Von Bullshit-Jobs und Weltverbesserern

In der Kategorie „Technology Review“ berichtet Nils Boeing bei Heise Online über den Anthropologen David Graeber.

Anthropologe: „Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist.“

Mit dieser steilen Behauptung macht der Artikel auf. Um die Aussage prüfen zu können wird ein Bewertungskriterium für „nützlich“ benötigt. Weder in der Überschrift noch im Rest des Artikels wird ein solches Bewertungskriterium angeboten. Damit ist diese Aussage so provokant wie nutzlos.

Diese Aussage ist nichts weiter als ein moralinsaures Totschlagargument, deshalb werde ich sie auseinander nehmen und widerlegen. Das ist wichtig, weil es ein typisches Pseudo-Gerechtigkeitsargument ist, das auf den ersten Blick emotional verfängt, sich bei genauerem Hinsehen aber als totalitär und ungerecht herausstellt.

Denn wie bewertet man die Nützlichkeit von Jobs? Ist ein Feuerwehrmann nützlich wenn ein Haus brennt? Ist er auch nützlich wenn er Bereitschaft hat, aber nichts brennt? Ist ein Pfarrer nützlich? Während er eine Predigt hält? Ist er nützlich, wenn sich jemand mit Selbstmordgedanken an ihn wendet?

Ist ein Streetworker nützlich? Ist er nützlich wenn er versucht Gewalttäter auf den rechten Weg zurückzuholen? Ist er nützlich, wenn ihm das bei einem Gewalttäter pro Monat gelingt?

Die Beispiele zeigen, worauf „nützlich“ letztlich hinausläuft: Auf den Wert, den andere einer Arbeit beimessen.

Der Streetworker verhindert zukünftige Opfer. Man könnte sagen, dass er damit „nützlich“ ist. Aber das ist für eine Bewertung noch nicht ausreichend: Es geht auch um den Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.

Denn ein Polizist verhindert mit seiner Tätigkeit ebenfalls zukünftige Opfer. Wie viele Gewalttaten verhindert der Polizist? Zu welchen Kosten?

Bürger könnten durch Verhaltensänderungen auch besonders von Gewalt betroffene Bereiche zu vermeiden. Was ist es den Bürgern wert, ihr Verhalten nicht umstellen zu müssen?

Es wird deutlich: Es ist manchmal nicht so einfach den Nutzen einer Tätigkeit zu bewerten. Man benötigt Informationen über die Ergebnisse der Tätigkeit. Anschließend muss der individuelle Wert ermittelt werden, den andere bereit sind für diese Tätigkeit zu bezahlen. Ist der Preis höher als der Wert, den andere bereit sind zu zahlen, kann es sein, dass eine Tätigkeit trotz positiver Ergebnisse nicht nachgefragt wird.

Der Wert, den andere der Arbeit eines Streetworkers beimessen ist ebenfalls nur sehr schwer auszudrücken.

Das macht diese Denkweise von der angeblich schlechten Bezahlung nützlicher Jobs so totalitär: Die Nützlichkeit, gemessen als Wert einer Tätigkeit, legen die Nachfrager fest und nicht irgendein Anthropologe.

Das mag bei einem Streetworker schwerer zu erkennen sein als bei einem Handwerker, aber indirekt über Wahlen, Regierung und Verwaltung legen eben die Bürger fest welche Arbeit ihnen welchen Betrag wert ist.

Bei einem privat beauftragten Handwerker kann man sehen wie gut das funktioniert. Gibt es zu wenige Handwerker steigt der Preis, diese Arbeit wird attraktiver und es gibt mittelfristig mehr Handwerker. Steigt der Preis zu stark, werden manche Tätigkeiten nicht mehr nachgefragt. Da bleiben die alten Fliesen eben noch drei Jahre und werden nicht durch neue ersetzt. Oder man verlegt die Fliesen selbst.

Das gilt auch für Pflegekräfte und Kindergärtnerinnen: Werden die Preise zu hoch oder die Qualität zu schlecht, werden manche ihren Großvater zu Hause pflegen und die Kinder daheim betreuen. Der Wert den andere einer Arbeit beimessen hat eben auch etwas mit der Ersetzbarkeit zu tun.

