Die Verschiebung der Landesgrenze in das Land

An der deutschen und der EU-Außengrenze wird Zuwanderung praktisch nicht mehr kontrolliert. Ohne jede Steuerung strömen Menschen nach Deutschland, die um ein vielfaches krimineller sind, als die deutsche Bevölkerung. Letztlich werden Grenzen aber nicht abgeschafft, sondern nur verschoben – nämlich in Form einer neuerdings verschlossenen Haustür, eines Zaunes um das Haus oder einer Einlasskontrolle, um große Veranstaltungen auf eigentlich öffentlichen Plätzen. Für die, die es sich leisten können, folgen dann Gated Communities wie in den USA.

Das ist auch wieder nicht recht:

In den USA werden bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch von den Kommunen ausgegrenzt. „Wohlhabende Gemeinden verbieten etwa den Bau von Mehrfamilienhäusern, um den Zuzug sozioökonomisch schwächerer Haushalte zu verhindern“, weiß Glasze. Die Ansiedlung einer Gated Community dagegen wird vielfach begrüßt, weil sie ein finanzstarkes Publikum anzieht. Die Ursache liegt im Steuerrecht: Die Kommunen in den USA beziehen ihre Einnahmen vor allem aus Immobiliensteuern.

Die gemeine Mittelklasse grenzt grundlos „bestimmte Bevölkerungsgruppen“ aus. Dass die Ursache dafür ausschließlich im Steuerrecht liegt, ist eine naive Annahme. Es liegt auf der Hand, dass die bisherigen Einwohner auch kein Interesse daran haben, sozioökonomisch schwächere Haushalte in ihrer Nachbarschaft zu haben. Arme Bevölkerungsschichten drücken die Immobilienpreise und bringen Kriminalität mit.

Empirische Untersuchungen der Experten für Städtebau Edward Blakely und Mary Gail Snyder belegen auch für die USA: Sicherheit ist bei 70 Prozent der Bewohner das entscheidende Kriterium für ein Leben in der Gated Community.

Noch Fragen? Wenn sich Kriminelle im Land frei bewegen dürfen, zieht man sich hinter eine sichere Grenze zurück. Bald auch in Ihrer Nähe.

Die Autorin des Artikels trägt ihre moralische Überlegenheit deutlich vor sich her:

Die Journalistin KATHRYN KORTMANN genießt es, in einem sozial durchmischten Berliner Kiez zu leben.

Oh ja, das fühlt sich gut an. Als Mieter leicht zu sagen, als Eigentümer reduziert bereits Graffiti den Wert der Immobile – für die man sich auf Lebenszeit verschuldet hat und aus der man nicht so ohne weiteres wegziehen kann.

„Auch ‚abgeschirmtes Wohnen‘ , wie wir solche Projekte nennen, fördert die gesellschaftliche Spaltung“, sagt Harlander. Soziale Mischung, bedauert er, scheint gegenwärtig kaum eine Chance zu haben.

Ganz klar: Abgeschirmtes Wohnen fördert die Spaltung der Gesellschaft, nicht etwa die Kriminellen und andere Typen, neben denen keiner Wohnen möchte:

Schlaflose Nächte, Gepöbel, mutwillige Zerstörungswut haben mich aus dem Kiez getrieben. Kot, Scherben, Kotze – das ist, was mir in Erinnerung bleibt vom Leben als Nachbar des alternativ autonomen Wohn- und „Kulturprojekts“ Rigaer 78. […]

Nacht für Nacht aggressiv aufgeladenes Gebrüll: Der eine Punk schreit – je später, desto Sternburger – den anderen an. Man wirft die Flaschen wahlweise aufs Pflaster oder sich gegenseitig an den Kopf. Das Ganze geht bis zum morgen, bis keiner mehr stehen kann. Unterlegt mit Bassgewummer, jedes Mal wenn die Tür der Kneipe „Abstand“ sich öffnet, weil einer reingeht. Oder wenn einer rauskommt. Um in unseren Hauseingang zu pissen. Oder auf den Treppenabsatz zu kacken. Manchmal schläft auch einer darüber ein. Wacht vielleicht auf, wenn morgens die werktätigen Spießer auf dem Weg zur Arbeit über ihn hinwegsteigen – und ruft den Frauen ein röhriges „Ey, Scheiß-Yuppie-Schlampe“ hinterher.

Gerade in Berlin gibt es zahlreiche Gründe, besser hinter einem Zaun zu leben:

Berlin stinkt zum Himmel: An allen Ecken und Enden der Hauptstadt türmt sich der Abfall. Immer mehr wilde Müllkippen verschandeln den Kiez. Die Bewohner sind genervt, das Ordnungsamt und die Stadtreinigung personell unterbesetzt und hoffnungslos überfordert.

