Böse Kapitalisten gefährden ihre Mitarbeiter

Mitten in der Corona-Krise liefert Autor Florian Reiter bei focus.de ein Lehrstück über schlechten Journalismus ab. Reiter berichtet über angeblich ungerecht behandelte Personen.

Seit Text lässt nicht erkennen, dass er die Aussagen und die Motive der vorgeblichen Opfer kritisch hinterfragt hätte. Als Feigenblatt fragt er bei den Pressestellen der betroffenen Firmen an, die natürlich nur allgemeine Antworten geben können und aus Furcht vor der Empörungswelle auch nicht offen reden.

Florian Reiter übernimmt vielmehr die infantile schwarz-weiß Gedankenwelt der eingebildeten Opfer. Der Firma oder dem Chef werden unlautere Motive unterstellt. Rationale Gründe für ihr Handeln werden im Artikel nicht angesprochen.

Die Motive der klagenden Angestellten werden hingegen nicht hinterfragt. 

Einen eigenen Beitrag der Mitarbeiter zur eigenen Gesundheit fordert Reiter bei seinen  „Informanten“ ebenfalls nicht ein.

In einigen deutschen Firmen zwingen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter ins Büro, ohne dass es dafür einen guten Grund gäbe.

Focus.de Autor Florian Reiter schwingt sich per Ferndiagnose und Hörensagen zur Beurteilungsinstanz auf.

Von den Entscheidungen der Führungskräfte und der direkten Vorgesetzte hängt der Erfolg des Unternehmens ab. Sie tragen die Verantwortung für die Sicherung der Existenz des Unternehmens.

Wer die Verantwortung für Folgen von Entscheidungen trägt, muss auch die Entscheidungen treffen können.

Florian Reiter trägt keinerlei Verantwortung für den Erfolg oder den Fortbestand der Unternehmen über die er berichtet. Er steht an der Seitenlinie und stellt Forderungen. Dass er sich herausnimmt solche Urteile zu fällen zeigt, wie wenig er begreift.

Die Mitarbeiter sind wütend – und fürchten um ihre Gesundheit.

Wütende Mitarbeiter fürchten um ihre Gesundheit. Im Artikel geht es explizit um Schreibtischjobs, die man angeblich ins Homeoffice verlagern könnte.

Florian Reiter kommt nicht auf den Gedanken, dass es sich hier um Jammern auf höchstem Niveau handelt. Denn was sollen denn Pfleger und Ärzte mit direktem Kontakt zu Infizierten sagen? Oder Supermarkt-Verkäufer mit täglich Hunderten Kundenkontakten?

Was sollen denn die Mitarbeiter in der Produktion dieser Unternehmen sagen? Wenn die nicht mehr arbeiten, sinkt der Umsatz des Unternehmens auf Null und die Existenz der Firma ist gefährdet.

Das beträfe auch die Jobs derjenigen (mit den leichten Bürojobs) die sich hier erregen.

Das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau. Die dekadente Anspruchshaltung von Privilegierten.

Als Jens Stadler die Nachricht seines Chefs liest, zerschlagen sich seine Hoffnungen endgültig. Wegen der Corona-Krise werden Konferenzen ausfallen, Termine werden verschoben, heißt es in der Nachricht. Außerdem werde die Arbeit im Büro auf zwei Schichten umgestellt, eine früh, eine spät. Achja, und Urlaubswünsche, falls die jemand für die nächste Zeit haben sollte, würden auch gerne entgegengenommen.

Das Wort „Homeoffice“, auf das Stadler so gehofft hatte, kommt in der Nachricht nur einmal vor. Nämlich an der Stelle, wo es heißt, dass es kein Homeoffice geben wird. „Wir dürfen nun auch nicht mehr danach fragen“, erzählt Stadler. „Schließlich hätte man schon oft gesagt, dass es keines geben wird.“

Einem seriösen Journalisten wäre klar, dass eine Situation wie die aktuelle Corona-Krise zu Verwerfungen in Unternehmen führt. Ausfallende Konferenzen und verschobene Termine sind nur die Spitze des Eisbergs.

