Die indoktrinierten Menschen des Professor Mausfeld

Über uepsilonniks bin ich auf ein Interview mit Prof. Rainer Mausfeld aufmerksam geworden.

Die Diskussion mit uepsilonniks wurde unsachlich, deshalb habe ich die Diskussion dort nicht fortgesetzt. In diesem Artikel möchte ich meine Meinung zum Interview selbst abgeben.

Ich teile viele der Ansichten Mausfelds, beispielsweise sehe ich auch den von ihm beschriebenen Indoktrinationscharakter der Mainstream-Medien hinsichtlich der Berichterstattung über Kosovo, Irak, Afghanistan, Griechenland, Ukraine und Syrien.

Ich teile auch seine Ansicht, dass es dazu keiner Verschwörung bedarf, sondern dies über Strukturen, wie Mausfeld sie beschreibt, und Konformität passiert.

An anderen Stellen vertrete ich eine andere Ansicht als Professor Mausfeld.

Es scheint Professor Mausfeld hält viele Menschen nicht für demokratiefähig, versteckt dies aber hinter seiner Medienkritik. Diese Menschen erklärt er zu passiven Opfern der Indoktrination durch die Medien.

Die Indoktrination versucht er damit zu beweisen, dass diese Menschen politische Ziele, die er für richtig für sie hält, nicht teilen. Letztlich baut er darauf seine Behauptung auf, dass wir nicht in einer „wirklichen“ Demokratie leben.

Es ist also die „falsche“ Meinung der Menschen, die Mausfeld für undemokratisch hält. Ich halte eher die fehlende direkte Demokratie für undemokratisch und teile auch Mausfelds Bild unmündiger Menschen nicht.

Die Vermutung drängt sich auf, dass die immer noch hohen Glaubwürdigkeitswerte [der Medien] keineswegs eine Eigenschaft der Medien widerspiegeln, sondern vielmehr überwiegend eine Eigenschaft der Mediennutzer, nämlich den Grad ihrer bereits erfolgten Indoktrination.

In diesem Interview ist mir an mehreren Stellen aufgefallen, dass Mausfeld viele Menschen nicht für voll zu nehmen scheint. Wenn Menschen die Medien immer noch im Großen und Ganzen für glaubwürdig halten, liegt das, vermutet Mausfeld, an der Indoktrination. Andere mögliche Gründe nennt er nicht.

Dabei liegen sie auf der Hand: Menschen könnten den Medien in manchen Bereichen nicht vertrauen, aber im Allgemeinen eben schon. Oder es ist ihnen im Grunde egal. Oder sie sind grundsätzlich nicht in der Lage, die Indoktrination zu bemerken.

Was den normativen Aspekt betrifft, so kommt in einer wirklichen Demokratie den Medien – ebenso wie dem Bildungswesen – eine ganz besondere Funktion zu. Denn eine Demokratie stellt in vielerlei Hinsicht psychisch und kognitiv höhere Anforderungen an jeden Einzelnen als andere Staatsformen dies tun.

Das finde ich bemerkenswert: Denn neben Medien und Bildungswesen beeinflusst natürlich vor allem die Befähigung und das Interesse der Menschen, ob sie die „psychisch und kognitiv höheren Anforderungen“ einer Demokratie erfüllen können.

Ich finde es befremdlich, dass Mausfeld die Fähigkeiten individueller Menschen ausschließlich auf Institutionen zurückführt.

Sie muss den Einzelnen zu einer solidarischen aktiven Teilhabe am Gemeinwesen befähigen. Sie setzt mündige Bürger voraus – also über alle relevanten Belange des Gemeinwesens informierte Bürger, die sich eigenständig und sozialverantwortlich ein angemessenes Urteil zu bilden vermögen.

Auch hier: Mündige Bürger müssen „also über alle relevanten Belange des Gemeinwesens informiert“ sein. Neben Bildung und Medien müssen die Menschen selbst überhaupt erst in der Lage und Willens sein „über alle relevanten Belange des Gemeinwesens informiert“ zu sein.

