Eine Mutter opfert ihr Kind – unsere Familienpolitik die Kinder

Bei RTL bin ich auf RTL-Journalismus gestoßen. Typisch für RTL ist die emotionalisierte und personalisierte Form der Berichterstattung, die ich nicht für guten Journalismus halte.

In diesem Fall führt das wenigstens dazu, dass die Position eines leiblichen Vaters emotional dargestellt wird, weil er – nehme ich an – der einzige Betroffene war, der sich vor der Kamera äußern wollte.

Es geht um einen Fall der Kindesmisshandlung durch den neuen Partner der leiblichen Mutter. Es handelt sich um einen polizeibekannten Schläger.

Die Frage nach der offensichtlichen Verantwortungslosigkeit und Dummheit der Mutter, sich mit so jemandem einzulassen, wird im Beitrag nicht gestellt.

Wenigstens wird die Mutter im Beitrag nicht von Schuld freigesprochen. Das halte ich schon für einen Fortschritt in der Berichterstattung der Mainstream-Medien.

Ein vierjähriger Junge aus Remscheid kommt schwer zugerichtet ins Krankenhaus. Angeblich soll ein epileptischer Anfall schuld sein.

Doch dann kommt heraus: Der neue Lebensgefährte der Mutter hat den kleinen Max übel misshandelt. Er soll ausgerastet sein, weil der Kleine ins Bett gemacht hat. Deshalb liegt Max auf der Intensivstation und ist weiterhin in einem kritischen Zustand.

Der polizeibekannte Schläger hat den kleinen Jungen auf die Intensivstation geprügelt.

Und dann hat sie [die Mutter] zu mir gesagt, […] dass er den Kleinen die ganze Zeit geschlagen hat, an den Kopf oder Fuß oder halt an den ganzen Körper.

Wer hätte das gedacht? Der polizeibekannte Schläger hat das Kind „die ganze Zeit“ geschlagen. Welche Überraschung!

Wie muss sich der leibliche Vater des kleinen Jungen fühlen? Er konnte seinen Sohn nicht schützen, er wusste nicht, was vor sich geht. Erst an Max‘ Krankenbett gesteht die Mutter, dass es nicht das erste Mal war, dass ihr neuer Lebensgefährte dem Kleinen Gewalt angetan hat. Vor dem leiblichen Vater des Jungen hat sie es bewusst geheim gehalten.

Im Video erfährt man, dass „Gewalt angetan“ bedeutet, dass der neue Lebensgefährte der Mutter das Kind „gegen Wände und Türen geprügelt hat“. Die Mutter hat die Verletzungen des Kindes gegenüber dem leiblichen Vater vertuscht.

Die Mutter hat ihren kleinen Sohn für die neue Beziehung geopfert. Unfassbar.

Bemerkenswert finde ich, dass RTL tatsächlich die Sicht des leiblichen Vaters wiedergibt und emotional seine Position einnimmt.

Ich rechne es RTL hoch an, dass sie über andere Schläger geschlechtsneutral berichten:

Wie kann jemand ein Kind so misshandeln? Schon häufiger wurden neue Partner verurteilt, weil sie gegenüber ihrer Stief-Kinder gewalttätig waren.

Vielleicht stimmt es ja und es findet – ganz langsam – auch in Mainstream Medien ein Wandel statt und der Feminismus hat nicht mehr überall die Deutungshoheit. Das Schwarz-Weiß-Bild vom Mann als Täter und der Frau als Opfer hat zumindest in diesem Artikel keinen Bestand.

Interessant finde ich, was Horst Cerny, Experte für Kriminalitäts-Opfer, im Video berichtet:

Es ist nicht das eigene Kind, das eigene Fleisch und Blut, es ist das Kind eines Anderen. Der Betreffende lebt mit der Freundin, mit der Lebensgefährtin zusammen, aber das Kind ist nicht von ihm. Da haben viele eigentlich ein Problem damit, von der Psyche her.

Horst Cerny hat hier klar ein Tätergeschlecht im Kopf.

Die Aussage ist trotzdem interessant. Cerny stellt klar, dass leibliche Eltern eine größere Bindung zu ihren Kindern haben als Stiefeltern.

Das entspricht auch meinen persönlichen Erfahrungen: Alle Eltern mit nervigen kleinen Kindern, wirklich alle, sagen, dass man das ganz anders empfindet, wenn es das eigene Kind ist, und dass man das erst nachvollziehen könne, wenn man selbst mal Kinder hat.

Insofern ist die Aussage des „Experten für Kriminalitäts-Opfer“ eine Binsenweisheit.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Stiefeltern ihre Kinder mißhandeln. Trotzdem entlarven diese beide Erkenntnisse, dass der aktuelle Trend zur Alleinerziehung mit potenziell neuem Partner und Patchworkfamilien den Kindern im Durchschnitt auch in dieser Hinsicht schadet.

In der englischen Wikipedia ist dazu zu lesen:

For over 30 years, data has been collected regarding the validity of the Cinderella effect, with a wealth of evidence indicating a direct relationship between step-relationships and abuse. […]

Powerful evidence in support of the Cinderella effect comes from the finding that when abusive parents have both step and genetic children, they generally spare their genetic children. In such families, stepchildren were exclusively targeted 9 out of 10 times in one study and in 19 of 22 in another.

Seit über 30 Jahren werden Daten zur Gültigkeit des Cinderella-Effektes erhoben, wobei eine Fülle von Beweisen auf einen direkten Zusammenhang zwischen Stiefbeziehungen und Missbrauch hinweist. […]

Ein starker Beweis für den Cinderella-Effekt kommt aus der Erkenntnis, dass missbrauchende Eltern, wenn sie sowohl Stief- als auch genetische Kinder haben, ihre genetischen Kinder in der Regel verschonen. In solchen Familien wurden in einer Studie 9 von 10 Mal und in einer anderen Studie 19 von 22 Mal ausschließlich Stiefkinder ausgewählt.

Bisher hatte ich nur die geringeren Bildungschancen und die höhere Kriminalitätswahrscheinlichkeit von Kindern von Alleinerziehenden im Blick. Darüber habe ich den Artikel Alleinerziehend – Auswirkungen auf die Kinder geschrieben.

Mit dem Cinderella-Effekt kommt noch ein weiterer erheblicher Nachteil für Kinder aus kaputten Familien hinzu.

Jede Politik, die die weitere Zerstörung der Familie zum Ziel hat oder billigend in Kauf nimmt, beispielsweise in dem sie Fehlanreize für Alleinerziehung schafft, schadet den Kindern.

Bei allem Humor, ich kann tatsächlich nicht fassen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert werden. Gerade wenn es um Kinder geht.

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5 Kommentare zu „Eine Mutter opfert ihr Kind – unsere Familienpolitik die Kinder“

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