Neuer Kampfbegriff „Gendernationalismus“

Gestern stieß ich bei Twitter auf einen neuen Begriff für Kritik an der Bejubelung frauenfeindlicher islamischer Praktiken durch westliche Feministinnen: „Gendernationalismus“.

tweet20190430

Die Merkmale, die Bücker benennt, haben nichts mit Nationalismus (oder auch nur Nation) zu tun.

Wer sich kritisch mit Gleichstellungsthemen auseinandersetzt, „vereinnahmt“ diese?

Kritik ist keine Vereinnahmung, sondern Kritik. Selbst wenn – was ist daran verwerflich? Vor allem: Wo ist der Bezug zu Nationalismus?

Wer den Burkini-Hype kritisiert, stellt andere als rückständig dar?

Der Burkini ist nicht fortschrittlich. Er steht nicht für Frauenrechte. Viele islamische Praktiken kann man als rückständig bezeichnen. Wo ist der Bezug zu Nationalismus?

Frauenfeindlichkeit in der eigenen Kultur wird nicht thematisiert?

Wenn es Linken in den Kram passt, wird auf die eigene Kultur Bezug genommen, die sonst verleugnet und negiert wird. Wieso hat Birgit Kelle überhaupt die Pflicht, Frauenfeindlichkeit in der eigenen Kultur zu thematisieren, wenn sie Frauenfeindlichkeit in anderen Kulturen kritisiert? Und natürlich wieder die Frage: Wo ist der Bezug zu Nationalismus?

Versuch des Framing

Bücker geht nicht auf die Aussage Kelles ein, für die Posen auf dem Cover würde das Model in manchen islamischen Ländern gesteinigt. Sie behauptet einfach, das sei Gendernationalismus und es handele sich um eine „rechtspopulistische Diskursstrategie“ – also jedenfalls nicht um Argumente, mit denen man sich irgendwie auseinandersetzen müsste.

Das zielt darauf, Kritiker wie Birgit Kelle als Nationalistin zu verunglimpfen. Bücker unterstellt, dass Kelle sich nicht für Frauenrechte interessiert, sondern dieses Thema nur aus taktischen Gründen „vereinnahmt“ um ihr eigentlich nationalistisches Ziel zu verfolgen.

Um dieser Argumentation zu folgen ist allerdings ein entscheidender geistiger Klimmzug notwendig: Es gibt keine allgemein gültigen Standards mehr, mit denen man eine Situation bewertet.

Vielmehr werden für jede Kultur jeweils eigene Standards angelegt. Während in der einen Kultur verordnete und brutal durchgesetzte Bekleidungsvorschriften akzeptiert werden, ist es in der anderen Kultur bereits sexistisch, einen Zusammenhang zwischen aufreizender Kleidung und unangenehmen Anmachen herzustellen.

Die Gefahr dieser relativistischen Betrachtungsweise ist, dass Standards immer weiter aufweichen.

Man mag diesen geistigen Spagat eine Weile hinbekommen und auch anderen aufoktroyieren können. Die Widersprüche führen aber irgendwann dazu, dass mit dem Verweis auf „andere“ auch in fortschrittlichen Gesellschaften Einschränkungen für Frauen durchgesetzt werden.

Können beispielsweise islamische Mädchen vom Sport- oder Schwimmunterricht ausgenommen werden – wer hindert andere Eltern daran, diese Regelung auch auf ihre Tochter anzuwenden?

Lässt man aufgrund dieser relativistischen Denkweise beispielsweise zu, dass sich die Mädchen einer Kultur in der Schule „sittsam“ kleiden, kann der Gruppendruck andere Mädchen dazu bewegen, es ihnen gleich zu tun. Das ist keine Theorie, sondern Praxis.

Das Aufweichen von Standards führt also dazu, dass die Rechte von Frauen und Mädchen eingeschränkt werden, auch über die Grenzen von Kulturen hinweg (Kommentar 23):

Für die Schüler wird es zur „Normalität“ und sie erwarten irgendwann, dass JEDE Frau ein Kopftuch trägt. Das sind Erfahrungswerte von einer Realschule in Neukölln, wo die Jungs sogar deutsche Mädchen zwingen wollen ein Kopftuch zu tragen und sie sonst als Schl**pe bezeichnen.

Solche Einschränkungen der Rechte von Frauen und Mädchen – die in der realen Welt vorkommen – scheinen in der Welt von Teresa Bücker keine Rolle zu spielen. Im größeren politischen Zusammenhang von Gut gegen Böse kommen westliche Frauenrechte unter die Räder.

Bücker versucht durch die Verwendung des Begriffs „Gendernationalismus“ auch, das eigene Lager zusammenzuhalten. Die Argumente von Kritikern sollen von Linken auf keinen Fall sachlich beurteilt werden.

Nationalismus ist bei Linken stark negativ besetzt und wird assoziiert mit Rechtsextremismus und Gewaltbereitschaft und ist Voraussetzung und Vorstufe zum Nationalsozialismus. Für Linke gilt: Mit Nationalisten redet man nicht, ihre Argumente dienen nur ihren inhumanen Zielen. Einem Nationalisten zuzustimmen heißt für einen Linken, einem Menschenfänger auf den Leim gegangen zu sein.

„Gendernationalismus“ ist ein weiterer Kampfbegriff, um die inhaltliche Auseinandersetzung mit Andersdenkenden zu verhindern. Ähnlich wie „Islamophobie“ stempelt er Islamkritik von vornherein als illegitim ab.

Wer Bücker zustimmt und den Begriff verwendet, für den gibt es Frauenfeindlichkeit allein im Westen – und Kritik an frauenfeindlichen Praktiken anderer Kulturen ist unmöglich, weil nationalistisch.

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3 Kommentare zu „Neuer Kampfbegriff „Gendernationalismus““

  1. Ich denke, man muss langsam mal ein Wörterbuch „Links – Deutsch“ schreiben. „rechtspopulistische Diskursstrategie“ heißt üblicherweise sowas wie „unwiderlegbare Fakten“.

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