Wahrscheinlich arbeitet die gesamte Unternehmensführung seit Wochen nur noch an der Bewältigung der Krise. Die eigentlichen Aufgaben bleiben liegen.

Vermutlich ist die Produktivität im Unternehmen bereits jetzt erheblich gesunken, weil auf allen Ebenen geprüft wird, wie man mit der Situation umgehen kann, welche Risiken es gibt, was passiert, wenn ein Coronafall im Unternehmen auftritt, welche Bedingungen an Datenschutz und Datensicherheit erfüllt werden müssen um Homeoffice zu ermöglichen oder ob die Server-Infrastruktur Tausende weitere Remote-Zugriffe überhaupt verkraften kann.

Dazu kommt, dass viele Mitarbeiter bereits im Homeoffice sind. Das senkt die Produktivität des Unternehmens ebenfalls. Gegen diese Bedrohung für die Firma wird die Unternehmensführung mit allen Ressourcen die ihr zur Verfügung stehen ankämpfen.

Solche Überlegungen gibt es bei Florian Reiter nicht. Bei ihm gibt es nur die Sicht des Mitarbeiters, der gerne ins Homeoffice möchte.

Die Frage, warum Jens Stadler keinen Urlaub nimmt, wenn er doch so viel Angst hat, stellt Florian Reiter nicht. Dabei bietet sein Unternehmen Urlaub ausdrücklich an.

Wie kommen Menschen wie Jens Stadler denn nur darauf, dass für ihre Gesundheit irgendjemand anderes verantwortlich wäre als sie selbst? Wenn es wirklich so wichtig ist, wenn es tatsächlich so bedrohlich ist, dann müsste Jens Stadler doch zunächst selbst alle ihm zur Verfügung stehenden Maßnahmen ausschöpfen.

Im Großen und Ganzen handelt es sich fast immer um: Büro-Arbeit am Computer. Ins Homeoffice darf Stadler trotzdem nicht.

Aus dem Text geht hervor, dass Jens Stadler bei einer Krankenkasse arbeitet.

Bevor man sich bei einer Krankenkasse entscheidet, Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, sollte man die Sicherheit der Patientendaten und anderer kritischen Daten garantieren können.

Leider fragt Florian Reiter offenbar nicht, ob Jens Stadler Umgang mit Patientendaten hat. Es gibt auch keine Antworten auf die Fragen nach der Verfügbarkeit von entsprechend gesicherten Remote-Arbeitsplätzen, nach dem Schutz von Akten in einer Privatwohnung oder nach der Notwendigkeit von unmittelbarem Abstimmungsbedarf mit Kollegen.

Florian Reiter hält nicht einmal für nötig herauszufinden, was „im Großen und Ganzen“ genau bedeutet und wie groß der Anteil der Arbeit ist, die eben nicht im Homeoffice erledigt werden kann.

In der Corona-Krise ist er jedoch Teil einer Gruppe geworden, die bislang wenig Beachtung gefunden hat: Angestellte, die in der aktuellen Viren-Pandemie von zuhause aus arbeiten könnten, aber vom Arbeitgeber gezwungen werden, ins Büro zu kommen – der Ansteckungsgefahr zum Trotz. „Ich habe wirklich Angst“, sagt Stadler.

Emotionen und Empörung. Das ist alles, was dem Betroffenen aber auch dem Journalisten Florian Reiter einfällt. Fragen und Gegenpositionen liegen auf der Hand.

Aber die Fragen werden nicht gestellt, die Gegenpositionen nicht beleuchtet.

Es kann viele Gründe geben, die gegen Homeoffice sprechen. Schon ein Effizienzverlust von wenigen Prozent von Homeoffice gegenüber der Präsenz im Büro frisst die Margen in vielen Branchen auf.

Im Falle einer Krankenkasse bedeutet dass, dass die gleiche Anzahl Mitarbeiter jetzt weniger Vorgänge bearbeiten kann. Es bleibt also Arbeit liegen.