Vergleicht man Auflagen unterschiedlicher Zeitschriften oder Einschaltquoten beim Fernsehen kann man leicht zu dem Schluss kommen, dass häufig nicht einmal das Interesse vorhanden ist, sich zu informieren. Die meisten Menschen schauen sich Unterhaltung und nicht Bildung und Politik an. Das ist heute so und war auch schon in der Vergangenheit so.

Was Mausfeld hier zum Lackmustest für wirkliche Demokratie hochstilisiert, scheitert bereits an den real existierenden Menschen.

Hinzu kommt eine gewisse Schwafelhaftigkeit: Was genau sind denn die „relevanten Belange“? Frage ich zehn Leute, was relevant ist, bekomme ich 36 Antworten. Es gibt kein allgemeingültiges Maß für Relevanz.

Ich stimme Mausfeld zu, dass unsere aktuell vorhandenen Mainstream-Medien über viele relevante Themen nicht berichten und über viele irrelevante Themen berichten. Aber weder Mausfeld noch ich haben zu entscheiden, welche Themen für die Bevölkerung relevant sind und welche nicht.

Im Gegensatz zu Mausfeld sehe ich aber Ursache und Wirkung genau anders herum: Mit der Einführung des Privatfernsehens nahm – aus meiner Sicht – die Qualität des Fernsehens ab. Damit einher ging ein Wandel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hin zu Themen, die ich für irrelevant halte. Auch die Qualität der Nachrichtenberichterstattung fiel – meiner Meinung – nach ab.

Aber: Die Einführung von Privatfernsehen betrachte ich als Gewinn von Freiheit, auch wenn es nur um so etwas triviales wie Fernsehen geht und die hinzugewonnene Freiheit aus Schrott besteht.

Die Menschen hatten die Wahl: Hätten sie weiter öffentlich-rechtliches Fernsehen geschaut, gäbe es heute kein Privatfernsehen und die Öffentlich-Rechtlichen wären heute inhaltlich wahrscheinlich deutlich näher an dem, wie sie in den 80er Jahren waren.

Unser System ist an dieser Stelle demokratischer als Mausfeld glaubt: Die existierenden Institutionen werden genauso von den Menschen beeinflusst, wie sie die Menschen beeinflussen. Die Menschen bestimmen selbst, was für sie relevant ist.

Eine wirkliche Demokratie stellt also höhere Anforderungen an die Qualität ihrer Medien und ihres Bildungswesens als andere Staatsformen.

Und wieder: Nach dieser Logik stellt die Demokratie vor allem höhere Anforderungen an die „Qualität“ der Menschen selbst. Was folgt daraus, wenn bestimmte Menschen diese Anforderungen nicht in dem Maße erfüllen, wie Mausfeld das gern hätte? Sind sie dann keine mündigen Bürger?

Falls nicht, was sagt das dann über die Relevanz Mausfelds‘ Anforderungen an die Medien?

Das möchte ich noch einmal näher ausführen: Mausfeld stellt Anforderungen an die Qualität von Medien und Bildungswesen auf, die notwendig sind um aus seiner Sicht wirkliche Demokratie zu ermöglichen.

Medien und Bildungswesen beeinflussen aber die Demokratie nur indirekt über Menschen, d.h. die geforderte höhere Qualität von Medien und Bildungswesen sind für die Demokratie überhaupt nur wirksam, wenn die Menschen diese „Qualität“ ebenfalls aufweisen.

Wenn also bestimmte Menschen nicht in der Lage sind, diese „verbesserten“ Medien und Bildungsinstitutionen zu verstehen, oder schlicht keine Lust haben sie zu konsumieren, was passiert dann mit diesen Menschen in der „wirklichen“ Demokratie wie sie Professor Mausfeld vorschwebt?

Entweder können sie trotzdem weiter partizipieren, also, (1) obwohl sie uninformiert sind, weiterhin wählen gehen, oder (2) sie verlieren ihr Recht auf die Teilnahme an Wahlen.

