Wenn eine Frau einen Lebenstraum hinwirft

In meinem Umfeld als Kind und Jugendlicher gab es verschiedene Berufswünsche. Je nach Alter und Gruppe variierte das. Manche Berufswünsche waren realistisch, andere eher unrealistisch.

Ganz normale, alltägliche Berufe waren darunter, von Leuten die bereits als Kind realistische Vorstellungen hatten.

Aber es gab auch Berufe, bei denen jedem schon als Kind klar war, dass es wenig realistisch ist, diese Berufe anzustreben. Astronaut war einer davon.

Ein Klassenkamerad, der mir in Erinnerung geblieben ist, wollte Kampfpilot werden. Fliegen mit Mach 2. Kein Passagierjet. Es musste schon was besonderes sein.

Jedem in meinem Umfeld war klar, dass dies ein sehr schwierig zu erreichendes Berufsziel ist. Auch meinem Klassenkameraden, der diesen Wunsch hatte, war das klar. Und zwar ganz klar. Musste er zwischen Lernen und einer Unternehmung wählen, begründete er öfter mal eine Absage damit, dass er Kampfpilot werden wollte.

Er hatte ein Ziel. Er wusste, dass es nicht einfach werden würde und er war bereit Opfer dafür zu bringen.

Mit den Mädchen habe ich mich eher weniger über Berufsziele unterhalten. Wenn, dann waren die angestrebten Berufe meist andere. Arzt oder Tierarzt waren beispielsweise die, die eine sehr hohe Qualifikation benötigen würden. Astronaut oder Pilot war nicht dabei.

Auch die Mädchen mit solchen Wünschen wussten, dass sie für solche Berufe besonders gute Noten benötigen und haben sich, wenn sie es ernst meinten, dahinter geklemmt.

Der Wert des Erfolges

Wer kennt das nicht, dass ein Erfolg viel süßer schmeckt, wenn der Weg dorthin nicht einfach war?

Ein Erfolg ist viel bedeutsamer, und man weiß ihn viel mehr zu schätzen, wenn man sich durchsetzen musste um das Ziel zu erreichen.

Bekommt etwas hingegen mit wenig Einsatz bedeutet es einem auch weniger.

Traumjob Astronautin

Die Initiative „Die Austronautin“ möchte die erste deutsche Frau ins All schicken. Warum das wichtig ist, erläutert die Initiative wie folgt:

Diese Mission begeistert vor allem junge Mädchen und Frauen für die Raumfahrt, Naturwissenschaften, Mathematik und Technik – und zwar durch eine umfangreiche Bildungs- und Förderstrategie.

Letztlich handelt es sich um die immer gleiche Begründung. Mädchen benötigen Rollenvorbilder. Und natürlich bekommen sie eine spezielle Förderung um ein schwieriges Ziel zu erreichen.

Als ob sie das nötig hätten. Die Mädchen in meiner Jugend, die ein klares Ziel vor Augen hatten, haben mich von den Schulnoten her locker abgehängt. Die benötigten keine „Bildungs- und Förderstrategie“.

Ebenso zentral sind Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS, die wichtige wissenschaftliche Daten erheben sollen. Das Projekt erwartet neue Erkenntnisse zur weiblichen Physiologie und Psychologie. Und auch in den Bereichen Physik, Geowissenschaften und Klimaforschung sind Experimente in Planung.

Offensichtlich ist es der Initiative „Die Astronautin“ dann doch zu peinlich einfach nur zu behaupten, dass es irgendwie wichtig wäre eine deutsche Frau ins All zu schicken.

Es wird extra hervorgehoben, dass die Experimente „zentral“ sind, nur um dann schwammig irgendetwas von „Erkenntnissen zur weiblichen Physiologie und Psychologie“ zu schreiben.

Das reicht der Initiative noch nicht. Offenbar fürchtet sie, dass sie sich lächerlich macht, wenn sie nicht noch was „richtiges wissenschaftliches“ macht. Irgendetwas anderes als nur eine weibliche Nabelschau.