Legen totalitäre Technokraten den Wert einer Arbeit fest nennt man das Planwirtschaft. (Auch) wegen der auftretenden Fehlanreize funktioniert Planwirtschaft nicht.

Die „Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist“ ist eben nichts weiter als eine moralische Anklage gegen alle Menschen, die bestimmten Arbeiten bestimmte Werte beimessen, die ein elitärer Anthropologe für unangemessen hält.

Man könnte die Nützlichkeit eines Jobs auch nach seinem finanziellen Beitrag zur Gesellschaft bewerten, also nach gezahlten Steuern.

Damit wird die ganze Absurdität der Aussage deutlich: Egal wie für wie wenig nützlich der Anthropologe einen Job persönlich hält, der gesellschaftliche Nutzen wird durch die Höhe der Steuern wesentlich bestimmt.

David Graeber, einer der Köpfe der Occupy-Bewegung, sieht eine sinnentleerte neue Arbeitswelt – und fordert das bedingungslose Grundeinkommen.

Wie unerwartet: Irgendjemand fordert irgendwelche Leistungen von anderen und kommt damit in große Medien. In diesem Fall verhilft ihm Autor Nils Boeing dazu.

„Es ist offensichtlich, dass die Herstellung von Gütern produktiver und effizienter wird, wenn sie digitalisiert wird. Dann brauchen Sie weniger Mitarbeiter“, so der Forscher in einem Interview mit Technology Review.

Der „Forscher“ wirft mit Weisheiten um sich. Belege liefert er nicht. Ja, die Herstellung von Gütern wird produktiver und effizienter. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass weniger Mitarbeiter an der Herstellung eines Gutes beteiligt sind als früher.

Wenn sich die Eigenschaften eines Produktes von heute von denen in der Vergangenheit unterscheiden, kann dies den Produktivitätsgewinn aufheben oder zumindest abfedern.

Beispielsweise könnte jeder Arbeitsgang für ein Werkstück für sich weniger Personal benötigen, weil er immer weiter automatisiert wurde, aber insgesamt wird das gleiche Personal benötigt, weil es mehr Arbeitsgänge gibt.

Ein Auto ist heute wesentlich komplexer aufgebaut und bietet mehr Funktionen als früher. Diese Funktionen finden sich in zusätzlichen (elektronischen) Bauteilen, die es früher nicht gab. Früher gab es auch keinen Katalysator. Heute gibt es einen zusätzlichen Arbeitsschritt um ihn einzubauen.

Auch diese Aussage David Graebers erweist sich also als reine Luftblase.

Noch deutlicher wird das wenn man betrachtet, wie sich die Wertschöpfung von der Produktion zur Entwicklung verschoben hat. Heute ist der Entwicklungsaufwand viel größer als früher, Produktivitätsgewinne in der Produktion werden also durch mehr Beschäftigte in der Entwicklung ausgeglichen oder zumindest abgemildert.

1993 gab der Volkswagen-Konzern für Forschung und Entwicklung 2,9 Milliarden DM aus, das waren 3,8 Prozent vom Umsatz. 13.278 von 253.108 Beschäftigen waren in der Entwicklung tätig, das waren 5,2 Prozent (alle Zahlen aus dem Geschäftsbericht 1993 auf Seite 15).

2016 gab der Volkswagen-Konzern 7,3 Prozent seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus, 2017 waren es 6,7 Prozent. 7,7 Prozent der Belegschaft waren 2017 im Bereich Forschung und Entwicklung tätig.

Höhere Produktqualität und größere Funktionalität gleichen also Produktivitätsgewinne in der Produktion zumindest teilweise aus. Zusätzlich steigt der Anteil der Beschäftigten, die in der Forschung und Entwicklung arbeiten. Das gleicht weitere Produktivitätsgewinne in der Produktion aus.