Bei der 2. Alternative würde ich nicht von Demokratie sprechen.

Entscheidet sich Mausfeld für (1), dann ist die Voraussetzung, also dass höhere Qualität in Medien und Bildung notwendig für „wirkliche“ Demokratie ist, absurd.

Es gibt in einer Demokratie, die diesen Namen verdient, noch viele weitere normative Funktionen von Medien, doch die genannten Aspekte genügen bereits, um angesichts unserer gesellschaftlichen Realität den illusorischen Charakter solcher Forderungen und Bedingungen zu verdeutlichen.

Aus den oben genannten Gründen bezweifle ich, dass es mit real existierenden Menschen überhaupt eine Demokratie geben kann, die aus Mausfelds Sicht „diesen Namen verdient.“

Mausfeld selbst teilt die Menschen in diejenigen ein, die der Indoktrination erlegen sind (und deshalb den Medien vertrauen) und denjenigen, die es besser wissen (und deshalb den Medien misstrauen).

Gerade vor diesem Hintergrund kann ich Mausfelds Glauben, dass mit den richtigen gesellschaftlichen Institutionen (hier: Medien und Bildung) die Menschen perfekt funktionieren würden (hier: „wirkliche Demokratie“ leben), nicht nachvollziehen.

Das liegt im Wesentlichen daran, dass schon die Prämisse nicht stimmt, dass wir nämlich in einer wirklichen Demokratie lebten.

Die gegenwärtigen Formen repräsentativer Demokratien sind Elitedemokratien, also de facto Wahloligarchien. Seit ihren historischen Anfängen wurde die Idee einer »repräsentativen Demokratie« mit der Absicht entwickelt, das als irrational, infantil und launenhaft angesehene »dumme Volk« von politischer Macht und Einfluss fernzuhalten.

Die Etablierung einer repräsentativen Demokratie war also explizit dazu gedacht, eine wirkliche Demokratie im Sinne der Ermöglichung einer angemessenen Teilhabe, also Partizipation, der Bürger am Gemeinwesen und einer Volkssouveränität zu verhindern.

Mausfeld hat natürlich Recht, dass repräsentative Demokratien eingerichtet wurden, weil man das „dumme Volk“ bevormunden wollte.

Umso entlarvender finde ich, an welcher Stelle Mausfeld ansetzen möchte um „wirkliche“ Demokratie zu erreichen: Nicht etwa durch Volksabstimmungen und direkte Demokratie, sondern durch paternalistische Medien, die dem Volk erklären, was es wirklich will.

Traut auch Mausfeld dem Volk nicht und versteckt das nur hinter seiner Medienkritik?

Ich bin selbst Fan von mehr direkter Demokratie. Aber zu einer Kritik des Systems gehört auch, dass ich die Vorteile und Stärken des Systems mit betrachte.

In der Schweiz gibt es eine starke direkte Demokratie. Sieht die reale Politik dort so vollkommen anders aus als hier?

Ist es nicht eher so, dass die Schweizer Gesetze auf den Feldern, die Mausfeld später anspricht (Armut, Soziales) sogar kälter sind als in Deutschland?

Könnte es also sein, dass das deutsche politische System die Wünsche der Wähler über die Jahre im Großen und Ganzen ganz gut abbildet?

Unter den, wie Dewey schreibt, »Bedingungen der bestehenden Wirtschaftsordnung« sind Medien bereits durch die Besitzverhältnisse in ökonomische Machtstrukturen eingebunden.

Im Zeitalter des Internets kann man eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Webseiten wie die NachDenkSeiten existieren schon seit Jahren.

Dass diese Gegenöffentlichkeit von ihrer Reichweite her gegen die Mainstream-Medien keine Chance hat, liegt ausschließlich an den real existierenden Menschen, die das einfach nicht interessiert oder deren Meinung nicht teilen.

Aus Mausfelds Sicht liegt das nur am hohen „Grad ihrer bereits erfolgten Indoktrination“.

