Warum Familienväter so produktiv sind

Neulich bin ich bei Dalrock auf einen alten Artikel gestoßen. Er stellt die Modelle Familie und Alleinerziehung mit Unterhalt durch den getrennt lebenden Vater gegenüber und betrachtet dabei die steuerlichen Auswirkungen.

Dalrock stellt die Wirtschaft des kommunistischen Russlands als angstbasiertes Anreizsystem vor: Arbeiter mussten festgelegte Quoten erreichen, wer sie nicht erreichte wurde bestraft. Der Beste wollte aber auch keiner sein:

If you become the best producer you end up being assigned a larger share of the quota burden

Wenn du der beste Produzent wirst, wird deine Quote erhöht

Letztlich, so Dalrock, ändert die Anpassung an das angstbasierte Anreizsystem die Kultur der Gesellschaft.

In the short and even medium term fear is a very effective motivator.  But over time if overused it loses some of its power, especially when it comes to the kind of productivity which requires creativity and risk taking.

Standing out is risky;  you don’t want to be the worst worker on the line in a fear based system, but you also have reason to fear being the best worker on the line.  This doesn’t happen so much by conscious choice, but due to the influence of the incentive structure on the culture over time.

Kurz- und mittelfristig ist Angst ein sehr effektiver Motivator. Wird sie aber im Laufe der Zeit überbeansprucht, verliert sie einiges an Macht, besonders wenn es um die Art der Produktivität geht, die Kreativität und Risikobereitschaft erfordert.

Hervorstechen ist riskant; Sie möchten nicht der schlechteste Arbeiter in einem angstbasierten System sein, aber Sie haben auch Grund für die Angst, der beste Arbeiter zu sein. Dies geschieht nicht so sehr durch bewusste Entscheidungen, sondern im Laufe der Zeit durch den Einfluss der Anreizstruktur auf die Kultur.

Ich stimme Dalrock zu, dass besonders Kreativität und Risikobereitschaft nachlassen, wenn Angst die Hauptmotivation für Leistung ist.

Im nächsten Schritt zeigt Dalrock, dass das System des Kindesunterhalts ebenfalls ein angstbasiertes Motivationssystem ist.

The problem we presently face in the West is similar.  While we have a small number of men who have decided to slack off as a form of protest, the far more insidious risk to our economy is the across the board weakening of the incentive that a marriage based social structure creates for men to produce at their full potential.

We’ve moved from a mostly reward based incentive structure to a model the Soviets would have been proud of.

Das Problem, das wir derzeit im Westen beobachten, ist ähnlich. Während es eine kleine Anzahl von Männern gibt, die entschieden hat, sich als eine Form des Protestes [von Ehe und Familie mit Kindern] zurückzuziehen, ist das weitaus heimtückischere Risiko für unsere Wirtschaft die Schwächung des Anreizes, den eine ehebasierte soziale Struktur für Männer schafft, um ihr gesamtes Produktionspotential auszuschöpfen.

Wir sind von einer überwiegend belohnungsorientierten Anreizstruktur zu einem Modell übergegangen, auf das die Sowjets stolz wären.

Hier gebe ich Dalrock insoweit recht, dass Ehe und Kinder tatsächlich ein großer Motivator für Männer sind, mehr zu arbeiten.

Wir hatten das Thema bereits hier im Blog: Männer arbeiten wöchentlich 24 Prozent mehr sobald sie Kinder haben, dabei wollen Väter gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und wünschen sich, weniger arbeiten zu müssen.

Es ist sicher auch so, dass sich Frauen zur Familienbildung eher die fleißigen Ernährer mit hohem oder zukünftig hohem Einkommen wählen. Auch dies ist ein belohnungsbasierter Motivator für Männer sich entsprechend aufzustellen.

Ein sowjetisches Bestrafungsmodell sehe ich hier in Deutschland noch nicht, in den USA ist die Situation auf jeden Fall schon weiter in diese Richtung fortgeschritten.

In Deutschland gibt es den Unterhaltsvorschuss, so dass die Kosten nicht vom Vater, sondern von anderen (hauptsächlich Männern) über Steuern getragen werden.

Das ist zunächst noch ungerechter als in den USA: Ein Unterhaltspflichtiger hatte eine Wahl, es ist sein Kind. Er ist verantwortlich – nicht der Rest der Gesellschaft. Die Mutter hatte ebenfalls eine Wahl und ist ebenfalls verantwortlich. Im Artikel „Allein gelassene Alleinerziehende“ beschreibe ich auch, wie der Unterhaltsvorschuss Fehlanreize zum Schaden des Kindes fördert.

The courts understand that throwing a man out of the home and taking away his children naturally reduces the man’s normal incentive to work to support his family.  How could it not?

It isn’t that most men in this situation will stand by and watch their children starve, but they won’t be motivated to produce quite as much.  You can confiscate a percentage of his income in the form of child support, but he no longer has the incentive to fight his way quite so high up our progressive tax structure.

