Don Alphonso verliert die Distanz der Kunstfigur

Seit langer Zeit lese ich Artikel von Don Alphonso. Früher bei faz.net, heute bei welt.de. Auch auf Twitter folge ich ihm.

Don Alphonso ist ein Meister der spitzen Feder, gleichzeitig distanziert und treffsicher. Zur Wahrung der Distanz ist es hilfreich als Kunstfigur zu schreiben. Die Sicht des privilegierten Adligen und Immobilienbesitzers ermöglicht ihm Gedanken weit außerhalb des Erfahrungshorizonts anderer Journalisten zu formulieren.

In letzter Zeit scheint Don Alphonso aber seine Distanz zu verlieren und dünnhäutiger zu werden. Er fällt aus dem Rahmen der Kunstfigur und wird direkter.

Ich vermute, diese Veränderung hat ihre Ursache in der immer offensichtlicher zutage tretenden Resistenz der omnipräsenten Moralapostel gegen Argumente – bei gleichzeitiger Verweigerung einer sachlichen Diskussion.

@MichaWollny: Rechtspopulistische Trollerei, die ökologische Vernunft im Grundsatz verhöhnt, weil die Grüne @KathaSchulze nicht durch den Atlantik in die USA geschwommen ist, um sich dort zur Belohnung Speiseeis in die offene Hand schaufeln zu lassen. Social Media verdichtet die Armseligkeit.

@Marco_Fechner: Toll, wie viele Leute aus dem @_donalphonso- und @CSU-Umfeld plötzlich Notwendigkeiten und Möglichkeiten zur Verringerung von Verkehrsemissionen durchdeklinieren können, wenn @KathaSchulze und @cem_oezdemir in Flugzeuge steigen. Das bringt völlig neue Perspektiven in die Debatte

Das scheint auch am Don nicht spurlos vorüber zu gehen. Man spürt den Frust des Menschen hinter der Kunstfigur.

@_donalphonso: Medienleute, die Kritik an Politikern mit Doppelmoral diskreditieren – das kenne ich noch aus schwärzesten CSU-Zeiten unter Strauss von der Passauer Neuen Presse.

Greift Don Alphonso die Doppelmoral der Grünen-Politikern Katharina Schulze (Thread) an, indem er ihr Flugverhalten ihrem Engagement gegen CO2-Emissionen und gegen die Erweiterung des Münchner Flughafens gegenüberstellt, sieht er sich neuerdings gezwungen sein eigenes Verhalten dem von Schulze gegenüberzustellen (Thread).

@_donalphonso: Ich muss vielleicht grundsätzlich etwas loswerden: Ich leiste mir nicht den Luxus von Fernreisen, obwohl ich könnte. Ich leiste mir den Luxus – und es ist wirklich nicht billig – eines naturschonenden Lebensstils.

Das ist verlockend, denn sein Mobilitätsverhalten ist, gemessen an grünen Maßstäben, tatsächlich klimafreundlicher als das von Katharina Schulze. Aber Don Alphonso begibt sich damit selbst – unnötigerweise – auf das Argumentationsniveau der Moralapostel.

Damit macht er sich angreifbar, wenn sein Verhalten vom moralisch reinen Verhalten, das andere fordern, abweicht. Von der Kunstfigur bleibt nichts übrig.

Darauf könnte Don Alphonso gut verzichten. Er ist schließlich nicht derjenige der Wasser predigt und Wein trinkt – das ist Katharina Schulze.

Schon die Art der Bloßstellung der Doppelmoral hat nichts von den ausschweifenden FAZ-Blog-Artikeln mit ihren subtilen Seitenhieben. Don Alphonso nutzt stattdessen Twitter, um Schlag auf Schlag zu argumentieren.

Wird er dann – ohne mit Argumenten auf die bloßgestellte Doppelmoral einzugehen – persönlich angegriffen, reagiert er dünnhäutig und verteidigt sich.

