Eine feministische Gesellschaft wäre pleite

Vor einiger Zeit habe ich einen Gastartikel bei Geschlechterallerlei geschrieben. Dort kommentierte dann eine Person namens „sharkathotep“. Obwohl ich ihren Stil sehr unsachlich empfand habe ich einmal geantwortet. Auf ihre nächste unsachliche Antwort habe ich dann nichts mehr gegeben.

Als ich mir jetzt noch einmal die Kommentare angeschaut habe, sind mir sharkathoteps Kommentare wieder aufgefallen. Ich kenne sie nicht, glaube aber, dass sie eine Feministin ist. Siehe Kommentare bei Onyx.

In ihren Kommentaren ist mir aufgefallen, dass sie es als selbstverständlich annimmt, dass gesellschaftliche Leistungsträger immerfort, freiwillig und gern Leistungen erbringen. Ich zitiere jeweils Ausschnitte aus den Kommentaren.

Siggi: Aber stellt sich nicht auch die Frage, warum das so ist? Sind diese Leute zufällig auf gut bezahlten Posten? Oder hat es (auch) etwas mit ihrer persönlichen Leistung, ihren persönlichen Entscheidungen und den Opfern die sie erbringen zu tun?

sharkathotep: Es hat etwas damit zu tun, dass sie es sich leisten können, auf solchen Posten zu sein, weil sie jemanden haben, der ihnen den Rücken freihält. Der ihre Kinder (mit)betreut. Der sich um die Sachen kümmert, um die sie sich nicht selber kümmern können, aus Zeitgründen. Und damit, dass sie gefördert werden.

In sharkathoteps Welt wird dem Leistungsträger seine Leistung gar nicht mehr zugerechnet. Der Bauarbeiter, der wochenlang auf Montage ist um seine Familie zu ernähren, der Manager, der seinen arbeitsintensiven Karriereweg auch deshalb beschritten hat, damit es seiner Familie einmal besser geht, der Single, der sich für den schwierigen technischen statt sozialen Beruf entschieden hat, damit er mehr Geld verdient – in sharkathoteps Welt verdanken sie ihre Stellung nur ihrer Frau, weil sie ihnen den Rücken freihält.

Dabei ist es genau anders herum: Vaterschaft und Familie scheinen für Männer ein erheblicher Anreiz zu sein, mehr zu leisten, das sieht man deutlich in der Entwicklung der Wochenarbeitszeit (Tabelle 2 auf Seite 9): Ein Mann ohne Kind arbeitet im Schnitt 30 Stunden, ein Vater mehr als 37 Stunden. Das sind mehr als 24 Prozent mehr. Jede Woche.

Dabei wollen Väter gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen (gleiche Quelle, Seite 10) und wünschen sich, weniger arbeiten zu müssen (gleiche Quelle, Seite 11).

In meinem Artikel bei Geschlechterallerlei ging es darum, zu zeigen, dass unsere Gesellschaft hauptsächlich durch Familien über Steuern finanziert wird und dass diese Familien dafür Opfer bringen müssen.

Die größere Arbeitszeit von Vätern zu weiter entfernten Arbeitgebern ist eines dieser Opfer, welches Menschen erbringen, damit es ihren Liebsten gut geht.

Männer arbeiten für ihre Familie länger. Gesamtgesellschaftlich hat dies den Effekt, dass Familien mit minderjährigen Kindern neben den Single Männern den größten Beitrag (in Form von Steuern) zum Gemeinwesen leisten.

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Sharkathotep sieht nicht, dass die Gesamtfamilie in Summe viel mehr Steuern zahlt als Alleinerziehende. Ohne Familien bräche die Finanzierung unseres Gemeinwesens zusammen. Eine Gesellschaft von Alleinerziehenden kann nicht existieren.

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Bei Sharkathotep gibt es nur Anspruchshaltung.

