Gutmensch arbeitet gedankenlos auf das Ende der EU hin

Bei zeit.de ist der Anriss eines Artikels verfügbar. Er ist hinter der „Z+“-Registrierscharanke verborgen.

Noch nicht einmal war es mir ein Zeit-Artikel wert, mich dafür bei der Zeit zu registrieren, so ist es auch diesmal.

Thorsten Benner fordert in diesem Artikel:

Distanziert euch von den Autokraten!

Unternehmen wie Audi und Daimler legitimieren Ungarns und Polens Politik.

Alles beginnt mit einer Lüge: Ungarn und Polen werden zu Autokratien erklärt. Dämonisiert man den Gegner, argumentiert es sich leichter vom hohen moralischen Ross.

Andere definieren eine Autokratie wie folgt:

Als Autokratie wird in der Politikwissenschaft eine Herrschaftsform bezeichnet, in der eine Einzelperson oder Personengruppe unkontrolliert politische Macht ausübt und keinen verfassungsmäßigen Beschränkungen unterworfen ist.[…]

Als Autokraten bezeichnet man dementsprechend einen Allein- bzw. Selbstherrscher, der in einem bestimmten Gebiet die Herrschaftsgewalt aus eigener Machtvollkommenheit ausübt und in seiner Machtfülle durch nichts und niemanden eingeschränkt ist.

Keine verfassungsmäßigen Beschränkungen? Die „Machtfülle durch nichts und niemanden eingeschränkt“? Ist das die Situation in Polen und Ungarn? Natürlich nicht.

Ist es nicht eher so, dass dort einfach eine Politik verfolgt wird, die Thorsten Benner nicht passt?

Aus politischen Gründen sollen Unternehmen also die Politik dieser Länder nicht mehr „legitimieren“.

Wie legitimieren Unternehmen Staaten? Durch Investitionen, also die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand.

Es ist dumm, wenn sich Unternehmen politisch positionieren. Neutrale Unternehmen können mit jedem ins Geschäft kommen.

Am Beispiel Google konnte man anhand der Entlassung von James Damore sehen was passiert, wenn sich Unternehmen auf eine politische Seite stellen: Sobald man es einer Seite recht macht, hat man die andere Seite gegen sich.

Und wie kommt es wohl in Polen und Ungarn an, wenn starke EU-Mitglieder ihre Stärke nicht mehr nur politisch nutzen, sondern zusätzlich auch noch ihre wirtschaftlich Macht nutzen, um andere Länder unter Druck zu setzen?

Wer die Wirtschaft aufruft, eine bestimmte Politik zu unterstützen könnte einen Wirtschaftskrieg auslösen. Denn was passiert wohl, wenn die Bevölkerung der Länder sich das nicht bieten lässt und ihrerseits mit Boykottaufrufen reagiert?

Nutzen starke Akteure ihre Macht offensiv aus, nimmt man sie schnell als Schulhofschläger wahr.

Und Menschen lassen sich nicht gern vom Schulhofschläger schikanieren. Sie mögen Angst haben verprügelt zu werden, aber Marktwirtschaft und Demokratie bieten einfache und vor allem sichere Methoden gegen die Schulhofschläger: Boykott und die Wahl unangenehmer Politiker.

Die von Thorsten Benner geforderte Polarisierung ist kontraproduktiv für die EU, sie verfestigt die Fronten. Die Ausweitung der politischen Auseinandersetzung auf die Wirtschaft kann unabsehbare Konsequenzen haben.

Thorsten Benner scheint ein typischer Gutmensch zu sein: Er ist davon überzeugt, dass für die „gute Sache“ solche Methoden erlaubt sind. An die mögliche Eskalation – über Jahre hinweg – und die langfristigen Auswirkungen denkt er nicht.

Es gibt in der EU mittlerweile viele Zentrifugalkräfte, die sie auseinander treiben. Mit dem Brexit hat sich das deutlich manifestiert. Jetzt noch eine weitere Stelle aufzureißen und das Fundament der EU weiter zu zersetzen finde ich unverantwortlich. Wer Thorsten Benners gedankenloser Forderung folgt, arbeitet auf das beschleunigte Ende der Europäischen Union hin.

2 Kommentare zu „Gutmensch arbeitet gedankenlos auf das Ende der EU hin“

  1. Es ist das Wesen der linken Linken, dass sie jede Schäbigkeit für angebracht halten, wenn es ihren vermeintlich guten Zielen dient. Man erlebt das ja immer wieder von Seiten ihrer Schergen und Sturmtruppen.

    Dabei ist es aber mit der Schäbigkeit wie bei der Multiplikation mit Null.
    Man kann 1, 10, 100 oder 1000 mit Null malnehmen es kommt Null heraus, genauso wird eine Haltung, ein Umstand , ein Ziel schäbig, wenn es mit Schäbigkeit durchgesetzt wird oder werden soll.

    Der Zweck und die Mittel
    (oder Religion als Politik und Politik als Religion)

    Der Zweck, sagt ihr, heiligt die Mittel?
    Das Dogma heiligt den Büttel?
    Den Galgen? Den Kerkerkittel?
    O schwarzumflortes Kapitel!
    Fest steht trotz Schrecken und Schreck:
    Die Mittel entheiligen den Zweck! (EK)

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube nicht, dass „der Zweck heiligt die Mittel“ ein spezifisch linkes Thema ist. Im Moment haben die Linken die gesellschaftliche Deutungshoheit und damit die Mitte in der Hand, die sich missbrauchen lassen.

      Auch Rechte wenden Mittel, die ich ablehne, für ihre Zwecke an. Ein Extrembeispiel wäre der NSU.

      Liken

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