Die Propagandaschau im Propagandamodus

Ich bin unregelmäßiger Leser der Propagandaschau, obwohl ich nicht jedem Artikel vollständig zustimme. Doch was ich jetzt gelesen habe finde ich völlig absurd.

Berichtet wird über den Presseclub und dessen Thema, warum die Menschen vom Land in die Städte ziehen. Für mich ist das eine komplexe Frage, die sicherlich eine ganze Reihe von Ursachen hat.

Die Propagandaschau hingegen ist sich sicher, die Ursache zu kennen:

Die Antwort wäre ganz einfach: keine adäquaten Jobs und die Ursache dafür ist ein sich selbst und die Menschen kannibalisierendes Wirtschaftssystem – das aber im neoliberalen Staatsfunk genauso unantastbar ist wie die Planwirtschaft im Sozialismus.

Was ist denn „ein sich selbst und die Menschen kannibalisierendes Wirtschaftssystem“? Und warum ist das die Ursache für die Landflucht?

Auf dem Land gibt es kleinere Firmen, mehr Landwirtschaft und weniger Industrie als in Städten. Die Menschen haben in unserem Land die Freiheit, nicht in der Landwirtschaft arbeiten zu müssen. Sie können sich für einfachere und besser bezahlte Jobs in Städten entscheiden.

Völlig unabhängig vom Wirtschaftssystem ist, dass es größere Firmen eher in größeren Städten gibt, weil größere Firmen im Regelfall mehr Mitarbeiter benötigen.

Und damit ist auch die „Antwort“ der Propagandaschau widerlegt: Welches andere industrielle Wirtschaftssystem wäre an dieser Stelle denn anders?

Ein Anrufer aus Wandlitz stellt die entscheidende Frage, warum denn ausgiebig über die Folgen geredet würde und nicht über die Ursache, die „doch wohl eher in diesem Wirtschaftssystem liegt, dass darauf aus ist, möglichst viel Profit zu schaffen“ […]

Die Ursache für die Landflucht ist, dass unser Wirtschaftssystem „darauf aus ist, möglichst viel Profit zu schaffen“? Warum?

Ich kann keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen dem Ziel der Profitmaximierung und der Landflucht erkennen. Eine Erläuterung durch den Anrufer wäre angebracht.

Statt das eigene Argument auszuführen, möchte der Anrufer gleich einen Systemwechsel:

[…] und konstatiert weiter, dass die Runde offenbar gar nicht bereit sei, „an dem System etwas zu ändern.“

Dann folgt die Antwort auf die Frage durch Dorothea Siems, angereichert durch die Propagandaschau (in eckigen Klammern):

„Ja, ich würde ganz klar sagen, Sie haben natürlich recht [hier setzt sie ihren verbalen Judogriff an]. Das liegt am Wirtschaftssystem [jetzt dreht sie sich in den Gegner hinein]. Das ist ein Wirtschaftssystem, wo sich die Menschen aussuchen können, wo sie hingehen und arbeiten.[Zack! Mit einstudiertem Schwung zieht sie den Kontrahenten über die Schulter und schmeißt ihn rücklings auf die Matte.] Und es ist eine Folge millionenfacher Entscheidungen, nämlich in der Regel von Jüngeren – heutzutage allerdings auch von Älteren -, die sich ebend entscheiden, wegen des Angebots, das man dort bekommt, ihre angestammte Heimat zu verlassen und dann entweder an eine Uni-Stadt zu gehen oder ebend auch in eine größere Stadt, wo man einen Alterswohnsitz hat… und diese Entscheidung ist nur in einer freien Gesellschaft, in einer Marktwirtschaft, so möglich. Die war früher sicher so nicht überall möglich in Deutschland.“

Völlig ohne Argumente versucht die Propagandaschau die Antwort Dorothea Siems‘ zu diskreditieren.

Aber ist irgendein Teil der Antwort nicht korrekt?

Vielleicht ist die Antwort nicht vollständig in dem Sinne, dass sie nicht alle Gründe für diese „millionenfachen Entscheidungen“ aufzählt, aber das kann man an dieser Stelle in einer Antwort nicht erwarten. Vielmehr sind genau diese Gründe für diese Entscheidung vom Land in die Stadt zu gehen das Thema, das in der Sendung erörtert werden soll.

Die Abwägung der Gründe, die für die Stadt oder für das Land sprechen ist Privatsache. Das nennt sich persönliche Freiheit.

Diese Form verbaler Judogriffe beherrschte eine Schwarzgurt-INSM-Propagandistin wie Siems aus dem Effeff

Die Abwesenheit von Argumenten im Artikel der Propagandaschau ist bemerkenswert.

Ich kenne die Verbindungen zwischen der INSM und Dorothea Siems nicht (tatsächlich kenne ich nicht einmal Dorothea Siems), aber was haben diese wie auch immer gearteten Verbindungen mit ihren Argumenten zu tun?

Wenn die Argumente schlecht sind, dann sollte Dok von der Propagandaschau sie widerlegen, statt sich auf persönliche Diskreditierungen zu verlegen.

Die perfide neoliberale Lüge von der „Freiheit“ des Menschen, sich seine Arbeitsstelle „auszusuchen“, verhöhnt nicht nur den Verstand halbwegs intelligenter Menschen, […]

„Perfide Lüge?“ In welchem System ist die persönliche Freiheit größer als in westlichen Demokratien mit Kapitalismus und Marktwirtschaft?

Natürlich herrscht nicht Freiheit in dem Sinne, dass jemand beliebige Entscheidungen treffen kann und trotzdem leistungslos mit Wohlstand belohnt wird. Das gilt auch für die Wahl des Wohnortes.

sondern sie verhöhnt vor allem auch die Opfer des Systems, die gezwungen sind, Heimat, Familie und Freunde zu verlassen, um „ihr Glück“ in der Fremde zu suchen.

„Opfer des Systems?“ Menschen, die dank der Freiheit unserer Gesellschaft die Möglichkeit haben ihre strukturschwache Heimat zu verlassen, sind Opfer?

Natürlich spielen wirtschaftliche Erwägungen für viele Menschen die Hauptrolle bei der Entscheidung. wo man sich niederlässt. Das dürfte auch der Grund sein, warum die halbe Welt nach Deutschland flüchten möchte.

Natürlich hat man kein Anrecht auf den Traumjob in der Traumstadt. Aber in welchem Wirtschaftssystem wäre das anders?

Andere Systeme sind im Regelfall schlechter als unser System, das scheint Dok von der Propagandaschau aber nicht zu bemerken. Sozialismus sieht beispielsweise so aus:

Hatte man sein Studium beendet, bestimmte der Staat weiter. Durch die staatliche Absolventenlenkung – entsprechend den Erfordernissen der Wirtschaft wurde festgelegt, wo welcher Absolvent nach seinem Studium tätig zu sein hatte. Mancher musste in Regionen oder Ortschaften umsiedeln, die den eigenen Vorstellungen und Plänen so gar nicht entsprachen.

Ich finde diesen Propagandaschau-Beitrag bemerkenswert schlecht.

2 Kommentare zu „Die Propagandaschau im Propagandamodus“

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