Siggi: Genau genommen sind es die männlichen Singles. Die verdienen mehr als die weiblichen Singles. Und auch die sind nicht zufällig auf den gut bezahlten Posten. Die von dir ins Spiel gebrachte Flexibilität bringt sicher Geld, aber auch die erfordert oft persönliche Opfer.

sharkathotep: Das Geschlecht der Singles zu erwähnen, quasi mit dem hoch erhobenen moralischen Zeigefinger, war natürlich SEHR wichtig.
Opfer? Opfer, die zu bringen sie keiner zwingt. Die sie eben bringen, um mehr zu verdienen.

An dieser Stelle findet sharkathotep es falsch, das Geschlecht zu erwähnen.

Natürlich zwingt niemand die Leistungserbringer zu Opfern. Aber was machen wir denn, wenn sich immer mehr Menschen entscheiden, nur noch so viel Leistung zu erbringen, wie sie selbst zum Leben brauchen? In sharkathoteps Welt wird die Leistung erbracht „um mehr zu verdienen“. Sie nimmt das als gegeben an.

Das halte ich für einen Fehler. Für ihre Familien nehmen Männer lange Wege und längere Arbeit auf sich. Für den besseren Fernseher eher nicht. In dem Maße, in dem sich unsere Gesellschaft von der Familie hin zu Singles und Alleinerziehung bewegt, lässt diese Motivation nach. Und damit bröckelt die Steuerbasis der Zukunft und damit unsere Gesellschaft an sich. Dann sind auch die Wohltaten des Sozialstaates für Alleinerziehende nicht mehr finanzierbar.

Die Erosion der Familie zu bekämpfen ist auch in steuerlicher Hinsicht Zukunftssicherung. Das zeigen die Zahlen aus dem Artikel ganz deutlich. Sharkathotep hingegen würdigt Leistung nicht, sie scheint sie nicht einmal als lohnenswert zu empfinden.

Leistung wird als etwas wahrgenommen, von dem man einfach etwas abgreifen kann – ohne dass dies Auswirkungen auf die Motivation der Leistungsträger hätte.

Siggi: Aber es gibt – nach meiner Beobachtung – GAR KEINE Debatte über die Verantwortung derjenigen, die Kinder unter schlechten Bedingungen in die Welt setzen oder die Bedingungen durch Trennung verschlechtern, wenn sie da sind. Wann haben Sie denn zum letzten Mal gelesen, dass Person X einfach mal die Zähne hätte zusammenbeißen sollen, und bei ihrem Partner hätte bleiben sollen, der Kinder wegen? Oder dass X und Y gar kein Kind unterhalten können, vielleicht sollten sie dann auch verantwortungsbewusster handeln?

sharkathotep: Dann sind wir hier bei einer Grundsatzdiskussion. Elternführerschein? Kindesentzug? Denn das Kind kann in keinem Fall etwas dafür. Soll es die Fehler seiner Eltern ausbaden? Sollen wir vielleicht wieder zu einer Gesellschaft werden, in der die Kinder von unfähigen Eltern geächtet werden? Denn dazu könnte es kommen, wenn es eine Schuldfrage gibt.
Und die Zähne zusammenbeißen? Eine Beziehung um des Kindes Willen weiterzuführen, ist für das Kind nicht gut. Im Endeffekt. Habe ich in meinem Umfeld schon ein paar Mal erlebt. Gerade wenn Kinder da sind, ist das Beenden einer Beziehung zumeist keine Entscheidung, die mal so eben getroffen wird, aus dem Bauch heraus. Jedenfalls nicht von demjenigen, an dem die Erziehung des Kindes „hängen bleibt“.

Ich schreibe, dass die Verantwortung derjenigen, die Kinder unter schlechten Bedingungen in die Welt setzen oder die Bedingungen durch Trennung verschlechtern, nicht einmal debattiert werden. Sharkathotep macht daraus, dass ich Eltern ihre Kinder wegnehmen möchte.