David Graeber ist einer der „Köpfe der Occupy-Bewegung“, dieser Kopf scheint mir aber nicht viel zu leisten, zumindest sind seine im Artikel erwähnten Aussagen platt, pauschal und undifferenziert – und damit falsch. Es sind keine wissenschaftlich fundierten Aussagen sondern Plattitüden, für die man keine zwei Minuten nachzudenken braucht.

Um aus diesen Aussagen – die auf sandigem Boden stehen – ohne weitere Begründungen die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen abzuleiten braucht es ebenfalls nur Sekunden. Nachdenken wäre da nur hinderlich.

Das aber habe nicht zu sinkenden Beschäftigungszahlen geführt, sondern zur Ausweitung bei administrativen Jobs und Managertätigkeiten.

Das mag stimmen oder auch nicht, belegt wird es im Artikel jedenfalls nicht.

Ich habe alternative Erklärungen für die nicht sinkenden Beschäftigungszahlen angeboten und beispielhaft Zahlen dazu geliefert.

Dass in einer Marktwirtschaft ausgerechnet nur administrative Jobs und Managertätigkeiten anwachsen halte ich für unwahrscheinlich. Jede Ausgabe, die im Ergebnis nicht zu mehr Umsatz führt, macht ein Unternehmen weniger wettbewerbsfähig.

Wettbewerber, die diese Ausgaben nicht haben, können gleichwertige Produkte billiger anbieten. Investieren sie das eingesparte Geld in bessere Produkte haben sie mit besseren Produkten eine Wettbewerbsvorteil.

Eine funktionierende Marktwirtschaft führt zu Effizienz. Davon gibt es zeitliche und regionale Ausnahmen, im Großen und Ganzen aber führt der Wettbewerb zu effizienten Strukturen, weil ineffiziente Strukturen vom Markt verschwinden.

Die Aussagen Graebers deuten darauf hin, dass er keine Vorstellung davon hat, wie Unternehmen in einer Marktwirtschaft funktionieren. Sie passen eher zu staatlichen Regulierungen, die administrative Bullshit-Jobs in Unternehmen vorschreiben, etwa Compliance- oder Gleichstellungsbeauftragte.

Graebers Aussagen passen zu Institution, die nicht den Bedingungen der Marktwirtschaft unterliegen, wie staatliche Verwaltungen, Universitäten oder das Gesundheitssystem. Graeber scheint seinen eigenen beschränkten Erfahrungshorizont zu wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzupusten.

Viele davon seien jedoch Bullshit-Jobs. „Das ist ein Job, von dem die Leute, die ihn machen, glauben: Wenn es diesen Job nicht gäbe, würde dies nicht auffallen, würden die Dinge sogar ein wenig besser“, sagt Graeber.

Auch diese Aussage scheint mir eher auf den beschränkten Erfahrungshorizont Graebers zurückzuführen zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen Graebers Job für einen Bullshit-Job halten und denken, dass es „nicht auffallen“ würde oder „die Dinge sogar ein wenig besser“ werden würden, wenn es Graebers Job nicht gäbe.

Ich glaube jedenfalls, dass „die Dinge“ sogar deutlich besser werden würden, wenn Besserwisser, die die Grundfesten unserer Gesellschaft zerstören wollen, nicht noch einen von der Gesellschaft finanzierten Bullshit-Job hätten.

„Mir schrieb jemand, dass er 15 Jahre bei einer Bank als Effizienzexperte gearbeitet hat. Seine Aufgabe war herauszufinden, wie man überflüssige Stellen loswerden kann. Er fand heraus, dass 80 Prozent aller Arbeitsplätze in der Bank ohne Weiteres gestrichen werden können. Aber die Bank hat seine Vorschläge nie angenommen. Immer wenn er einen Vorschlag machte, bedeutete das, dass irgendwelche Manager einen Teil des Teams verlieren würden, das sie so wichtig erscheinen lässt. Also haben sie den Vorschlag blockiert. Der Mann hat irgendwann gemerkt, dass er nur da ist, damit die Bank behaupten kann, es würde sich jemand um die Unternehmenseffizienz kümmern.“

Selbst wenn man davon ausgeht, dass David Graeber diese Geschichte nicht einfach frei erfunden hat: Kommt ihm diese Geschichte nicht selbst völlig unglaubhaft vor? Ist er nie auf den Gedanken gekommen, dass ihm da ein Wichtigtuer einen Bären aufgebunden hat?