Allein 25.000 Kubikmeter illegalen Sperrmülls müssen sie jedes Jahr entsorgen, das entspricht zehn Schwimmbecken, randvoll, und kostet 5 Millionen Euro: Geld, das die Allgemeinheit zahlen muss!

Das ist mir ja völlig unverständlich, warum sich die Mittelschicht davon abgrenzen möchte. Kathryn Kortmann scheint es zu genießen im Abfall anderer Menschen zu leben und dafür auch noch zu zahlen.

In Berlin kann man genau beobachten, was passiert, wenn sich „sozioökonomisch schwächere“ Gruppen einfinden:

Am Straßenrand und in den Grünanlagen liegen Lumpen, Bauschutt, Matratzen, alte Stühle, Eimer, Decken.

Noch schlimmer sieht es auf einem Privatgrundstück an der Ecke Treptower und Heidelberger Straße aus. Solange es warm war, hatten Sinti und Roma dort ihre Zelte aufgeschlagen. Die Zelte sind weg, aber der Rest, wie Hausrat, Decken, Kissen, Kinderwagen, ist geblieben. Jürgen Gruber hat sich vergeblich an die Ämter gewandt. Mittlerweile haben sich Ratten in dem Unrat angesiedelt. […]

Es sei mit Sorge beobachtet worden, wie das Grundstück als Übernachtungsort für obdachlose Menschen aus Südosteuropa genutzt wurde, heißt es aus dem Bezirksamt.

Auch die Rattenplage sei bekannt, man verstehe jeden, der sich darüber beschwert.

Dabei ist es egal, ob die Sinti und Roma oder die obdachlosen Menschen aus Südosteuropa ganz harmlose Menschen sind, die nichts böses im Schilde führen. Die Nachbarschaft muss mit den Folgen leben und die Konsequenzen tragen. Immobilien verlieren ihren Wert, es wird weniger investiert. Es ist schmutzig. Ratten bringen Krankheiten.

Ist es also nicht nachvollziehbar, dass sich die Mittelschicht davor fliehen möchte und in den USA in Gated Communities zieht?

Noch einmal Berlin, dann lass ich es, versprochen:

Schlammartig liegt eine Schicht menschlicher Exkremente in den Ecken, verwaschen von Urin und Regenwasser. Beißender Gestank sticht in die Nase.

Na, wo ist das? Vielleicht in einem Slum in Afrika? Oder doch in Berlin? Richtig! Berlin.

„Das Problem mit menschlichen Fäkalien und Urin ist Ausdruck von sozialen Problemen und Verhaltensproblemen der sich dort aufhaltenden Menschen, ob von obdachlosen Menschen oder von Partygästen.“

Möglich sei eine Übertragung von Krankheiten über die dort vorkommenden Ratten […]

Tut mir leid. Ich muss mein Versprechen brechen, es geht weiter mit Berlin:

Beschränkt sich das Kot- und Ratten-Problem allein auf den U-Bahnhof Warschauer Straße? Nein, schreibt Angelika D. „Hab es auch schon an anderen Bahnhöfen erlebt. Besonders am Heidelberger Platz ist der untere Aufzug echt besch…den“, schreibt sie.

Auch Aufzüge an anderen Bahnhöfen würden regelmäßig als Toilette missbraucht, schreibt Diana R., um dann mit einer sehr drastischen Beschreibung fortzufahren.

„Ich hab‘ auch schon ‚Knödel‘ auf Treppen gesehen, die sich ein ‚Passant‘ aus der Hose geschüttelt hat.“

Hahahaha. „Aus der Hose geschüttelt“. Ich kann nicht mehr.

Das sind natürlich Extrembeispiele. Nein, Moment: Berlin ist ein Extrembeispiel. Aber wer gefährdet denn hier die „soziale Mischung“ und „fördert die gesellschaftliche Spaltung“? Sind es diejenigen, die – vielleicht überängstlich – bereits im Ansatz verhindern wollen, dass solche Verhältnisse in ihrer Nachbarschaft normal werden? Oder sind es diejenigen, die in die Aufzüge scheißen die Behinderte oder Familien mit Kinderwagen benötigen?

Damit verabschiede ich mich wirklich aus Kalkutt… äh… Berlin.

Stattdessen, so Harlander, „verstärken sich durch abgeschlossene hochpreisige Angebote die Tendenzen zu einer erzwungenen sozialen Segregation“.

Was für eine Verdrehung der Realität. Wer möchte denn gern viel Geld für Wohnen ausgeben? Diejenigen, die es sich leisten können gehen doch häufig nur aus den preiswerten Vierteln weg, weil die oben beschriebenen Zustände herrschen!