Ich bin geneigt auf ihre Frage „Sollen wir vielleicht wieder zu einer Gesellschaft werden, in der die Kinder von unfähigen Eltern geächtet werden?“ zu antworten: „Wir sollten vielleicht wieder zu einer Gesellschaft werden, in der wenigstens nach der Verantwortung der Eltern gefragt wird, wenn Kinder in ungünstige Lebensumstände geraten!“

Warum ist das denn bitte ein Tabu? Wenn es wirklich um die Kinder gehen würde, dann wäre das ganz normaler Teil der Darstellung der Situation. Ich spreche hier nicht von Gesetzesänderungen oder Leistungsentzug, sondern über die gesellschaftliche Debatte.

Siggi: Solche Transferleistungen sind aus meiner Sicht eine moralische Verpflichtung. Aber ist es dann nicht opportun auch bei den Empfängern nach ihrem Beitrag zu fragen, diese Situation zu vermeiden?

sharkathotep: Es ist ein Eingriff in das Leben von Einzelnen. Man könnte auch dicken Menschen, die irgendwann im Lauf des Lebens aufgrund ihres Übergewichts einen Diabetes mellitus Typ 2 oder Gelenksbeschwerden entwickeln, die Krankenkassenbeiträge erhöhen. Oder auch Rauchern. […]
Der Staat kann es sich, denke ich, durchaus leisten, Alleinerziehende zu unterstützen. Ohne hoch erhobenen moralischen Zeigefinger. Die meisten haben sich ihre Situation nicht ausgesucht. Und, wie gesagt, die Kinder können nichts dafür.

Der Staat kann es sich leisten. Genau. Im eigentlichen Artikel geht es gerade darum, dass es eben konkrete Menschen und eben Familien sind, die das finanzieren. Und die unterliegen auch Zwängen und bringen Opfer. Das hat sharkathotep wohl nicht wahrgenommen.

Und natürlich finde ich es opportun, auch Übergewichtige und Raucher in die Verantwortung zu nehmen. Ich finde nur, dass auch dieser Vergleich hinkt. Raucher und Übergewichtige zahlen ja ihre Beiträge zu den Sozialkassen – wenn sie nicht von Sozialleistungen leben. Über individuelle Risikoaufschläge kann man natürlich diskutieren.

Ganz besonders ärgere ich mich über „Die meisten haben sich ihre Situation nicht ausgesucht. Und, wie gesagt, die Kinder können nichts dafür.“

Denn selbstverständlich tragen die meisten eine (Mit-)Verantwortung für ihre Situation. Und die Kinder als Argument zu verwenden ist heuchlerisch. Es sind Alleinerziehende, die die Kinder gefährden.

Sharkathotep ist für mich eine typische Feministin. Feministinnen verleugnen, dass gesellschaftliche Ressourcen erwirtschaftet werden müssen und sehen sich selbst nicht in der Verantwortung, dies zu tun. Ich habe im Artikel gezeigt, dass feministische Lebensmodelle – Single-Frauen und Alleinerziehende – zu wenig erwirtschaften um unser Gemeinwesen zu finanzieren.

Eine feministische Gesellschaft wäre pleite.

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10 Kommentare zu „Eine feministische Gesellschaft wäre pleite“

  1. Gut erkannt, Siggi. Wenn du das tiefgehender verstehen möchtest, dann empfehle ich dir, dich mit der r/K-Selektionstheorie von Anonymous Conservative aus den USA vertraut zu machen. Diese Theorie aus der evolutionären Psychologie erlaubt es zu verstehen wie diese linke und rechte Psychologie bei Menschen zustande kommt und welchen evolutionären Nutzen diese Psychologien haben bzw. an welche Umweltbedingungen sie jeweils eine Anpassung darstellen. Beispielsweise wäre eine feministische Gesellschaft zwar langfristig pleite, aber in Zeiten hoher unselektiver (zufälliger) Lethalität oder bei starkem Resourcenüberschuss hätte sie bessere Überlebenschancen als eine traditionelle Gesellschaft.

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  2. J. Peterson äußerte kürzlich die Vermutung, dass die vorzivilisatorische Aufgabenteilung zwischen Männern und Frauen war, dass Männer für die Produktion (jagd) und Frauen für die Verteilung zuständig waren.