Natürlich stimme ich Mausfeld zu, dass eine bessere Medienqualität unsere Demokratie verbessern würde. Mausfeld gibt aber nicht namentlich benannten „Eliten“ die Schuld an der schlechten Qualität.

Ich hingegen gebe den Menschen die Schuld. Sie sorgen mit ihren Kaufentscheidungen und (Fernseh-)Gewohnheiten dafür, dass sich gute Qualität nicht durchsetzt. Die „Eliten“ haben in Deutschland (noch) keine rechtlichen Mittel, die Entstehung von Qualitätsmedien zu verhindern.

Die Spannbreite der Interessensunterschiede zwischen unterschiedlichen Elitegruppierungen hat sich in den letzten Jahren enorm verringert – vor allem durch den Siegeszug des Neoliberalismus und durch die Dominanz transatlantischer hegemonialer Interessen nach dem Zerfall der Sowjetunion. […]

Gegenwärtig haben die Leitmedien in ihrer Bereitschaft und Willfährigkeit, das Weltbild transatlantischer neoliberaler Eliten zu vermitteln, ganz offensichtlich jedes Maß verloren.

Ja, das sehe ich genau so. Aber gerade die Einbindung der Medieneliten in transatlantische Netzwerke wurde in der Öffentlichkeit groß debattiert und wurde sogar in einer Satieresendung im ZDF groß thematisiert. Millionen haben das gesehen.

Wer es wissen will, der kann es wissen. Es ist den meisten Menschen einfach nicht wichtig genug um sich weiter über dieses Thema zu informieren oder sogar etwas dagegen zu unternehmen. Die „wirkliche“ Demokratie scheitert an den Menschen, Herr Mausfeld! Die Menschen, nicht nur die Eliten, können mit dem aktuellen System offensichtlich gut leben.

Natürlich kann man die Menschen wieder zu Opfern einer Indoktrination – und damit für unmündig – erklären. Ich teile dieses Mausfeldsche Opfer-Menschenbild aber nicht.

So erschaffen sie medial eine gesellschaftliche und soziale Realität, in der die wichtigsten Fragen gar nicht erst vorkommen und die tatsächlichen Konflikte vernebelt und verschleiert werden.

Das ist doch Geschwafel!

Welche wichtigen Fragen und tatsächlichen Konflikte sind denn gemeint? Da Mausfeld sie nicht konkret benennt, kann man nicht überprüfen, ob diese Themen tatsächlich für viele Menschen relevant sind, oder ob sie nicht mit dem aktuellen Zustand des Systems in Bezug auf diese Themen zufrieden sind.

Wir schwimmen in der herrschenden Ideologie wie Fische im Wasser und bemerken sie daher gar nicht mehr. Die ideologischen Rahmenerzählungen sind mittlerweile so tief in unserer Kultur verankert, dass wir sie als ideologische Elemente gar nicht mehr bemerken.

Beispielsweise die meritokratische Ideologie einer »Leistungsgesellschaft«, in der der soziale Status eines Menschen durch seine individuell erbrachten Leistungen bestimmt werde.

Hat die eigene Leistung nicht tatsächlich sehr viel mit dem eigenen sozialen Status zu tun? In welcher Welt lebt denn der Mann?

Natürlich gibt es Erben und manche dieser Erben haben irrational viel Geld. Aber im Großen und Ganzen kann man doch sein eigenes Leben mit seinen persönlichen Entscheidungen stark beeinflussen.

Haben beispielsweise Fleiß, Geduld, Berufswahl, Benehmen, Impulskontrolle, Risikobereitschaft und Intelligenz nichts mit dem eigenen Erfolg zu tun?

Welchen absurden Perfektionsanspruch an eine Leistungsgesellschaft legt Mausfeld denn Zugrunde, wenn er in der real existierenden Gesellschaft in Deutschland nicht in großen Teilen eine Leistungsgesellschaft erkennen kann?

Hätte Professor Mausfeld ohne persönlichen Einsatz, Fleiß und Intelligenz den gleichen Lebensweg genommen?