Es mag ja sein, dass Jens Stadler „wirklich Angst“ hat. Wenn das tatsächlich der Fall ist und aus seiner Sicht unbedingt Abhilfe nötig ist, dann kann er Urlaub nehmen.

Es wirkt unglaubwürdig, die Situation derart zu dramatisieren, andererseits aber selbst keine Opfer bringen zu wollen.

Oder das Medizintechnik-Unternehmen in Süddeutschland, das erst nach einem gemeinschaftlichen Protest der Angestellten die Möglichkeit von Homeoffice gestattete. Mehrere Mitarbeiter gaben an, ihre Vorgesetzten hätten ihnen ins Gesicht gesagt, dass Angestellte im Homeoffice nur auf der faulen Haut liegen würden.

Zweifelt irgendjemand ernsthaft daran, dass das bei einem Teil der Mitarbeiter nicht genau so wäre? Felix Reiter empört sich über diese Aussagen, ohne einmal die Gegenposition zu betrachten.

Außerdem ist das ja nicht schwarz-weiß.

Die Effizienz wird im Homeoffice irgendwo zwischen 90% und 50 % liegen – je nach Aufgabe. Teilweise, weil man nicht so kommunikativ ist und nicht die gesamte Infrastruktur zur Verfügung steht oder weil andere einen nicht unter der Büronummer erreichen können oder ähnliches.

Und wahrscheinlich wird bei manchen die ein oder andere Pause mehr eingelegt oder verlängert. Schließlich fällt der soziale Druck weg.

Wie kann Florian Reiter einen ganzen Artikel schreiben, aber diese Möglichkeit nicht berücksichtigen?

Fast allen betroffenen Unternehmen ist gemein, dass die Geschäftsführung es versäumte, einen organisatorischen Plan für die Zeit der Viren-Pandemie auszuarbeiten.

Das Bild vom bösartigen Unternehmer. Was für eine infantile Sichtweise.

In der Realität ist es so, dass das erste Interesse der Geschäftsführung der Unternehmenserfolg ist. Und dazu gehört der Umgang mit so einer Pandemie.

Es mag sein, dass manche Mitarbeiter mit dem Umgang des Unternehmens mit der Pandemie nicht einverstanden sind, weil Homeoffice darin nicht vorkommt.

Florian Reiter scheint nicht zu verstehen, dass die Unternehmen und ihr Führungspersonal alles tun würden, von dem sie überzeugt sind, dass es dem Unternehmen in der Krise und danach hilft.

Das bedeutet, dass sie genau die Mitarbeiter individuell oder abteilungsweise ins Homeoffice schicken, bei denen das mit geringen Effizienzverlusten möglich ist und die Kosten vertretbar sind. Denn diese Maßnahme schützt das Unternehmen vor unnötigen Kontakten und senkt die Ansteckungsgefahr und schützt damit das Unternehmen.,

Das bedeutet aber auch, dass Mitarbeiter, bei denen ein größerer Effizienzverlust zu erwarten ist, eben nicht ins Homeoffice geschickt werden, weil der erwartete Schaden größer ist als das zusätzliche Ansteckungsrisiko.

Die Entscheidung, wo die Unternehmensführung oder der Vorgesetzte diese Grenze zieht, liegt in derem Ermessen, schließlich tragen sie die Verantwortung für die Ergebnisse.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das Ansteckungsrisiko auch für die Mitarbeiter gesenkt wird, die nicht im Homeoffice sind, weil sie damit insgesamt weniger Kontakte haben.

Es profitieren also auch Menschen wie Jens Stadler, die immer noch ins Büro müssen.

Etwa das Münchner Unternehmen aus der Finanzbranche, das es verpasste, spezielle Laptops für alle Mitarbeiter zu besorgen – und dann beim Lieferanten keine mehr bekam.

Jetzt im Nachhinein kann man das natürlich einfach behaupten, dass die anderen den richtigen Zeitpunkt verpasst hätten. Aber bis vor kurzem wurde der, der vorsorglich einkaufte, als Hamsterkäufer diffamiert. Sich jetzt hinzustellen und ausgerechnet von Unternehmern zu verlangen, dass sie es hätten wissen müssen – das ist aberwitzig.

