Von Hamsterkäufen

Heute stand ich im Supermarkt an der Kasse. Hinter mir schimpfte eine Hippie-Dame wie ein Rohrspatz, weil die Billig-Nudeln ausverkauft waren. Sie versuchte die Verkäuferin auf ihre Seite zu ziehen und fragte vorwurfsvoll-rhetorisch „Haben die euch wirklich die Nudeln weggekauft?“

Dann regte sie sich über die Hamsterkäufer auf. Das stieß mir bitter auf, weil ich eher das Gefühl hatte, dass diese Person keine Vorstellung von einfachen wirtschaftlichen Zusammenhängen hat.

Zudem fällt mir häufig auf, dass Menschen Probleme haben Größenordnungen zu verstehen und intuitiv völlig falsch liegen.

Es sind ganz einfache Fragen, die man stellen muss: Wieviele Nudelpackungen einer Sorte hat der Supermarkt im Regal, wieviele im Lager und wieviele sind im Lager, welches den Supermarkt (und weitere) beliefert, vorrätig?

Für die einzelnen Lagergrößen sind folgende Fragen ganz zentral: Wieviele Kunden hat der Supermarkt am Tag? Und wieviele von ihnen kaufen durchschnittlich wieviele Nudeln?

Schon geringe Abweichungen vom normalen Kundenverhalten führen zu Engpässen. Wenn wegen Corona jeder vierte Kunde eine Packung Nudeln mitnimmt, und früher war es nur jeder zehnte, dann ist das Lager des Supermarktes schnell leer.

Ganz ohne Hamsterkäufe.

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Sie haben aus Jean-Luc Picard einen alten weißen Föderations-Mann mit Schuldkomplex gemacht, der sich selbst hasst

Nun also Star Trek Picard.

Nachdem ich bei Star Trek Discovery bereits nach der Pilotfolge aufgegeben hatte, gebe ich Star Trek erneut eine Chance. Und ich muss sagen, zumindest wird die Story nicht komplett einem politischen Ziel geopfert.

Das war mein Problem mit Star Trek: Discovery. Widersprüchlichkeiten und lächerliche Übertreibungen wurden in Kauf genommen, um eine politische Botschaft zu verbreiten.

Zudem wurden rücksichtslos altbekannte Star-Trek-Ikonen (die Klingonen, Spock) geopfert, ohne dass es dafür schlüssige Gründe gab oder die Serie in irgendeiner Weise davon profitiert hätte.

Picard ist hingegen eine Serie, die sich hinsichtlich ihrer Konsistenz keine groben Schnitzer erlaubt. Ohne politische Erziehung kommt sie allerdings ebenfalls nicht aus. Lediglich der Fokus ist im Vergleich zu Discovery etwas verschoben.

Bei Star Trek: Picard sind es Flüchtlinge.

Der Planet Romulus musste vor vielen Jahren evakuiert werden und Picard war der maßgebliche Protagonist dieser Rettung. Er sorgte dafür, dass sich die Sternenflotte  bei der Evakuierung des Planeten engagierte.

Letztlich musste die Evakuierung abgebrochen werden, weil es zu einem Aufstand der Androiden kam. Picard warb für eine Fortsetzung der Evakuierung unter Aufbietung aller Reserven der Sternenflotte, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Die Serie spielt viele Jahre nach diesen Ereignissen. Picard lebt zurückgezogen auf einem französischen Weingut.

Damit beginnt der pädagogisch wertvolle Teil des Plots. Picard hat selbst zwei romulanische Flüchtlinge in seinem Heim aufgenommen.

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Was der FDP fehlt sind Werte und Rückgrat

In meiner Twitterblase wurde vor einiger Zeit ein Thread von einem „Lukas“ gelobt, in dem der FDP eine Kommunikationsstrategie empfohlen wird.

Wann wird sie verstehen, dass sie in der derzeitigen Konstellation ( ÖR, ein Großteil der Medienhäuser und SM sind anti-FDP) es immer schwer haben wird ihre Message offensiv an den Wähler zu bringen?

Ich halte diese Analyse für zutreffend. Als Lösung wird der FDP empfohlen, Daten über potenzielle Wähler zu sammeln um zielgerichtet kommunizieren zu können.

Daten sollen helfen potenzielle Wähler auszumachen, ihre Sorgen, Interessen ausfindig zu machen, ihre Beweggründe wählen zugehen, und Inhalte auf die sie reagieren. Anhand dieser Erkenntnisse wird die Wahlkampgane konstruiert

Ich kann den Überlegungen grundsätzlich folgen, war an dieser Stelle aber überrascht, dass die Inhalte, also das politische Programm, nicht am Anfang der Überlegungen stehen. Es mag naiv klingen, aber wie will man Wähler überzeugen, wenn man selbst nicht weiß, wofür man steht?!

