Die feministische Logik des Arbeitsmarkts: Es gibt keine

Detlef Esslinger redet bei sueddeutsche.de die Realität schön. Er meint, es wäre keine schlechte Sache, wenn 25 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung abbrechen.

Die vielen Abbrecher sind eine gute Nachricht

Habe ich gesagt schönreden? Feiern ist wohl die bessere Beschreibung.

Nur wenige Lehrlinge geben damit das Ziel auf, sich ausbilden zu lassen. Statt sich alles gefallen zu lassen, suchen sie bessere Bedingungen.

Detlef Esslingers Horizont scheint bei bei der persönlichen Sicht des Auszubildenden zu enden. Ein Ausbildungsabbruch ist aus seiner Sicht nur schlecht, wenn keine weitere Ausbildung folgt. Abbrecher, die einfach nur „bessere Bedingungen“ suchen sind für ihn in Ordnung.

Auswirkungen auf die Ausbildungsbetriebe, den gesamten Berufsstand oder gar auf die Wirtschaft kann Detlef Esslinger nicht erkennen.

Fast 93 Prozent aller Azubis haben ihre Abschlussprüfung bestanden. Und 68 Prozent wurden danach übernommen, so viele wie noch nie seit der Jahrtausendwende.

Nein, es haben nicht 93 Prozent „aller Azubis“ ihre Abschlussprüfung bestanden, sondern nur 93 Prozent derjenigen, die sie angetreten haben. Ein Viertel hat seine Ausbildung ja vorher abgebrochen.

Für die Ausbildungsbetriebe ist das eine schlechte Nachricht: Sie haben Zeit und Geld in die Ausbildung investiert aber nur gut zwei Drittel der Auszubildenden erreicht dann auch einen Abschluss.

Zu den guten Nachrichten gehört schließlich noch: Jeder vierte Auszubildende bricht seine Lehre ab, Tendenz leicht steigend. Doch, doch, das ist ebenfalls eine gute Nachricht.

Detlef, jetzt bin ich wirklich gespannt, was du an Argumenten vorbringst.

Welchen Beruf jemand erlernen will und welchen Beruf die Gesellschaft einen erlernen lässt…

Dass nicht jeder im Leben das erreicht was er sich vorstellt ist eine Binsenweisheit. Daraus aber ein „welchen Beruf die Gesellschaft einen erlernen lässt“ zu machen ist zu einfach. Schließlich haben ganz unterschiedliche Faktoren Einfluss auf die Berufswahl.

Und viele dieser Faktoren liegen beim Auszubildenden selbst. Etwa seine Bereitschaft zu einer örtlichen Veränderung für einen Ausbildungsplatz, seine persönliche Leistung und Eignung und natürlich auch Markterfordernisse – schließlich bestimmt das die Anzahl der Ausbildungsplätze in einem Beruf.

Das nennt sich „Das Leben.

Ein Ausbilder sucht sich den am Besten geeigneten Bewerber für seine Lehrstelle aus. Das ist völlig normal und sinnvoll.

Genau so wie das sicher auch Detlef Esslinger in seinem Privatleben macht. Wählt er seine Handwerker zufällig aus, oder versucht er Empfehlungen von Freunden zu bekommen, die bereits positive Erfahrungen gemacht haben?

Nach welchen Kriterien sucht sich Detlef Esslinger seinen Arzt aus? Ist ihm seine Kompetenz wichtiger oder dessen Schwierigkeiten bei der Berufswahl?

Die Verantwortung für den schulischen und beruflichen Erfolg eines Jugendlichen liegt in erster Linie bei seinen Eltern und dem Jugendlichen selbst. Hier abstrakt der „Gesellschaft“ die Verantwortung zuzuschreiben ist nicht nur falsch, sondern geht auch an den Problemen – beispielsweise im Bildungssystem – vorbei.

… – das wiederum prägt nicht allein das individuelle Schicksal. Davon hängen auch die Teilhabe- und Machtverhältnisse in der Gesellschaft ab.

