschlechts unterschiedliche Chancen haben. Gabriele Andretta stellt nur das Ergebnis fest, nämlich einen Frauenanteil im Landtag von unter 30 Prozent.

Daraus kann man aber keine Aussage über die Chancen von Männern und Frauen aufgrund ihres Geschlechts ableiten. Ja, schlechtere Chancen für Frauen würden zu einem geringeren Frauenanteil führen. Das ist aber nicht der einzige mögliche Einflussfaktor. Und die Chancenungleichheit ist unbelegt. Andere Einflussfaktoren hingegen sind vielfach nachgewiesen.

Beispielsweise interessieren sich Frauen deutlich weniger für Politik als Männer. Menschen, die sich weniger für ein Thema interessieren, werden sich auch nicht so sehr mit diesem Thema auseinandersetzen und sich weniger engagieren.

Keine relevante Partei, nicht eine, hat mehr weibliche Mitglieder als männliche. Die Grünen haben 39 Prozent weibliche Mitglieder und sind damit Spitzenreiter. Das bei Frauen geringere Interesse an Politik führt also – neben anderen Faktoren – zu weniger Frauen in den Parteien.

Damit ist der Pool der weiblichen Parteimitglieder – aus denen die Kandidaten für Landtagswahlen ausgewählt werden – wesentlich kleiner als der Pool der Männer.

Natürlich gibt es dann auch weniger Frauen als Männer, die für eine Kandidatur geeignet sind – wenn man annimmt, dass Qualifikation ein Kriterium für einen Sitz im Landtag ist.

Das ist nur ein Beispiel für einen Einflussfaktor für den geringeren Frauenanteil im Landtag, der nichts mit fehlender Chancengleichheit aufgrund des Geschlechts zu tun hat.

Für Gabriele Andretta ist das nur „Gedöns“. Sie nutzt das Ergebnis, den geringen Frauenanteil im Landtag, als Beleg für Chancenungleichheit. Das ist Irreführung.

Gabriele Andretta treibt den Unsinn auf die Spitze, indem sie selbst noch Gründe für weniger Frauen im Landtag anführt, die nichts mit unterschiedlichen Chancen von Frauen und Männern zu tun haben:

Frauen fehlten oft Netzwerke und Förderer, glaubt Andretta. Außerdem schrecke der Politikbetrieb Frauen ab.

Wo soll man da anfangen?!

  1. Es stimmt nicht, dass Frauen „oft“ Netzwerke und Förderer fehlen. Gerade für Frauen gibt es spezielle Frauennetzwerke und sie fördern sich gegenseitig, weil sie Frauen sind.
  2. Niemand hindert Frauen daran Netzwerke und Förderer aufzubauen. Das ist aber unabhängig von Chancengleichheit in rechtlicher Hinsicht.
  3. Der Politikbetrieb schreckt Frauen ab? Was hat es mit Chancengleichheit zu tun, wenn jemand einen Job nicht machen möchte?
  4. Der Politikbetrieb schreckt Frauen ab? Dann sind sie wohl die falschen für den Job. Schön, dass Gabriele Andretta das so klar sagt.

Frauen können eine Partei gründen, Unterschriften sammeln und eine Liste zur Wahl aufstellen. Und schon treten sie zur Wahl an. Niemand nimmt ihnen ihre Chance gewählt zu werden.

Sie müssen nur die Wähler überzeugen.

Und genau dort scheint das Problem zu liegen. Jammerfrauen wie Gabriele Andretta sehen sich selbst nicht in der Verantwortung überzeugende Arbeit zu leisten, damit sie demokratisch gewählt werden.

Typisch für eine Jammerfrau gibt sie anderen die Schuld und meint, dass sich die Welt an sie anpassen müsste. Sie möchte diese Anpassung sogar per Gesetz erzwingen.

Wozu überzeugen, wenn man auch erzwingen kann?

Wer profitiert?

Politikerrinnen wie Gabriele Andretta sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie es nicht einmal nötig haben zu erklären, dass das keine rein egoistische Forderung ist, die nur ihr selbst und ihrer Kaste nutzt.

Denn wer profitiert denn von dieser Forderung außer den Menschen die durch Geburtsrecht auf Kandidatenlisten kommen?

Die Wahlberechtigten werden in ihrer Wahlmöglichkeit eingeschränkt, sie sind es also nicht.

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7 Kommentare zu „Jammerpolitikerin: Frauen sind die falschen für den Job“

  1. Nach derselben Logik sind 40 % Frauen im Landtag bei nur 30 % Mitgliederanteil in den vertretenden Parteien ein unschlagbarer Beweis für eine Chancenungleichheit, diesmal zulasten der unterrepräsentierten Männer. Und das ist gar nicht soweit hergeholt…
    Im Übrigen sind Chancen nie gleich verteilt und ein Chancengleichverteilungsgesetz eine Kriegserklärung an die Realität. Hauptsache die Frau ist Landtagspräsidentin. Den Job hat sie offensichtlich nicht wegen ihrer überzeugenden kognitiven Fähigkeiten.

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  2. Verfassung vs. Gleichstellung

    Die Punkte, die du anführst sind alle richtig, aber die Kritik geht noch nicht weit genug. Die Forderung nach Frauenquoten im Parlament sind nucht nur undemokratisch sondern antidemokratisch und verfassungswidrig (niedersächsische landesverfassung und GG), denn in beiden verfassungen steht fast wortgleich:

    „(1) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ (NiSä Verf. Art. 2)

    Man stelle sich eine Partei vor, einer Partei, die sich bevorzugt Migrantenrechten beschäftigt und dementsprechend zu 80% aus nicht-deutschen (im ethnischen Sinne) besteht, würde gezwungen werden, 90% aus ‚arischen‘ Deutsche auf ihrer Kandidatenliste zu haben, weil das halt dem Bevölkerungsanteil entspricht.

    „Alle Staatsgewalt geht vom Volk“ heißt nicht „von der Quote“. Den Volkswillen zu Quotieren ist antidemokratisch. Eine quotierte Wahl, wie sie Gabriele Andretta und kürzlich auch schon die SPD-Abgeordnete Elke Ferner gefordert haben, würde einen Verfassungsbruch darstellen und dazu führen, dass dieses „gewählte“ Parlament illegitim wäre. Für genau solche Fälle gibt es GG Art. 20:

    „(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

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