Message Disziplin! Ist eine Message gefunden, die empirisch nachgewiesen,(!!!) beim fokussierten Wählerspektrum..
… auf Resonanz stößt: HÄMMERT SIE UNERBITTLICH RAUS! #GetBrexitDone #TakeBackControl Nach dem 5x konnte sie keiner mehr hören, aber Land auf, Land ab kannte jeder dieses Botschaften.

Auch hier: Ich kann das grundsätzlich nachvollziehen.

Aber dieser ganze Thread beschränkt sich auf das Wahlkampf-Handwerk. Die Analyse und die Hinweise sind korrekt, aber „Get Brexit Done“ und „Take Back Control“ zeichnen sich ja nicht nur dadurch aus, dass sie „empirisch nachgewiesen“ beim potenziellen Wähler verfangen.

Zu allererst zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie Inhalte transportieren, die der Wähler möchte!

Der Wille der politischen Akteure im Vereinigten Königreich, die EU zu verlassen, stand am Anfang der Überlegungen.

Welchen Willen hat die FDP? Welche Themen sind für die FDP so relevant, dass sie sie gegen Widerstände durchkämpfen wird?

Die Brexit-Akteure hatten den Willen zur Konfrontation. Was nützen klare, einfache Botschaften und individuell abgestimmte Messages, wenn FDP-Politiker in Diskussionen zahnlos auftreten oder beim geringsten medialen Widerstand einknicken?

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Jammerfrau: Attraktive Männer müssen Feministinnen lieben

Vicky Spratt jammert bei refinery29.com über Männer, die sich weigern sich mit „kritisch-bewussten“ Frauen zu verabreden (im Original: „woke“, alle Übersetzungen im Artikel mit deepl.com mit eigenen Änderungen).

Wie bei Jammerfrauen üblich, sieht sie Fehler immer nur bei den anderen. An diese anderen legt sie hohe Standards an, denen sie in ihrem Artikel selbst nicht entspricht.

Haben Sie das da hinten gehört, meine Damen? Laurence Fox […] geht nicht mit „kritisch-bewussten“ Frauen aus, denen seiner Meinung nach beigebracht wird, dass sie „Opfer“ sind, unabhängig davon, ob sie Recht haben oder nicht.

Das Verbrechen: Die persönliche Entscheidung eines Mannes, mit bestimmten Frauen nicht auszugehen.

Laurence Fox verletzt mit dieser privaten Entscheidung niemanden in seinen Rechten, er schränkt die Freiheit von anderen in keiner Weise ein.

Trotzdem beginnt Vicky Spratt den Artikel mit Vorwürfen und nimmt Bezug auf Rassismus – kurz, sie versucht Fox so gut wie möglich anzuschmieren und in eine Schmuddelecke zu drücken.

Ich könnte mit Daten belegen, wie falsch er liegt

Da denkt man kurz: Diese Jammerfrau ist anders als die anderen, die belegt ihre Aussagen.

Ich könnte meine Besorgnis über seine geistige Gesundheit zum Ausdruck bringen (denn wer streitet schon gerne auf Twitter?)

Im selben Satz kommt Vicky Spratt – die Worte „mit Daten belegen“ hallen noch nach – mit unbelegten persönlichen Beleidigungen. Der Rahmen ist gesteckt.

Ich könnte Witze über sein Verhalten machen. Aber all das würde den springenden Punkt völlig verfehlen.

Daten, Beleidigungen und Witze wären also am Thema vorbei.

Es ist nichts lustig an den Dingen, die Fox – oder Wokey McWokeface, wie er jetzt genannt werden will – sagt. Es ist auch nicht besonders traurig. Es ist gefährlich.

Nicht der Hauch von einem Beleg, wie falsch Fox liegt. Nicht mal ein Argument. Nichts. Dabei hat sie es doch groß angekündigt. Aber Vicky Spratt dreht am ganz großen Rad. Die Dinge, die Fox sagt, sind gefährlich. Zunächst bezieht sie diese Gefahr noch auf die gesamte linke Agenda:

Er ist nur ein sehr privilegierter Mann, und als Ergebnis dieses Privilegs hat er eine Bühne erhalten. Und er hat diese Bühne genutzt, um eine größere Gegenbewegung gegen Vielfalt und Fortschritt zu initiieren, die sich jeden Tag in weniger öffentlichen Ecken des Internets entfaltet.

Also: Laurence Fox ist ein Gegner von Vielfalt und Fortschritt. Das macht ihn gefährlich.

