Wie die taz versucht linke Wähler bei der Stange zu halten

Unter dem Titel „Elitär, bourgeois und amoralisch“ erklärt die taz die Wähler der Partei Die PARTEI zu Zynikern und Protestierern mit denen kein Staat zu machen sei.

Ich kann auch die PARTEI wählen und mir einreden, damit etwas Kluges zu tun.

Ich kann natürlich auch jede andere Partei wählen und mir einreden, damit etwas Kluges zu tun.

Ich bin dann eben: ein dekadenter Witzbold, der sich selbst dafür feiert, keinen Unterschied machen zu wollen.

Auch das gilt nicht nur für die Wähler der Partei Die PARTEI. Ich denke, man kann über praktisch jede Partei ohne Aussicht auf Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde sagen, dass sie keinen Unterschied macht. Feiert sich jeder, der sie dennoch wählt, dafür, keinen Unterschied machen zu wollen?

Es ist gespenstisch: Als gäbe es nichts zu bereden, scheint die PARTEI derzeit im – nennen wir es abschätzig – „linksalternativen Milieu“ immer neue Freunde zu finden.

Von da weht der Wind. Es sind eben nicht irgendwelche Wähler, die die PARTEI wählen, sondern Wähler aus dem linksalternativen Milieu. Es sind Stimmen, die aus Sicht des taz-Autoren Martin Kaul linken Parteien zustehen!

Die sollen gefälligst links wählen!

Es ist auch ernst zu nehmen, denn die ernsthafte Zugewandtheit zur PARTEI steht für die Verlorenheit einer gesellschaftlichen Linken, die sich aufs Resignieren versteht und die eine fehlende Machtperspektive damit verwechselt, irrelevant zu sein.

Eine ziemlich wilde Spekulation. Linke wählen wählen die linken Parteien nicht, weil sie keine Machtperspektive haben? Es liegt doch viel näher, dass Linke keine linken Parteien wählen, weil sie finden, dass sie schlechte Arbeit machen.

Es ist die Welt unsympathischer Leute, die an einer Käsetheke so lange nach dem Lactosegehalt eines Schnittkäses fragen, bis der Kassiererin gekündigt wird.

Ich kann mir nicht helfen: Bei dieser Beschreibung entsteht bei mir im Kopf das Bild einer alternativen Vegetarierin mit speziellen Ernährungsanforderungen und Reizdarm, die sich natürlich als links versteht. Für mich passt es zu Linken, wegen Kleinigkeiten die Entlassung von Menschen zu fordern.

Und damit ist sie in ihrem Kern verachtenswerter als diejenigen in der Politik, die – sei es bei der FDP oder der AfD – für etwas kämpfen.

Wirklich? Eine Spaßpartei ist verachtenswerter als eine Partei, die für irgendetwas kämpft?

Lieber Martin Kaul, ich würde  mir solche Wahlempfehlungen ganz genau überlegen: Wenn FDP und AfD zu stark werden, entlassen sie alle Deine Freunde bei ARD und ZDF!

Die AfD ist die Partei, deren Unterstützer neulich noch von niemandem Gehör fanden und sich nun anschickt, Rechtsextremisten ins Parlament zu entsenden, auf dass diese gegen Frauen und Fremde hetzen und die freie Presse bedrohen.

Die AfD  bedroht also die freie Presse? Wirklich? Aktuelle linke Parteien stehen in Martin Kauls Welt für Meinungsfreiheit?

Ich nehme Fremdenhass auch bei Linken wahr, genauso wie die Bereitschaft unbeschränkt Menschen mit mittelalterlichem Frauenbild ins Land zu lassen.

Könnten es nicht solche Widersprüche sein, die Menschen davon abbringen, linke Parteien zu wählen?

Der taz-Artikel ist wortgewaltig („Moral“, „zynisch“, „Aufklärung“, „ehrenwert“) aber echte Argumente, die mich überzeugen würden, nicht die PARTEI zu wählen, finde ich nicht.

Außerdem vergisst Martin Kaule, dass die Parteien für die Menschen da sind und nicht umgekehrt.

Wähler wählen das „kleinste Übel“. Wenn sie die etablierten Parteien nur noch als Übel betrachten, wählen sie halt eine Witzpartei.

Es braucht schon ein geschlossenes Weltbild, um Menschen die Fähigkeit abzusprechen, eigenständige, informierte Entscheidungen zu treffen.

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