    Das scheint mir aus vielen Gründen plausibel.
    In diesem Fall erklärt es sharks Einstellung, dass bei uns das Geld halt irgendwie aus der Steckdose kommt. Das ist einfach da und muss nur noch „gerecht“ verteilt werden. Mehr versteht sie nicht.

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  3. Dass jedwede im Kern sozialistische / kommunistische Gesellschaft pleite geht, ist klar.

    Am Artikel störte mich eigentlich nur, dass Du so auf „Eltern tragen die Gesellschaft“ rumreitest – natürlich tun Eltern das, das sind auch diejenigen mit dem größten Eigeninteresse. Die stärksten Nettozahler sind aber – also, nach Deiner Grafik – Single-Männer. Die auf Kindergärten die Kindergärten, die sie finanzieren, ganz gut verzichten können, übrigens. Analog übrigens auch auf einen horrenden KV-Beitrag, der die Kinder anderer Leute mitfinanziert.

    Es ist von daher auch verständlich, dass Single-Männer genau wie Männer in einer Ehe ohne Kinder deutlich weniger verdienen als solche mit Kindern – wozu denn auch? Natürlich „bräche die Finanzierung unseres Gemeinwesens ohne Familien zusammen“, aber wenn wir jetzt mal das vielleicht halbe Prozent, was für Polizei draufgeht, beibehalten denke ich, dass der Single-Mann damit ganz gut klar käme. Im Gegensatz zum Rest.

    Freilich ist das aber nicht das, was Du sagen willst.

    Was Du sagen willst ist, dass jedwedes solidarische System ohne reziproke Solidarität nicht funktioniert.

    Dass es menschlich ist, ein Spiel, bei dem man kontinuierlich verliert, wenn der Gegner nicht kooperativ ist, nicht mehr spielen zu wollen – respektive ebenso unkooperativ wird. Da der Staat uns (aus reinem Selbsterhalt) zu diesem Spiel zwingt, hält man halt seinen Spieleinsatz so niedrig, wie es nur irgendwie geht – mit Kindern ist das halt einfach mehr, weil mehr übrig bleiben muss; der Zwang, den sharkdings da so geflissentlich ignoriert, ist für mich vollkommen offensichtlich.

    Aber um auf deren Fragen auch mal einzugehen:

    Wir sollten natürlich nicht die Kinder von unfähigen Eltern ächten. Wir sollten aber die unfähigen Eltern ächten. Denn so, wie es ist, werden die Kinder von unfähigen Eltern behandelt wie verdorbenes Essen. Das ist ein geselslchaftlicher Fehler, der daraus resultiert, dass die Verantwortung – die ja nunmal irgendwer haben muss – nicht klar auf diejenigen geschoben wird, die tatsächlich Schuld tragen. Es wäre daher Aufgabe der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sich diese gesellschaftlich überhaupt nicht wünschenswerte Entwicklung bei den Kindern nicht wiederholt. Freilich muss man den Eltern die Kinder dafür nicht wegnehmen – obwohl das in der Regel eine feministische Forderung ist, Kleinkinderkrippen und Ganztagsbetreuung sind nichts anderes. Beides hätte aber Potenzial, die Kinder zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu formen. Passiert aber auch nicht.

    Ich finde es in der Situation aber immer schön, wenn dann der übliche Raucher-Unsinn kommt. Denn Raucher werden schon besteuert, und zwar deutlich überproportional. Das können wir mirwegen auch gerne mit Kindern machen; braucht man dann halt eine „Kindermarke“, wie bei Hunden. 120€ im Monat, so viel drückt der durchschnittliche Raucher auch ab. Geht auch von Hartz 4 (da rauchen auch viele), es ist also nicht so, als würde man jemandem das Kinder bekommen verbieten. Oder?

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    1. Dass jedwede im Kern sozialistische / kommunistische Gesellschaft pleite geht, ist klar.

      Du hast tatsächlich recht, dass es zwischen Feminismus und Sozialismus tatsächlich große inhaltliche Überschneidungen gibt.

