Wenn weitere Diskussionen sinnlos sind

Öffentliche politische Diskussionen sind häufig von Schwarz-Weiß-Denken geprägt. Im direkten Gespräch mit anderen Menschen kann man – im Laufe der Diskussion – häufig eine bessere Differenzierung erreichen.

Ein typisches Beispiel mangelnder Differenzierung im aktuellen Diskurs sind Nazi-Vorwürfe und seine nahen Verwandten: Rassismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit oder auch Hasssprache.

Fehlende Differenzierung und Schwarz-Weiß-Denke sind Gift für jede Diskussion, weil sie einen Teilnehmer persönlich diskreditieren und die inhaltlichen Argumente ignorieren.

Warum ich das schreibe? Ich bin auf einen Tweet von Jan Böhmermann gestoßen:

Für diese linksfaschistischen Volksverhetzer ist jeder ein NAZI!

Man muss differenzieren:
Hitler – rechtsradikal
Goebbels – rechtspopulistisch
Göring – national-sozial
Himmler – rechtsextrem
Speer – rechtsliberal
Hess – besorgt ums Vaterland
Eichmann – Verwaltungsangestelllter

Das soll wohl Satire sein.

Jan Böhmermann diskreditiert genau diejenigen, die mehr Differenzierung fordern und damit überhaupt erst eine Diskussion ermöglichen wollen. Damit vergiftet er den öffentlichen Diskurs und weitere Diskussionen sind sinnlos.

Böhmermann verunglimpft mit seinem Tweet nicht nur alle als Nazis, die seine linke Position nicht teilen – schließlich wendet er sich ausdrücklich gegen jegliche Differenzierung.

Für Böhmermann sind auch die Nazis, die sich gegen die fehlende Differenzierung aussprechen. Denn die Differenzierung – so muss man seinen Tweet, indem er ausnahmslos Naziverbrecher des Dritten Reiches aufzählt, verstehen – verharmlost den Nationalsozialismus.

Und Verharmloser des Nationalsozialismus sind selbst Nazis. Wer Böhmermanns politische Position zu 100 Prozent teilt und lediglich Differenzierung einfordert, ist nach dieser Logik ebenfalls ein Nazi.

Was gibt’s da noch zu reden?

Für die undemokratische Selbstgerechtigkeit Linker gibt es keine Grenzen.

Vielen Andersdenkenden geht das inzwischen so auf den Wecker, dass sie ihrerseits auf politische Diskussionen mit Linken dankend verzichten. Man klopft sich nur noch im eigenen Lager auf die Schulter. Die Fronten verhärten sich. Das Pendel schwingt zurück.


Diesen Artikel habe ich gemeinsam mit Horst geschrieben.

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2 Kommentare zu „Wenn weitere Diskussionen sinnlos sind“

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