Web.de und Professor Christian Pfeiffer: An der komplexen Wahrheit vorbei

Bei web.de versucht man mit den üblichen Methoden das Problem der hohen Kriminalität von Zuwanderern herunterzuspielen. Der Artikel hat den Titel

Sexualstraftäter in Deutschland: Die komplexe Wahrheit über Migranten und Statistiken

In die Schlagzeilen kommen aber auch immer wieder falsche oder zumindest tendenziös wiedergegebene Zahlen zu Sexualdelikten – wie die jüngst von Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann.

Er hatte für sein Bundesland verkürzt von drastisch mehr Vergewaltigungen im ersten Halbjahr 2017 gesprochen – obwohl die Zahlen auch sexuelle Nötigungen enthalten.

Joachim Herrmann hat also Zahlen zu Sexualdelikten „tendenziös wiedergegeben“ nur weil er bei der Zunahme der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen nur von „Vergewaltigungen“ gesprochen hat.

Es handelt sich tatsächlich nur um eine Verkürzung des Sachverhaltes. Dieser Unterschied – wahrscheinlich eher durch die mündliche Präsentation bedingt – ist für Web.de tendenziös.

Die Basisgröße (von der die Zunahme berechnet wurde) bezog sich aber korrekt ebenfalls auf Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. Es ist also gut möglich, dass Vergewaltigungen alleine tatsächlich um den von Herrmann berichteten Prozentsatz von 48 Prozent (!) zugenommen haben. Genauso wie auch die Summe aus beiden Straftatbeständen, die nur nicht einzeln statistisch erfasst werden.

Für Web.de sind nicht 48 Prozent zusätzliche Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen der Skandal, sondern dass sexuelle Nötigungen nicht so schlimm sind wie Vergewaltigung.

Dazu ist es hilfreich zu verstehen, dass beispielsweise ein Zungenkuss und Begrapschen im Allgemeinen noch nicht als sexuelle Nötigung gelten, sondern im Regelfall höchstens als sexuelle Belästigung strafbar sind.

Sexuelle Nötigung ist alles unterhalb einer Penetration und beinhaltet Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben. Für mich klingt das schlimm genug.

Rund 40 Prozent der betroffenen Frauen entfallen auf weibliche Zuwanderer, die in Unterkünften Opfer wurden.

Was genau will web.de damit sagen?

Ist sexuelle Gewalt besser, wenn sie Zuwanderer trifft?

Werden sich die Täter anders verhalten, wenn sie nicht mehr in Unterkünften leben?

Außerdem hatte er den Einfluss des verschärften Sexualstrafrechts unterschlagen, das seit 10. November 2016 greift.

Wie in Was die tz aus München bei Vergewaltigungen wichtig findet beschrieben, halte ich das für ein reines Ablenkungsmanöver.

Es geht hier um angezeigte Straftaten und nicht Urteile. Anzeigen werden überwiegend von juristischen Laien erstattet.

Wieviele Vergewaltigungsopfer wissen überhaupt von dieser Reform?

Glaubt web.de ernsthaft, dass in großer Zahl Vergewaltigungsopfer heute ein Ereignis anzeigen, welches sie noch vor einem Jahr ohne Anzeige über sich hätten ergehen lassen? Ich halte das für weltfremd.

Dennoch, die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) kann die Angst bestärken: Danach gab es vergangenes Jahr – Zahlen für 2017 wurden noch nicht veröffentlicht – 6.744 vollendete und 1.175 versuchte Fälle von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen. Das sind 897 mehr als im Jahr davor, ein Anstieg um 12,8 Prozent.

Natürlich wurden Zahlen für 2017 veröffentlicht. Web.de hat in diesem Artikel darüber berichtet, dass Joachim Herrmann Zahlen für Bayern vorgelegt hat. Und diese Zahlen sehen erschreckend aus.

Dann folgen weitere Zahlen, die an Sinnlosigkeit nicht zu übertreffen sind, weil sie nicht in Relation zum Bevölkerungsanteil gesetzt werden. Deshalb sind sie nicht miteinander vergleichbar. Die Autoren von web.de scheinen das nicht zu bemerken:

Betrachtet man Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen seit dem Jahr 2005, so schwankte der Anteil ausländischer Täter leicht zwischen 28 und 31 Prozent (2014); im Jahr der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 waren es 33,1 Prozent. Ein Jahr später waren es dann laut Kriminalstatistik fast vier von zehn Tatverdächtigen.

Hier wird fleißig mit Zahlen operiert – ohne zu bemerken, dass sich die Bezugsgröße über die Jahre geändert hat.