Was Arzthelfer, Maurer, Metzger und Versicherungskaufmann mit den „Teilhabe- und Machtverhältnissen in der Gesellschaft“ zu tun haben erschließt sich nicht.

Klingt für mich wie inhaltsleeres, feministisches Geschwurbel.

Allenfalls kann man über die Höhe des Gehalts indirekt auf Teilhabe oder Macht schließen.

Doch diese Chancen [auf einen Ausbildungsplatz] sind nach wie vor sehr ungleich verteilt.

Für Detlef Esslinger geht es um gleiche „Verteilung“ von Chancen auf Ausbildungsplätze. Mir ist nicht klar, was das bedeuten soll.

Soll man es nämlich gut oder weniger gut finden, dass immer noch fast nur Frauen dem Zahnarzt assistieren wollen, im Friseurgewerbe oder im Hotel anfangen, von den Erziehungs- und Pflegeberufen gar nicht erst zu reden?

Warum sollte es Detlef Esslinger überhaupt interessieren, warum „immer noch fast nur Frauen dem Zahnarzt assistieren wollen.“ Es nennt sich „Freiheit„, wenn Menschen den Beruf ergreifen, den sie wollen, Detlef.

Das ist nur für Ideologen ein Problem, die die Gesellschaft zum angeblich (und unbewiesen) Besseren umgestalten wollen. Wie schon Marx und Engels.

Junge Männer hingegen steigen weiter als angehende Kfz-Mechatroniker und Fachinformatiker ein.

Was ist an Kfz-Mechatroniker besser oder schlechter als an Zahnarztassistent? Und wer will das bewerten? Und nach welchen Kriterien?

Detlef Esslinger stellt das einfach so in den Raum, als wäre jedem sofort klar, dass es hier ein Problem gibt.

Frauen wählen ihre Berufe nicht immer freiwillig.

Während Männer in ihrer Berufswahl völlig frei sind. Männer unterliegen keinerlei Zwängen. Mann sein ist klasse.

Das Wissenschaftszentrum Berlin hat in einer Studie herausgefunden, dass männerdominierte Berufe auch deshalb männerdominiert bleiben, weil sie es immer schon waren: Arbeitgeber dort bewerten Bewerbungen von jungen Frauen per se schlechter als die von Männern.

Typisch feministisches Geseier.

Falls die Studie korrekt ist – es kommt „Berlin“ im Namen vor, also sinkt schon einmal die Glaubwürdigkeit -, gibt es vielleicht Gründe für diese Bewertung?

Benötigt man für viele „Männerberufe“ vielleicht überdurchschnittlich häufig körperliche Kraft?

Auf dem Bau? In der Werkstatt? In der Fabrik? Bei der Feuerwehr? Ist das nicht eine mögliche Erklärung? Gibt es also nicht gute Gründe für eine Bevorzugung bestimmter Personen, die in der besseren Befähigung dieser  Personen begründet sind?

Und wie ist das bei Männern in Frauenberufen? Wie wissenschaftlich ist es, nur ein Geschlecht zu untersuchen?

Also fangen die Ersteren in der Klinik an, die Letzteren aber dürfen zu Daimler. Und wo ist wohl mehr Geld zu verdienen? So zementieren Geschlechterklischees die Einkommensverhältnisse.

Detlef Esslinger meint sicher solche falschen Geschlechterklischees wie jenes, dass fast jeder Mann über mehr Körperkraft verfügt als fast jede Frau.

Wenn dein Heim brennt, lieber Detlef Esslinger, möchtest du dann von den besten Feuerwehrleuten oder von den Geschlechter-„gerechtesten“ Feuerwehrleuten gerettet werden?

Die Reduktion der Unterschiede zwischen den Ausbildungen auf das Einkommen und die Unterstellung, dass ausschließlich die Arbeitgeber für die unterschiedlichen Geschlechterquoten verantwortlich wären (und nicht vor allem persönliche Präferenzen) zeigt, wie verblendet Esslinger ist.

