Frauenquote reicht nicht: Jusos fordern Quoten für Erfolglose bei der SPD

Neulich habe ich aus Versehen bei Phoenix in den SPD-Parteitag reingeschaltet. Es war wie ein Unfall. Ich konnte nicht wegschauen. Ich sah eine SPD-Nabelschau mit Themen, die im wirklichen Leben keine Rolle spielen.

Die Redner ohne Charisma, langweilig und dröge. Die desinteressiert wegschauenden Gesichter im Publikum sprachen Bände. Nur einmal in der halben Stunde, die ich mir angeschaut habe, gab es eine Reaktion der SPD-Delegierten: Ein Redner hatte sich darüber beschwert, dass an den Publikumsplätzen keine Steckdosen vorhanden waren. Die Delegierten müssten zum Aufladen ihrer Mobiltelefone immer den Saal verlassen.

Es brach spontaner Jubel im Publikum aus.

Das ist das Thema, bei dem in der SPD die Emotionen hoch kochen.

Die Erfindung der Powerbank ist wohl an der SPD vorbeigegangen.

In der halben Stunde, die ich mir angesehen habe, ging es unter anderem um einen Antrag der Jusos über eine Juso-Quote in den Parteigremien. Ich war mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe und habe recherchiert.

Im Antragsbuch des Bundesparteitages habe ich den entsprechenden Antrag nicht gefunden, ich bin mir also nicht sicher, ob er offiziell gestellt wurde.

Was ich gefunden habe, ist ein Antrag für eine Jugendquote auf einem Landesparteitag:

Die SPD führt eine Jugendquote für Parteigremien auf der Bundes- und Landesebene der SPD. 25 Prozent der Mitglieder in Führungsgremien müssen Mitglieder unter 35 Jahren sein.

  • Die SPD will eine Verjüngung der MandatsträgerInnen. Jeder fünfte Listenplatz muss für Kandidatinnen und Kandidaten unter 35 Jahren bestimmt sein.
  • Die Geschlechterquote hat gegenüber der Jugendquote zwingend Vorrang.

25 Prozent (!) der Mitglieder in Führungsgremien und der Mandatsträger sollen per Quote an Menschen unter 35 Jahre vergeben werden.

35, da hat man bei der SPD noch nicht einmal einen Berufsabschluss erreicht.

Wie so häufig bei Quotenforderungen würde niemand die Jungen in der SPD hindern, eine eigene Partei zu gründen und dort ihre Vorstellungen umzusetzen. Diejenigen, die Quoten fordern könnten dort zeigen, was sie drauf haben.

Aber das ist den Möchtegern-Quotenprofiteuren natürlich zu schwer. Es ist viel einfacher etwas bestehendes – etwas was andere aufgebaut haben – zu übernehmen und sich dort einzunisten.

Dabei ist es kein Zufall, dass Führungspositionen in der Politik (wie auch in der Verwaltung und in der Wirtschaft) meist mit erfahrenen Menschen besetzt werden. Junge Menschen sind meist unerfahrener als Ältere.

Ohne Quote muss man sich erst beweisen, bevor man befördert oder gewählt wird. Andere Leute müssen über Jahre sehen, was man auf dem Kasten hat. Und sie müssen Vertrauen aufbauen. Und das ist gut so, denn auf diese Weise werden die Besseren ausgewählt.

Erfahrene Menschen sind beispielsweise abgeklärter als jüngere Menschen, sie haben mehr Lebenserfahrung, sie haben schon viele Hypes gesehen. Sie wissen, dass manchmal eine Sau durchs Dorf getrieben wird, die nach wenigen Monaten keine Rolle mehr spielt.

Jüngere neigen oft dazu, solche Säue für voll zu nehmen und entsprechend zu agieren. Das stellt sich dann als falsche Prioritätensetzung heraus, wenn das Thema beerdigt wird.

Und die Wähler teilen meine Meinung, sonst würden wir viel mehr unter-35-jährige Nichtskönner in wichtigen politischen Positionen sehen.

An einer anderen Stelle wird dann klar gemacht, was eigentlich hinter der Jugendquote steckt:

Deshalb fordern wir vom Ortsverein aufwärts einen verbindlichen Juso-Platz in den geschäftsführenden Vorständen der SPD. Dieser ist auf Vorschlag der jeweils zuständigen Juso-Gliederung zu wählen.

Es geht nicht um eine Quote für unter-35-jährige, die frei von den SPD-Mitgliedern gewählt werden können.

Nein. Die Ideologische Ausrichtung muss stimmen, es dürfen keine vernünftigen unter-35-jährigen gewählt werden, die in der Partei gut ankommen. Es müssen die sein, die die Jusos bestimmen.

Die Jusos fordern Privilegien für sich selbst ein. Ohne sich zu beweisen, ohne Leistung sollen sie auf wichtige Positionen kommen.