Nichtdeutsche seien damit bei diesen Delikten im Vergleich zu ihrer Beteiligung an der sonstigen Kriminalität überproportional vertreten, sagt Professor Jörg Kinzig, Direktor des Tübinger Instituts für Kriminologie. „Das kann Sorgen machen.“

Ja, „das kann Sorgen machen.“ Insbesondere, weil unser Land diese Kriminalitätsquelle selbst steuern könnte. Es war unsere Entscheidung, extrem überdurchschnittlich kriminelle Menschen in unser Land zu lassen.

Aber woran liegt das? Was sagen diese Zahlen? Sind etwa Flüchtlinge böser als wir?

Böser? Wer denkt denn in solch kindlichen Dimensionen?

Frauenfeindlicher, grausamer, gewaltbereiter, gnadenloser sexualisiert?

Diese Attribute werden rhetorisch als Frage gestellt, wohl um sie absurd erscheinen zu lassen. Warum web.de diese Frage stellt, wird schnell klar: Sie wird nicht beantwortet, sie leitet die üblichen Relativierungen ein.

„Der erste Faktor, der gerne übersehen wird, ist der Unterschied in der Anzeigenbereitschaft“, erklärt etwa der Kriminologe Professor Christian Pfeiffer. „Die Einheimischen werden weniger angezeigt als die Fremden, weil man sich von den Fremden stärker bedroht fühlt.“

Wie besessen müssen die Autoren und der Kriminologe Professor Christian Pfeiffer in ihrem Entschuldigungswahn sein, wenn sie nicht merken, was sie da sagen. Glaubt Pfeiffer ernsthaft, dass eine vergewaltigte oder sexuell genötigte Person Deutsche nicht anzeigen würde, weil sie sich von denen weniger bedroht fühlt?

Es wird wirklich alles in den Ring geworfen, um die hohe Rate an angezeigten Vergewaltigern unter den Zuwanderern zu rechtfertigen. Ideologie frisst Hirn auf.

Der zweite Faktor: das Alter. Männer unter 40 Jahren sind laut Bundeskriminalamt grundsätzlich gewaltaffiner und diese Altersgruppe ist bei Flüchtlingen überdurchschnittlich vertreten.

Das ist korrekt. Aber auch das ist ein Ablenkungsmanöver, denn in diesem Zusammenhang lenkt es von der Realität ab:

Auch wenn man die Altersgruppen miteinander vergleicht, begehen Zuwanderer um ein Vielfaches häufiger Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung als Deutsche.

Genau genommen ist es sogar so, dass die Gruppe aller Zuwanderer (über alle Altersgruppen um ein Vielfaches krimineller ist als die kriminellste deutsche Altersgruppe.

Grafik_mit_Pfeil_Straftaten_gegen_die_sexuelle_Selbstbestimmung
Den Artikel mit Erklärungen und Quellen gibt es hier

„Und ganz egal aus welcher Religion sie kommen, müssen die Männer lernen, ihr Aggressionspotenzial zu regulieren“, fügt Psychologin Maggie Schauer hinzu, die an der Universität Konstanz forscht. Das dauert. „Wir haben in westlichen Gesellschaften ein ganz anderes Zusammenleben und andere Sozialisierung als in vorwiegend muslimischen Kulturen. Diese Welten können sehr aufeinanderclashen“, erläutert sie.

Maggie Schauer hat Recht. Aber sind die Taten weniger schlimm, weil eine Ursache die Sozialisierung der Täter in vorwiegend muslimischen Kulturen ist? Denken wir uns diesen Teil der Straftaten jetzt einfach weg?

Sollen sich die Opfer sagen, so eine Vergewaltigung ist ja nicht so wild, schließlich ist der Täter nicht in der westlichen Gesellschaft sozialisiert?

Und der Artikel unterschlägt, dass die Persönlichkeit eines Menschen spätestens bis zum 20.Lebensjahr, eigentlich bis zum 12. Lebensjahr ausdifferenziert ist.

Die ersten Lebensjahre sind also entscheidend, weil sie die Persönlichkeit prägen. Hier den Anschein zu erwecken, dass man die Persönlichkeit von Zuwanderern einfach verändern kann ist das nächste Ablenkungsmanöver.

Es setzt auch die Bereitschaft voraus, ein „ganz anderes Zusammenleben“ zu praktizieren. Es setzt den Willen voraus, die Sozialisierung „muslimischen Kulturen“ zu überwinden. Ist das denn der Fall? Gibt es dazu Untersuchungen, die Pfeiffer und Kollegen anführen können?

Ganz sicher haben nicht alle Zuwanderer gewalttätige Persönlichkeiten, aber im Allgemeinen haben „muslimische Kulturen“ eben „ein ganz anderes Zusammenleben und andere Sozialisierung“ als wir.

Und das ist eine bleibende Eigenschaft.

