Links-Grüne-Fundamentalisten und Impfgegner: Tödliche Gemeinsamkeiten

Ich bin auf Twitter auf einen Dialog zum Thema Glyphosat gestoßen:

Schwulemiker @Schwulemiker 28. Nov.
Wisst Ihr wieviel Menschen bislang an #Glyphosat gestorben sind? Obwohl wir es seit Jahrzehnten über die Nahrungskette aufnehmen? Genau! Null!

Ich habe nicht überprüft, ob diese Aussage stimmt. Da nicht einmal von hartgesottenen Kritikern behauptet wird, dass Menschen an diesem Mittel gestorben sind, gehe ich davon aus, dass sie stimmt.

nabbia @nabbia2 29. Nov.
kennst du menschen die glyphosat pur trinken? natürlich stirbst du nicht direkt daran aber man sieht einen anstieg an leber und nierenproblemen in ländlichen gebieten in denen es eingesetzt wird! die arbeiter die es auftragen haben zudem oft lungenkrebs und atemwegserkrankungen

Glyphosat löst also Leber- und Nieren“probleme“, Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen aus? Nabbia weiß mehr als die Kritiker, denn die hätten die dadurch verursachten Toten natürlich mit in die Bilanz eingerechnet.

Aber vielleicht löst Glyphosat nur die nicht-tödlichen Krankheitsverläufe aus.

Besonders gut gefällt mir die Frage, ob der Schwulemiker jemanden kennt, der Glyphosat pur trinkt. Tränen habe ich gelacht. Ich kann für den Schwulemiker nur hoffen, dass er sich nicht mit Menschen umgibt, die ein Pflanzenschutzmittel trinken würden.

Ich frage mich, wie viel Glyphosat jemand getrunken haben muss, um das für eine gute Frage zu halten. Natürlich geht man davon aus, dass jeder, der ein Pestizid verwendet, es auch sachgemäß anwendet.

Das ist aber nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln so. Viele alltägliche Dinge sind nützlich aber bei unsachgemäßer Benutzung gefährlich. Autos beispielsweise. Oder Alkohol. Hat Nabbia schon mal Alkohol pur getrunken?

Auch die Menge Coffein, die 100 Tassen Kaffee entspricht, ist tödlich, weil Coffein in dieser Dosis für Menschen tödlich ist.

Der Dialog geht noch ein bisschen weiter. Er endet mit:

nabbia @nabbia2 Antwort an @Schwulemiker
ich frag mich wieso du so eine rießen chemiefirma die offensichtlich nur an ihrem gewinn interessiert ist verteidigst… einfach weil du die grünen so hasst, weil du zu oft linksgrünversifft gelesen hast dass du glauben musst alles was auch nur im ansatz gesund ist sei abzulehnen

Dass das Mittel von einer auf Gewinn ausgelegten großen Chemiefirma produziert wird, nutzt Nabbia als Argument gegen das Mittel. Eine krude Argumentation.

Ich finde es spannend, dass Nabbia von „linksgrünversifft“ schreibt. Links und grün sind tatsächlich die Zutaten, die ich ihrer Ideologie unterstelle:

Grüne Grundsatzkritik an allem, was sie für unnatürlich halten und linke pauschale Kapitalismuskritik.

Eine fortschrittsfeindliche Mischung.

Mir fallen die Gemeinsamkeiten solcher Links-Grünen-Fundamentalisten wie Nabbia und Impfgegnern auf:

So langsam wird mir klar: Diese Leute können Dosen nicht einschätzen (nicht die aus Blech, sondern den Plural von Dosis) und wissen offenbar teilweise nicht, was eine Dosis überhaupt ist. Die Vorstellung, dass ein bestimmter Stoff in der einen Menge gesundheitsgefährdend, in einer anderen auf eine bestimmte Weise wirksam ist und in wiederum einer anderen überhaupt keine Wirkung hat, ist ihnen fremd.