Man merkt sehr deutlich, dass David Graeber als „Ethnologe und Publizist, der anarchistische Positionen vertritt“, offensichtlich über keine Qualifikationen verfügt, solche Aussagen zu bewerten. Dass ein Ethnologe eine Stelle an der London School of Economics bekommt, lässt viel über die Qualität dieser Institution vermuten.

Man muss sich einmal vorstellen, über welchen Kostenvorteil ein Wettbewerber verfügen würde, der diese 80 Prozent Bullshit-Jobs nicht hat.

Selbst wenn ein Konkurrent nur zehn Prozent dieses Vorteils ausnutzen würde, würde dieses Unternehmen seine Eigentümer sehr glücklich machen. Mehr Gewinn.

Die Eigentümer der ineffizienteren Banken würden sofort bei ihren Vorständen durchsetzen, dass sie ebenfalls die Effizienz steigern. Eine Effizienzsteigerungsspirale wäre die Folge.

Und, möchte ich David Graeber zurufen, genau das passiert jeden Tag, ganz ohne aufgebundenen 80-Prozent-Bären: Manager pressen das letzte aus ihren Mitarbeitern heraus. Jeden Tag aufs neue. Wenn das mal nichts mehr bringt, werden die Manager ausgetauscht oder externe „Consultants“ dazu geholt.

David Graeber hat keine Ahnung, wie Unternehmen im Wettbewerb funktionieren. Er scheint solche Bedingungen nicht selbst zu kennen, nicht einmal vom Hörensagen.

Er erscheint mir Teil einer wohlhabenden, besserwisserischen, völlig abgehobenen Elite zu sein, die noch nie im Wettbewerb gearbeitet hat.

David Graeber ist der mit dem überflüssigen Bullshit-Job.

Die Ursache liegt für Graeber in einer „finanzialisierten Wirtschaft“, also im Übergewicht des Finanzwesens gegenüber der Produktion von Gütern. „Wenn Sie Unternehmen wie ExxonMobil oder JP Morgan Chase betrachten, machen diese Riesen ihre Profite, indem sie sogenannte regulierte Renten beziehen, über Steuererleichterungen oder die Finanzmärkte.

Kaum geht es um Belege für David Graebers Behauptungen wird es nebulös. Dass es bei JP Morgan Chase ein „Übergewicht des Finanzwesens“ gegenüber Produkten und Gütern gibt ist verständlich, schließlich handelt es sich um eine Bank.

Bei ExxonMobil hingegen würde ich erwarten, dass die in erster Linie Erdöl fördern. Schaue ich mir einen Quartalsbericht an,  lese ich von Fördermengen und Erkundung neuer Ressourcen.

Inwiefern „regulierte Renten“ und „Steuererleichterungen oder die Finanzmärkte“ Bullshit-Jobs erklären, wird nicht erläutert. Auch eine Erklärung dafür, warum unproduktive Jobs nicht in erster Linie das Problem der Eigentümer dieser Firmen sind, gibt er nicht. Schließlich zahlen die Eigentümer die Gehälter und erhalten keine für sie nützliche Gegenleistung dafür.

Die Regierungen setzen die Rahmenbedingungen dafür. Und wenn so viel Geld zirkuliert, ist Effizienz eine schlechte Idee.“

Das ist doch nur krudes Gelaber. David Graeber behauptet einfach irgendwas. Es ist kein Zusammenhang zwischen den Teilaussagen erkennbar. Wo Geld zirkuliert ist Effizienz eine schlechte Idee? Müsste man diesen Zusammenhang nicht wenigstens erläutern? Mit der Forderung nach Belegen wage ich gar nicht erst anzufangen. Ist so ein Bullshit an der London School of Economics Standard?