Man schaue sich den Abschnitt „Von der Romantik der Hausbesetzung“ in diesem Artikel an – wer würde in dieser Nachbarschaft leben wollen? Es handelt sich um Staatsversagen, wenn in manchen Vierteln keine normalen Regeln des Zusammenlebens mehr gelten.

Wie arrogant muss man sein, das „erzwungene soziale Segregation“ zu nennen und es auch noch denen in die Schuhe zu schieben, die aus ihren angestammten Vierteln vertrieben werden und die höheren Kosten woanders tragen müssen, damit sie nicht in Scheiße leben?

Wer in die Stadt zieht, möchte Kultur und Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustür nutzen und die Gefahren einer Großstadt möglichst klein halten. „ Urbanismus light „, sagt Kulturgeograph Glasze.

„Light“? Ja was ist denn bitte richtiger Urbanismus? Wenn man die Gefahren einer Großstadt möglichst hautnah erleben will? Was soll das denn bedeuten? Hören die sich eigentlich selbst reden? Gewalt und Kriminalität gehören einfach zur Großstadt dazu, oder was?!

Denn nur wer genügend Kapital hat, profitiert von den neuen desintegrativen Wohnformen, die auf Exklusivität zielen. „Die Adresse symbolisiert zugleich den sozialen Status in der Gesellschaft und grenzt von Mitbürgern anderer sozialer Herkunft ab“, sagt Christine Hannemann.

Die Ursache wird ausschließlich bei denen gesucht, die nicht (oder nicht länger) in Problemvierteln leben wollen.

„Durch entmischte Quartiere“, sagt der Stuttgarter Wohnsoziologe Harlander, „droht letztlich eine Fragmentierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft, in der soziale Verantwortung und Gerechtigkeit sowie Toleranz für den anderen keinen Platz mehr haben.“

Jeder kümmert sich in erster Linie um seinen eigenen Nahbereich, das ist doch nachvollziehbar.

Es wäre die Aufgabe des Staates und insbesondere der Bewohner bestehender gemischter Quartiere diese so attraktiv zu machen, dass man gerne in ihnen wohnt. Aber von den „sozioökonomisch schwächeren“ Gruppen verlangen die linken Stadt- und Wohnsoziologen natürlich nichts. Sie formulieren nicht einmal einfachste Erwartungen. Stattdessen sucht man die Fehler bei denen, die anders leben wollen. Ihnen wird vorgeworfen, sie würden sozial unverantwortlich handeln, ihre Mitbürger ausgrenzen und wären intolerant.

Wie absurd dieser Vorwurf ist, sieht man, wenn man den gleichen Vorwurf auf Armutsflüchtlinge aus anderen Ländern bezieht. Denn natürlich sind die Auswirkungen dort genauso verheerend, wenn leistungsfähige Menschen auswandern um woanders besser zu leben. Ist das nicht ebenfalls eine Fragmentierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft?

In diesem Fall höre ich aber niemanden sagen, dass sie Schuld daran sind, dass die Zurückgebliebenen im Slum leben müssen und deren Kinder weniger Bildungschancen haben.

Auch auf die Bildung haben homogene Wohnviertel unmittelbaren Einfluss. Erst kürzlich hat eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung gezeigt, wie wichtig die Nachbarschaft für den schulischen Erfolg von Kindern ist – und zwar unabhängig vom Elternhaus. Wer in einem guten Umfeld zu Hause ist, kann besser lesen und rechnen. Ein Plädoyer geradezu für die soziale Mischung, die noch zu retten wäre, wie Tilman Harlander meint.

Wieder das gleiche Bild. Kein Verständnis für die, die es besser haben wollen und ihre Kinder nicht in die Schule voller unerzogener, aggressiver, rücksichtsloser, krimineller und gefährlicher Typen schicken wollen.

Für mich lautet das Fazit, dass der Staat das Recht gegen solche Typen durchsetzen sollte, damit die Schulen überall so gut funktionieren können wie in den Schulen „in einem guten Umfeld“.

Ich leite daraus auch ab, dass sich die Eltern in jedem Viertel so um den schulischen Erfolg ihrer Kinder bemühen sollten wie in den guten Vierteln.

Übrigens: Die „Experten“ dieses Artikels, die in den Menschen das Problem sehen, die in sicher leben wollen, haben folgende Berufe:  Kulturgeograph, Wohnsoziologe und Stadtsoziologin.

Alle sind sich einig, dass diejenigen das Problem verursachen, die aus Problemvierteln wegziehen. Kein einziger kommt auf die Idee, die Verantwortung bei denjenigen zu suchen, die die Probleme verursachen oder bei denjenigen Politikern, die solche Zustände zulassen.

Wären sie doch Polizisten geworden. Damit könnten sie Problemvierteln wirklich helfen, statt nur klug darüber zu schreiben.

5 Kommentare zu „Die Verschiebung der Landesgrenze in das Land“

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