In ihrer Vorstellung besteht das Fach Chemie aus zwei grossen Listen: Einer mit guten und einer mit schlechten Stoffen, wobei die schlechten auf einer Skala von “eher ungut” bis “diabolisch” sortiert sind. Die Einordnung erfolgt auf Zuruf und tendenziell anhand des Kriteriums “Natürlich” oder “Unnatürlich”. Unnatürliches ist grundsätzlich böse, Natürliches super.

Für Mario ist deshalb klar: Wenn man Aluminium (böse) oder eben auch Crystal Meth (diabolisch) zu sich nimmt – egal, auf welchem Weg und in welcher Dosierung – dann ist es zu spät und Tod, bzw. Drogenkarriere sind unabwendbar. Mit diesem pharmakologischen Modell vor Augen reicht dann nachvollziehbarerweise auch die Feststellung, dass in Impfstoffen Aluminium drin ist, um genug Angst für eine generelle Ablehnung von Impfungen zu erzeugen.

Passt genau: Glyphosat ist diabolisch, weil unnatürlich. Eine fachgerechte Anwendung rettet das Produkt in den Augen der Öko-Fundamentalisten nicht: Wenn es pur in großen Mengen schädlich ist, ist es Gift und muss verboten werden.

Es herrscht reine Schwarz-Weiß-Denke. Bei Impfgegnern wie bei Öko-Fundamentalisten. Es findet keine Abwägung zwischen Nutzen und Kosten statt.

Auch die Verteufelung großer Konzerne und der Vorwurf des Profitinteresses findet sich bei den Impfgegnern wieder:

Mehrfach ist im Verlauf der Diskussion nun schon der Hinweis auf die “Pharmalobby” gefallen, die innerhalb der Gruppe bereits routiniert-vielsagend als “die Pharma” abgekürzt wird. Das Argument ist altbekannt und handelsüblich: Es gibt eine Art “Medizinisch- industriellen Komplex”, also eine Verflechtung von Firmen und Organisationen aus dem gesundheitlichen Bereich, die – gerne auch gemeinsame Sache mit Medizinern machend – kollektiv zum Unwohl der Patienten und mit dem vorrangigen Ziel der Profitmaximierung agieren.

Es ist – so scheint mir – ein Argument, dessen Attraktivität mit der Reduktion des Inhalts steigt: “Die wollen nur mein Geld, wie können sie sich dann für meine Gesundheit interessieren?!”. Dass man diese Vorstellung – zumindest probehalber – auch umdrehen könnte, wird nicht gesehen: “Wie könnten die irgendwessen Geld wollen, wenn sie nichts für deren Gesundheit täten?”.

Nicht dass ich das so einfach sehen würde: Pharmaunternehmen sind – wie wohl alle Grossunternehmen – sicherlich keine Chorknaben, wenn es um die Durchsetzung ihrer geschäftlichen Interessen geht. Aber die Wahrheit – sofern es sie gibt – liegt mit Sicherheit viel eher im komplexen bürokratischen Detail, als in einer grossangelegten Verschwörung zum Verkauf wirkungsloser Impfpräparate mit nichts als Nebenwirkungen.

Der Artikel ist in Gänze lesenswert, wenn auch deprimierend.

Ich glaube nicht, dass die Überschneidungen zwischen Links-Grünen-Fundamentalisten und Impfgegnern zufällig sind. Ich vermute, dass sie aus dem selben Milieu kommen: Kapitalismuskritische, vordergründig ökologische, naive Weltverbesserer.

Mir fällt kein Weg ein, Menschen wie Nabbia zu überzeugen. Welche Argumente sollen da wirken? Sie scheint keine Abwägung zwischen den Risiken und dem Nutzen vorzunehmen.

Wahrscheinlich im wohlhabenden und überversorgten Westen aufgewachsen, stellt Nabbia nicht die Frage, wie man die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln von sieben Milliarden Menschen ohne Pflanzenschutzmittel sicherstellen soll. Und die Menschheit wächst.