Für die Frauen gibt es vielleicht aus einem anderen Grund Anlass zu Optimismus: Ohne sie werden manche Firmen vielleicht bald nicht mehr überleben können. Viele Betriebsinhaber kämpfen ja nicht nur mit dem demografischen Wandel, und es ist auch nicht nur der Trend zum Studium, der die Zahl der infrage kommenden Bewerber und Bewerberinnen weiter reduziert.

Das ist wirklich eine tolle Sache, wenn immer mehr junge Menschen irgendwelche Bullshit-Studiengänge studieren und uns stattdessen Berufe fehlen, die wirklich benötigt werden.

Natürlich ist es schön, wenn jeder persönlich die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten hat. Das bedeutet aber nicht, dass diese Entwicklung aus gesamtwirtschaftlicher Sicht Sinn ergibt.

Ein einziger Bäcker trägt wesentlich mehr zu unserem Wohlstand bei als 100 Genderologen. Ein Maurer mehr als 100 Politikwissenschaftler.

Sondern sie erleben mehr und mehr männliche Kandidaten, die nur mit viel gutem Willen und noch mehr Mühe in ein Berufsleben zu integrieren sind.

Jetzt kommt der blanke Männerhass zum Vorschein. Probleme gibt es nur mit männlichen Kandidaten. Genau, Detlef, wir sollten sie auf der Strecke lassen.

Zahllos sind die Geschichten von Arbeitgebern, die erzählen, dass ihre Azubis nicht auszurechnen vermögen, wie viel Gramm Hefe man für wie viel Kilogramm Teig braucht; dass sie niemals ihre Baseball Cap abnehmen und man mit Pünktlichkeit schon gar nicht zu rechnen braucht.

Es sind natürlich ausschließlich männliche Auszubildende, die zu dumm sind für einfache mathematische Aufgaben. Dafür bedarf es keiner Belege. Es ist jedem Leser klar.

Was muss man für ein Ideologe sein, um das Versagen des deutschen Bildungssystems und die Unfähigkeit vieler Eltern ihre Kinder zu erziehen als Chance für Frauen zu interpretieren?

Unsere Gesellschaft geht den Bach runter und Detlef Esslinger frohlockt?

Er beschreibt die Probleme, aber er merkt nicht, dass wir qualifizierte Menschen in „Männerberufen“ benötigen.

Was machen wir denn, wenn Detlef Esslinger toller Plan, dass Frauen jetzt diese Jobs übernehmen, nicht aufgeht? Beispielsweise, weil die diese Art von Jobs wegen anderer persönlicher Präferenzen seltener anstreben?

In den nächsten Jahren werden manche Arbeitgeber den Fachkräftemangel auch dadurch zu bewältigen versuchen, dass sie selbst solchen jungen Menschen eine Chance geben, die sie bisher ignoriert haben.

Auch das ist keine gute Nachricht. Es bedeutet, dass die Arbeitgeber ihre Anforderungen senken. Sind Detlef Esslinger noch nie Berufseinsteiger aufgefallen, die trotz nur oberflächlich vorhandener Kompetenz eine arrogante Unhöflichkeit an den Tag legen?

Das liegt auch daran, dass die Arbeitgeber heutzutage ihre Standards senken müssen, wenn sie überhaupt noch ausbilden wollen.

Die Investitionen der Arbeitgeber in solche Leute sind natürlich noch größer, weil sie nicht verlässlich sind und man ihnen neben dem fachspezifischen Wissen Benehmen, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Höflichkeit beibringen muss.

Ich halte es nicht für eine gute Nachricht, wenn heutzutage solche Vollversager auch noch hofiert werden. So lernen sie es nie.

Andere werden sich hoffentlich und endlich nicht länger als Herrschaften gerieren, die vermeintlichen Nichtskönnern die Gnade einer Art Ausbildung gewähren – und sich dann wundern, dass die in Massen ihren Vertrag auflösen.