      Am Artikel störte mich eigentlich nur, dass Du so auf „Eltern tragen die Gesellschaft“ rumreitest – natürlich tun Eltern das, das sind auch diejenigen mit dem größten Eigeninteresse.

      Diese Kritik ist berechtigt, aber durch die Entwicklung des Artikels erklärbar. Wie im Artikel bei Geschlechterallerlei beschrieben kam ich von einem anderen Artikel (https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/01/11/allein-gelassen/), in dem ich mich mit der überbordenden Anspruchshaltung von Elisabeth Niejahr für Alleinerziehende auseinandergesetzt habe. Den Artikel bei Geschlechterallerlei habe ich geschrieben um zu zeigen, dass „das Geld für die Alleinerziehenden kommt nicht von einer anonymen Gruppe von Reichen“ kommt, sondern eben häufig von Menschen DIE SELBER Kinder haben.

      Ich habe meinen Fokus darauf gelegt, weil bei Alleinerziehenden immer das Argument „Kinder“ gebracht wird. Diesen moralischen Imperativ wollte ich damit in Frage stellen.

      In https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/01/25/fakten-zum-finanziellen-beitrag-nach-familienstand/ habe ich das dann ausgebaut und dabei den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen bemerkt – auch ohne Kind.

      Die stärksten Nettozahler sind aber – also, nach Deiner Grafik – Single-Männer. Die auf Kindergärten die Kindergärten, die sie finanzieren, ganz gut verzichten können, übrigens. Analog übrigens auch auf einen horrenden KV-Beitrag, der die Kinder anderer Leute mitfinanziert.

      Das stimmt. Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, inwieweit Singles im Gegenzug von Kindern anderer Leute profitieren, direkt über die Rente oder indirekt einfach dadurch, dass die Firma in der man arbeitet junge Mitarbeiter findet oder junge Menschen z. B. Altenpfleger, Soldaten, Polizisten oder Feuerwehrleute werden.

      Es ist zumindest Wahrscheinlich, dass das ein faires Geschäft ist – zumal die Familien ja selbst einen erheblichen Beitrag zahlen. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind, endet die Überdurchschnittliche Leistung ja nicht, diese Familien tauchen dann in der Kategorie „ohne Kind im Haushalt“ auf.

      Es ist von daher auch verständlich, dass Single-Männer genau wie Männer in einer Ehe ohne Kinder deutlich weniger verdienen als solche mit Kindern – wozu denn auch?

      Das ist genau der Effekt, den ich befürchte. Kinder scheinen ein erheblich Ansporn für Männer zu sein, mehr für sich, die Familie und die Gesellschaft zu erarbeiten. Je mehr Männer MGTOW wählen – wofür ich volles Verständnis habe – desto schwieriger ist die Gesellschaft zu finanzieren.

      Natürlich „bräche die Finanzierung unseres Gemeinwesens ohne Familien zusammen“, aber wenn wir jetzt mal das vielleicht halbe Prozent, was für Polizei draufgeht, beibehalten denke ich, dass der Single-Mann damit ganz gut klar käme. Im Gegensatz zum Rest.

      Ja. Finanziell betrachtet zumindest. Die Polizei ist aber auf Nachwuchs angewiesen, der den beschissenen Dienst auf der Straße verrichtet. Ohne Nachwuchs funktioniert das nicht.

      Was Du sagen willst ist, dass jedwedes solidarische System ohne reziproke Solidarität nicht funktioniert.

      Das ist sicher richtig, ist aber nicht das, was ich in diesem Artikel sagen will. Ich habe ja nicht einmal Solidarität von Alleinerziehenden erwartet, sondern nur Eigenverantwortung.

      Wenn ich so etwas hier https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/04/10/jammerfrau-gerechtigkeit-ist-wenn-meine-ansprueche-erfuellt-werden/ sehe, dann verliere ich echt den Glauben in den Sozialstaat. Der Sozialstaat hat das Potential Menschen derart zu deaktivieren, dass die Frau im Beispiel einfach auf ALG-2 bleibt und sich entschließt weitere Kinder in diese schlechten Lebensumstände hinein zu bekommen.