In vielen Firmen wurden erste Informationen zu den Veränderungen im Arbeitsablauf erst Mitte März an die Mitarbeiter kommuniziert, als Bayern und Berlin bereits drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens erlassen hatten.

Erst ab Mitte März? Erst nachdem Bayern und Berlin handelten?

Ist Florian Reiters Erwartung allen Ernstes, dass die Unternehmen, die im Gegensatz zu den Regierungen keine Seuchenexperten haben, vor den Regierungen wussten, was angemessen ist? Ist das ein Witz?

Außerdem ist für die Mitarbeiter doch oft gar nicht ersichtlich, seit wann sich die Geschäftsführung mit diesem Thema intern auseinandergesetzt hat.

Ist es nicht vielmehr so, sowohl die Betroffenen als auch Florian Reiter jetzt im Nachhinein so tun, als hätte man drastische Maßnahmen wie Ausgehverbote schon vor Mitte März absehen können obwohl dies durch die Verantwortlichen bis zu letzten Minute abgestritten wurde?

An die Firmen scheinen unbegrenzte Erwartungen gestellt zu werden.

Die alternativen Lösungen, die Mitarbeitern anstelle der Heimarbeit geboten werden, schaffen oft neue Probleme. Etwa im Fall von Jens Stadler: Die jetzt eingeführten „Schichten“ an seinem Standort der Techniker Krankenkasse sind kürzer als reguläre Arbeitstage, die fehlenden Stunden werden dann einfach vom Arbeitszeitkonto abgezogen – jeden Tag. In nur wenigen Wochen bauen sich die Angestellten dadurch ein beachtliches Minusstunden-Konto auf. „So viele Stunden kann ich niemals aufholen“, sagt Stadler.

Jens Stadlers Firma bietet eine alternative Lösungen an, bei der er selbst auch einen Beitrag leisten muss, indem er Stunden seines Arbeitszeitkontos hergeben muss. Wir erfahren nicht einmal um wie viele Stunden es sich handelt. Aus Reiters Sicht scheint das keine relevante Information zu sein.

Für Jens Stadler und Florian Reiter kann es nur eine Lösung geben – Homeoffice. Alle anderen Lösungen werden abgelehnt. Weil sie es besser wissen. Weil richtige Lösungen offensichtlich ohne eigenen Beitrag des Mitarbeiters auskommen müssen.

In Deutschland herrscht (glücklicherweise) Konkurrenz zwischen den Krankenkassen. Sinkt die Effizienz im Homeoffice, steigen die Kosten seiner Krankenkasse, weil irgendjemand die liegengebliebenen Arbeiten erledigen muss. Dies kann in der Folge zu höheren Zusatzbeiträgen führen. Das kann zu sinkenden Mitgliederzahlen und schließlich zu Stellenstreichungen führen.

Vielleicht verstehen Jens Stadler und Florian Reiter solche trivialen marktwirtschaftliche Mechanismen wirklich nicht. Wahrscheinlich würden sie bei Entlassungen bei der Techniker Krankenkasse dann der Geschäftsführung Misswirtschaft vorwerfen.

Zu ihrer naiven Denkweise würde das passen.

„Der beschriebene Fall entspricht nicht der empfohlenen allgemeinen Vorgehensweise“, sagt eine Sprecherin der Techniker-Krankenkasse zu FOCUS Online. Zwar sei flächendeckendes Homeoffice aus technischen und datenschutzrechtlichen Gründen aktuell nicht möglich. Doch bei Angestellten, die nicht mit sensiblen Daten zu tun haben und bei denen die technischen Voraussetzungen gegeben sind, sei Homeoffice „angesichts der aktuellen Ausnahmesituation“ ausdrücklich gestattet.

Die Krankenkasse kann sich nur allgemein zu diesem Fall äußern. Wir erfahren nicht einmal, ob Jens Stadler einer dieser Fälle wäre, für den Homeoffice überhaupt in Frage käme.