Peinlich finde ich es, dass es dann nur für die Nennung irgendwelcher Fachgebiete in Verbindung mit „in Planung“ reicht. Nicht ein einziges konkretes Experimentierfeld ist benannt. Das bedeutet wohl, als dass die Experimente bestenfalls einen PR-Wert haben werden. Wichtig ist für die Initiative nur, dass eine deutsche Frau ins All kommt.

Ginge es um den wissenschaftlichen Wert der Experimente und die Eignung als Astronaut, würde man den fähigsten und geeignetsten Kandidaten aussuchen. Man würde nicht 50 Prozent der Bevölkerung ausschließen.

Ist es für Frauen schwieriger Astronautin zu werden als für Männer Astronaut?
Nein. Denn die Beurteilung der körperlichen Fitness, wie zum Beispiel dem Zustand des Herz-Kreislaufsystems, erfolgt individuell und die Zielwerte, die die zukünftigen Astronauten in diesem Bereich erreichen müssen, berücksichtigen die physiologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Astronautin muss also die Zielwerte einer Frau, nicht aber die eines Mannes erreichen. Die psychologischen und medizinischen Anforderungen, also der Gesundheitszustand, sind dahingegen für beide Geschlechter identisch. Auch bei den Ausbildungsinhalten wird kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht.

Schwarz auf weiß steht dort: Viele Männer wären körperlich besser geeignet als Frauen, für sie gelten aber höhere Anforderungen.

Unterstellt man, dass eine sehr gute körperliche Fitness für einen Astronauten wichtig ist (sonst wäre sie kein Kriterium), gilt: Männer sind die besseren Astronauten.

Niedrig hängende Früchte

Die Initiative „Die Astronautin“ bietet niedrig hängende Früchte für Frauen an. Die besser geeignete Hälfte der Bevölkerung darf sich an der Auswahl nicht beteiligen. Die Anforderungen wurden speziell für Frauen verringert.

Ich musste jetzt wieder an die Berufswünsche meiner Freunde in meiner Jugend und deren Einsatz dafür denken, als ich las, dass eine Kandidatin der Initiative, Nicola Baumann, nicht mehr mit der Initiative ins All will.

Sie hatte stundenlang Tests am Computer gelöst, in Rollenspielen gezeigt, dass sie teamfähig ist, Blut-, Urin- und Ultraschalluntersuchungen über sich ergehen lassen und erste Parabelflüge in Russland überstanden.

Die Initiative hat Geld für Nicola Baumann in die Auswahl und die Ausbildung investiert. Dieses Geld muss die Initiative nun erneut bei Sponsoren einwerben um die nächste Kandidatin auszubilden. Nicola Baumann schmeißt nicht nur einfach hin, sie schadet den Frauen, die ins All wollen.

„Ich möchte weiterhin Astronautin werden, aber dieser Weg ist einfach nicht der richtige für mich“, sagte Baumann dem SPIEGEL.

Eine bemerkenswerte Aussage. Nicola Baumann hat eine einmal-im-Leben-Chance bekommen – etwas von dem wir als Kinder geträumt haben – und wirft sie weg. Und trotzdem rechnet sie weiterhin damit, dass sich die Gelegenheit schon noch ergeben wird.

Sie glaubt nicht, dass sie sich als Kandidatin für andere Weltraumprojekte disqualifiziert hat, obwohl sie die Initiative, die in sie investiert hat, im Stich gelassen hat. Das finde ich bemerkenswert.

„Die Initiative und ich passen nicht zusammen. Aber es gibt ja zum Glück viele kommerzielle und staatliche Alternativen, und da ich nun schon einmal eine Auswahl bestanden habe und auch das Training bislang sehr gut gelaufen ist, bin ich optimistisch, dass ich den richtigen Weg ins All für mich finden werde.“

Da könnte sie recht haben: Heutzutage werden die kommerziellen und staatlichen „Alternativen“ zumindest eine informelle Frauenquote haben. Als Frau kann sie eine solche Chance wegwerfen und dennoch darauf hoffen ins All zu kommen.

Es interessieren sich weniger Frauen als Männer für diese Chance, das Kandidatenfeld ist kleiner.

Ich bezweifle nicht, dass Nicola Baumann qualifiziert ist, ins All zu fliegen.