Ich habe dafür volles Verständnis. Zu offensichtlich tritt auch hier die Doppelmoral unserer selbsternannten Öko-Elite zutage. Zu offensichtlich ist auch die Parteilichkeit unserer Medien, die diese Öko-Elite kuschelweich emotional hochjubeln.

Katharina Schulze protestiert gegen eine fortschrittliche Infrastruktur – nutzt diese Infrastruktur aber zum Privatvergnügen. Sie will gegen den Weltuntergang durch den Klimawandel kämpfen – nutzt aber das klimaschädlichste Verkehrsmittel.

Don Alphonso hat das auf den Punkt gebracht und belegt. Das Bild der protestierenden Katharina Schulze vor dem am Galgen baumelnden Flugzeug ist großartig. Die Sinnlosigkeit, mit grünen Möchtegern-Weltverbesserern in eine Diskussion einzutreten, ist erkennbar, denn sie räumen nicht einmal die einfach zu erkennende Doppelmoral ein. Sie verlegen sich auf persönliche Angriffe.

Sogar ein Profi wie Don Alphonso scheint nicht immun gegen den Impuls zu sein, die Kunstfigur beiseite zu lassen direkt auf das Ziel loszugehen. und sich auf genau die Diskussion einzulassen, deren hypermoralische Grundlage er kritisiert.

Mir gefällt der direkte Don Alphonso besser als der subtile, verschwurbelte, den man manchmal nur schwer versteht. Mein feingeistiger Blog-Kompagnon Horst hingegen mag die Distanz der Kunstfigur.

Egal welchen Stil man wählt – der Weg über Argumente, Daten und Fakten ist nicht erfolgversprechend. Eine Möglichkeit der Hypermoral zu begegnen ist die Doppelmoral der Protagonisten zu entblößen. Wenn ich dem Don einen Rat geben dürfte, wäre es der: Lass dich nicht auf moralische Überlegenheitsspielchen ein.

Nur wer andere im Namen der angeblich guten Sache mit Verboten und Einschränkungen gängeln will, muss sich an seinem eigenen Verhalten messen lassen.

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3 Kommentare zu „Don Alphonso verliert die Distanz der Kunstfigur“

  1. Ich halte (mit wenigen Ausnahmen) nicht viel von ad hominem Attacken.
    Was wuerde Don Alphonso von jemandem halten, der gegen den Sozialstaat ist, aber selbst Hartz4 bezieht? Oder von einem pro-lifer, der selbst keine Kinder will?

    Politiker sollen Gesetze machen, an die sich fast alle, auch ohne Androhung von Strafen, freiwillig halten (d.h. alles, was andere individuell schaedigt). Wenn durch Politik und Gesetze grosse Gruppen von Menschen zu „den Boesen“ deklariert werden, bzw. durch Strafandrohung zu bestimmtem Verhalten gezwungen werden, ist man dem Totalitarismus immer naeher als einer freiheitlichen Gesellschaft in der man „gut und gerne lebt“. Unter den gegenwaertigen Parteien halte ich die Gruenen nicht mal fuer die schlimmsten Uebeltaeter gegen die Freiheit. Die SPD und grosse Teile der CDU sind bei weitem schlimmer.

    Ich kann es dem Fluechtilanten nicht uebel nehmen, wenn er illegal in die BRD kommt und jedes Gesetz ausnutzt um hier zu bleiben und soviel Geld wie moeglich abzuziehen. Der hat keines dieser Gesetze gemacht, keinen der Politiker gewaehlt und hat keinen Einfluss auf die praktische Umsetzung dieser Regeln. Ich unterstuetze sein Individualrecht alles zu tun was ihm nuetzt, bis zu der Grenze, die ihm ein Richter setzt. Es liegt am bundesdeutschen Wahlvieh bestimmte Gesetze zu wollen oder besser ganz viele Gesetze abschaffen zu wollen, die Zwang auf ihn selbst ausueben. Der Bundesmichel regt sich aber lieber auf, nach dem Motto „wenn ich das muss, dann muessen alle anderen auch“, anstatt zu sagen „das Gesetz ist Scheisse und muss abgeschafft werden“.

    Gefällt 1 Person

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