Wie häufig bei Feministinnen, scheint die Wahrheit eine andere zu sein. Von Vielfalt und Fortschritt ist im folgenden Text nicht mehr groß die Rede.

Eigentlich scheint es Vicky Spratt nur darum zu gehen, dass Laurence Fox es wagt, eine bestimmte Sorte Frauen nicht mehr als Partner in Betracht zu ziehen. Eine Gruppe Frauen, so viel wird klar, der Vicky Spratt selbst angehört.

Und das dürfte des Pudels Kern sein: Die Autorin sieht sich selbst bedroht und wie bei „kritisch-bewussten“ Jammerfrauen üblich, ist sie unfähig dies mit professionellem Abstand zu sehen.

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Am Mittagstisch wird klar, dass der Ostdeutsche der einzige Demokrat ist – und Ursula von der Leyen spuckt auf jeden Schwulen

Neulich wurde hier im Büro am Mittagstisch über die Situation in Thüringen gesprochen. Es war unmittelbar nach der Wahl des FDP-Mannes Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten des Landes.

An solchen Diskussionen beteilige ich mich meist nur, indem ich zu bestimmten Dingen meinen – meist als provokativ empfundenen – Senf dazugebe. Es macht mir keinen Spaß das zu sagen, was alle sagen.

Es freut mich dagegen sehr, wenn ich am Ende einer Diskussion eine These, der alle zustimmen, mit einer ganz anderen Perspektive komplett in Frage stelle.

Am meisten freut es mich, in die Gesichter des Teils der Kollegen zu schauen, die sich freuen, eine andere Perspektive zu sehen. Das sind Menschen, die wirklich an gegensätzlichen Meinungen interessiert sind.

Andere ziehen sich auf Plattitüden zurück oder schweigen.

Auch die Diskussion um Thomas Kemmerich folgte den üblichen Bahnen.

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Die Entmenschlichung des politischen Gegners ist wieder salonfähig

Der Artikel „Sind wir erfolgreich geimpft?“ bei taz.de macht mir Angst. Ohne Übertreibung. Autor Micha Brumlik droht nicht, aber er nutzt „journalistische“ Mittel, bei denen ich mir Sorgen mache, was sie bei seinen Lesern auslösen.

Micha Brumlik benutzt unveränderliche körperliche Merkmale, um den politischen Gegner zu beschreiben. Er vergleicht politische Gegner mit Krankheiten. Er teilt Menschen nach willkürlichen Kriterien in Gut und Böse ein. Er bezeichnet sie als das sprichwörtlich (oder buchstäblich?) reine Böse.

Kurz: Er nutzt Mittel, die, wenn die andere politische Seite sie nutzen würde, zu einem Aufschrei führen würden.

Es beginnt mit einem Foto. Es zeigt Björn Höckes blaue Augen. Jedem ist klar, was der Gesichtsausschnitt mit seinen blauen Augen assoziieren soll. Micha Brumlik ist egal, dass Höcke seine Augenfarbe nicht ändern kann.

Man könnte auch sagen, dass Höcke für seine Augenfarbe „nichts kann“. Trotzdem verwendet Micha Brumlik sie gegen ihn, um ganz bestimmte Assoziationen zu wecken. Blaue Augen sind schlecht, Menschen mit blauen Augen sind böse. Diese Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund unveränderlicher körperlicher Merkmale weckt bei mir wiederum unangenehme Assoziationen.

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Wie gut Sawsan Chebli den schlanken Staat und niedrigere Steuern findet

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli retweetet den Ausschnitt einer Bundestagsrede des FDP-Politikers Konstantin Kuhle. Sie schreibt:

Hört Euch die Rede an. Mega! Danke @KonstantinKuhle!

Sie applaudiert folgender Aussage Kuhles:

Lieber Herr Curio, die Mehrzahl der Muslime, die heute in Deutschland leben, sind in Deutschland geboren. Und die große Zahl der Muslime, die heute in Deutschland leben, hat auch den deutschen Pass.

Und wissen Sie, was das Hauptproblem der hart arbeitenden muslimischen Arbeitnehmer und Selbstständigen in Deutschland ist? Dass die mit ihren Steuern ihren Faschismus und Rassismus finanzieren müssen, den sie hier im Deutschen Bundestag ausleben.

Das ist das größte Problem dieser Menschen.

Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht verstörend.

Bisher habe ich die Bezahlung der Volksvertreter als gesamtgesellschaftliche Aufgabe einer Demokratie betrachtet. Muslimische Arbeitnehmer und Selbstständige gehören zu dieser Gesellschaft, also beteiligen sie sich an dieser Aufgabe.

Kuhle scheint hingegen davon auszugehen, dass sich Muslime nur an ihnen genehmen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben beteiligen wollen.

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