This is why the courts have to assign the man an income quota he has to meet, Soviet style.  Imputation of income isn’t incidental to the child support family model;  it is essential to the function of the model.

Note that this doesn’t mean the courts have to formally calculate an income quota for each man who ends up in the new child support family structure;  in most cases the man has already assigned himself a quota based on past production.  All the family courts need to do in most cases is make sure he doesn’t fall below this quota.

Die Gerichte begreifen, dass das Herauswerfen eines Mannes aus dem Haus und das Wegnehmen seiner Kinder natürlich den normalen Anreiz des Mannes reduziert, seine Familie zu unterstützen. Wie könnte es anders sein?

Es ist nicht so, dass die meisten Männer in dieser Situation daneben stehen und zusehen wie ihre Kinder verhungern, aber sie werden auch nicht motiviert, besonders viel zu produzieren. Man kann einen Prozentsatz seines Einkommens in Form von Kindesunterhalt beschlagnahmen, aber er hat keinen Anreiz mehr, seinen Weg ganz so hoch auf unserer progressiven Steuerstruktur zu erkämpfen.

Darum müssen die Gerichte dem Mann eine Einkommensquote verordnen, die er erfüllen muss, sowjetischer Stil. Die Anwendung des fiktiven Einkommens ist beim Kinderbetreuungsfamilienmodell kein Zufall; es ist notwendig für die Funktion des Modells.

Es ist zu beachten, dass dies nicht bedeutet, dass die Gerichte für jeden Mann, der in der neuen Kindersunterhalt-Familienstruktur endet, formell eine Einkommensquote berechnen müssen; in den meisten Fällen bekommt der Mann eine Quote auf der Grundlage der vergangenen Produktion zugewiesen. Alles was Familiengerichte in den meisten Fällen tun müssen, ist,  sicherzustellen, dass er nicht unter diese Quote fällt.

Dalrock geht also davon aus, dass Kindesunterhalt letztlich angstbasiert motiviert ist, und dass dies negative Auswirkungen auf die Leistungswilligkeit der Männer hat.

Deshalb meint Dalrock, dass es zwingend notwendig ist, mit vom Gericht festlegten fiktiven Einkommen (statt mit dem realen Einkommen) zu rechnen, weil das System sonst nicht funktionieren würde. Ohne Zwang würde die Leistungsbereitschaft der unterhaltspflichtigen Männer zu weit sinken.

Im Gegensatz zum angstbasierten Motivationssystem Kindesunterhalt – auf Basis fiktiver Einkommen – ist die Familie für Dalrock ein auf Belohnung basierendes Anreizsystem für Männer.

Männer wetteifern nach Dalrock zunächst um die besten Frauen zur Familiengründung, indem sie sich als guter Versorger aufstellen. Das ist belohnungsbasierte Motivation, da größerer Einsatz potentiell mit einer „besseren“ Frau belohnt wird.

Die dann gegründete Familie ist für den Mann ebenfalls belohnungsbasierte Motivation, denn jeder Mehrertrag kommt unmittelbar seiner eigenen Gruppe zugute, die autonom über die Verwendung entscheidet. Der Vater ist dabei integraler Teil der Gruppe und auch an den Entscheidungen zur Verwendung der Mittel beteiligt.

Das deckt sich mit der Erkenntnis, dass Väter zuverlässiger Unterhalt zahlen, wenn sie das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder haben und sie die Kinder häufig sehen. Eine Familie beinhaltet beides und noch mehr.

Getrennte Familien mit Kindesunterhalt wirken sich laut Dalrock negativ auf die Steuerbasis aus, da mit jedem entsorgten Ehemann ein weiterer Mann nur noch angstbasiert motiviert wird. Die realen Zahlen stützen die These, dass verheiratete Männer sehr produktiv sind.

Da das US-Steuersystem – wie das deutsche – progressiv ist, haben die letzten paar Prozent mehr Lohn die größten Auswirkungen auf das Steueraufkommen.

Auch wenn ich Dalrocks Sicht stark vereinfacht finde (insbesondere seine Wahrnehmung des kommunistischen Russlands), halte ich sie im Grundsatz für richtig. Er bietet eine konsistente Erklärung dafür an, warum Männer im Kontext einer Familie besonders produktiv sind und damit die Allgemeinheit finanzieren.

5 Kommentare zu „Warum Familienväter so produktiv sind“

  1. Mal abgesehen von Deiner unterirdisch populistischen Begriffsfindung zum Familienrecht ( is ja bekannt ), muß ich Dich mal loben.
    Es ist nämlich ziemlich aus der Mode englische Texte zu übersetzen, weshalb ich die meisten ( schon aus Prinzip und Zeitmangel ) gar nicht mehr lese.
    Gerade bei solchen Inhalten, wie dem hier bearbeiteten, tut mir das schon gelegentlich mal leid.
    Würde mich freuen, wenn Du in dem Punkte so weitermachst.

    Gefällt 1 Person

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