Männer sind keine Opfer, weil sie nicht gefragt werden

Spiegel-Online berichtet darüber, dass die Kurden-Regierung im Nordirak „Jugendliche“ gefoltert hat.

Kurden-Regierung soll Jugendliche gefoltert haben

Jugendliche.

Sie wurden angeblich geschlagen, gefesselt und mit Elektroschocks gequält: Im Nordirak hat die Kurden-Regierung laut dem Bericht einer Menschenrechtsorganisation Minderjährige gefoltert.

Minderjährige.

So geht das weiter. In Summe ist im Artikel drei mal von „Minderjährigen“ und zweimal von „Jugendlichen“ die Rede. Im Letzten Absatz wird es konkret:

Die Menschenrechtsorganisation hatte nach eigenen Angaben im November vergangenen Jahres mehr als 20 Jungen zwischen 14 und 17 Jahren interviewt, von denen die meisten in Haft sitzen.

Die Folteropfer waren Jungen. Man hat Jungen geschlagen, gefesselt und mit Elektroschocks traktiert. Nur wer den Artikel bis zu Ende liest bekommt diese Information.

Interessant ist, was nicht im Artikel steht, sondern ausgelassen wurde: Wenn die Kurden-Regierung Jungen foltern lässt, was machen sie mit erwachsenen Männern?

Das ist Männerverachtung.

Männer sind Organisationen wie Human Right Watch mittlerweile offenbar egal. Frauen und bestenfalls Kinder stehen im Fokus.

Um sich die ganze Tragweite der Männerverachtung zu verdeutlichen, muss man sich die konkrete Situation der Interviews vorstellen, die Human Right Watch dort geführt hat:

Glaubt jemand ernsthaft, dass die Kurden-Regierung – die Jugendliche foltert – getrennte Gefängnisse für Jugendliche und Erwachsene unterhält? Ich glaube das nicht. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter der angeblichen Menschenrechtsorganisation an den gefangenen Männern vorbeigegangen sind.

Im „besten“ Fall wurden erwachsene Männer vielleicht auch interviewt, aber in den aufmerksamkeitsheischenden Spiegel-Online-Artikel hat diese Nachricht es nicht geschafft.

Gefolterte Männer bekommen keine Stimme.

Mir ist klar, dass diese „Jungen“ vielleicht alles andere als unschuldig sind. Sie sind wahrscheinlich Mitglieder einer Terrororganisation, und zwar einer der schlimmsten ihrer Art.

Mir geht es hier darum, mit welcher Selbstverständlichkeit das Leid von Männern unerwähnt bleibt. Dafür braucht es nicht mal Projekte von Hilfsorganisationen, die sich nur für Mädchen einsetzen. Es ist Alltag.

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2 Kommentare zu „Männer sind keine Opfer, weil sie nicht gefragt werden“

  1. Ich stimme zu, dass dieses Gebiet von „gefolterten Männern“ noch in der Tabuzone weilt. Ich glaube jedoch nicht, dass es gewollt tabuisiert ist. Bei den Peitschenhieben in Saudi Arabien und dem Hängen im Iran ist es durchaus ein Thema. Das Tabu, dass ich hier, wie auch bei Gewalt an Frauen und Kindern erkennen kann, ist die gnadenlose Brutalität der Täter. Ohne Gnade, Einfühlung oder irgend etwas Empathie. Diese Unmenschlichkeit. Und das mach Angst. Und was Angst macht, wird gerne verdrängt. Und was verdrängt wird macht Angst. Deshalb das Schweigen und Wegsehen. Aber es tut sich langsam was.

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