Komplett vergessen wird bei der Quotendiskussion: Eine Partei muss gewinnen können. Sie benötigt Führungspersonal, das Menschen überzeugen und mitreißen kann. Im Parteivorstand müssen Sieger sitzen und keine Versager, die leistungslos auf diesen Posten gequotet wurden.

Verstehen die Jusos das wirklich nicht? Sind die so verblödet? Stecken die so in ihrer Funktionärsmentalität fest, dass denen wirklich nicht klar, ist, dass die Leute in den wichtigen Gremien einer Partei zuallererst gut und überzeugend sein müssen?

Verstehen die Jusos nicht, dass Parteien nur erfolgreich sein können, wenn die internen Auswahlprozesse die erfolgreichen Leute nach oben spülen, also diejenigen, die wenigstens die SPD-internen Wahlen gewinnen können?

Wahrscheinlich ist die SPD schon so verkrustet und verquotet, dass das ohnehin schon nicht mehr der Fall ist und die Jusos in der dieser Situation meinen, dass sie dann wenigstens was vom Kuchen abbekommen sollten.

Mir ist natürlich klar, dass die Realität in Parteien nicht so aussieht, dass es einen fairen Wettbewerb gibt und sich immer der oder die bessere durchsetzt. Beziehungen und strategische gegenseitige Unterstützung sind für den Erfolg notwendig. Aber ohne Wettbewerb läuft es eben auch nicht ab.

Und ein Netzwerk von Unterstützern in der Partei ist ja auch nützlich, wenn die Wahl vorbei ist. Netzwerken ist für Politiker eine Fähigkeit, die man nicht benötigt, wenn man per Quote an die guten Jobs kommt.

Wenn die Jusos größeren Einfluss in der SPD haben wollen, könnten sie es auch so machen wie Sebastian Kurz bei der österreichischen ÖVP. Der Mann war 30 als er zum Bundesparteiobmann einer konservativen Partei gewählt wurde.

Sebastian Kurz zeigt, dass es sogar bei Konservativen möglich ist, als gerade 30-jähriger den wichtigsten Posten zu bekommen.

Sich dem Wettbewerb in der ganzen Partei zu stellen und auf die Überzeugungskraft der eigenen Argumente und des eigenen Charismas zu setzen scheint für die Jusos aber nicht in Frage zu kommen. Die werden schon wissen warum.

Ich würde mir ja wünschen, dass die SPD ihre durchgeknallten Juso-Wichtigtuer in ihre Gremien quotiert. Mit der dann gegebenen Medienpräsenz und mit dem Gewicht einer Mitgliedschaft beispielsweise im Parteivorstand im Rücken würden die Jusos die SPD um Kopf und Kragen reden.

Es beschleunigt den Niedergang der SPD bis zur völligen Bedeutungslosigkeit.

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5 Kommentare zu „Frauenquote reicht nicht: Jusos fordern Quoten für Erfolglose bei der SPD“

  1. „25 Prozent der Mitglieder in Führungsgremien müssen Mitglieder unter 35 Jahren sein.“
    vs.
    „Jeder fünfte Listenplatz muss für Kandidatinnen und Kandidaten unter 35 Jahren bestimmt sein.“
    Ich fordere eine Quote für Menschen mit Dyskalkulie;-).

    Gefällt 1 Person

  2. Ja. klar. Frauen können aufgrund ihres heren Wesens, ihres Bauchgefühls und ihres umfasseden Verständnisses für alles und jeden einfach alles richtig bewerten und behandeln und junge Menschen können dasselbe aufgrund ihrer Frische, unvoreingenommenheit und neuer Sichtweise. Ich war auch mal 18, hatte nen Haufen Bücher gelesen und dachte ich kenne alles, kann ales bewerten und Beurteilen und vor allem besser.
    Und dann hab ich angefangen zu Lernen und das Leben zu begreifen. Heute denk ich in fast allem anders. Vor allem sind junge Menschen leicht zu indoktrinieren, mit Bildern zu manipulieren, mit gesteueren Informationen leicht zu beeinflussen.
    Ich würde unter 35 garniemand in ein Parlament lassen, und jemand ohne Kinder und unter 40 nicht in ein hohes Amt. Am besten sollte noch Bedingumng sein, min. einmal im Leben sebst gearbeitet zu haben.

    Aber wenn ich mir das SPD-Personal so anchaue, haben die doch schon eine 100% ige Unfähigenquote die sich mit den anderen Quoten überchneidet .
    Nach deren Weltbild müste es wohl das Beste sein, alle Posten und Ämter mit höchstens 16-jährigen Migrantenmädchen zu besetzen, die nicht mal Deutsch können, um die leistungsfähigsten, Urteilsstärksten, entschlossensten und durchsetzungsfähigsten Menschen in wichtige Ämter zu bringen. Diese haben bekanntlich wiederholt die Welt gerettet, verfügen über alle denkbare Weisheit und sind kraft ihrer Gedanken in der Lage, Berge zu versetzen.

    Gefällt 3 Personen

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