Die Presseabteilung der Krankenkasse fürchtet sich vor Journalisten wie Florian Reiter, die mit ihrer unternehmensfeindlichen Grundhaltung, ihrer schwarz-weiß-Denke und ihrer infantilen Empörung einen Shitstorm lostreten. Daher kann man leider keine Tacheles-Antwort von ihr erwarten.

„Wir könnten alles von daheim aus erledigen, haben dennoch abwechselnd die Pflicht, im Büro zu sein“, sagt eine betroffene Angestellte zu FOCUS Online. „Und das nur, weil unsere Bereichsleitung Angst hat, dass wir nicht ordentlich arbeiten.“

So als wäre das kein valider Punkt. Wie kann man denn diese Möglichkeit einfach ignorieren?

Dabei hat Real viele Mitarbeiter bereits ins Homeoffice geschickt und nimmt dafür Effizienzeinbußen in Kauf. Aber für Reiter und Stadler scheint es nie genug zu sein.

Denken die auch einmal daran, dass es anderen Mitarbeitern im gleichen Unternehmen viel schlechter geht? Real ist ein Lebensmittelhändler. Viele ihrer Kollegen in den Supermärkten haben Hunderte Kundenkontakte pro Tag.

Dabei sei das Unsinn, ärgert sich die Mitarbeiterin: „Wir arbeiten sehr wohl, und das gewissenhaft, teilweise sogar noch mehr, als wir es im Büro täten. Der Dank ist – ja, was? Vielleicht noch eine Infektion, weil man ins Büro musste, obwohl man alles auch daheim hätte machen können?“

Genau das würde ich von einer Mitarbeiterin erwarten, die ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit beschädigt: Dass sie im Homeoffice mehr arbeitet.

Da geht mir der Sarkasmus aus.

Kein Mitarbeiter, der seine Tätigkeit auch von zuhause aus erledigen könne, werde gezwungen, in der Zentrale zu erscheinen, heißt es in einer Stellungnahme von Real gegenüber FOCUS Online. „Sollte es hier zu Unklarheiten kommen, sehen wir den zuständigen Betriebsrat sowie selbstverständlich auch den Personalbereich zur Klärung als die geeigneten Ansprechpartner.“ Überdies liege in allen Bereichen der Zentrale „die Home-Office-Quote deutlich über 90 Prozent“, betont Real in seiner Stellungnahme.

Real hat 90 Prozent der Mitarbeiter der Zentrale im Homeoffice. Mitarbeiter die sich ungerecht behandelt fühlen, können sich über den Betriebsrat oder die Personalabteilung beschweren.

Es scheint sich um ein Vorzeigeunternehmen zu handeln.

Andere Menschen im Unternehmen arbeiten unter viel gefährlicheren Bedingungen. Trotzdem wendet sich die Mitarbeiterin einer ungefährlichen Stelle an die Presse, weil sie mit ihrer persönlichen Situation unzufrieden ist und schädigt damit das Vorzeigeunternehmen vorsätzlich.

Für die Anspruchshaltung mancher Mitarbeiter scheint es kein Limit zu geben.

Auch Jens Stadler und all die anderen werden sich an ihrem nächsten Arbeitstag wieder auf dem Weg ins Büro machen, Ansteckungsgefahr hin oder her.  Wobei, nicht alle. Manche haben sich für eine andere Lösung entschieden, sagt ein Angestellter zu FOCUS Online: „Nachdem bei uns die Geschäftsführung am Freitag gesagt hat, dass es kein Homeoffice geben wird, haben sich am Montag direkt drei Leute krankgemeldet.“

Mitarbeiter in privilegierten Positionen (auch bei Krankenkassen gibt es Stellen mit Kundenkontakt!) belegen Eindrucksvoll wie loyal sie ihrem Arbeitgeber gegenüber sind, indem sie ihren Arbeitgeber betrügen und sich krank melden.

Solche Leute sind doch die ersten, die im Homeoffice zwei Gänge runterschalten. 

Und Florian Reiter lässt es so wirken, als würde er den Betrug als legitime Maßnahme gut heißen, als eine Art Notwehr.