Man mag es kaum glauben. Wikipedia:

Die London School of Economics and Political Science (auch bekannt als London School of Economics oder abgekürzt LSE) ist eine 1895 gegründete staatliche Universität in London, Vereinigtes Königreich. Sie gilt vor allem in den Bereichen Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften als eine der forschungsstärksten, selektivsten und angesehensten Universitäten der Welt. Ein Viertel aller bisher vergebenen Nobelpreise in Wirtschaftswissenschaften entfallen auf Preisträger, die mit der LSE in Verbindung stehen.

Was hat ein Schwafler wie Graeber dort verloren? Ist die LSE inzwischen ebenso links-ideologisiert wie viele andere Universitäten in der westlichen Welt?

Für Graeber liegt die Lösung daher im bedingungslosen Grundeinkommen. „Ein Riesenproblem ist ja, dass Menschen umso weniger verdienen, je nützlicher ihr Job ist. Wenn Menschen nicht mehr gezwungen sein sollen, Bullshit-Jobs anzunehmen, sehe ich nur eine Lösung: ihnen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu zahlen.“

Ist David Graeber schon mal auf die Idee gekommen, dass viele aus gesellschaftlicher Sicht nützliche Jobs die anstrengenden, unattraktiven und gefährlichen Jobs sind? Altenpfleger, Soldat, Straßenfeger, KFZ-Mechaniker, Maurer, Polizist, Koch, Putzkraft, Krankenschwester, Müllfahrer, Bauer, Feuerwehrmann und Kanalarbeiter.

Mit anderen Worten: Gäbe es ein bedingungsloses Grundeinkommen, wären das die ersten Jobs, die keiner mehr machen würde.

Das sind triviale Überlegungen, was treibt David Graeber den ganzen Tag, dass er darauf nicht selbst kommt?

Fazit

Warum spricht David Graeber gesellschaftlich finanzierte Bullshit-Jobs nicht an? Fallen ihm in der staatlichen Verwaltung, an den Universitäten, im Gesundheitswesen oder beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine Jobs ein, bei denen niemand bemerken würde, wenn sie weg wären?

Diese Beschränkung auf böse kapitalistische Firmen – besonders hebt er eine Bank und eine Erdölfirma hervor – wirkt auf mich, als würde David Graeber die Welt durch eine Ideologiebrille sehen, die nur ein Zerrbild der Wirklichkeit zeigt.

Es gibt Bullshit-Jobs, zweifelsfrei. Es gibt sie in Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung und Universitäten. Sie verringern die Effizienz der Arbeit. Die Preise für die Produkte und Leistungen steigen dadurch. Der Kunde zahlt.

Aber die Marktwirtschaft ist nicht die Ursache, sie wirkt der Ineffizienz entgegen. Der effizientere Marktteilnehmer setzt sich durch, der ineffiziente verschwindet vom Markt. Als Lösung ausgerechnet das bedingungslose Grundeinkommen, also die Aushebelung des Marktes zu propagieren ist absurd.

David Graeber ist nur ein weiterer Besserwisser in einer langen Reihe von Möchtegern-Gesellschaftsverbesserern, deren Ideen schon kurzem Nachdenken nicht standhalten.

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8 Kommentare zu „Von Bullshit-Jobs und Weltverbesserern“

  1. Ich habe den Eindruck, dir würden die Bücher von Nassim Taleb gefallen.

    Der würde z.B. keinen Widerspruch sehen zwischen „Graeber“ und „angesehene Wirtschaftsfakultät“

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  2. Zur Bewertung der „Nützlichkeit“ biete ich einen anderen Ansatz:
    Was sind die primären Bedürfnisse der Menschen? Ich sehe hier Folgende:
    1. Essen + Trinken
    2. Kleidung
    3. Unterschlupf/Wohnen
    Wer sich in diesem Umfeld beruflich betätigt ist „nützlich“, alles andere ist Deko.

    Und wie sieht es nun mit deren Verdienst aus?

    das Landwirte wirklich gut verdienen gibt es nur im Einzelfall, in der Regel verdienen die lausig
    einige „Modeschöpfer“ schwimmen zwar in Geld, aber die Schneider, die Näherinnen, die Schuster usw. usf. sind definitiv nicht überbezahlt
    Als Bergarbeiter, Holzfäller, Maurer, Zementmischer, Zimmerer etc. kann man schon Geld verdienen, aber jede Genderprofessorin bekommt das Doppelte;-(.