Aber ich bezweifle, dass einer meiner Freunde, würde man ihm die Chance geben ins All zu fliegen, diese Chance wegwerfen würde.

Vielleicht ist es ja so, dass Frauen, denen man mit speziellen Förderungen die Türen öffnet, die sich nicht der Konkurrenz der Männer stellen müssen, den Erfolg weniger zu schätzen wissen als Männer, weil er einfacher zu erringen war.

Und es macht einen Unterschied, ob man seit seiner Kindheit auf ein Ziel hinarbeitet, oder ob man eine Gelegenheit mitnimmt weil es nur wenige Bewerberinnen gibt.

Das ist natürlich Spekulation. Vielleicht wollte die Initiative sie für ihre politischen Zwecke nutzen – Nicola Baumann, die Frauenförderungs-Botschafterin – und sie lehnte das ab. Oder vielleicht es kommt ihr mittlerweile so vor, als sei es weniger wert, mit einem speziellen Förderticket ins All zu starten.

Was auch immer Nicola Baumanns Gründe waren, die Initiative „Die Astronautin“ zu verlassen und ihren Lebenstraum – und den vieler Männer, die bei der Initiative aufgrund ihres Geschlechtes nie eine Chance hatten – hinzuwerfen: Sie geht davon aus, dass sie schon irgendeinen anderen Weg ins All finden wird.

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4 Kommentare zu „Wenn eine Frau einen Lebenstraum hinwirft“

  1. Scheint mir so, als hätte diese Initiative die ideologische Beeinflussung und den Zangengriff wohlwollend führender feministischer Schwesternschafr so weit übertrieben, dass das Mädchen die Notbremse gezogen hat.
    Möglicherweise war sie zur ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ mit dem gewünschten Auftreten und dem Abspulen des üblichen feministischen Gehabes nicht einverstanden und zeigte sich nicht bereit zur Bewusstseinsanpassung.
    Ihre vorteilhaften Möglichkeiten scheint sie instinktsicher zu erkennen. So wie die Weltlage ist, würde ich aber nicht drauf wetten, dass sie überhaupt hochkommt, auch wenn sie ganz oben auf der Liste steht und wenn doch, ob sie da auch wieder herunterkommt. Vielleicht darf sie von oben mitanschauen, wie die Startrampen, die Vehikel zum Zurückholen senden könnten dem ein oder anderen Unglück anheimfallen oder die Strukturen zum Betrieb derselben sich auflösen, weil Raumfahrt im Koran nicht vorgesehen war?

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    1. Möglicherweise war sie zur ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ mit dem gewünschten Auftreten und dem Abspulen des üblichen feministischen Gehabes nicht einverstanden und zeigte sich nicht bereit zur Bewusstseinsanpassung.

      Das wäre aus meiner Sicht noch die ehrenwerteste Variante. Bis dahin hat sie alles Vorteile mitgenommen, sie sich ihr boten.

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  2. Als das vor einiger Zeit durch die Presse ging, war ich auch sehr erstaunt. Warum wirft man eine solche Gelegenheit einfach weg? Aber wie Du, kann auch ich nur mutmaßen. Wäre ich Kampfpilotin und hätte den Traum, ins All zu fliegen, müssten da schon wirklich wahnsinnig wichtige Gründe auftreten, mich daran zu hindern. Und natürlich ist das aus Sicht eines Mannes, der vielleicht geeignet gewesen wäre, und dann auch noch besser, diesen Job aber nicht bekommen hat, eben einfach nur, weil er ein Mann ist, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

    Da meint man, man kann alles erreichen. Vom Tellerwäscher zum Millionär, wenn man es nur WILL und hart genug dafür arbeitet. Und am Ende ist man raus, weil man das falsche Geschlecht hat. Leider musste auch ich diese Erfahrung schon machen. Als junges Mädchen bzw. als Teenager habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als Hubschrauberpilotin zu werden. Und zwar auf einem Kampfhubschrauber. Das ging aber damals noch nicht. Und als es dann endlich ging, war ich zu alt. Der Vergleich zum Mädchen-Weltraumprogramm hinkt natürlich etwas. Aber ich war damals schon sehr enttäuscht. Ich war sogar gleich zweimal enttäuscht. 😉

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