Realität

Bräuchte es einen Beleg, dass Homeoffice bei vielen Mitarbeitern (nicht bei allen!) zu erheblichen Effizienzverlusten führt, dieser Artikel wäre dieser Beleg.

Ich sehe Forderungen, Vorwürfe und Anmaßung, aber keinen eigenen Beitrag zur Lösung der Situation.

Betrachte ich, was in meinem Unternehmen geleistet wird, um möglichst vielen Menschen Homeoffice zu ermöglichen erfüllt mich dieses Machwerk mit Zorn.

Homeoffice verursacht hohe Kosten pro Mitarbeiter. Gleichzeitig muss erheblich in die IT-Infrastruktur investiert werden um so viele gleichzeitige Zugriffe überhaupt zu ermöglichen.

Homeoffice schützt ja auch die Menschen, bei denen kein Homeoffice möglich ist, weil es mit weniger Kollegen in der Firma auch weniger Eintrittspforten für Corona gibt.

Das ist das grundlegende Missverständnis der Betroffenen und Florian Reiters: Die Unternehmen selbst haben ein großes Interesse daran effiziente Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, wenn die Kosten dafür vertretbar sind.

Die Effizienz wird durch die im Homeoffice verfügbaren Infrastruktur, der Art der Aufgabe aber eben auch von der Persönlichkeit des Mitarbeiters beeinflusst.

Unternehmen ziehen aber individuell pro Mitarbeiter oder Abteilungsweit eine Grenze für Homeoffice. Und diese Grenze dürfte in den meisten Fällen wohlbegründet sein. Auch wenn es bedeutet, dass in manchen Unternehmen niemand ins Homeoffice gehen kann, weil keine Infrastruktur dafür vorhanden ist.

5 Kommentare zu „Böse Kapitalisten gefährden ihre Mitarbeiter“

  1. Grundsaetzlich gebe ich dir recht, bei der Qualitaetsbeurteilung des Jammerartikels – gibt’s eigentlich noch etwas anderes als Jammerartikel? – Journalismus scheint zu sein, wenn man die unqualifizierte Mehrheitsmeinung abbildet, Scheiss auf die Fakten und Hintergruende.

    Die BRD ist aber im Vergleich mit vielen anderen Laendern bei den Buerojobs immer noch Merkelsches Neuland. Das liegt z.T. auch an den Gewerkschaften und Betriebsraeten, die sich bei Flexibilisierungen und elektronischen Arbeitsueberwachungsmassnahmen sperren. Anwesenheitszeit =/= Arbeitszeit.

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  2. „Mitarbeiter in privilegierten Positionen […] belegen Eindrucksvoll wie loyal sie ihrem Arbeitgeber gegenüber sind, indem sie ihren Arbeitgeber betrügen und sich krank melden.“

    Diese Mitarbeiter belegen auch, dass es ihnen gleichgültig ist, ob die anderen dadurch benachteiligt werden, wenn sie mehr arbeiten müssen. Und Journalisten wie Florian Reiter verstärken noch das Signal, ausgerechnet jetzt, dass unzufriedene Mitarbeiter sich einfach krank schreiben lassen können. Corona als Trumpfkarte im Kampf gegen die ausbeutenden, menschenverachtenden, profit-gierigen Unternehmer. Ich weiß, dass er das so nicht geschrieben hat, aber ich lese das zwischen den Zeilen heraus, und es entspricht dem systematisch verbreiteten Vorurteil unserer Zeit über Motive und Verhalten von Unternehmern. Als ob nicht auch die Unternehmensführung dem Risiko ausgesetzt wäre, sich anzustecken. Als ob die Unternehmensführung zuhause bleiben würde, und alles per Home Office erledigen würde, und nur diese paar krankmachenden Mitarbeiter dazu gezwungen würden, sich dem Risiko auszusetzen. Ironischerweise ist es genau diese kurzsichtige Art an Journalismus, der womöglich einer guten Absicht folgen und für Gerechtigkeit stehen will, aber eigentlich das Gegenteil herausfordert.

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