Beim ersten Teil des Satzes dachte ich noch, Detlef Esslinger denkt wie ich und sieht, dass sich viele Jugendliche heutzutage wie Herrschaften gerieren. Aber nein, er meint die teuflischen Arbeitgeber.

Detlef Esslinger kommt über einfachste Schwarz-Weiß-Denke nicht hinaus. Moralisch einwandfreie, unschuldige Arbeitnehmer hier, skrupellose Ausbeuter dort.

Wir sprechen hier von Arbeitgebern, die jungen Menschen ein Ausbildungsverhältnis anbieten.

Die Menschen und Firmen, die ich kenne, die überhaupt noch Ausbildungsplätze anbieten tun dies, weil sie sich gesellschaftlich verantwortlich fühlen oder weil sie die Unterstützung eines Gesellen für ihr kleines Unternehmen benötigen.

Oder es sind größere Firmen, die ebenfalls auf der Suche nach selbst ausgebildetem Nachwuchs sind.

Ich will sagen: Das sind langfristig denkende Menschen, nichts liegt ihnen ferner als kurzfristige Gewinnmaximierung auf Kosten der langfristigen Aussichten für ihr Unternehmen.

Für sie sind das langfristige Investitionen in Humankapital.

Mir ist natürlich klar, dass es auch andere Beispiele gibt. Aber So einfach wie Detlef Esslinger sich die Welt macht, ist sie nicht.

Manchmal haben Berufe auch einfach ein schlechtes Image, Müllfahrer oder Sanitärinstallateur beispielsweise. Manchmal nehmen Jugendliche eine Ausbildung in solchen Berufen an und wechseln dann, sobald sie etwas attraktiveres gefunden haben.

Das kostet nicht nur das ausbildende Unternehmen Geld, es verbaut auch anderen Jugendlichen die Zukunft – nämlich den Bewerbern, die das Unternehmen abgewiesen hat.

Und das hat nichts mit den von Detlef Esslinger angesprochenen „Bedingungen“ zu tun. Nicht jeder Azubi bricht seine Ausbildung aus guten Gründen ab.

Solche Gedanken sind Detlef Esslinger fremd. Wahrscheinlich sind sie nicht schwarz-weiß genug.

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4 Kommentare zu „Die feministische Logik des Arbeitsmarkts: Es gibt keine“

  1. „Sondern sie erleben mehr und mehr männliche Kandidaten, die nur mit viel gutem Willen und noch mehr Mühe in ein Berufsleben zu integrieren sind.“

    Könnte Detlef Esslinger damit afrikanische Migranten meinen? Aber wieso sollten die representativ für alle Männer sein? Außerdem ist es meist so, dass Jugendliche erst auf der Arbeit den Ernst des Lebens lernen. Schule ist zwar auch ernst, aber der Spaß-Faktor ist immer noch ein wenig größer als in der Arbeitswelt.

    Ein wenig offtopic: man sollte mal mehr auf folgende, wahrscheinliche Dynamik aufmerksam werden: Frauen in Führungspositionen stellen bevorzugt Frauen ein und zwar aus den Gründen, die Männern untergeschoben werden. Quoten scheinen mittlerweile übererfüllt zu sein; meinen Beobachtungen im Alltag zufolge, sitzen vor allem in Ämtern mehr Frauen als Männer. Fragt sich, ob Frauen tatsächlich bessere Führungskräfte sind. Den Darstellungen in Film und Fernsehen der letzten ca. 40, 50 Jahre sollte man auf keinen Fall trauen, weil es Tricktechnik, Soundkulisse, Musik und Schauspielerei möglich macht, Frauen und Männer als etwas darzustellen, was sie dann doch nicht sind. Also bleibt eigentlich nur die Beobachtung in der Realität als Forschungsgrundlage.

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    1. Hadmut Danisch hat einmal gefragt, ob jemals etwas besser wurde, weil man den Frauenanteil erhöht hat. Er kam zum selben Ergebnis wie ich: Nichts. Man musste schon froh sein, wenn das vorherige Niveau gehalten werden konnte.

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