      Diese Lebensumstände sind für Kinder stark nachteilig, also ist unser Sozialstaat in dieser Hinsicht FÜR KINDER NACHTEILIG. Diese Erkenntnis hat mich fassungslos zurückgelassen, als ich den Artikel geschrieben habe.

      Denn so, wie es ist, werden die Kinder von unfähigen Eltern behandelt wie verdorbenes Essen. Das ist ein geselslchaftlicher Fehler, der daraus resultiert, dass die Verantwortung – die ja nunmal irgendwer haben muss – nicht klar auf diejenigen geschoben wird, die tatsächlich Schuld tragen. Es wäre daher Aufgabe der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sich diese gesellschaftlich überhaupt nicht wünschenswerte Entwicklung bei den Kindern nicht wiederholt. Freilich muss man den Eltern die Kinder dafür nicht wegnehmen – obwohl das in der Regel eine feministische Forderung ist, Kleinkinderkrippen und Ganztagsbetreuung sind nichts anderes. Beides hätte aber Potenzial, die Kinder zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu formen. Passiert aber auch nicht.

      Ich bin mir nicht sicher, ob man das überhaupt ausgleichen kann. Schön wäre es. Aber ist das realistisch, wenn Kinder lernen, dass man leistungslos ganz gut leben kann und dafür nicht einmal das Haus verlassen muss?
      (plakatives Extrembeispiel)

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      1. […]Das stimmt. Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, inwieweit Singles im Gegenzug von Kindern anderer Leute profitieren, direkt über die Rente oder indirekt einfach dadurch, dass die Firma in der man arbeitet junge Mitarbeiter findet oder junge Menschen z. B. Altenpfleger, Soldaten, Polizisten oder Feuerwehrleute werden.[…]
        Gut argumentiert. Man kann die Steuerlast zwar als Indikator verwenden, aber man sollte die meist hoehere Belastung durch die Zwangsabgaben fuer Rente, KV, AV, PV nicht vergessen. Wenn der Single sich ueber die laufenden Belastungen fuer anderer Leute Kinder beschwert, sollte er konsequenterweise auch seine Ansprueche an die RV+PV auf Null setzen. Und Single/MGTOW ist ja kein Gesellschaftsentwurf der dauerhaft funktionieren wuerde, sondern eine Gegenmassnahme um sich nicht der fehlgeleiteten derzeitigen Gesellschft total zu opfern.

        […]wenn Kinder lernen, dass man leistungslos ganz gut leben kann und dafür nicht einmal das Haus verlassen muss?[…]
        Das Thema hatte ich in meinem allerersten Bolgartikel:
        https://luismanblog.wordpress.com/2015/11/11/die-moderne-parasitare-gesellschaft-und-der-baldwin-effekt/

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        1. Wenn der Single sich ueber die laufenden Belastungen fuer anderer Leute Kinder beschwert, sollte er konsequenterweise auch seine Ansprueche an die RV+PV auf Null setzen.

          Für einen Mann ist die gesetzliche RV unabhängig von Einkommens- und Lebensumständen immer ein Verlustgeschäft. Frauen hingegen erarbeiten nur 49% des Durchschnittseinkommens, erhalten aber 91% der Durchschnittsrente – das lohnt sich. Muss aber halt jemand bezahlen.

          Und dieses „wer pflegt euch dann, wenn ihr alt seid“ – mei… Leute, die ich dann dafür bezahle?! Ich hätte ja nun eine Menge mehr Geld, wenn ich es nicht vorher für eventuell irgendwann nützlichen Nachwuchs ausgeben hätte müssen.

          „Aber wenn gar niemand mehr Kinder bekommt?“ – ja, dann stirbt die Menschheit halt aus. Ist gut für den Umweltschutz.

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          1. Für einen Mann ist die gesetzliche RV unabhängig von Einkommens- und Lebensumständen immer ein Verlustgeschäft. Frauen hingegen erarbeiten nur 49% des Durchschnittseinkommens, erhalten aber 91% der Durchschnittsrente – das lohnt sich. Muss aber halt jemand bezahlen.