Unsere Gesellschaft ist dieser Ideologie zufolge gerecht, denn sie offeriere ja »Chancengerechtigkeit«.

In dieser Ideologie „schwimmen“ wir „wie Fische im Wasser“ und bemerken sie gar nicht mehr? Mausfeld lebt nicht in der gleichen Realität wie ich.

Gebe ich in einer Suchmaschine „Chancengleichheit soziale Herkunft“ ein, kommen folgende Ergebnisse in den Mainstream-Medien: Spiegel, FAZ, taz, Zeit, Stuttgarter Nachrichten, Spiegel.

Es ist ein Märchen, dass unsere Medien diese Ideologie so in sich aufgenommen haben, dass sie verbreiten würden, dass unsere Gesellschaft gerecht sei, weil es Chancengerechtigkeit gäbe. In Wahrheit gehen unsere Medien nicht einmal von Chancengerechtigkeit aus.

Der meritokratische Zirkelschluss der Erfolgszuschreibung lautet: Wer »oben« ist, ist zu Recht oben, denn sonst wäre er ja nicht oben. Wer »unten« ist, ist zu Recht unten, denn hätte er sich wirklich angestrengt, wäre er ja weiter oben; da er dies aber nicht ist, hat er sich sein Los also selbst zuzuschreiben.

Ganz im Ernst: Wo hat Mausfeld das in den letzten Jahren gelesen oder gesehen? Ich nehme Diskussionen über stärkere Besteuerung von Reichen und reichen Erben war. Was ich nicht wahrnehme ist eine Berichterstattung über anstrengungslos reiche Menschen, in der darauf hingewiesen wird, dass sie „zu Recht oben“ wären.

In der Berichterstattung über Arme nehme ich nicht war, dass sie ihr Schicksal im Wesentlichen sich selbst zuzuschreiben haben. Es mag einzelne Artikel in dieser Richtung geben, aber ich kann die Schuldzuweisung an Arme beim besten Willen nicht als Leitgedanken unserer Medien ausmachen.

Ich kann mir die völlig unterschiedliche Wahrnehmung der Realität von Professor Mausfeld und mir nicht erklären. Es ist möglich, dass ich das falsch wahrnehme und in einer Filterblase sitze.

Bei einigen aktuellen Ereignissen können nun bisweilen die Fakten jedoch so offenkundig den offiziellen Rahmenerzählungen widersprechen, dass größere Teile der Bevölkerung sich des ideologischen Charakters der durch die Medien vermittelten »Interpretationen« stärker bewusst werden. Eklatante jüngere Beispiele sind die Berichterstattungen über die gezielt herbeigeführten Krisen in Griechenland, der Ukraine und in Syrien, die Dämonisierung Putins und die Russlandhetze, die voreingenommenen und oft hämischen Berichte über Corbyn und Sanders sowie die Verschleierung der Folgen der gravierend gewachsenen sozialen Ungleichheit.

Da ich ihm bei diesen Beobachtungen beipflichte, frage ich mich, ob ich mich beim oberen Beispiel irre und Mausfeld vielleicht recht hat. Offensichtlich beobachtet Mausfeld manche Dinge so wie ich – andere aber nicht. Ich kann mir das nicht erklären.

Dafür, dass ich recht habe und Mausfelds Wahrnehmungen durch seine Ideologie getrübt sind spricht, dass er die Berichterstattung über Corbyn und Sanders zu Recht voreingenommen und hämisch nennt, aber die Berichterstattung über Trump nicht erwähnt. Diese war und ist in der gleichen Weise ma­ni­pu­la­tiv.

Vielleicht sitze ich ja in einer Ideologieblase, Mausfeld aber auf jeden Fall.

Denn natürlich stört es die Mehrheit der Bevölkerung, dass sie einen immer geringer werdenden Anteil an den von ihr erwirtschafteten Gewinnen bekommt. Sie spürt dies, auch wenn sie es oftmals nicht verstehend erfassen und begreifen kann, da die entsprechenden Fakten durch die Medien systematisch verschleiert oder interpretativ verzerrt und verrauscht werden.