„Wir haben für in Deutschland lebende junge Polen, Russen, Italiener, Türken über lange Jahre verfolgt, wie sich ihre Kriminalität entwickelt: Sie sank bei allen“, betont Pfeiffer. „Also dieses Rumgejammere, dieser Immerschlimmerismus ist völlig unberechtigt.“

Genau. Man muss nur lange genug zuwarten, dann regelt sich das von ganz alleine.

„Dieses Rumgejammere“ von vergewaltigten Frauen immer, das nervt wirklich. Das „ist völlig unberechtigt.“ Genauso wie „dieser Immerschlimmerismus“ von Opfern von Flüchtlingsgewalt.

Mit dieser Ausblendung der Opfersicht erreicht Christian Pfeiffer den Tiefpunkt des Artikels.

Man beachte: Er sagt nicht, dass die Kriminalitätsraten auf das deutsche Niveau sinken. Die Kriminalität dieser genannten Nationalitäten mag sinken, sie bleiben aber immer um mehr als das doppelte über der Kriminalität der Deutschen.

Grafik_Tatverdächtige_nach_Nationalität
Den Artikel mit Erklärungen und Quellen gibt es hier

Was Kriminologe Professor Christian Pfeiffer hier als Erfolgsgeschichte verkauft, ist keine.

Offensiv müsse die Gleichrangigkeit von Frauen und Männern in Integrationskursen angegangen werden. „Leider wird dort kein spezieller Fokus darauf gelegt“, bedauert Nora Brezger, die seit 2009 in Berlin hauptberuflich in der Flüchtlingsarbeit tätig ist.

Nora Brezger profitiert selbst von der „Flüchtlingsarbeit“. Sie hier als weitere Kronzeugin dafür einzuführen, dass man entwickelte Persönlichkeiten in Kursen ändern könnte – geschenkt. Hier werden Wünsche und Träume verkauft um den eigenen Job zu sichern.

Kulturelle Lernprozesse aber sind möglich, da sind sich Pfeiffer und Schauer einig

In dieser Allgemeinheit würde diese Aussage wohl niemand bestreiten. Aber bis zu welchem Grad sind diese kulturellen Lernprozesse möglich?

Die Frage, ob man damit wirklich die Persönlichkeit ändern kann wird mit dieser Formulierung ebenfalls geschickt umgangen.

Woanders kann man nachlesen, dass dies nicht möglich ist:

In diesen Teilen des Stirnhirns befinden sich Gebiete, die im Laufe der ersten 20 Lebensjahre unter dem Einfluss von Erziehung und Sozialisation in spezifischer Weise „verdrahtet“ werden und entsprechend unser soziales Verhalten lenken. Dabei spielen Impulshemmung und das Erkennen und Berücksichtigen sozialer Risiken eine besondere Rolle.

Andere Hirnbereiche haben mit Empathie und der Fähigkeit zu tun, das Denken und Fühlen der Mitmenschen nachvollziehen zu können. Für nahezu alle Aspekte sozial-kommunikativen Handelns wie gegenseitiges Verstehen, Liebe, Religiosität, aber auch Scham, Reue und mildtätiges Tun (um nur wenige zu nennen) haben Forscher Regionen gefunden, die zusammengenommen ein großes Netzwerk des „sozialen Gehirns“ bilden. […]

Bereits in den 1940er Jahren erhärtete sich […] die Erkenntnis, dass die ersten Lebensjahre bei der Ausreifung dieses „sozialen Gehirns“ entscheidend sind.

Die Erziehung und Sozialisation in Kindheit und Jugend „verdrahtet“ Teile des Gehirns. Aus anderen Teilen des Artikels ergibt sich, dass dies später nicht mehr zu verändern ist.

Der Artikel bei web.de ist ein typischer Mainstream-Medien-Artikel der Kriminalität entschuldigt und schönredet, statt sich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Zwei Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise und nachdem auch in den Mainstream-Medien schon kritische Artikel publiziert wurden, kommt web.de mit der Propaganda von gestern.

 

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2 Kommentare zu „Web.de und Professor Christian Pfeiffer: An der komplexen Wahrheit vorbei“

  1. Ja, unsere Grenzen haben einen eingelegten magischen Magnetstreifen. Wer immer sie überschreitet legt die Gebräuche und Gebaren seiner Heimat ab und verwandelt sich in einen links-grün orientierten Gutmenschen, den kein Wässerchen trüben kann, der Jungfrauen auf Händen trägt und ständig Geld beim Fundbüro abgibt, Rentner unterstützt, nährt und pflegt.

    Nur das zwanghafte Schächten ist noch nicht so ganz im Griff, aber das kriegen wir noch hin.

    Liken

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