            Das klingt realistisch. Hast du eine Quelle dazu?

            Und dieses „wer pflegt euch dann, wenn ihr alt seid“ – mei… Leute, die ich dann dafür bezahle?! Ich hätte ja nun eine Menge mehr Geld, wenn ich es nicht vorher für eventuell irgendwann nützlichen Nachwuchs ausgeben hätte müssen.

            Geld ist nur ein Versprechen. Wenn niemand da ist, der dein Geld haben möchte, hat es keinen Wert. Das gilt auch für Immobilien, Aktien, Gold, etc. Wenn keine jungen Leute nachkommen und dadurch die Bevölkerung schrumpft, verlieren Immobilen ihren Wert. Firmen, deren Aktien du besitzt werden allmählich wertlos, wenn es keinen Nachwuchs mehr gibt, die das Geschäft aufrecht erhalten.

            Das Versprechen, dass du für Geld Waren und Dienstleistungen kaufen kannst ist nichts wert, wenn es keinen jungen Leute gibt, die es haben wollen und dir dafür ihre Dienste verkaufen.
            Du kannst dein Geld in anderen Ländern anlegen, aber damit lieferst du dich ihrem Rechtssystem aus. Und wie viel die auf das Kapitel von Ausländern geben, wenn es hart auf hart kommt, kannst du z. B, hier sehen: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Icesave&oldid=160590571

            Eine Gesellschaft ohne Nachwuchs dürfte recht schnell instabil werden. Instabile Gesellschaften tendieren dazu ihre Versprechen nicht einhalten zu können.

            „Aber wenn gar niemand mehr Kinder bekommt?“ – ja, dann stirbt die Menschheit halt aus. Ist gut für den Umweltschutz.

            Eine fatalistische Einstellung. Ich nehme mal an, dass das ironisch gemeint ist. Für diejenigen, die das erleben dürfte es nicht ganz so erbaulich sein.

            Ergo: Auch Singles profitieren von Kindern die zu produktiven Erwachsenen heranwachsen. Und das leisten vor allem Familien.

            Dazu:
            https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/01/15/alleinerziehend-auswirkungen-auf-die-kinder/
            https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/03/27/feminismus-versagen-ist-glueck/
            https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/02/26/feministische-erziehung-so-gut-wie-ihr-ruf/

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            1. Das klingt realistisch. Hast du eine Quelle dazu?

              Jein. Ich habe das vor ein paar Wochen selbst aufbereitet, fand es aber dann zu langweilig für eine Publikation. Aber gut, here you go: http://wp.me/p5hGPc-xe

              Geld ist nur ein Versprechen. Wenn niemand da ist…

              Freilich ist in der ultimativen Sicht eine attraktive junge Tochter „werthaltiger“ als sonstige Anlagen; mir ging es aber mehr um die aktuelle Situation, in der es (nicht von Dir) so dargestellt wird, als würden Kinderlose „zu wenig“ beitragen, aber Kinderhabende automatisch einen Beitrag leisten. Mein Punkt ist, dass es genauso ein Beitrag sein kann, den Kindern der Anderen einen Job bieten zu können, weil man z.B. eben Werte angespart hat, wohingegen Kinder per se vollkommen nutzlos sind, wenn sie denn keinen werthaltigen Beitrag leisten können.

              Es ist von daher auch als Kinderloser in meinem Interesse, ein ordentliches Schulsystem zu haben, aber mein Interesse daran, Sozialhilfeempfängern ihre Kita-Plätze zu zahlen, hält sich in sehr engen Grenzen – um da mal die Extrema zu nennen.

              Und dass Gesellschaften instabil werden, halte ich für eine Tatsache auf Naturgesetzebene. Was da der Auslöser dafür ist, sei egal – fehlender Nachwuchs mag ein Grund sein; unqualifiziert-unbrauchbarer Nachwuchs ist aber sicher nicht besser. Ich habe also zwar ein grundsätzliches Interesse an Nachwuchs, damit meine Werte noch Werte sind, aber das setzt voraus, dass die kommende Generation einen Gegenwert bieten kann – was mein eigentlicher Punkt ist.

