Warum man Menschen wie Ralf Stegner nicht überzeugen kann

Ralf Stegner (SPD) hat einen Twitter Account. Neulich hat er mal wieder eine echte Perle veröffentlicht:

Da geht ein schwieriges+ruppiges Jahr für die Sozialdemokratie. Jetzt müssen wir die politischen Herausforderungen für 2019 entschlossen+selbstbewusst anpacken: Notwendige Weichenstellungen der Sozialpolitik,beim digitalen+ökologischen Umbau der Industrie+ in der Europapolitik!

Der Tweet besteht nur aus leeren Floskeln, er enthält keine einzige konkrete Absicht. Jeder versteht etwas anderes unter „notwendigen Weichenstellungen“.

Kurz: Er ist genau die Art von leerem Geseier mit dem die SPD mich als Wähler verloren hat.

Die Antwort von Nutzer „braves Bürgerlein“ trifft genau meine Gedanken zu Stegners Tweet:

Meine Schwester arbeitet in der Automobilzulieferindustrie. Sie bekommt Existenzangst, wenn Sie (wie auch Merkel in der Neujahrsansprache) den „ökologischen Umbau der Industrie“ ankündigen. Denn mit diesem Umbau ist in Wirklichkeit die Vernichtung ihres Arbeitsplatzes gemeint.

Im Kern geht es darum, dass eine selbsterklärte Elite zu wissen glaubt, was die Zukunft bringt. Diese Überheblichkeit führt zu einer politisch betriebenen Umgestaltung unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft, um sie für die (angenommene) Zukunft vorzubereiten.

Diese Elite nimmt an, dass sich das Zeitalter der Verbrennungsmotoren dem Ende zuneigt. Sie glaubt es besser zu wissen als die Automobilindustrie, also treibt sie diese mit immer neuen Regulierungen vor sich her.

Die Schwäche dieses Ansatzes ist die zentrale, einheitliche Vorgabe, die an Planwirtschaft erinnert.

Tritt die Vorhersage nicht ein, ist die deutsche Automobilindustrie bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren international abgehängt. Die Entwicklungskapazitäten sind abgebaut, das Geld verbrannt, die Arbeitsplätze vernichtet.

Liest Ralf Stegner die Antwort von „braves Bürgerlein“, wird er aber nicht denken: „Da hat er Recht! Als Sozialdemokrat sollte mir das Schicksal dieser Menschen wichtig sein.“

Ralf Stegner ist Teil der selbsternannten Elite, er wird sich denken: „Diese Arbeitsplätze haben doch sowieso keine Zukunft, wir sorgen wenigstens dafür, dass neue Arbeitsplätze entstehen, die zukunftssicher sind“.

Aber welche Kompetenz bei der Vorhersage zukünftiger Entwicklungen sollten ausgerechnet Politiker haben? Welche Vorhersagen für die Zukunft sind jemals eingetroffen? Noch 2001 waren Zukunftsforscher davon überzeugt, dass das Internet keine Zukunft hat.

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da hieß es, dass es im Jahr 2000 kein Erdöl mehr geben wird – gerade rechtzeitig für den bis dahin gestorbenen Wald.

Kann sich noch jemand an das Solar Valley erinnern? Von Politikern als zukunftsfähig ausgerufen, heute praktisch tot. Auch heute glauben Politiker mit planwirtschaftlichen Methoden zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen zu können.

Aber Zukunftsentscheidungen sollte man nicht für alle zentral treffen, sondern dezentral, damit man auf möglichst viele Szenarien vorbereitet ist.

Und wir leben in einem System, dass genau auf diesem Prinzip aufgebaut ist: Marktwirtschaft bedeutet, dass man nicht darauf angewiesen ist, dass jemand die Zukunft vorhersehen kann. Es werden verschiedene Ansätze parallel gefahren, durch verschiedene Marktteilnehmer.