    Mit dieser Sichtweise auf die „Nützlichkeit“ kann man schon festhalten, dass die Löhne in den wirklich wichtigen Berufen nicht allzu hoch sind.

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    1. Die Bewertung der „Nützlichkeit“ eines Jobs anhand der primären Bedürfnisse der Menschen ist eine weitere Möglichkeit.

      Mir fällt aber die Abgrenzung schwer: Der Bauer benötigt einen Traktor. Der muss entwickelt und gebaut werden. Er benötigt Diesel, das muss gefördert und raffiniert werden. Sind damit die Traktor-Entwickler, die Traktor-Monteure, die Ölarbeiter und die Arbeiter in der Raffinerie genauso wichtig wie der Bauer?

      Der Bauer kann mehr arbeiten, wenn er seine Kinder nicht selbst unterrichten muss und er nicht selbst die Fliesen verlegen muss. Ist der Lehrer der Kinder und der Fliesenleger jetzt weniger wichtig als diejenigen, die den Traktor bauen? Sie steigern ebenfalls die Produktivität des Bauern – wie der Traktor. Wie auch der Polizist.

      Wo will man die Grenze ziehen? Wir leben in einer arbeitsteiligen Welt. Der Bauer produziert ja nur deswegen viel mehr Lebensmittel als er mit seiner Familie zum Leben braucht, weil er eben auch ein Handy haben will, ein Auto, ein modernes Bad, einen schönen Urlaub. Er will, dass es seine Familie „gut hat“. Ohne solche Anreize hätte er doch gar keine Motivation so viele andere Menschen zu ernähren.

      Es gibt ein kompliziertes Netz von Lieferketten, von denen auch diejenigen profitieren, die menschliche Primärbedürfnisse befriedigen. Nur deswegen sind die bereit die Primärbedürfnisse anderer zu befriedigen. Bewertet wird der jeweilige Beitrag durch den Preis, den andere bereit sind zu zahlen.

      Ja, man kann es moralisch unfair finden, dass der „Modeschöpfer“ mehr Geld verdient als die Näherin. Aber dieses Ungleichgewicht ist das Resultat millionenfacher freiwilliger Entscheidungen. In diesem Sinne ist es fair, die Nützlichkeit nach den Preis zu werten, den andere einer Arbeit beimessen.

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  3. Ich habe selbst an der London School of Economics studiert. Es ist in der Tat so, dass es einen gewaltigen Linkdrall gibt. Dieser wurde zwischenzeitlich nur noch staerker, wie ich bei einem kurzen Besuch auf dem Campus vor zwei Jahren merken musste. (Obendrauf hat die LSE eine linke Tradition, cf. Fabian Society.) Man muss aber auch sagen, dass es eine mentale Kluft zwischen den mathematisch anspruchsvolleren und den Laberfaechern gibt. Aber auch da muss man aufpassen, denn selbst im Fach Economics koennen die Studenten den Anspruch etwas nach unten schrauben und weniger mathematische Module belegen.

    Das Elitengelaber von der Wikipedia bezieht sich auf die Forschung. Was die Studentenschaft angeht, ist die Uni bestrebt, auf Biegen und Brechen die Zahl der Studenten zu erhoehen, was Blueten traegt, wie zig Studengaenge, vor allem im Master-Bereich, mit aehnlichem Nahmen anzubieten, womit man zumindest statistisch behaupten kann, dass diese Studiengaenge klein und selektiv sind. Das sieht man sehr schoen hier: http://www.lse.ac.uk/study-at-lse/Graduate/Available-programmes. Die Studenten bewerben sich nun also nicht nur auf bspw. den MSc in Statistics, sondern auf alle angebotenen Statistikprogramme. Das machen andere Eliteunis nicht anders, manchmal sogar noch kruder. Man denke nur an die „beste Business School der Welt“, Harvard Business School, die pro Jahr 1,000 Studenten einschreibt.