              Die Island-Geschichte… mei, ich hatte gerade so zufällig kein Geld bei Kaupthing Edge, weil ich zu faul war, zur Post zu gehen, aber bis zu einem gewissen Anlagebetrag hat ja nun mein Staat für das Geld garantiert, und das bekamen ja nun alle wieder. Dass die Isländer den Unsinn nicht mitmachen wollten verstehe ich gut; ich hätte analog auch gerne darüber abgestimmt, ob wir die Schulden der Griechen bezahlen wollen. Den Isländern geht es mit ihrer „fickt euch doch“ – Lösung übrigens nicht wirklich schlecht.

              Eine fatalistische Einstellung. Ich nehme mal an, dass das ironisch gemeint ist. Für diejenigen, die das erleben dürfte es nicht ganz so erbaulich sein.
              Ergo: Auch Singles profitieren von Kindern die zu produktiven Erwachsenen heranwachsen. Und das leisten vor allem Familien.

              Im letzten Punkt wollte ich Dir nie widersprechen und werde das nie tun, aber der zentrale Punkt ist halt „produktiven“, nicht Kindern per se. Dass Kinder von Alleinerziehenden überdurchschnittlich kriminell sind, um nur einen der vielen „unproduktiv“-Punkte, bei dem ich mir halt 100% sicher bin, zu nennen, spricht auch aus meiner Perspektive natürlich gegen Alleinerziehende. Ich halte es nur für falsch, dass zu generalisieren – auch „funktionierende“ Familien erzeugen kriminelle Kinder, von zweiter-Generation-Hartzern gar nicht mal angefangen.

              Es ist halt immer falsch, von der Generalisierung auf den Einzelfall zu schließen (das wäre mehr oder weniger quasi-Rassismus), aber das gängige Bild ist ja nun eher das, dass man wegen einer Generalisierung Einzelfälle nicht mehr beurteilen solle, was einfach nur Unsinn ist – nicht Du, um das nochmal explizit zu betonen; ich denke nur, dass Du am Kern des Problems vorbeiredest.

              Und der Kern, den ich sehe, führt halt zu einer sehr fatalistischen Einstellung – politische Handlungen sind immer ein slippery slope gewesen, und jedwede „wenn wir x machen, wohin soll das noch führen“ wurde durch die Realität eines schlechteren belehrt.

              Einer Deiner zentralen Punkte war ja nun, dass „Je mehr Männer MGTOW wählen – wofür ich volles Verständnis habe – desto schwieriger ist die Gesellschaft zu finanzieren“ – und dazu habe ich immer noch nicht mehr zu sagen als „dann sollte sich da die Gesellschaft darüber Gedanken machen, nicht die MGTOW anmeckern“.

              Ich habe auch vollstes Verständnis für alle Eltern, die durch die ebengleichen Belastungen durch – meines Erachtens – absolute Fehlallokationen echte Probleme haben. Ich aber möchte in diese Welt, so wie sie ist, schlicht kein Kind setzen, weil ich davon ausgehe, dass es schon für mich scheiße wird. Wenn das andere Leute anders sehen, ist das ihre freie Entscheidung, aber mit der möchte ich bitte möglichst wenig am Hut haben. Ich möchte also nicht ein Übel (alleinerziehende Totalversager) gegen ein anderes Übel (familiäre Totalversager) eintauschen. Was eine Generalisierung aber mit sich zieht – wie erwähnt, „produktiv“ ist das Stichwort. Auf eine junge Generation jammernder Grafikdesigner (https://luismanblog.wordpress.com/2017/06/21/heulsuse-mit-master-abschluss/) kann ich wirklich verzichten. Und Du auch. Und alle anderen auch.

              Ich möchte aber jetzt bitte nicht so wirken, als würde ich Deinen Bemühungen contra Alleinerziehenden irgendwelche Steine in den Weg werfen wollen – im Gegenteil. Das wäre zumindest ein Anfang. Es wird halt nur nicht reichen.

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