Auch wenn das Mittel noch nie einen Menschen getötet hat: Es ist teuflisch. Es muss verboten werden. Genau wie Impfgegner ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen riskieren, so gefährden Öko-Fundamentalisten Leben.

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4 Kommentare zu „Links-Grüne-Fundamentalisten und Impfgegner: Tödliche Gemeinsamkeiten“

  1. Naja, Impfkritik müsste man auch differenzieren.
    Da gibt es von purer Ablehnung des ganzen Prinzips bis hin zu berechtigter Detailkritik eine grosse Bandbreite.
    Zum Beispiel fragt man sich (mE zu Recht) warum dort für den Körper hochgiftige Quecksilberverbindungen drin sind, die oft eine allergischen Schock bei Kleinkindern auslösen, warum man oft 3-8 verschiedene Impfstoffe zusammenpackt die ja alle eine körperliche Reaktion auslösen anstatt den kleinen Körper das alles Stück für Stück verarbeiten zu lassen. Das Verhalten der Industrie hierzu ist verdächtig, schiefgegangene Impfungen werden unter den Tisch gekehrt, der Druck auf Eltern verdächtig hoch. Unter Impfkritikern geht der Satz um: Wenn du wegen einer abgelehnten Impfung keinen Ärger kriegen willst, verlange einfach von dem Arzt, dass er alle Haftung für die Impfung übernimmt. Dann wir auch nicht das Jugendamt eingeschaltet, wenn man eine Impfung verweigert. Allein solche Methoden machen da schon vorsichtig. Grade Kinder, die mit den quecksilberversehenen Impfstoffen behandelt werden sollen auffällig mehr an Autismus leiden und ungeimpfte allgemein gesünder sein. Viele Impferfolge sollen einfach auf verbesserte Hygiene zurückzuführen sein. Man sollte solche Kritik sachlich prüfen anstatt den Kritiker ideologisch in eine Ecke zu stellen, und ihn existenziell oder gesellschaftlich auszugrenzen. Immer wenn Kritiker mit Methoden ruhiggestellt werden, die man auch aus dem Sozialismus/Feminismus kennt, werde ich hellwach und denke mir, dass etwas zu verbergen ist.
    Die Firma Monsanto als Hersteller von Glyphosat hat auch einige recht fragwürdige Methoden angewandt um ihre Stoffe aggressiv zu verbreiten, und wenn solche Methoden angewendet werden frage ich mich doch, was hat man zu verbergen. Alles scheint in dem Laden nicht sauber zu sein und die Kritik von Landwirten würde ich ernst nehmen. Man kommt nicht weiter, wenn sich Ideologien gegenüber stehen, und wenn Dogmatik und unangemessener stalinistischer Druck gegenübestehen, ist möglicherweise bei beiden Seiten etwas nicht in Ordnung.

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  2. „Auch die Menge Coffein, die 100 Tassen Kaffee entspricht, ist tödlich, weil Coffein in dieser Dosis für Menschen tödlich ist.“

    Typischer Anfänger-Fehler.
    Bereits nach ca. 50 Tassen kann man eine tödlich verlaufende Doppelhydrogenoxid-Vergiftung (ist schließlich auch ein kleiner Bestandteil im Kaffee!) erwarten.

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  3. Von Grünen und Linken erwarte ich vieles. Verständnis von Naturwissenschaften zähle ich nicht dazu. Gerade die Chemie ist derartig komplex…

    Man nehme als Beispiel normales Kochsalz, Natriumchlorid. In kleinen Mengen für das Überleben notwendig, ab einer Überdosis von 5g/kg Körpergewicht dagegen tödlich. Nur, bis diese Menge in das Blut übergeht, hat man sich längst übergeben. Und dann noch die netten Eigenschaften der einzelnen Elemente. Das eine ist ein sehr weiches Metall, das beim Kontakt mit Wasser explodieren kann (selbst erlebt), das andere bildet ein tödliches Gas, welches man zumindest im Labor damals nur mit etwa 0.05% MAK verwenden durfte.

    Glaube ich, dass Linksgrüne das wissen? Nein.

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