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  4. Ich breche hier eine Lanze für David Graeber, weil ich sein Buch „Bullshitjobs“ gelesen habe.
    So unrecht hat er leider nicht.
    Erstens: Unter „nützliche“ Jobs muss man verstehen, dass mit diesen Geld erwirtschaftet wird. Solche Arbeiter werden ausgepresst wie eine Zitrone und gehörig unter Druck gesetzt. Das können Monteure, Pflegepersonal für Heimpflege, Putzpersonal, Programmierer und viele mehr sein.
    Mit diesem Geld werden dann all die Bullshitjobs finanziert. Kaizenmanager, diverses Beraterpersonal, Diversitymanager, und andere Lustigkeiten mehr. Solche Jobs können praktisch nur im Büro entstehen.
    Zweitens: Banken und auch Stifzungen oder NGO’s sind auch in Graebers Buch erwähnt. Wo viel Geld fliesst muss man ineffektive Systeme aufstellen. So können viele Gebühren erhoben werden. Das freut die Aktionäre und Manager solcher Institutionen. Schliesslich soll Geld verdient werden.

    In diesem Buch werden fünf verschiedene Arten Bullshitjobs vorgestellt:
    1 -Lakaien: je mehr Lakaien ein Manager unter sich hat, desto wichtiger ist er.
    2 – Schläger oder Drücker: Das können Telefonwerber sein oder Werbefachleute, die Unnützes an den Mann bringen wollen.
    3 -Flickschuster oder Frickler: Hier bin ich mit Gräber absolut nicht einig! Frickler sind Leute, die z.B. ein SAP-System, Datenbanklösung oder ein Websystem für eine Firma anpassen. Die Alternative dazu wäre, jede Firma müsste das Rad neu erfinden und implementieren.
    4 -Kästchenkreuzer: einfach gesagt sind das berufliche Formularausfüller.
    5 – Aufgabenverteiler: Der Typ A bekommt die Aufgaben vom Chef und verteilt sie weiter. Der Typ B schafft neue Bullshitjobs für andere.

    Soweit so gut in diesem Buch. Jedenfalls muss eine Firma höllisch aufpassen, dass sich solche Bullshitjobber nicht von selbst einschleichen. Davon wird in Graebers Buch nichts erwähnt. Aber ab einer Grösse ab 10-15 Mitarbeitern versucht sich ein Nichtstuer in die Firma einzunisten. Selber schon erlebt, und das in der Privatwirtschaft! Der Mutierte dann zum Aufgabenverteiler Typ B.

    Was mir an Graebers Buch gar nicht gefallen hat, ist sein feministischer Ansatz. Frauen müssen den Bullshit ,den die männlichen Kollegen erzeugen, ausbügeln. Ebenso geben fast 40% der Männer zu, dass sie einen Bullshitjob tätigen. Bei den Frauen sind es jedoch fast 30%.
    Da aber Frauen in der Privatwirtschaft hauptsächlich Büroarbeiten erledigen, müssten der Anteil höher liegen, so meine Vermutung.

    Der Ablöscher war für mich der Schluss des Buches. Ausgerechnet der Bullshitjob-Generator Nr.1, der Staat, soll mit dem BGE diesen Wahnsinn austreiben. Das klappte beim Kommunismus ebenfalls nicht. Das Ziel des Kommunismuses war, ein selbstregulierendes System zu schaffen, so dass der Staat als solches mitsamt der Bürokratie sich selbst überflüssig machen und in Wohlgefallen auflösen sollte.
    Dasselbe hofft Graeber natürlich mit den Bullshitjobs. Aber so wie ich das Staatswesen im Allgemeinen einschätze, würde das BGE ein bürokratisches Monster um seiner Willen erschaffen und der Staat zum Superpatriarchat mutieren.

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    1. Den feministischen Ansatz habe ich noch staerker herausgelesen. Zumindest in der Englischen Ausgabe steht die Behauptung, dass ohne Frauen nichts liefe, daderen maennliche Chefs lt. Graeber World of Warcraft spielen anstelle zu arbeiten.

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