Unsere Eliten sind zu arrogant um das zu erkennen. Sie glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und zentral entscheiden zu können, was gut für uns ist – obwohl die Fakten nicht zu ihren Wunschvorstellungen passen: Allein für die Produktion des Akkus eines E-Autos wird soviel CO2 ausgestoßen wie für 200.000 km in einem Diesel oder Benziner.

Menschen wie Ralf Stegner kann man nicht überzeugen. Ihre Zukunftsvision ist nicht faktenbasiert, sondern ideologisch geprägt. Wer etwa versucht, den Grund für die Diesel-Fahrverbote nachzuvollziehen, stellt fest, dass an jeder unterirdischen U-Bahn-Station mehr Feinstaub und in jeder Wohnung mit Adventskerzen mehr Stickoxide gemessen werden als an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung.

Die Grenzwerte sind wissenschaftlich und medizinisch nicht begründbar, die Messstationen häufig falsch aufgestellt und die Wirksamkeit von Diesel-Fahrverboten ist umstritten.

Die Anhänger dieses Umwelt-Hokuspokus fordern nicht nur Fahrverbote. Ideologen wie Ralf Stegner riskieren die Zukunft des mit Abstand bedeutendsten Industriezweiges Deutschlands.

Die Gefahr ist real, die Sorgen sind berechtigt. VW hat nach Verkündung der neuen EU-Klimaziele im Dezember angekündigt, in Hannover bis zu 3.000 und in Emden bis zu 4.000 Stellen zu streichen. Freuen wir uns auf weitere „notwendige Weichenstellungen“.

4 Kommentare zu „Warum man Menschen wie Ralf Stegner nicht überzeugen kann“

  1. Ich inrerpretiere solche tweets als Zeichen der Korrumption von Eliten. Dies Sache funktioniert meiner Beobachtung überall gleich: Wenn einmal eine Person A in einem Unternehmen eine hohe Position erlangt, für die er eigentlich nicht qualifiziert ist, dann führt das in der Regel dazu, daß A nur solche weiteren Personen B unter sich Karriere machen läßt, die nicht besser qualifiziert oder klüger sind als A selbst. Denn nur wer wie A selbst im Grunde unqualifiziert ist, der wird ein Interesse haben, Strukturen zu erhalten, die es Unqualifizierten erlauben, sich in hohen Positionen zu halten. Alle wirklich Klugen würden sofort den großen Besen rausholen und die Idioten aus der Führungsetage rauskegeln. Die Folge ist, daß mit der ersten unqualifizierten Führungsperson die wirklich Klugen abzuwandern beginnen, weil sie das Unheil kommen sehen. Der Schaden multipliziert sich folglich noch bevor der eine aufgestiegene Idiot die Chance hatte, sein volles Schädigungspotential zu entfalten und zwar auch dann, wenn man eigentlich annehmen sollte, daß ein einzelner Idiot nicht so verheerend werden kann.

    Dasselbe Prinzip sieht man übrigens auch in der Politk, wo Schröder und Merkel diejenige Lohnzurückhaltungspolitik gemacht haben, welche dazu führte, daß wir über die gesunkenen Lohnstückkosten zwar Exportweltmeister wurden, aber EU-weit im Grunde wegen des überall gültigen Euros nichts anderes gemacht haben, als die dt. Arbeitslosigkeit zu exportieren. Auch die Katastrophe Griechenland geht im Grunde auf das Konto der dt. Regierungen, die volkswirtschaftlich extrem dumm agiert haben und agieren – und die anderen EU-Ländern wissen das ganz genau. Es kommt daher meiner Ansicht nach weder auf das Thema oder das Sachgebiet an. Worum es geht, ist eine Dynamik innerhalb von Hierarchien.

    Auch die Frauenquoten lassen sich so interpetieren: Sie tun mehr als nur Frauen zu fördern. Sie vertreiben nämlich die eigentlichen Leistungsträger.

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  2. Ich habe da keine Hoffnungen. Das geht weiter bis zum totalen Untergang. Die UdSSR hat wenigstens aufgegeben, als die Bevoelkerung nicht mehr mitspielte. In Venzuela wird das eigene Verhungern eisern mit Waffen verteidigt.

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