Das Maß an paternalistischer Arroganz, das Mausfeld hier an den Tag legt ist wirklich bemerkenswert. „Natürlich stört es die Mehrheit der Bevölkerung“ weiß Mausfeld ganz sicher im Namen all der anderen, die zu dumm sind das „verstehend [zu] erfassen und [zu] begreifen“.

Nur weil Mausfeld nicht nachvollziehen kann, warum die Mehrheit der Bevölkerung einen Zustand, den er nicht in Ordnung findet, akzeptiert, kann er gar nichts über die Motive die dahinterstecken sagen. Die Mehrheit der Bevölkerung könnte den Zustand in Ordnung finden, obwohl er aus Mausfelds Sicht ihren eigenen Interessen widerspricht.

Vielleicht lehnen manche diese Entwicklung (wie ich) ab, aber es ist ihnen nicht wichtig genug, davon ihre Wahlentscheidung abhängig zu machen. Oder sie sehen keine politischen Maßnahmen, die diese Entwicklung stoppen könnten dabei aber keine negativen Nebenwirkungen haben.

Es gibt keinen Beleg für Mausfelds Annahme, dass die Mehrheit der Menschen den bestehenden Zustand mit der selben hohen Priorität wie Mausfeld ablehnen.

Die Alternativen zu Mausfelds Annahme sind trivial, so wie auch an anderen Stellen im Text. Trotzdem werden seine Annahmen und Interpretationen im Interview nicht hinterfragt. Das Interview selbst ist also ein Beispiel für schlechte Medienqualität.

Überheblich und gefährlich finde ich Mausfelds Grundhaltung: Er glaubt besser zu wissen, was bestimmte Bevölkerungsgruppen wollen, als sie selbst. Er erklärt das dann mit deren Indoktrination.

Viele Besserverdienende wählen die Grünen, in dem Wissen, dass sie damit Steuererhöhungen für Besserverdienende unterstützen. Nach Mausfeldscher Logik sind diese Besserverdienenden gegen ihre eigenen Interessen indoktriniert worden.

Ob ihm dazu keine anderen möglichen Erklärungen einfallen? Oder spricht er Wählern der Grünen ebenfalls die Fähigkeit ab, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu können?

Merkt Professor Mausfeld nicht, wie elitär er selbst denkt, wenn er so­zio­öko­no­misch schwächeren Gruppen die Fähigkeit abspricht „richtige“ Entscheidungen zu treffen?

Letztlich läuft der ganze Artikel darauf hinaus, dass wir nicht in einer „wirklichen Demokratie“ leben, weil die Medien die Menschen indoktrinieren. Das wiederum „beweist“ Mausfeld damit, dass diese Menschen die „falschen“ politischen Ziele verfolgen.

Für Professor Mausfeld scheint klar zu sein: Wenn die Medien die Menschen doch endlich mit den durch ihn bestimmten relevanten Themen indoktrinieren würden, dann würden wir endlich in einer „wirklichen“ Demokratie leben.

Die gleichen Opfer-Menschen, die er heute für unfähig hält, Entscheidungen für sich selbst zu treffen, wären endlich frei.

Ich finde das absurd.

Fazit

Aus meiner Sicht bleibt Mausfeld häufig unscharf und wenig konkret, er formuliert kompliziert. Nur dadurch klingen manche seiner Aussagen zunächst stichhaltig. Bei konkreteren Formulierungen würden die Widersprüche noch offener zu Tage treten.

An manchen Stellen stimme ich ihm zwar zu, aber etwas Neues, einen Denkanstoß habe ich nicht vorgefunden.

Die hohe Wertschätzung, die Mausfeld in linken Kreisen genießt kann ich nach diesem Interview nicht nachvollziehen.

 

Ein Gedanke zu „Die indoktrinierten Menschen des Professor Mausfeld“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s